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SIEBENBÜRGEN – auf den Spuren von Graf Dracula

„Der glücklichste Mann, der auf Erden wandelt, ist jener, der seine wahre Liebe findet.“ (aus dem Film „Bram Stoker’s Dracula“)

Eine der schönsten Gegenden Rumäniens ist definitiv Siebenbürgen. Das kann ich mit Gewissheit behaupten, haben die Halbstarken und ich doch im letzten Sommer während unserer Osteuropa-Tour Rumänien 2 Wochen lang unsicher gemacht. Und wir sind dort auf einen Gesellen gestoßen, der uns ganz schön das Fürchten gelehrt hat: Graf Dracula! Aber gab es den auch wirklich?

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Foto: Wikipedia

Ja! Graf Dracula, oder Vlad III.Draculea, lebte tatsächlich in der Walachei. 1431 wurde er in Schäßburg (Sighisoara) geboren und er muss ein ziemlich blutrünstiger Genosse gewesen sein, lieferte er sich doch wilde Kämpfe gegen das Osmanische Reich. Es heißt auch, dass er eine besondere Vorliebe für Hinrichtungen durch Pfählung hatte, was ihm auch noch den Beinamen „Tepes“, der Pfähler, einbrachte. Das rumänische „drac“ bedeutet übrigens Teufel – kein Wunder also, dass sein Ruf nicht der Beste ist. So wirklich berühmt wurde Graf Dracula allerdings erst durch den Roman „Graf Dracula“ des irischen Schriftstellers Bram Stroker, der seine Geschichte niederschrieb.

Diese Hintergründe reichten aus, um meine Reisebegleiter neugierig zu machen. Will man mit Teenagern etwas besichtigen, ist das ja auf den ersten Blick nicht immer ganz so einfach und bedarf manchmal guter Argumente. Graf Dracula war jedoch ein herrliches Lockmittel um allerlei Orte und Schlösser in Siebenbürgen aufzusuchen.

Begonnen haben wir unseren Trip ja in Hermannstadt (Sibiu), der Hauptstadt Siebenbürgens. Die ist wunderschön und wir hatten sogar das Glück, dort an einem großen Siebenbürger-Treffen teilnehmen zu können. Doch davon will ich euch ein anderes Mal mehr erzählen, für Sibiu lohnt sich auf jeden Fall ein eigener Artikel.

Erster Halt unserer „Jagd“ nach Graf Dracula war Schäßburg, oder auf rumänisch Sighisoara. Historisch bedingt spielt Deutsch dort ja immer noch eine große Rolle und so hatten wir keinerlei Verständigungsprobleme und konnten uns sehr sanft an das Rumänische gewöhnen und uns für unsere Weiterreise in andere Landesteile wappnen.IMG_1369

Sighisoara ist eine hübsche kleine Stadt mit engen Gässchen und Pflasterstein-Straßen und man ist dort mächtig stolz auf den offenbar berühmtesten Sohn der Stadt. Alles hier dreht sich um den Grafen – vom Dracula-Cafe, über das Vlad Dracul Restaurant bis zum Dracula-Haus findet sich alles, was man mit ihm in Verbindung bringen kann. Souvenirs über Souvenirs, wohin das Auge reicht, und man wirbt hier sogar mit den Geschäften bzw. Lokalen, in denen Graf Dracula NICHT war…IMG_1384

Ein ziemlicher Touristennepp, der groß aufgezogen ist und auf den wir leider auch hineingefallen sind, ist das Gruselkabinett direkt auf der Piata Cetati. Teenies sind ja anfällig für solche Pseudoattraktionen und ich bin schnell mal überredet, etwas auszuprobieren. Man darf für teures Geld etwa 5 min durch eine Art abgedunkeltes Labyrinth durchgehen und sich grausliche Masken ansehen. Sonst passiert dort nichts. GAR nichts.

Abgesehen von Dracula-Hype hat Sighisoara aber auch vieles zu bieten. Eben die kleinen, idyllischen Gässchen, durch die es sich herrlich flanieren lässt, eine Mischung aus Gotik, Barock und Renaissance prägt das Stadtbild und hat Sighisoara einen Platz in der Liste der UNESCO Welterbestätten eingebracht.IMG_4805

Auffälligste Sehenswürdigkeit ist der Stundenturm, dessen Uhr nur einen Stunden- jedoch keinen Minutenzeiger hat. Er ist jedoch nicht der einzige seiner Art, insgesamt 9 (von 14) Türme sind in der kleinen Stadt noch erhalten und sie alle sind unterschiedlichen Zünften zuzuordnen; so fanden wir zB den Schmiedeturm, den Schusterturm, den Scheiderturm oder den Kürschnerturm. Meine Reisegefährten hatten Spaß daran, sie alle, soweit halt möglich, zu erklimmen!

Hoch über der Stadt liegt auf dem sogenannten Burgberg die Burgkirche und die deutsche Schule, umgeben von einem recht idyllischen Friedhof. 175 Stufen (wir haben sie gezählt) führen über eine überdachte Treppe nach oben und man sollte diese kleine Mühe wirklich auf sich nehmen – der Ausblick von oben ist phänomenal!

Und ist man von den vielen Stufen schließlich müde und erschöpft, lohnt sich eine kleine Pause im Café International, wo man mit herrlichem Kuchen verwöhnt wird, vorausgesetzt, man kann sich mit der Selbstbedienung dort anfreunden. Gerade das Richtige für eine kleine Stärkung und durchaus preisgünstig, obwohl am 1. Platz der Stadt gelegen.

Weiter ging unsere Tour dann zu dem klassischen Dracula-Ort schlechthin: Zum Schloss Bran. Ob der Graf dort wirklich gelebt hat, ist zwar umstritten, das rumänische Tourismusamt hat das Schloss jedoch so gut vermarktet, dass man eigentlich kaum Zweifel daran haben kann. Und wenn’s doch nicht so war, dann ist die Geschichte zumindest gut erfunden und das Schloss entspricht in etwa dem, was man sich nach der Lektüre von Bram Strokers Roman unter der Burg Draculas vorstellt. Eine Top-Location, sozusagen…

Das fanden im übrigen auch die vielen anderen Touristen, die wir dort angetroffen haben. Die Warteschlange zur Kasse war lang, es ging dann aber auch relativ zügig voran. Durch den idyllischen Schlossgarten wanderten wir – ein bisschen Gemecker inklusive, schließlich war es wirklich, wirklich heiß an diesem schönen Augusttag – nach oben und wurden, kaum dass wir das Schloss betreten hatten, in eine andere Zeit versetzt.IMG_1458Türmchen, Balkone, enge Schleichwege, knarrende Gänge. Also wenn das nicht authentisch war. Der Schlosshof mit dem tiefen Brunnen hätte glatt auch für Dornröschen gepasstVersion 2 – es war wirklich märchenhaft und hat uns alle 4 restlos begeistert. Einzig störend war, dass es teilweise wirklich ein Gedrängel gab und es uns nicht so wirklich gelang, mal kurz innezuhalten und das Ganze ungestört auf uns wirken zu lassen. Wäre man alleine dort, ich glaube, man könnte sich so richtig gruseln!IMG_4877

In einem Atemzug mit dem Schloss Bran wird auch das Schloss Peles genannt, wenn man sich auf Dracula-Tour macht. Wobei… alles kann man uns auch nicht für wahr verkaufen und meinem Hobby-Historiker Leonhard ist natürlich gleich aufgefallen, dass das zeitlich überhaupt nicht zusammen passt, stammt dieses Schloss doch aus dem späten 19. Jahrhundert. Aber es ist absolut sehenswert und für mich eines der schönsten Schlösser, die ich überhaupt je besucht habe.IMG_1543

Hoch über der kleinen Stadt Sinaia thront es auf einem Hügel und es ist so entzückend und verspielt, dass man sich kaum daran sattsehen kann. Eine Mischung aus Gemäuer und Holz, mit Türmchen, Balkönchen und unendlichen Verzierungen. Wunderschön! Der Schlossgarten beherbergt unzählige Brunnen und Skulpturen und ist mit einer Vielzahl an Blumen geschmückt.

Auch innen hat das Schloss einiges zu bieten, besteht doch das gesamte Interieur aus Holz, ist verschnörkelt und verspielt. Leider waren die Halbstarken und ich ein bisschen in Zeitnot, weshalb wir keine Führung machen konnten, bei meinem ersten Besuch vor ein paar Jahren bin ich allerdings auch innen durchmarschiert und war begeistert.IMG_1541

Das war natürlich bei weitem nicht alles, das Siebenbürgen zu bieten hat, aber es waren die wichtigsten Stationen auf unserer Dracula-Jagd. Waren wir erfolgreich? Nun ja… „Der Kavalier genießt und schweigt“, heißt es ja so gerne – und ungefähr so wollen wir es auch halten. Aber das ist auch gar nicht so wichtig… wir hatten eine tolle Zeit während unserer Suche nach dem Grafen, und das ist es doch, was zählt, oder? Siebenbürgen bietet übrigens noch viele weitere entzückende Städte, über die ich euch später erzählen werde, Klosterburgen, die in ihrer Art einzigartig sind und eine Geschichte, die uns näher steht, als wir denken. Bist du neugierig darauf?? Stay tuned!!

Und falls du in der Zwischenzeit schon Lust auf mehr Impressionen von Rumänien hast: wie wäre es mit einem Abstecher ans Donaudelta?

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ISRAEL – und plötzlich bin ich bibelfest

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Drum nähme ich den Stock und Hut und tät das Reisen wählen. Matthias Claudius (1740-1815)

Hallo, ihr Lieben!

Ich habe ein neues Land entdeckt! Also, natürlich nicht weltgeschichtlich gesehen – aber für mich. Meine kleine Welt hat sich erweitert – um ein Land das ich schon lange mal bereisen wollte, das mich irgendwie faszinierte, obwohl ich es gar nicht kannte und von dem man immer wieder in den Medien hört, wenn auch nicht immer aus erfreulichen Gründen. Israel! Eine Jahrtausendelange Geschichte verbirgt sich hinter diesem Land – und die wollte doch erforscht und entdeckt werden, oder?

Auch wenn meine Freundin Lisi und ich nur 4 1/2 Tage Zeit für dieses Projekt hatten, wir wollten es drauf ankommen lassen und einfach das von Israel sehen, das sich in dieser kurzen Zeit machen ließ. Jerusalem war Pflichtprogramm – alles weitere war flexibel. Dachten wir. Bei der Lektüre unseres Reiseführers stellte sich nämlich sehr bald heraus, dass Israel eine Menge zu bieten hat, das wir unbedingt sehen wollten. Aus „nur Jerusalem ist Pflicht“ wurde schließlich „ich will auch nach Haifa und zum See Genezareth und nach Bethlehem und nach Akko….“ – und so haben wir die Idee geboren, doch einen Mietwagen zu nehmen.IMG_9954

Noch ein bisschen komplizierter gestaltete sich unsere Planung, als wir rausfanden, wie man es in Israel mit den Feiertagen hält. Freitag Abend bis Samstag Abend ist Sabbat – alles, was jüdisch ist, ist in dieser Zeit geschlossen. Ausnahmslos. Am Samstag haben dann muslimische Geschäfte und Restaurants oft zu und am Sonntag alles Christliche. Das Bedarf ein bisschen einer Umsicht! Wir haben unseren Reiseablauf einige Male geändert, weil wir drauf gekommen sind, dass manches an einigen Tagen einfach nicht zu besichtigen ist. Wenn man drauf vorbereitet ist, ist das alles nicht schlimm, aber wenn nicht, kann man durchaus seine Überraschungen erleben.

