Veröffentlicht in Reise-Weise

SKOPJE – Aufschwung, oder „es ist alles nur geklaut“?

Es gibt viele Leute, die die großen Dinge tun können. Aber es gibt sehr wenig Leute, die die kleinen Dinge tun wollen. Hl. Mutter Teresa (1910 – 1997)

Von Skopje, der Hauptstadt Mazedoniens, habe ich natürlich schon gehört, aber wenig darüber gewusst und auf der Liste meiner gewünschten Reiseziele kam sie ehrlich gesagt nicht wirklich vor. Nicht einmal auf unserer heurigen Balkan-Rundreise war sie als Highlight eingeplant. Da die Halbstarken und ich auf der Fahrt vom Ohridsee nach Pristina aber quasi durch Skopje durchfahren mussten, bot es sich an, doch dort Rast zu machen und Mittagessen zu gehen. Und vielleicht kurz ein bisschen durch zu bummeln. Nun, was soll ich dir sagen? Aus dem „kurz“ wurde gar nichts und Skopje einfach so links liegen zu lassen, wäre ein wirklicher Fehler gewesen und auch wenn ich mir immer noch nicht ganz sicher bin, ob mir Skopje wirklich gefallen hat, beeindruckt hat es mich durch seine Besonderheit sehr wohl.

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Das Archäologische Museum – und davor die „Bird-Eye-Bridge“

Es stimmt wohl schon, bis vor wenigen Jahren war die Stadt eher herunter gewirtschaftet und grau. 2008 gab es einen Regierungswechsel und  unter dem Titel „Skopje 2014“ begannen in den Folgejahren umfassende Renovierungsarbeiten im Zentrum der Stadt. Eine Menge Geld wurde investiert – man spricht von Zahlen zwischen 600 und 800 Mio Euro – um die Stadt auf Vordermann zu bringen. Denkmäler wurden errichtet, baufällige Gebäude wurden fertiggestellt und die ursprünglichen Bauten aus der jugoslawischen Zeit wurden teilweise mit neuen Fassaden verkleidet. Dieses Projekt ist nicht ganz unumstritten, Kritiker meinen, es gäbe genug Bereiche im Land, deren Verbesserung mit einer Finanzspritze möglich gewesen wäre und die für die Bevölkerung mehr Nutzen gebracht hätten.

Nichtsdestotrotz – für Besucher hat Skopje seitdem einiges zu bieten. Zentrum der Stadt ist der Makedonija-Platz, in dessen Mitte ein Brunnen mit einer riiiiesigen Statue von Alexander dem Großen umgeben von etlichen Löwenskulpturen ziert.IMG_3544

Für die Mazedonien ein Denkmal für ihren bedeutendsten Herrscher – für uns eine herrliche Erfrischung (es hatte 35°C als wir Skopje unsicher machten – da kam jede Abkühlung, und waren es nur ein paar Wasserspritzer aus einem Brunnen, gerade recht) und ein toller Ort zum Fotoshooting…

Apropos bedeutender Herrscher? Weißt du eigentlich, wer die berühmteste Tochter der Stadt war? Genau! Die Hl. Mutter Teresa! Ihr zu Ehren wurde ein eigenes Gedenkhaus an der Stelle errichtet, an der früher die Kirche stand, in der sie getauft wurde. Davor steht eine lebensgroße Statue und in der Stadt verteilt hängen überall Gedenktafeln mit Aussprüchen der klugen Frau.

Überhaupt scheint Mazedonien ein bisschen ein Faible für Statuen und Gedenkstätten zu haben, es wimmelt in der Stadt nämlich gerade so von Skulpturen. Im … Park reiht sich eine Statue an die andere, jeder, der irgendwann in der Geschichte Mazedonien eine Rolle gespielt hat, scheint dort vor zu kommen. Gekrönt wird das Ganze noch von einer Art „Triumphbogen“, der jedoch auch erst vor wenigen Jahren erbaut wurde.IMG_3538

Die Stadt erweckt auf den ersten Blick den Anschein einer langen Geschichte. Das stimmt auch, die Gebäude dort sind jedoch alle ziemlich neu, die Altstadt wurde bei einem Erdbeben … nämlich fast gänzlich zerstört und erst danach wieder aufgebaut.