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Jaffa im Sonnenuntergang

Also, auf ging’s! Der größte Flughafen des Landes, Ben Gurion, liegt etwas außerhalb von Tel Aviv und da Israel ein kleines Land ist, schien uns Tel Aviv auch als ein guter Ausgangspunkt für unsere kleine Expedition. Eine kleine Expedition – das schreit doch direkt nach dem Little Tel-Aviv Hostel als Unterkunft. Einfach, sauber und günstig, das waren unsere Ansprüche und denen tat das Little Tel-Aviv mehr als nur Genüge. Die Lage war auch gut, in ein paar Minuten konnten wir auf dem mondänen Rothschild-Boulevard flanieren und bis zum Strand waren es gerade mal eine gute Viertelstunde.img_6358.jpg

Apropos Strand! Der Strand in Tel Aviv ist toll und hipp – wenn man nicht gerade im Jänner dort ist! Uns empfing er nämlich mit einem ordentlichen Sturm, der alles überflutet hat, von Baden oder auch nur Plantschen war daher keine Spur (naja, wäre auch sonst im Jänner nicht soooo verlockend gewesen, aber ein Bikini-Foto hätten wir sonst schon geschafft…), aber wir waren beeindruckt von der Kraft des Wassers, von den riesigen Wellen und auch von dem Chaos, das so ein Sturm gleich mal anrichten kann. Aber irgendwann wär’s wohl schön, nochmal dorthin zurück zu kommen, wenn der Strand so richtig belebt ist, man die verschiedenen Strandabschnitte und das wilde Treiben dort auskosten kann.IMG_E0039

Tags darauf ging machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Ein Teil Tel-Avivs ist als UNESCO Weltkulturerbe geschützt: die sogenannte „Weiße Stadt“, in der sich Bauten im Bauhausstil aneinanderreihen. Das ist jetzt natürlich Geschmacksache und vielleicht nicht unbedingt schön, aber ich hab ja so ein Faible fürs Welterbe – wie du bestimmt schon mitgekriegt hast – und drum mussten wir dort einfach hin. Irgendwie scheint dieser Baustil überhaupt in der ganzen Stadt allgegenwärtig zu sein, wir entdeckten nämlich eine ganze Menge „Bauhaus-Häuser“, oder glaubten zumindest, sie als solche zu erkennen…

Am Nachmittag ging es nach Jaffa, den südlichen, alten Stadtteil von Tel Aviv. Jaffa ist eine alte Hafenstadt mit einer langen Geschichte und weil wir ja gerade auf dem „Bildungstrip“ waren, beschlossen wir uns einer Free Walking Tour anzuschließen. Diese Gratis-Touren werden ja gerade in vielen Städten angeboten und ich muss wirklich sagen, es war informativ und kurzweilig . Aber auch sonst hat es Spaß gemacht, durch die engen Gässchen der Altstadt zu bummeln oder den Fischerbooten am Hafen zuzusehen. Der Wellengang war ja immer noch gewaltig, sodass die meisten Schiffe im Hafen lagen und gar nicht auslaufen konnten.

Als wir mit der Tour fertig waren und es Zeit war, Souvenirs zu kaufen, staunten wir nicht schlecht. Es war nicht mal 16 Uhr, als in Jaffa alles dicht gemacht und alle Rollläden runtergelassen wurden: klar, der Sabbat begann. Wie gut, dass wir bereits zuvor unser Mietauto abgeholt hatten, denn auch die Busse stellten ihren Betrieb völlig ein. Sei darauf vorbereitet, wenn du vor hast, nach Israel zu fahren. Es fahren in dieser Zeit zum Beispiel auch keinen öffentlichen Busverkehr zwischen Tel Aviv und Jerusalem und es kann durchaus mal passieren, dass man sonst feststeckt. Es gibt aber private Alternativen, die sogenannten Sheruts, die angeblich sehr gut funktionieren, aber leider keinen fixen Fahrplan haben, sondern immer dann los starten, wenn sie eben voll sind.

Zum Glück war die Nahrungsbeschaffung in Tel Aviv selbst trotz des Sabbats unkompliziert, es fanden sich genügend Lokale, die offen hatten (in Jaffa haben wir gerade mal mit Mühe und Not noch einen Kaffee bekommen, bevor alles geschlossen wurden. Sehr lecker haben wir im Restaurant Night kitchen gegessen – wir wussten gar nicht, welch ein In-Lokal das ist, und welch ein Glück wir hatten, das wir ganz spontan einen Tisch bekamen. Eine Reservierung empfiehlt sich daher unbedingt – na fürs nächste Mal wissen wir es… Kulinarisch hat Tel Aviv überhaupt einiges zu bieten, internationale Küche ist genauso vertreten, wie einheimische Kost. Unser Herz erobert hat das Lokal Benedict am Rothschild Boulevard. Haben wir uns erst noch gewundert, dass dort mit „All about breakfast 24/7“ geworben wird, wurden wir bald eines Besseren belehrt: Hier gibt es wirklich rund um die Uhr Frühstück, und nur das – in allen leckeren Varianten.t

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Frühstück zum Abendessen – das „Benedict“ macht’s möglich!

Tags darauf führte uns unsere Tour dann Richtung Norden. Das Autofahren in Israel ist, abgesehen von den Großstädten, wo es schon mal richtig voll werden kann, kein wirkliches Problem. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern (ich erinnere mich da an eine Fahrt durch das nächtliche Amman in Jordanien…) werden Verkehrsregeln weitgehend eingehalten und die Straßenbeschilderung erfolgt fast immer dreisprachig in Hebräisch, Arabisch und Englisch. Das Autobahnnetz ist gut ausgebaut und die Orientierung recht einfach. Uns hat man wie selbstverständlich mit einem Automatik-Auto ausgestattet und ich weiß bis heute nicht, ob ich mich nicht vielleicht ein bisschen darüber kränken sollte…IMG_0217

Zuerst machten wir in Haifa halt, um die berühmten Bahaa-Gärten zu besichtigen. Eine wunderschön angelegte Garten-Anlage mit einem goldkippeligen Schrein und einem Gebetszentrum, die über Haifa thront und einen herrlichen Blick über die Stadt bietet – all das gehört der sogenannten Bahai-Religion, die paradoxer Weise in Israel selbst aber gar keine Mitglieder haben darf. Leider kann man die Gärten nicht durchgehend besichtigen sondern muss für die einzelnen Terrassen immer wieder eigene Eingänge benutzen, was uns ziemlich genervt hat. Nichtsdestotrotz lohnt es sich, sich bis ganz nach oben „vorzuarbeiten“ um dann den wunderschönen Ausblick genießen zu können.IMG_E0130

Dann ging es weiter in die alte Seefahrer-Stadt Akko. Akko hat eine entzückende Altstadt, die nur aus engen Gässchen besteht und diese wiederum sind voll mit Marktständen. Und Akko hat einen Hafen, in dem bunte Fischerboote vor Anker liegen.IMG_6531

Von dem abgesehen wird man in Akko in die Zeit der Kreuzfahrer zurück versetzt. Beherrscht wird die Stadt von einer riesigen Burganlage und die Kreuzfahrertunnel, über die früher die Stadt betreten und verlassen werden konnte, sind auch noch zu besichtigen. Ein bisschen spooky, oder? Wir hatten nur ein paar Stunden für diese hübsche Stadt eingeplant, hätten aber noch locker einen ganzen Tag bleiben und herumschlendern können.IMG_6636

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Uhuuuu… 2 Geister, oder wie?

Aber nein, wir mussten weiter. Zum See Genezareth – ich hatte nämlich eine Mission: ich wollte über’s Wasser gehen. Soll ja schon mal vorgekommen sein und irgendwie klang das Ganze nicht so schwierig… War es dann aber doch und ich muss zugeben, ich bin gescheitert. Nichtsdestotrotz ist ein Abstecher an den See Genezareth eine feine Sache. Er liegt nämlich 200 m unter dem Meeresspiegel und es herrscht eine ganz eine eigene Atmosphäre dort. Die erste Anlaufstelle, wenn man von der Küste kommt, ist Tiberias, ein Ferienort, in dem es im Sommer wohl schon ganz schön voll werden kann. Im Jänner war dort aber fast keiner und wir konnten beinahe ungestört (die Möwen, die Möwen…) ein herrliches Abendessen an der Esplanade genießen – quasi erste Reihe fußfrei.IMG_E0234

Am Sonntag erwartete uns das Highlight unserer Reise: Jerusalem stand am Programm. Jerusalem muss man gesehen und erlebt haben! Betritt man die Stadt durch eines der 8 Tore der Stadtmauer, ticken die Uhren anders. Es ist schwer zu beschreiben, aber in Jerusalem liegt etwas in der Luft. Es herrscht eine ganz eine eigene Stimmung und auch wenn man nicht sonderlich gläubig ist, hat man das Gefühl von etwas Spirituellem umgeben zu sein. Es hätte mich auch nicht gewundert, wenn Jesus mit seinen Jüngern plötzlich über die Via Dolorosa spaziert wäre – das wäre durchaus stimmig gewesen.IMG_6775

Ich kann ja manchmal etwas kompliziert sein, und so habe ich mir hier eingebildet, unbedingt ein Foto von mir vor dem Felsendom haben zu wollen. Aus Israel wegzufahren, ohne dieses Bild ging gar nicht, das war für mich, als wäre ich in Paris, aber nicht am Eiffelturm gewesen. Tatata – bitte sehr – Lisi hat es möglich gemacht!!IMG_0261

Warum ich das extra so erwähne? Nun, es ist gar nicht einfach, den Tempelberg wirklich zu betreten. Von der Ferne sieht man den Felsendom aus der ganzen Stadt, aber direkt davor zu stehen, bedarf einiges organisatorischen Geschickes, die Öffnungszeiten dieser heiligen Stätte sind nämlich sehr überschaubar, und nicht wirklich vorhersehbar. Freitag und Samstag ist grundsätzlich geschlossen. An den anderen Tagen sollte der Tempelberg grundsätzlich am Vormittag und am Nachmittag für 2 Stunden geöffnet sein – dies kann sich aber, je nach Sicherheitslage und Gebetssituation, jederzeit ändern. Wenn nämlich die Moslems in der Al-Aqsa Moschee zu beten beginnen, haben alle anderen Leute ratzfatz den Berg zu verlassen. Und das geht blitzschnell, wir haben es selbst erlebt. Es verspricht auch kein Tourenbieter, bei einem Rundgang durch Jerusalem den Tempelberg zu besichtigen, weil das Ganze eben nicht wirklich planbar ist. Ich bin aber seeehr froh, dass wir dort waren und ich mein Foto hab. Danke, Lisi! Jerusalem kann man nicht so nebenbei abhandeln, ich werde dir daher in den nächsten Tagen in einem eigenen Blogpost nochmal extra darüber berichten.

Von Jerusalem nur ein paar Kilometer entfernt liegt Bethlehem. Jeder kennt Bethlehem, da wurde doch das Christkind geboren und jedes halbwegs religiöse österreichische Kind träumt davon, einmal als „Friedenslichtkind“ für die Aktion des ORF Oberösterreich vor Weihnachten nach Bethlehem zu reisen und dort das Friedenslicht zu entzünden und nach Hause zu bringen. Nach Bethlehem mussten wir also auch unbedingt und die paar Kilometer Entfernung… so nahe kamen wir da nicht so schnell wieder hin. Was wir allerdings nicht bedacht und erst bei unseren Recherchen vor Ort bemerkt haben: Bethlehem liegt im Westjordanland und das ist von Israel abgeriegelt. Durch Zäune und durch eine Meterhohe Mauer. Von „schnell mal hinfahren“ war daher keine Spur, der Autobus, der uns dort hinbringen sollte, umrundete gefühlt die ganze Stadt und brauchte dafür fast 1 1/2 Stunden – Grenzkontrollen durch schwer bewaffnete Soldaten im Autobus inklusive. Da kann einem schon mal kurz mulmig werden.

In Bethlehem selbst hat sich dann ein Taxifahrer angeboten uns ein bisschen herumzufahren, was keine schlechte Idee war. Das idyllische Bethlehem, in dem man mit dem Esel herumreitet und von einem Ende der Stadt zum nächsten mal ein paar Minuten braucht, gibt es nämlich nicht. Das heutige Bethlehem ist eine große Stadt mit über 30.000 Einwohnern, verwinkelten Straßen und von einer schnellen Besichtigung ist da keine Spur. Wir ließen uns also zur Geburtskirche bringen und stiegen in die berühmte Geburtsgrotte hinab – schon ein denkwürdiger Moment. Ich muss ja sagen und ma hört es vielleicht auch heraus, ich bin nicht wirklich religiös. Aber wenn man mal davon ausgeht, dass es stimmt, was über diese Orte und ihre Begebenheiten überliefert wurde, dann ist es schon „wow“, selbst dort zu stehen.

Unser Taxifahrer war Palästinenser und es war ihm ein Anliegen, uns zur Mauer zu fahren und uns darüber zu erzählen, wie sie ab 2005 praktisch über nach errichtet und die West Bank von Israel abgeriegelt wurde. 25 km ist die Mauer lang, die restliche Sperrzone wird mit Zäunen und Wachtürmen gesichert. Das hatten wir doch alles schon mal irgendwo und gerade deshalb fühlt es sich umso bedrückender an. Manche, wie dieses Hotel direkt an der Mauer, versuchen aller Ironie zum Trotz Profit daraus zu schlagen und und bieten Zimmer mit Mauerblick an. Der absolute Großteil der Bevölkerung leidet jedoch darunter, denn sie sind ausgeschlossen von der Welt und ihrem Leben vor dem Mauerbau.

Unseren letzten Tag in Israel widmeten wir weitgehend den archäologischen Stätten des Landes. Und so fuhren wir nach Caesarea, eine Dreiviertelstunde nördlich von Tel Aviv, einer ehemaligen Hafenstadt mit fast 2500 Jahre langer Geschichte, wo sich in einem Nationalpark beeindruckende Überreste Römischer Besiedelung wie ein Hippodrom oder ein altes Theater befinden. Megiddo, auf der Strecke zwischen Tel Aviv und Nazareth haben wir in seiner Bedeutung etwas unterschätzt. Von hier soll laut Bibel Armageddon, der Weltuntergang ausgehen. Lisi war traurig, dass wir keine Zeit für eine Besichtigung hatten, ich fühlte mich fast ein bisschen erleichtert. Man will ja im Fall des Falles dann doch nicht direkt vor Ort sein…

Nazareth mussten wir auch noch einen Besuch abstatten, es war ja schließlich das Dorf, wo alles begann und Maria die frohe Botschaft empfing. Nun ja, Dorf… das ist so eine Sache, denn auch Nazareth hat sich ziemlich gemausert und beherbergt nun fast 80.000 Einwohner – inklusive ihrer Autos, die sich gefühlt alle zur selben Zeit auf den Straßen befanden und einen beträchtlichen Stau verursachten. Außer der Verkündigungskirche und einem bisschen „Streetlife“ bietet Nazareth nicht viel und ich würde retrospektiv fast empfehlen, dass jeder, der nicht aus religiösen Gründen hinmöchte, eher einen Bogen drum macht und seine Zeit andernorts besser verwendet.

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Hier hat Maria gewohnt – anno dazumal…

Nun, 4 1/2 Tage um ein ganzes Land zu erkunden, das ist natürlich viel zu kurz und wir mussten durchaus Abstriche machen. Die Gegend südlich von Jerusalem, die Wüste Negev, das Rote und das Tote Meer konnten wir gar nicht besuchen und auch sonst gibt es bestimmt noch viele Orte, die mehr als sehenswert sind. Diese kurze Zeit hat aber auf jeden Fall gereicht, um einen Eindruck von Israel zu bekommen, im grauen Januar ein paar Sonnenstrahlen zu tanken Bibelkenntnisse aufzufrischen, und sich ein bisschen mit der Geschichte des Nahen Ostens zu beschäftigen.

Ich wurde seitdem mehrmals gefragt, ob ich noch einmal nach Israel fahren würde. Wäre ich noch nicht dort gewesen, würde ich es in der momentanen Situation wieder tun, ein zweites Mal möchte ich vorläufig aber nicht hinreisen. Ich finde es durchaus befremdlich, an allen Ecken und Enden von Uniformierten mit Maschinengewehren überwacht zu werden und auch die penibel genauen Kontrollen und Befragungen am Flughafen Ben Gurion empfand ich als unangenehm. Wir haben aber ansonsten keine brenzligen Situationen erlebt und wir haben uns auch nicht gefürchtet. Trotzdem empfiehlt sich schon, sich vor der Abreise über die Sicherheitswarnung des Außenministeriums zu informieren, denn auch wenn die Lage momentan ruhig ist, kann sich dies natürlich jederzeit wieder ändern.

Warst du auch schon in Israel und möchtest deine Erfahrungen mit uns teilen? Gerne freue ich mich über deinen Kommentar!

Hast du Lust, mehr über Urlaub im Nahen Osten zu erfahren? Vielleicht ist ja mein Bericht über 10 Tage in Jordanien etwas für dich?

 

 

 

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LONDON – Wochenendtrip in Teenie-Begleitung

Die Welt ist ein Buch und diejenigen, welche nicht reisen, lesen nur eine Seite.

Der Zufall wollte es, dass mein lieber Kollege Stefan (viiiielen Dank nochmal an dieser Stelle!!!) ein Wochenende in London gebucht hat, das er dann aber nicht antreten konnte. Da die Hotelbuchung aber nicht mehr storniert werden konnte, habe ich mich quasi „geopfert“ und bin in Begleitung meines mittleren „Halbstarken“ (pubertätsbedingte Hormonschwankungen hoch vier!!!) in die britische Metropole aufgebrochen. Und was die liebe Reiseeule unlängst in Mädchenbegleitung erlebt hat, gibt’s hier nun in „Teenie-Männer“-Version nachzulesen…

IMG_8395 (1)Dazu muss ich gleich noch vorweg nehmen, dass wir schon mal in London waren, ziemlich genau 2 Jahre ist das nun her. Aus diesem Grund kannten wir uns schon ein bisschen in der Stadt aus und haben auch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten schon mal abgeklappert, was die ganze Reise unheimlich entspannte. Ich selbst neige ja dazu, immer ALLES sehen zu wollen, was bei einem Wochenende in so einer großen Stadt natürlich unmöglich ist. Noch unmöglicher ist dieses Unterfangen allerdings in Begleitung eines Pubertiers, das erstens verdammt viel Schlaf braucht und morgens nur sehr träge in die Gänge kommt und sich zweitens bei Sightseeingtouren auch eher langsam bewegt und nur eine sehr beschränkte Ausdauer hat. Sogeschen waren die Voraussetzungen für eine halbwegs entspannte Reise ja sehr gut.

IMG_5520Bonuspunkte beim Pubertier konnte ich außerdem sammeln, weil unser Flug schon kurz nach Mittag ging, sich ein Schulbesuch an diesem Freitag also gar nicht lohnte. Froh gelaunt schnappten wir uns also am Vormittag ein Taxi, ließen uns zum Flughafen kutschieren und von der EasyJet nach Gatwick fliegen – alles „easy cheesy“, sozusagen…

Unser Hotel war top-modern und bescherte mir gleich weitere Gutpunkte bei meinem Begleiter. Das CitizenM lag unmittelbar hinter dem Tower, die Underground Station direkt unter dem Hotel, praktischer ging es wirklich nicht.IMG_5369 (1)

Und dass im Hotel alles elektronisch ablief, begeisterte uns dann vollends: von der Lichtsteuerung im Zimmer, über die „Vorhänge“ bis zum Weckton in der Früh: alles konnte von einem iPad aus gesteuert werden. Das kleine Badezimmer hatte Milchglasscheiben und man konnte sogar die Farbe der Beleuchtung wählen, während man unter der Dusche stand. Sehr spacig und pubertätsfreundlich…

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Nette Demo in der Lobby…

Nachdem wir uns elektronisch abreagiert hatten, stürzten wir uns ins Geschehen – London hautnah! Unser erster Weg führte uns zur Tower Bridge. Diese kann man nicht nur bestaunen, sondern auch von innen besichtigen und ganz oben über einen Glasboden überqueren! Brrrr, das kostet eine ganz schöne Überwindung in über 40 m Höhe über die Themse zu spazieren, die Autos auf der Brücke und etliche Schiffe unter einem.IMG_8414 (1)

In den beiden Türmen befinden sich Ausstellungen zur Geschichte der Brücke und abschließend kann man auch noch den Maschinenraum besichtigen, von dem aus der Brückenmechanismus betrieben wird. Faszinierend!

Anschließend ließ sich mein Halbstarker mit dem Versprechen auf ein ordentliches Abendessen zum Piccadilly Circus und auf die Oxford Street locken.IMG_5438 (1)

Ich durfte ein bisschen bummeln und Souvenirs einkaufen, durch einen kurzen (aber ziemlich teuren…) Besuch im „Kingdom of Sweets“ auf der Oxford Street wurde mir sogar ein etwas längerer Bummel zugestanden, bevor uns dann der jugendliche Hunger zwang, die nächstbeste Gelegenheit zur Nahrungsaufnahme zu ergreifen. Diese bot sich uns im Ember Yard, einer Tapas Bar mit wirklich exzellentem Essen. Nicht das typische Jugendlichen-Restaurant, das muss ich zugeben, aber der Hunger war groß und als wir erst einmal begonnen haben uns durchzukosten waren wir BEIDE begeistert!!

Danach war es schon relativ spät und wir waren müde, außerdem bot unser fancy Hotel eine unendliche Auswahl an Filmen an, die man – selbstverständlich per iPad – auswählen konnte, von denen wir mindestens 500 unbedingt sehen mussten. Nun ja, von meiner Seite her beschränkte sich dieses Unterfangen auf 10 min Bridget Jones‘ Baby. Was sonst in dieser Nacht noch alles angesehen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis…

IMG_5539 (1)The Shard“ gebucht. Das ist ein geniales Gebäude – das höchste der EU übrigens mit 310 m (der Mercury Tower in Russland ist europaweit das höchste…) und der Ausblick ist einfach sensationell. Wir hatten aber auch ein wahnsinniges Glück mit dem Wetter: strahlender Sonnenschein und eine richtig tolle Fernsicht. Gab es anfangs schon ein bisschen Gemecker, weil 10 Uhr ja absolut keine Teenager-kompatible Zeit ist, so ist dieser aber sofort abgeebbt, als wir mit dem High-Speed-Lift bis zur Aussichtsterrasse gefahren sind. Dort oben konnte man dann auch noch mittels einer Virtual Reality Brille eine Achterbahnfahrt quasi auf dem Turm erleben und sich so richtig fürchten – genial!