Das imposanteste Gebäude ist das Archäologische Museum auf der Seite der Altstadt  (Vorsicht: montags ist es geschlossen!), den Vardar kann man direkt durch die „Bird Eye Bridge“ davor überqueren – insgesamt ein schönes, vielleicht sogar etwas übertrieben wirkendes Ensemble, das ebenfalls auf „alt“ macht, aber neu ist.IMG_6148

Gleich neben der Brücke befindet sich auf der einen Seite die alte Steinbrücke, das wirkliche Wahrzeichen Skopjes, auf der anderen Seite die „Art Bridge“, deren Skulpturen von verschiedenen Künstlern Mazedoniens gestaltet wurden. Lauter Männer übrigens… da kann man, auch ohne allzu emanzipiert wirken zu wollen, ein bisschen drüber nachdenken… IMG_3589IMG_3607

Die Tatsache, dass durch das Projekt „Skopje 2014“ so viele neue Gebäude errichtet bzw. ältere Bauwerke „verkleidet“ und das Stadtbild dadurch einschneidend verändert wurde, hat der Stadt übrigens den Titel „Mazedonisches Disneyland“ eingebracht und die Vergleiche mit anderen Städten wie Prag (die Brücke), Paris (der Triumphbogen) oder London (die Festung und die vielen roten Doppeldeckerbusse, die durch die Stadt fahren) sind nicht ganz von der Hand zu weisen – und auch durchaus nicht unumstritten.

Sehr authentisch ist jedoch die wirkliche Altstadt Skopjes auf der anderen Seite des Vardars mit ihrem alten Bazar. Enge Gassen und kleine Geschäfte versprühen ein ganz eigenes Flair und erinnern an die osmanische Herrschaft in der Stadt, nichts hier wirkt so perfekt wie auf der Neustadt-Seite.

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Ursprünglich ein Hamam – heute ein Museum

 

Man findet Moscheen und Hamams, und viele Cafés und kleine Restaurants laden zum Verweilen ein, die Leute sind gastfreundlich und redselig.

Wir haben die Gemütlichkeit dort genossen, mussten wir doch aufgrund der Hitze alle paar Schritte irgendwo auf ein Getränk einkehren. Hübsch ist auch die alte Karawanserei  Pivnica-An mit ihrem schönen Innenhof – leider waren wir nach einem Besuch in der Pizzeria „La Terrazza“ (die Halbstarken wären wohl verhungert, hätten sie nicht auf der Stelle eine ordentliche Pizza bekommen…) unweit des Makedonija-Platzes – viel zu satt, um noch etwas zu essen.

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Karawanserei Pivnica-An

Zu den ursprünglich erhaltenen Sehenswürdigkeiten zählt auch die Burg Kale, die hoch über der Stadt thront und einen herrlichen Ausblich bis weit ins Land hinein bietet. Ein bisschen erinnert die Architektur an den Tower in London. Der Eintritt ist übrigens frei, es lohnt sich daher auf jeden Fall ein kurzer Abstecher in die Festung.

Wie gesagt, Skopje hat einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen. Auf den ersten Blick einen sehr, sehr positiven, bei näherem Hinsehen durchaus einen, den man überdenken muss. Ein Abstecher hat sich aber auf jeden Fall gelohnt und uns sehr überrascht.

Mein Skopje-Tipp: Unbedingt in einem der vielen kleinen Cafés in der Altstadt einkehren und von dort aus das Basar-Leben und das pulsierende Treiben beobachten.

Warst du auch schon in Skopje? Ich freue mich über deine Eindrücke und Tipps für diese Stadt!

Viel Schönes haben wir auf unserem Roadtrip auf dem Balkan erlebt. Komm doch mit mit uns und hol dir Inspirationen für deine eigene Reise:

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