Weiter ging unsere Tour dann nach Camden, wo sich uns ein völliges Kontrastprogramm zum supermodernen Aussichtsturm bot. Heimelige Atmosphäre, alles ist bunt und wahnsinnig belebt. Wir haben es genossen, durch den Stables und den Camden Lock Market zu flanieren, ich durfte ein bisschen „Fetzen“ schauen, während sich mein Begleiter für Email-Schilder, diverse Comics und T-Shirts mit Star Wars Motiven begeistert hat. Wir haben es sogar geschafft, einige Weihnachtsgeschenke einzukaufen!

Die Camdenmarkets sind ein wahres Schlaraffenland, nicht nur für immerhungrige Heranwachsende! Es wird dort Streetfood aus aller Herren Länder angeboten, ich glaube, es gibt nichts, was man dort nicht findet.  Und wir mussten nicht einmal versuchen, uns auf irgend ein Lokal zu einigen, es konnte einfach jeder das auswählen, was er wollte, und gegessen wird dann gemeinsam auf einer der vielen Bänke vor dem Markt. Herrlich – und sooooo lecker!

Ein Highlight waren auch die coolen Fassaden der Camden High Street und die vielen tollen Geschäfte dort.

Und dann waren da noch die vielen Graffitis in den Seitengasse – eine super Fotolocation! Bunt, bunter, am buntesten!IMG_8654

Danach machten wir einen kurzen Abstecher in den Hyde Park, wo wir eigentlich das Winterwonderland sehen wollten. Eigentlich… halb London hatte offenbar aber dieselbe Idee, was uns dann doch ein bisschen abschreckte, weshalb wir dann lieber – einmal quer durch den Park und dann gerade aus – ins Natural History Museum marschiert sind.

Viele Museen in London sind ja gratis bzw. verlangen nur für Sonderausstellungen Eintritt – so auch dieses. Und es hat sich wirklich gelohnt! Das Museum ist riiiiesig und die Aufmachung echt toll und sehr interaktiv. Man könnte wohl Tage darin verbringen, bis man alles gesehen hat! Schon die Eingangshalle beeindruckt enorm und nimmt man den Seiteneingang, so kann man mit einer Rolltreppe direkt mitten ins Erdinnere fahren – super gemacht.

Wir haben uns für eine Ausstellung über Vulkane und Erdbeben entschieden, danach wollte mein Jüngling zu einer Insektenausstellung (iiiigitt, aber ich hab tapfer durchgehalten…) und anschließend waren wir natürlich noch bei den Dinosauriern, das ist ja immer ein „Muss“ in Naturkundemuseen – selbst ich habe mir in den letzten Jahren ein beträchtliches Wissen über „Tyrannosaurus Rexe“ & Konsorten angeeignet und finde sie mittlerweile schon beinahe entzückend.IMG_5711 (1)

Es wurde spät im Museum, wir blieben bis zur letzten Minute und haben beinahe vergessen, dass wir ja eigentlich hungrig sein sollten… Bei der Frage nach der Abendgestaltung habe ich als Antwort etwas wie Burger-Essen, Kino, Bowling oder Ähnliches befürchtet. Aber nein, man(n) wollte in ein Pub!! In ein echtes, englisches Pub. Auch gut, das klang nach einem vernünftigen Plan und deftigem Essen. Allerdings, und das wussten wir nicht, erwies es sich als ziemlich schwierig, abends mit einem 14jährigen in ein Pub zu gehen – die sind dort nämlich schlichtweg verboten. Jugendschutz und so, was ja grundsätzlich sehr vernünftig, jedoch nur halblustig ist, wenn einen plötzlich der Hunger übermannt… Schließlich fanden wir jedoch eines, das im hinteren Teil ein Restaurant war und auch mit Gästen wie uns Freude hatte: das „Hoop & Grapes“, ganz in der Nähe unseres Hotels. Dort fanden wir beide, was wir suchten: das Pubertier einen Burger und Ginger Ale, ich Fish & Chips und Cider. Abend gerettet, alle zufrieden…

Der Sonntag war leider schon unser letzter Tag, den wollten wir noch so richtig auskosten. Als Höhepunkt stand der Dungeon auf dem Programm, dafür lohnte es sich sogar, so halbwegs zeitig aufzustehen, hatten wir doch gehört, dass dort oft lange Schlangen anstanden. Dem war aber gar nicht so, wir kamen gleich rein und das Gruseln und Schaudern konnte beginnen.

IMG_8688Leute, die etwas organisierter sind, als ich, kaufen am besten ein Ticket schon im Vorhinein übers Internet, da kann man etliche £ sparen und hat einen garantierten Zeitrahmen, wann man eingelassen wird. Aber wie gesagt, es war kein Problem und hat viel Spaß gemacht. Ich habe ja schon voriges Jahr den Dungeon in Hamburg besucht, sodass die Überraschungseffekte nicht mehr ganz so groß waren, weil einiges doch ähnlich ist. Aber für meinen Halbstarken war es genial und er hat es genossen.Version 2

Vor lauter Dankbarkeit (ja, auch Söhne können dankbar sein…) ob dieses wunderbaren Tagesanfangs gab es überhaupt kein Gemurre, als ich einfach noch ein bisschen durch die Stadt bummeln und auf den typischen Touristenpfaden noch ein paar nicht minder typische Touristenfotos knipsen wollte und auch ein Abstecher in verschiedene Bookshops und zu Paperchase (DER Papier- und Schreibwarenhimmel!!!) wurde geduldig hingenommen.

Dann war auch schon der Nachmittag angebrochen und es war Zeit, sich wieder auf den Weg zum Flughafen Gatwick zu machen. Gerne wären wir auch noch länger geblieben, vieles hätte es noch gegeben, das wir entdecken oder wiedersehen wollten. Und auch die Zeit nur für uns beide hat uns sehr gut getan, so ein Pubertier, das im Rudel aufwächst, braucht manchmal auch ein bisschen Mutterliebe ganz für sich allein. Wir haben dieses Wochenende alle zwei genossen, jeder auf seine Weise und es war eigentlich gar nicht schwer, bei all den Möglichkeiten, die sich in London bieten, etliche auszusuchen, die uns beiden gefallen haben. In diesem Sinne: gerne jederzeit wieder – sowohl London, also auch Teenie-Begleitung!!!IMG_5515 (1)

Weitere Tipps für einen Ausflug nach London mit Teenagern, wo Harry Potter, Madame Tussaud’s und die typisch englische „Tea Time“ eine Rolle spielen, findest du demnächst hier.

Du hast vor, in Mädchen-Begleitung nach London zu fahren? Dann schau doch hier, wie es der Reiseeule dabei ergangen ist!

Und falls du Geheim-Tipps hast für unsere nächste Reise nach London – bitte immer gerne. London ist ja definitiv eine Stadt, in die man immer wieder zurück will…

 

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MAULBRONN – herbstliches Klostererlebnis der Extraklasse

Wenn du die Speisen ablehnst, die Brauchtümer ignorierst, die Religion fürchtest und die Menschen meidest, bleibst du besser Zuhause. James Michener (1907-1997)

Eigentlich eher zufällig sind die Halbstarken und ich in Maulbronn gelandet, weil es fast direkt auf unserem Weg von München nach Strassburg lag und wir auf der Reise plötzlich soooo hungrig geworden sind dass wir eine kleine Pause einlegen mussten. Und weil uns ein bisschen Kultur ja noch nie geschadet hat (auch wenn die Halbstarken das anfangs oft,  ein bisschen anders sehen, fügen sie sich dann doch in meine Besichtigungsideen und sind schlussendlich dann ja auch meistens begeistert…), haben wir dabei auch gleich das alte Kloster besichtigt.IMG_7605

Maulbronn an sich ist eine kleine, beschauliche Stadt nördlich von Pforzheim mit gerade mal 6.500 Einwohnern. Ein paar Fachwerkhäuser am Hauptplatz, einige Geschäfte, mehr gibt es dort nicht zu sehen. Wäre da nicht, ja wäre da nicht das berühmte Zisterzienserkloster, das den Ort so richtig aufpeppt!

Kloster? Langweilig! Nein, bei Gott nicht!!! Das Kloster Maulbronn ist eine großartige Anlage, die einen, einmal durch das alte Klostertor betreten, in eine andere Zeit verzaubert.IMG_7658

Bereits von außen erinnert das Kloster mit seinen Türmen und dem ehemaligen Wassergraben eher an eine Burg als an ein klerikales Gebäude. Wir hatten das große Glück an einem wirklich schönen Herbsttag dort gewesen zu sein, sodass auch die Umgebung mit den vielen Weinbergen noch eine ganz bezaubernde Atmosphäre kreierte.IMG_7595

Das Herzstück des ganzen Ensembles ist natürlich das Kloster selbst. Daneben gibt es aber einen riesigen Klosterhof mit allerhand Nebengebäuden, die zum Teil noch aus dem Mittelalter stammen. Mittelalter – das Interesse der Halbstarken war prompt erwacht, sie mutierten beinahe zu Rittern und sausten mit Begeisterung über das Gelände. Wie herrlich war es auch, sich nach fast 3 Stunden im Auto ein bisschen zu bewegen! Die Klostermühle faszinierte ebenso wie die ehemalige Bäckerei und der riesige alte Speicher, der immer noch gut erhalten ist.IMG_7606

Der Klosterhof ist frei zugänglich, für die Besichtigung des Klosters und die Sonderausstellungen ist ein Eintrittspreis von 7,50 € fällig (Kinder 3,80 €). Mit Audioguide kann man sich selbständig auf Erkundungstour begeben, es werden allerdings auch Führungen angeboten und ich muss sagen, es lohnt sich wirklich.IMG_4370

Das Kloster Heilbronn zählt zum UNESCO Welterbe, alleine deshalb sollte man es schon gesehen haben. Und auch wenn ich finde, dass sich Klöster ja oft schon sehr ähneln (genauso wie Burgen und Schlösser und Kirchen es auch tun…), so finden sich doch einige Besonderheiten: Sehr interessant ist das Chorgestühl in der Klosterkirche, in dem die ehemaligen Mönche früher 5 mal täglich gebetet haben. Das erste Gebet fand schon in den frühesten Morgenstunden statt, das letzte erst um Mitternacht. Aus praktischen Gründen gab es daher eine direkte Stiege von den Schlafgemächern bis in die Kirche, über die die Mönche damals halbschlafend zum Gebet torkeln konnten. Welch eine Vorstellung, fünf mal täglich in der Kirche zu sitzen (bzw. hier eher zu stehen), oder?IMG_7615

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Chorgestühl in der Klosterkirche

Die Vorhalle der Kirche nennt sich übrigens Paradies und ist ein architektonisches Meisterwerk eines unbekannten Künstlers. Zugegeben, das „Paradies“ hab ich mir immer ein bisschen anders vorgestellt, aber ich bin da ja flexibel…

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So sieht das Paradies in Maulbronn aus…

Ganz toll ist auch das Brunnhaus aus dem 14. Jahrhundert im Innenhof des Klosters. Wenn du schon mal Bilder vom Kloster Maulbronn gesehen hast, dann wahrscheinlich von hier, der Brunnen dort ist nämlich quasi der Fotostar der Anlage und tatsächlich fand sich, obwohl während unseres Besuchs sonst nicht sehr viele Leute dort waren, eine kleine Menschen-Schlange davor. Selfie-Time im Kloster!!

Die Ursprünge des Klosters gehen übrigens auf das 12. Jahrhundert zurück und es findet sich eine Mischung verschiedener Baustile von Romantik und Gotik, was ja auch den besonderen Reiz der Anlage ausmacht. Drumherum, außerhalb der Klostermauern, finden sich etliche bereits von den Zisterziensern angelegte Fischteiche in einer teilweise sehr naturbelassenen Landschaft. All dies zusammen hat dazu geführt, dass das Kloster Maulbronn und seine Umgebung als Gesamtbild als die am besten erhaltene Klosteranlage Mitteleuropas gilt. Wasserwirtschaft und Fischzucht waren seit jeher ein besonderes Steckenpferd der Zisterzienser. Heute werden die Teichanlagen auch freizeittechnisch genützt, man kann dort schwimmen und sogar Tretboote ausborgen. Wie schade, das wir dafür keine Zeit hatten!IMG_4417

Im Besucherzentrum finden auch wechselnde Ausstellungen statt, im Jahr von Martin Luther war es daher nur naheliegend, dass es auch eine Ausstellung über die Reformation in Baden-Württemberg zu sehen gab. Unterhaltung gibt’s im Klostergelände also genug. Es finden sich dort auch einige Souvenirgeschäfte, ein Bücherladen, ein Café und das Klosterrestaurant.

Mönche gibt es in Maulbronn schon seit vielen Jahren keine mehr. Die ursprüngliche Klosterschule, in der Mönche ausgebildet wurden, ist heute das evangelische Seminar, ein Gymnasium für Mädchen und Burschen. Hermann Hesse war übrigens der berühmteste Schüler von Maulbronn. Wieder was gelernt, nicht wahr?

Was uns besonders fasziniert hat, sind die vielen Anekdoten, die es um das Kloster Maulbronn gibt. So soll es zum Beispiel eine Maultier gewesen sein, das im 12. Jahrhundert mit seinen Hufen eine Wasserquelle freilegte, und just an dieser Stelle wurde das Kloster errichtet. Oder hast du schon mal vom Wunder von Heilbronn gehört? Einmal im Jahr, am 21.Juni zwischen 11 und 12 Uhr, scheint die Sonne (so sie denn scheint) genau so durch ein Kirchenfenster, dass die Dornenkrone der großen Christusstatue in der Kirche rot leuchtet und wie Blut aussieht. Das ist fast ein bisschen gruselig, findest du nicht? IMG_7617

Dann gibt es auch noch die Geschichte von Doktor Faustus, den Wunderheiler und Alchemisten, der angeblich seinerzeit in dem nach ihm benannten Faust-Turm gelebt und gearbeitet hat und Goethe als Vorbild für sein Buch diente.IMG_4419

Oder hast du schon mal von „Maultaschen“ gehört? Na, woher kommen die wohl? Genau, aus MAULbronn. Und weißt du, was es damit auf sich hat? Früher durften die Mönche in der Fastenzeit ja kein Fleisch essen. Ein besonders findiger Mönch kam aber zu einem Stück Fleisch, das er natürlich auch nicht entsorgen wollte, und so hat er es faschiert und unter Gemüse gemischt. Und damit Gott nicht sah, dass die Mönche in der Fastenzeit Fleisch aßen, wurde es in Nudelteig eingepackt und dann eben so verspeist. Wir haben es den Mönchen gleich getan und konnten es uns natürlich nicht nehmen lassen, diese Spezialität im Klosterrestaurant zu probieren. Das Lokal geht zwar schon als ziemlich „touristisch“ und eher hochpreisig durch, aber die Maultaschen waren ausgesprochen lecker. Und so hat sich’s ja doch gelohnt.IMG_E7645

Tja, du siehst also, dieser Besuch war durchaus amüsant und kurzweilig und hat uns allesamt begeistert. Muss man irgendetwas mit Religion am Hut haben, um dem Kloster Maulbronn einen Besuch abzustatten? Absolut nicht, die ganze Anlage an sich ist wirklich sehenswert. Wenn du also mal in der Nähe bist, schau vorbei, ich bin mir sicher, es wird dich genau so begeistern wie uns. Halbstarke, die nach dem Besuch meinen „war schon cool“, sind doch der beste Beweis dafür!

Praktische Informationen:

Öffnungszeiten:

1. März bis 31. Oktober Mo-So 9 – 17.30 Uhr, 1. November bis 28. Februar Mo-So 9 – 17 Uhr

Eintrittspreise:

Erwachsene: 7,50 €, Ermäßigt 3,80 €

Homepage: www.kloster-maulbronn.de

Hast du noch mehr Lust auf tolle Bauwerke? Vielleicht ist ja das etwas für dich:

 

 

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STOCKHOLM – einmal und immer wieder

Reisen – es lässt dich sprachlos, dann verwandelt es dich in einen Geschichtenerzähler. Ibn Battuta (1304 – 1377)

Es gibt diese Orte, Städte, Plätze, an denen man sich sofort zu Hause fühlt, an denen man glaubt, bereits ewig dort gewesen zu sein, obwohl man gerade erst angekommen ist. Diese Orte, die man glaubt, schon so gut zu kennen und doch immer wieder Neues entdecken zu wollen. Weißt du, was ich meine? Bestimmt hast du auch so einen Lieblingsplatz irgendwo auf der Welt. Wien mag ich sehr, sehr gerne, es ist mein Zuhause geworden. Auch nach Mitterbergholz, in das kleine Dorf in Oberösterreich, in dem ich aufgewachsen bin, verschlägt es mich immer wieder. Und gleich danach kommt für mich in der Liste der ganz besonderen Orte Stockholm.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Es ist ganz unmöglich, dir meine Begeisterung für Stockholm in einem Beitrag zu vermitteln. Ich möchte dir daher hier Grundsätzliches über die Stadt erzählen, in einem weiteren Artikel kommt dann das Wichtigste für deinen ersten Besuch in Stockholm und ein bisschen später dann Dinge, für die du vielleicht erst bei einem weiteren Abstecher in Schwedens Hauptstadt Zeit finden wirst.IMG_7648

Zum ersten Mal war ich während einer Interrail-Reise völlig ungeplant in Stockholm. Das war 1998. Einer meiner Reisebegleiter hatte seinen Reisepass verloren, sodass wir  – eigentlich auf dem Weg nach Norwegen – einen Umweg über Stockholm machen mussten und dort ein paar „Extra-Tage“ verbringen mussten, bis der Ersatzpass ausgestellt war. Damals hab ich mich in Stockholm verliebt und gehofft, bald wieder dorthin zurück zu kommen.

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Im Jahr darauf habe ich mit einer lieben Kollegin einen ganzen Sommer dort verbracht. Wir machten ein Praktikum in einem Krankenhaus und haben so das Leben in dieser bezaubernden Stadt nicht nur als Touristen sondern auch im Alltag kennengelernt. Da wir in diesem Sommer keine Wohnung hatten und ein Hotel für uns Studenten für 2 Monate zu teuer gewesen wäre, durften wir in den Wohnungen der Kollegen wohnen, die gerade auf Urlaub waren uns so ihre Wohnungen bzw. Häuser nicht brauchten – zum Housesitting sozusagen. Wir sind in diesem Sommer jede Woche umgezogen, was zwar anstrengend war, aber auf diese Weise hatten wir Gelegenheit, sehr viele Ecken von Stockholm zu entdecken und die Schweden in ihrem Alltag zu beobachten.IMG_7762

Seit diesem einprägsamen Sommer bin ich unzählige Male nach Stockholm zurück gekehrt. Mit Freunden, mit den Halbstarken und gerne auch alleine. Über die Jahre habe ich so meine Lieblingsplätzchen in Stockholm gefunden, an die ich fast jedes Mal zurück kehre, wenn ich in der Stadt bin. Und obwohl ich schon so oft dort war, entdecke ich doch bei jedem Besuch immer wieder Neues.IMG_7764

Ich wurde schon oft gefragt, wann denn Stockholm am schönsten sei. Nun, ich finde, es hat zu jeder Jahreszeit seinen Reiz (außer vielleicht im grauen November, aber wo ist es denn da auch schon wirklich schön…), aber wenn du das erste Mal nach in diese Stadt fährst, würde ich dir Juni oder Juli empfehlen. Da ist das Wetter warm und beständig und die Tage sind einfach endlos lang. Aufgrund seiner Lage gibt es zwar keine Mitternachtssonne zu sehen, dafür müsste man doch noch deutlich weiter nördlich bis über den nördlichen Polarkreis fahren, aber so ganz dunkel wird es zu dieser Jahreszeit in Stockholm nicht (toll, für Touristen, man kann ECHT viel unternehmen an so einem langen Tag, eher weniger schön, wenn man trotzdem am nächsten Morgen in die Arbeit gehen muss…). Das Leben in der Stadt spielt sich von Mai – August hauptsächlich im Freien ab, was nocheinmal speziell zu der tollen Stimmung beiträgt. Es gibt Freiluftfestivals, unzählige Schanigärten und die Schweden zieht es wirklich nach draußen, so oft es nur irgendwie geht. Der besondere Reiz Stockholms geht für mich vom Wasser aus. Die Stadt ist ja auf 14 Inseln erbaut und gleich an Stockholm anschließend beginnt der SCHÄRENGARTEN, der einen ganz großen Teil des Charms der schwedischen Hauptstadt ausmacht.img_8027

Auch im Winter finde ich Stockholm ganz bezaubernd. Wenn die Nächte lang werden hüllt sich die Stadt in ein Lichtermeer und versprüht damit eine unglaubliche Gemütlichkeit. Die unzähligen Weihnachtsmärkte, die dann in der Stadt – einer der stimmungsvollsten ist natürlich auf dem Stortorget in der Altstadt „Gamla Stan“ – verteilt sind, laden ein, eine Tasse herrlichen Glögg (ungefähr so etwas wie unser Glühwein) und Pepparkakar, Pfefferkuchen, zu probieren.img_4199.jpg

Aber egal, für welchen Zeitpunkt du dich für deinen Stockholm-Besuch entscheidest, ich bin mir fast sicher, du wirst von dieser Stadt begeistert sein.IMG_1979

Die Orientierung in Stockholm ist einfach. Internationale Flüge kommen fast immer am Flughafen Arlanda an. Von dort fährst du am besten mit den Flygbussarna, den Flughafenbussen ins Zentrum. Die sind verhältnismäßig günstig (Tickets gibt es direkt am Flughafen oder – etwas günstiger noch – über die Homepage des Unternehmens), du musst dafür mit ca. 200 SKR für ein Retourticket rechnen. Busse fahren alle 10 min bis direkt zum Busterminal in der Stadt. Eine andere – etwas schnellere, dafür aber mit 540 SKR hin und retour doch deutlich teurere Variante ist der Arland Express. Die Version Taxi gibt es natürlich auch noch, aufgrund der Entfernung in die Stadt von über 40 km ist dabei jedoch mit mindestens 500 SKR für eine Strecke zu rechnen.IMG_7472

Jedes dieser Verkehrsmittel bringt dich direkt in das Zentrum der Stadt zum sogenannten Cityterminalen, dort treffen Züge, Busse und die U-Bahn, die „Tunnelbana“ (daher sind die Haltestellen auch immer mit einem T gekennzeichnet) aufeinander. Im Stadtzentrum bewegst du dich am besten zu Fuß, die Entfernungen sind nicht allzu weit und es macht große Freude, die kleinen Gässchen zu entdecken oder an den Ufern entlang zu promenieren. Je nachdem, wo dein Hotel liegt oder was du sonst noch gerne ein bisschen außerhalb des Zentrums unternehmen möchtest, wirst du aber vielleicht doch ein Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel brauchen. Dieses kaufst du in Form einer wiederaufladbaren Plastikkarte entweder an den Schaltern der U-Bahn oder in den Trafiken. Es gilt immer sowohl für die Tunnelbana, als auch für Busse und die Fähre zur Insel Djurgarden. Eine U-Bahnfahrt in Stockholm ist ein wahres Erlebnis, sind doch fast alle Stationen von Künstlern gestaltet worden und wenn du ein bisschen Zeit hast – oder einen kurzen Regenschauer überbrücken möchtest – kann ich dir eine kleine Rundfahrt (besonders schön ist zB die Stationen Kungsträdgården, Stadion oder T-Centralen) nur wärmstens empfehlen.IMG_4093IMG_4111

Stockholm eilt der Ruf voraus, teuer zu sein. Das stimmt in gewissen Bereichen sicher, vor allem Restaurantbesuche sind mir immer sehr kostspielig vorgekommen. Man kann sich aber damit behelfen, von den preiswerteren und durchwegs schmackhaften Mittagsmenüs Gebrauch zu machen, die oftmals angeboten werden und meistens neben der Hauptspeise auch Knäckebrot – ja, die Schweden lieben es! – Salat und Kaffee beinhaltet. Wobei Kaffee, das muss ich bei aller Liebe zu Stockholm schon sagen, für Kenner der Wiener Kaffeehausszene und vor allem Kaffeeauswahl,  in erster Linie einmal enttäuschend ist, da hier vornehmlich Filterkaffee serviert wird. Und das in rauen Mengen, die Schweden sind ja mit dem Pro-Kopf-Kaffee-Konsum gaaaanz weit vorne. Schön langsam etablieren sich Cappuccino, Latte & Co auch in den Kaffeehäusern, man muss aber oft extra nachfragen.img_6685.jpg

Noch etwas ist wichtig, worauf du  vorbereitet sein solltest, wenn du nach Stockholm (oder nach Schweden generell) fährst: Steck deine Kreditkarte ein! Nicht, um dort Unsummen auszugeben oder die teuersten Shops zu plündern, sondern für den Alltag, denn es gibt dort kaum mehr Bargeld. Jede kleinste Summe wird dort am liebsten mit der Kreditkarte bezahlt, manche Geschäfte oder Lokale akzeptieren nicht einmal mehr Bargeld.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Ich wurde schon oft gefragt, wo man in Stockholm am besten nächtigt. Nun, wie in jeder Großstadt gibt es unzählige Hotels, Hostels und Pensionen, in denen man unterkommen kann und allgemein ist der Standard gut und mit dem zu vergleichen, was wir im deutschsprachigen Raum so kennen. Was mir aber wirklich gut gefällt, weil es etwas ganz Besonderes ist, ist das Hotel bzw. Hostel Långholmen, ein aufgelassenes Gefängnis, in dem man in kleineren (im Hotelbereich) oder Mehrbett-Zellen (im Hostelteil) untergebracht ist. Und ganz, ganz toll ist auch der Dreimaster Af Chapman, der direkt vor der Insel Skepsholmen vor Anker liegt und auf dem man wie ein echter Klabautermann seine Nächte in einer Kabine verbringen kann.IMG_2111.jpg

So, nun bist du also gut angekommen, hast dein Quartier bezogen und deine Kreditkarte und ein Tunnelband-Ticket hast du auch in der Tasche. Dann können wir uns ja auf den Weg zum Sightseeing machen!

Los geht’s, hier geht es weiter zu unserer gemeinsamen Entdeckungsreise!

 

 

 

 

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STOCKHOLM – Sightseeing Tour auf 14 Inseln

Fahre in die Welt hinaus. Sie ist fantastischer als jeder Traum. Ray Bradbury (1920 – 2012)

In meinem letzten Beitrag habe ich ja schon begonnen, dir Stockholm ein bisschen vorzustellen. Nun wollen wir uns aber auf den Weg machen und uns gemeinsam auf eine Sightseeing-Tour begeben. Stockholm ist sehr vielfältig und es wird nicht gelingen, in ein paar Tagen ALLES zu sehen. Aber ein paar Dinge gibt es doch, die du auf keinen Fall verpassen solltest. Bereit?OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Jeden Touristen verschlägt es automatisch in die Altstadt, Gamla Stan. Und das ist gut so! Gamla Stan ist entzückend! Auf einer eigenen kleinen Insel gelegen, ist die Altstadt sehr überschaubar und du kannst dich dort nicht verlaufen. Das Herz von Gamla Stan ist der Stortorget, der „Große Platz“, den du bestimmt von Postkarten kennst, die alten Häuser in allen möglichen Rot- und Gelbtönen sind quasi ein Wahrzeichen der Stadt. Im Sommer laden die zahlreichen Cafés und Restaurants auch zum Heraußen-Sitzen ein und auch wenn alles dort ein bisschen teurer ist, als im Rest der Stadt: die Stimmung ist großartig und es macht Spaß aus erster Reihe dem bunten Treiben zuzusehen.

Nimm dir danach die Zeit, dich durch die kleinen Gässchen treiben zu lassen. Das ist meine allerliebste Beschäftigung in Stockholm, es gibt ja so vieles zu entdecken! Hast du die Mårten Trotzig Gränd, die mit 90 cm engste Gasse der Stadt gefunden?

Wenn du vom vielen Bummeln müde wirst, kann ich dir eine kleine Pause im Cosy Café in der Stora Nygatan 42 empfehlen (dort gibt es „richtigen Kaffee“, was in Schweden ja nicht immer selbstverständlich ist…) oder, für die Verspielten, im Muminkaffe, wo sich alles um die süßen Gesellen, die Mumins dreht.

Die ganz großen Sehenswürdigkeiten der Altstadt, wie den Riksdagen, den schwedischen Reichstag, das Kungliga Slottet, das Schloss, die Storkyrka oder die Klara Kyrka hast du bestimmt in der Zwischenzeit auch schon entdeckt. Die Wachablöse findet im Sommer übrigens täglich um 11.45 (sonntags um 12.45) statt.IMG_7551

Spazierst du von der Altstadt über die Brücke „Strömbron“, kommst du – vorbei an der Oper – direkt zum Kungsträdgården. Dort ist im Sommer so richtig was los! Konzerte und diverse Festivals finden dort statt, und die Schweden lieben es, sich dort zu treffen! Im Winter findest du dort auch einen kleinen Eislaufplatz, auf dem du – bei freiem Eintritt – deine Runden drehen kannst.IMG_2003

Ein paar Meter weiter den Kai entlang findest du die Abfahrtsstelle der Waxholmfähren. Für mich ist eine der ganz großen Besonderheiten an Stockholm die Lage am Wasser. Der Schärengarten liegt direkt vor den Toren der Stadt und um die Atomsphäre Stockholms so richtig kennen zu lernen, solltest du unbedingt eine Schifffahrt hinaus in die Inselwelt einplanen. Such dir dafür einen sonnigen Tag aus – das ist dann Schweden wie aus dem Bilderbuch!

Folgst du dem Kai weiter kommst du zur Skeppsholmsbron, die auf die gleichnamige Insel führt. Der Dreimaster, der dort vor Anker liegt, ist nicht zufällig gerade da, nein, der ist hier festgemacht und beherbergt die beliebte Jugendherberge Af Chapman (nicht nur für Youngsters geeignet, sondern für alle, die Lust darauf haben, mal auf einem echten Segelboot zu übernachten…). Auf Skeppsholmen befindet sich das Moderna Museet – und ein Foto auf der Brücke mit der goldenen Krone ist natürlich auch für denen richtigen Touristen Pflicht!IMG_6726IMG_7463

Viel Zeit solltest du einplanen, bevor du dich nach Djurgården begibst, denn dort gibt es jede Menge zu tun. Die Insel, der „Tiergarten“, ist das grüne Herzen Stockholms und die Einheimischen lieben es, dort zu joggen oder Rad zu fahren. Vielleicht magst du dich ja auch sportlich betätigen und eine Runde radeln? Gleich nachdem du die Brücke Djurgårdsbron überquert hast, findest du einige Radverleihe.

Und danach geht’s ab in die Museen! Das Vasamuseum solltest du dir auf keinen Fall entgehen lassen. Es ist sensationell, wie gut das Schiff, das 1628 auf seiner Jungfernfahrt, die aufgrund eines Konstruktionsfehlers nur ein paar Meter weit glückte, rekonstruiert wurde. 333 Jahre lag die alte Lady unter Wasser, bevor sie gehoben, und aus fast lauter Originalteilen wiederaufgebaut wurde. Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene übrigens 130 sek und du solltest mindestens 1,5 Stunden für den Besuch des Museums einkalkulieren.IMG_7494

Unmittelbar daneben befindet sich das ABBA-Museum. Der Schwedischen Kaltband sollte man wohl auch unbedingt einen Besuch abstatten und sich eine Runde Karaoke genehmigen… Das Museum ist toll und sehr interaktiv gestaltet und auch wenn es mit 250 sek ziemlich teuer ist, ich finde, es lohnt sich auf jeden Fall!IMG_7875

Etwas ganz Besonderes ist der Skansen, eine Mischung aus Freilichtmuseum und Tiergarten. Alte Gebäude aus ganz Schweden wurden dort original wieder aufgebaut, teilweise gibt es auch Handwerks- oder Tanzvorführungen und es finden auch große Konzerte dort statt. Der Tiergartenteil ist liebevoll gestaltet und zeigt die meisten heimischen Tiere Skandinaviens und vom obersten Hügel des Geländes hat man einen herrlichen Blick auf die Stadt. Im Skansen kann man einen ganzen Tag verbringen und immer wieder Neues entdecken. Für die Kurzversion solltest du dir aber auf jeden Fall 3 Stunden Zeit nehmen, damit du dir einen schönen Überblick verschaffen kannst.

Wer ein bisschen „Action“ braucht, sollte sich einen Abstecher nach Gröna Lund, den Vergnügungspark der Stadt, nicht entgehen lassen. Der Eintritt beträgt 110 skr und man kann dort entweder jede Fahrt einzeln bezahlen oder sich – für die ganz Mutigen – ein Ticket kaufen, bei dem alle Fahrten inkludiert sind.IMG_8112

Ein Stadtteil, der sich in den letzten Jahren sehr gemausert hat und unbedingt einen Besuch Wert ist, ist Södermalm, von den Einheimischen liebevoll Söder oder SoFo genannt. Am besten du nimmst die U-Bahn und fährst bis zum Medborgarplatsen. Im Viertel um den Platz spielt sich momentan das Stockholmer Nachtleben ab und es finden sich unzählige nette Lokale, aber auch tagsüber ist immer etwas los. Eine Pause in Gildas Rum, einem etwas kitschigen, aber sehr, sehr netten Café ist immer eine gute Idee für eine „Fika“. So nennen die Schweden übrigens die Kaffeepause, die ihnen heilig ist und zu der es traditionell außer Kaffee auch noch die beliebten Zimtschnecken, die „Kanelbullar“ gibt.

Wunderschön auf Södermalm ist auch ein Spaziergang entlang des Katarinavägen bzw. Fjällgatan. Man wandert da hoch über der Stadt am Wasser entlang und hat einen herrlichen Blick auf Gamla Stan – ideal für alle, die es gerne etwas romantisch haben. Den Sonnenuntergang von dort aus zu beobachten, ist wirklich idyllisch!IMG_7945

Wenn du nach all den Besichtigungen noch ein bisschen Zeit hast, bietet sich ein kleiner Abstecher zum Schloss Drottningholm, dem Wohnsitz der Königsfamilie an. Schloss Drottningholm liegt westlich von Stockholm im Mälaren See und ist mit der Tunnelbana (Station Brommaplan) und dann weiter mit dem Bus oder mit Ausflugsschiffen, die vor dem Stadshuset abfahren, zu erreichen. Das Schloss selbst zählt zum UNESCO Welterbe und der umliegende Park ist ein beliebtes Ausflugsziel nicht nur für Touristen.IMG_7800

Nun gut, ich denke die wichtigsten Sehenswürdigkeiten für deinen ersten Stockholm-Besuch habe ich dir nun vorgestellt. Aber Stockholm hat natürlich noch viel mehr zu bieten – mehr darüber erzähle ich dir gerne das nächste Mal 😉

Aber vielleicht warst du ja ohnehin schon mal selbst in Stockholm. Was sind deine liebsten Orte in dieser schönen Stadt? Ich freue mich sehr auf deine Tipps!

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RILA – vom Berg ins Tal, vom Kloster zum See

Die Natur allein ist unendlich reich, und sie allein bildet den großen Künstler. Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Rila – eine kleine Stadt im Süden Bulgariens. Auf der Landkarte kaum zu finden, aber in jedem Reiseführer als Top-Destination genannt. So unspektakulär Rila auf das erste Mal hören klingt, umso größer ist die Überraschung, wenn man dann selbst dort ist. Es stimmt schon, das Städtchen selbst macht wenig her. Eine lange Hauptstraße, ein paar Pensionen, mehr gibt es dort nicht. Aber der Hauptgrund, warum man unbedingt dort hin muss, ist ein anderer, oder besser gesagt, sind gleich zwei: einerseits das berühmte Rila-Kloster, andererseits der Nationalpark mit den 7-Rila-Seen. Auf unserer heurigen Balkan-Rundreise hatten wir das Glück, beides sehen zu können. Hätte ich mich für eines von beiden entscheiden müssen – es wäre mir sehr, sehr schwer gefallen und auch im Nachhinein wüsste ich nicht, wie diese Entscheidung wirklich ausgegangen wäre.

Von Sofia aus dauert es ca. 2 Stunden mit dem Auto, Rila zu erreichen. Nicht, weil die Strecke so lang ist, sondern weil die Wege in Bulgarien, sobald man die großen Hauptstraßen verlässt, eher, sagen wir mal, gewöhnungsbedürftig sind. Die drei Halbstarken und ich sind am Nachmittag angereist, wir wollten am selben Tag noch das Kloster besichtigen und hatten für den nächsten Tag eine Wanderung eben zu den 7-Rila-Seen geplant.IMG_5766

Kloster… nun, das klingt jetzt nicht soooo spektakulär. Kurz durchmarschiert, und das war’s dann schon, oder? Nun, das Rila-Kloster IST spektakulär, und wenn das sogar die Halbstarken sagen, für die momentan ja fast alles „cool“ sein muss, dann heißt das was. Das Kloster ist riesig – und wirklich beeindruckend!

Es liegt am Ende eines Tales auf über 1000 m Seehöhe und alleine die Anreise über viele Serpentinen in dem engen Tal ist hübsch. Man kann sich auch nicht verfahren, denn danach kommt nichts mehr – world’s end quasi. Der Klosterhof empfängt einen in schickem schwarz-weiß-gestreift und so richtig bunt wird es dann, wenn man sich der Kirche nähert. Dort gibt es Fresken über Fresken schon vor dem Eingang und an der Decke und drinnen sowieso auch – und alle erzählen eine Geschichte. Wohin man auch schaut, es gibt überall etwas zu sehen, Brunnen, einen Glockenturm, Arkaden. Die Kirche selbst ist, wie die meisten Kirchen in Bulgarien, orthodox und voll mit goldenen Verzierungen und Ikonen. Über 1000 Jahre ist das Rila-Kloster alt und bereits seit 1983 zählt es mit Recht zum UNESCO Welterbe.

Hinter der Kirche wird es etwas ruhiger und beschaulicher, die meisten Touristen kommen gar nicht bis hier her. Es lohnt sich aber sehr wohl, auch die hinteren Ecken zu erkunden und sich ein bisschen Zeit zu nehmen, sich die Malereien des Gebäudes etwas näher anzusehen oder einfach ein bisschen zu rasten und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Da das Kloster immer noch bewohnt ist, kann es schon mal passieren, dass einem zwei plaudernde Priester über den Weg laufen.IMG_2901

Das Kloster ist für jeden frei zugänglich, zu unserer Überraschung mussten wir nicht mal Eintrittsgeld bezahlen. Die Öffnungszeiten ändern sich je nach Jahreszeit, genaue Informationen findest du hier.IMG_5787

Wenn man den Klosterhof durch das hintere Tor verlässt, ist leider gleich wieder Schluss mit aller Beschaulichkeit, hier wird es nämlich wirklich touristisch, im Kloster selbst gibt es lediglich einen kleinen Shop, in dem man Ikonen und Postkarten kaufen kann. Wir waren alle nicht hungrig, sodass wir lediglich für ein Getränk dort eingekehrt sind. Nun ja, ich würde sagen, das war gut so. Von dort aus  kann man noch einen Blick auf den weiteren Verlauf des Tales werfen oder seinen Besuch in Rila beenden, oder man kann bereits von dort zu einer Wanderung in den Rila-Nationalpark aufbrechen.IMG_3041

Uns stand aber vor unserem Wandertag (die Ankündigung eines solchen kommt bei Halbstarken erst mal nicht sonderlich gut an, aber darauf konnte ausnahmsweise keine Rücksicht genommen werden, zu verlockend waren doch die Berichte über die wunderschönen Wanderwege im Rila-Gebirge…) noch eine Übernachtung im kleinen  Family Hotel Gorki Kut bevor. Ich muss zugeben, das war ein bisschen ungünstig gewählt. Nicht nur, dass sich das Family Hotel offenbar auf die Führung des Hotels durch eine einzige Familie (oder besser gesagt, auf das Familienoberhaupt, der hier praktisch Mädchen für alles und entsprechend genervt war) beschränkte, war es auch als Ausgangspunkt für unsere Bergtour suboptimal, da wir am nächsten Morgen nochmal fast 2 Stunden bis zum Beginn unserer Wanderung fahren mussten, praktisch einmal um den ganzen Berg herum. Falls du einen Besuch ähnlich wie dem unseren planst, mach es besser und wähle lieber eine Unterkunft etwas näher beim Startpunkt für die Seen-Wanderung. Das Städtchen Dupniza würde sich anbieten, von dort aus ist man in etwa 1/2 Stunde dort.IMG_2947

Ausgangspunkt für diese Tour ist der kleine Ort Saparewa Banja. Von dort aus geht es erst mal über viele, viele Kurven immer bergauf bis zur Talstation des Liftes auf 1600 m Seehöhe. Im Winter ist dort tatsächlich ein Schigebiet und wir hätten ja gehofft, dass die Après Ski Bars geöffnet hätten – dem war aber nicht so. Ansonsten gibt es dort aber alles, was das Touristenherz begehrt (oder auch nicht…), Imbissbuden, Souvenirshops etc. und alles läuft sehr organisiert ab. Ich weiß nicht, warum ich die Illusion hatte, dass die 7 Rila Seen eine Art Geheimtipp wären, vielleicht wegen der Anreise, die ja nicht unaufwändig ist, auf jeden Fall waren wir überrascht, wie viele Leute dort unterwegs waren, Einheimische, aber durchaus auch viele Touristen.IMG_2936

Der Sessellift bringt einen auf den Berg hinauf auf 2100 m, eine wirkliche Idylle, wie bei uns in den Alpen. Und von da an geht es nun aber wirklich zu Fuss weiter. Terrassenförmig sind die 7 Rila Seen angeordnet und es gibt einen gut ausgeschilderten Rundweg von der Bergstation bis ganz zum Gipfel und auf einer anderen Route wieder zurück, wobei es auch etliche Abkürzungen gibt, wenn man wenig Zeit hat, oder nicht zu allen Seen möchte. Die Menschenmassen schlängeln sich fast alle nach rechts hinauf, wir haben die Gegenrichtung gewählt und sind von dort aus gestartet, was sich als sehr gut erwiesen hat, weil wir doch stellenweise ganz alleine waren und uns die schönen Ausblicke nicht mir anderen Wanderern teilen mussten.IMG_2953

Der Weg ist einfach und mit normalen Sportschuhen gut zu bewältigen, je nach notwendigen Pausen sollte man jedoch schon 4-5 Stunden einberechnen um genug Zeit zum Staunen und Genießen zu haben. Denn die wird man brauchen, die Ausblicke sind einfach wunder-, wunderschön und das Panorama scheint sich nach allen paar Schritten zu ändern. Die Tour ist wirklich kurzweilig, weil es soooo viel zu entdecken gibt und kaum hat man den einen See bewundert, taucht auch nach dem nächsten Anstieg der nächste auf und versetzt einen neuerlich in Erstaunen. Jeder See hat entsprechend seiner Form einen eigenen Namen. Da gibt es das Dreiblatt, den Zwilling oder die Niere – entzückend, oder?IMG_2977

Hat man den Nierensee erreicht, geht es über einen relativ steilen Anstieg hinauf zum Auge und schließlich zum Tränensee. Und dann sind es nur noch wenige Schritte bis zum Gipfel, von dem aus man als Belohnung schließlich alle sieben Seen auf einmal überblicken kann. Weißt du, wie schön??? Sogar die Halbstarken waren wirklich berührt und begeistert und wir haben diese tolle Umgebung erst mal eine Zeit auf uns wirken lassen, bevor wir natürlich ein paar Erinnerungsfotos schießen mussten.IMG_5881IMG_3025

Bergab ging es dann ganz gemütlich und mit etlichen Verschnauf- und Ausblick-Pausen. Die Wanderung zu den Rila-Seen ist nichts für Leute, die es eilig haben, sie ist etwas zum Seele-baumeln-lassen. Sie erfordert keine sportlichen Höchstleistungen und ist weder von der Distanz noch von den zu überwindenden Höhenmetern eine besondere Herausforderung. Sie ist nichts, dass man einfach so als „gesehen“ ab haken sollte, und auch bestimmt nicht tun möchte, sie ist etwas für alle Sinne. Und sie entlohnt mit einer unglaublichen Landschaft, die man gerne einfangen und mitnehmen möchte, an der man sich eigentlich nicht sattsehen kann. Auch wenn man dort durchaus nicht allein ist, hat man doch immer wieder das Gefühl, eins zu sein mit der wunderschönen Natur.IMG_2965

Es war wohl auch ein großes Glück, dass wir einfach ein Traumwetter für unseren Wandertag erwischt hatten, denn so wirkte alles gleich nochmal so farbenfroh und intensiv und auf unserer Balkan-Rundreise waren die Tage in Rila sicher welche der allerschönsten und unvergesslichsten.

Mein Rila-Tipp: Plane unbedingt genug Zeit für einen Besuch in Rila ein, für die Wanderung kannst du einen ganzen Tag veranschlagen. Die Rila-Seen werden dich in ihren Bann ziehen und es wäre doch schade, sie nicht genießen zu können, oder?

Was dir von unserer Balkan-Rundreise noch gefallen könnte:

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SKOPJE – Aufschwung, oder „es ist alles nur geklaut“?

Es gibt viele Leute, die die großen Dinge tun können. Aber es gibt sehr wenig Leute, die die kleinen Dinge tun wollen. Hl. Mutter Teresa (1910 – 1997)

Von Skopje, der Hauptstadt Mazedoniens, habe ich natürlich schon gehört, aber wenig darüber gewusst und auf der Liste meiner gewünschten Reiseziele kam sie ehrlich gesagt nicht wirklich vor. Nicht einmal auf unserer heurigen Balkan-Rundreise war sie als Highlight eingeplant. Da die Halbstarken und ich auf der Fahrt vom Ohridsee nach Pristina aber quasi durch Skopje durchfahren mussten, bot es sich an, doch dort Rast zu machen und Mittagessen zu gehen. Und vielleicht kurz ein bisschen durch zu bummeln. Nun, was soll ich dir sagen? Aus dem „kurz“ wurde gar nichts und Skopje einfach so links liegen zu lassen, wäre ein wirklicher Fehler gewesen und auch wenn ich mir immer noch nicht ganz sicher bin, ob mir Skopje wirklich gefallen hat, beeindruckt hat es mich durch seine Besonderheit sehr wohl.

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Das Archäologische Museum – und davor die „Bird-Eye-Bridge“

Es stimmt wohl schon, bis vor wenigen Jahren war die Stadt eher herunter gewirtschaftet und grau. 2008 gab es einen Regierungswechsel und  unter dem Titel „Skopje 2014“ begannen in den Folgejahren umfassende Renovierungsarbeiten im Zentrum der Stadt. Eine Menge Geld wurde investiert – man spricht von Zahlen zwischen 600 und 800 Mio Euro – um die Stadt auf Vordermann zu bringen. Denkmäler wurden errichtet, baufällige Gebäude wurden fertiggestellt und die ursprünglichen Bauten aus der jugoslawischen Zeit wurden teilweise mit neuen Fassaden verkleidet. Dieses Projekt ist nicht ganz unumstritten, Kritiker meinen, es gäbe genug Bereiche im Land, deren Verbesserung mit einer Finanzspritze möglich gewesen wäre und die für die Bevölkerung mehr Nutzen gebracht hätten.

Nichtsdestotrotz – für Besucher hat Skopje seitdem einiges zu bieten. Zentrum der Stadt ist der Makedonija-Platz, in dessen Mitte ein Brunnen mit einer riiiiesigen Statue von Alexander dem Großen umgeben von etlichen Löwenskulpturen ziert.IMG_3544

Für die Mazedonien ein Denkmal für ihren bedeutendsten Herrscher – für uns eine herrliche Erfrischung (es hatte 35°C als wir Skopje unsicher machten – da kam jede Abkühlung, und waren es nur ein paar Wasserspritzer aus einem Brunnen, gerade recht) und ein toller Ort zum Fotoshooting…

Apropos bedeutender Herrscher? Weißt du eigentlich, wer die berühmteste Tochter der Stadt war? Genau! Die Hl. Mutter Teresa! Ihr zu Ehren wurde ein eigenes Gedenkhaus an der Stelle errichtet, an der früher die Kirche stand, in der sie getauft wurde. Davor steht eine lebensgroße Statue und in der Stadt verteilt hängen überall Gedenktafeln mit Aussprüchen der klugen Frau.

Überhaupt scheint Mazedonien ein bisschen ein Faible für Statuen und Gedenkstätten zu haben, es wimmelt in der Stadt nämlich gerade so von Skulpturen. Im … Park reiht sich eine Statue an die andere, jeder, der irgendwann in der Geschichte Mazedonien eine Rolle gespielt hat, scheint dort vor zu kommen. Gekrönt wird das Ganze noch von einer Art „Triumphbogen“, der jedoch auch erst vor wenigen Jahren erbaut wurde.IMG_3538

Die Stadt erweckt auf den ersten Blick den Anschein einer langen Geschichte. Das stimmt auch, die Gebäude dort sind jedoch alle ziemlich neu, die Altstadt wurde bei einem Erdbeben … nämlich fast gänzlich zerstört und erst danach wieder aufgebaut.

Das imposanteste Gebäude ist das Archäologische Museum auf der Seite der Altstadt  (Vorsicht: montags ist es geschlossen!), den Vardar kann man direkt durch die „Bird Eye Bridge“ davor überqueren – insgesamt ein schönes, vielleicht sogar etwas übertrieben wirkendes Ensemble, das ebenfalls auf „alt“ macht, aber neu ist.IMG_6148

Gleich neben der Brücke befindet sich auf der einen Seite die alte Steinbrücke, das wirkliche Wahrzeichen Skopjes, auf der anderen Seite die „Art Bridge“, deren Skulpturen von verschiedenen Künstlern Mazedoniens gestaltet wurden. Lauter Männer übrigens… da kann man, auch ohne allzu emanzipiert wirken zu wollen, ein bisschen drüber nachdenken… IMG_3589IMG_3607

Die Tatsache, dass durch das Projekt „Skopje 2014“ so viele neue Gebäude errichtet bzw. ältere Bauwerke „verkleidet“ und das Stadtbild dadurch einschneidend verändert wurde, hat der Stadt übrigens den Titel „Mazedonisches Disneyland“ eingebracht und die Vergleiche mit anderen Städten wie Prag (die Brücke), Paris (der Triumphbogen) oder London (die Festung und die vielen roten Doppeldeckerbusse, die durch die Stadt fahren) sind nicht ganz von der Hand zu weisen – und auch durchaus nicht unumstritten.

Sehr authentisch ist jedoch die wirkliche Altstadt Skopjes auf der anderen Seite des Vardars mit ihrem alten Bazar. Enge Gassen und kleine Geschäfte versprühen ein ganz eigenes Flair und erinnern an die osmanische Herrschaft in der Stadt, nichts hier wirkt so perfekt wie auf der Neustadt-Seite.

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Ursprünglich ein Hamam – heute ein Museum

 

Man findet Moscheen und Hamams, und viele Cafés und kleine Restaurants laden zum Verweilen ein, die Leute sind gastfreundlich und redselig.

Wir haben die Gemütlichkeit dort genossen, mussten wir doch aufgrund der Hitze alle paar Schritte irgendwo auf ein Getränk einkehren. Hübsch ist auch die alte Karawanserei  Pivnica-An mit ihrem schönen Innenhof – leider waren wir nach einem Besuch in der Pizzeria „La Terrazza“ (die Halbstarken wären wohl verhungert, hätten sie nicht auf der Stelle eine ordentliche Pizza bekommen…) unweit des Makedonija-Platzes – viel zu satt, um noch etwas zu essen.

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Karawanserei Pivnica-An

Zu den ursprünglich erhaltenen Sehenswürdigkeiten zählt auch die Burg Kale, die hoch über der Stadt thront und einen herrlichen Ausblich bis weit ins Land hinein bietet. Ein bisschen erinnert die Architektur an den Tower in London. Der Eintritt ist übrigens frei, es lohnt sich daher auf jeden Fall ein kurzer Abstecher in die Festung.

Wie gesagt, Skopje hat einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen. Auf den ersten Blick einen sehr, sehr positiven, bei näherem Hinsehen durchaus einen, den man überdenken muss. Ein Abstecher hat sich aber auf jeden Fall gelohnt und uns sehr überrascht.

Mein Skopje-Tipp: Unbedingt in einem der vielen kleinen Cafés in der Altstadt einkehren und von dort aus das Basar-Leben und das pulsierende Treiben beobachten.

Warst du auch schon in Skopje? Ich freue mich über deine Eindrücke und Tipps für diese Stadt!

Viel Schönes haben wir auf unserem Roadtrip auf dem Balkan erlebt. Komm doch mit mit uns und hol dir Inspirationen für deine eigene Reise:

Veröffentlicht in Reise-Weise, UNESCO

DONAUDELTA – Reise bis ans Ende der schönen blauen Donau

Die Wildnis ist es, die die Welt bewahrt. Henry David Thoreau (1817 – 1862)

Als Österreicher hat man ja immer ein bisschen das Gefühl, als würde die Donau uns gehören, sind wir doch nur zu stolz auf „unseren“ Donauwalzer, schlemmen „unsere“ Donauwelle und reden immer noch ein bisschen verträumt und der Geschichte nachhängend von „unserer“ Donaumonarchie. Dabei übersieht man aber  gerne, dass wir bei Gott nicht die einzigen sind, durch deren Land sich die Donau schlängelt, sondern dass sowohl davor als auch danach noch einiges kommt. Ganz schön viel eigentlich, aber das hält uns nicht von unserer Freude an der schönen blauen Donau ab.Version 2

Die beiden Quellflüsse der Donau, Breg und Briegach entspringen im Schwarzwald bei Donaueschingen. Über 2875 km fließt die Donau danach als zweitlängster Fluss Europas (nur die Wolga ist noch ein bisschen länger) durch Mittel- und Osteuropa, bevor sie im Donaudelta ins Schwarze Meer mündet. 10 Länder passiert sie dabei – Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien, ein kleines Stückchen Moldawien, die Ukraine und Rumänien, das haben wir alle in der Schule gelernt. Und während wir die Donau hier in Wien quasi täglich sehen und auch schon in vielen anderen Ländern in ihrem Verlauf gesehen haben, wollten wir nun auch wissen, wie denn das Ende der Donau so aussieht und wir wollten die Pelikane sehen, die dort noch in freier Wildbahn lebten. Das Donaudelta sollte ja wirklich ganz bezaubernd sein – und so haben sich die Halbstarken und ich eben das Donaudelta als einen der Höhepunkte unseres heurigen Sommer-Roadtrips ausgesucht.IMG_2067IMG_2079

Die Ukraine und Rumänien teilen sich ja die Ehre, diese wunderschöne Landschaft beheimaten zu dürfen. Wir haben den größeren, rumänischen Teil des Deltas erkundet, aber auch auf ukrainischer Seite ist das möglich, auch wenn der Tourismus dort noch weniger fortgeschritten ist als in Rumänien und die Organisation einer Reise dorthin vielleicht ein paar Hürden mehr mit sich bringt.IMG_1988

Das Donaudelta ist riiiiesig, nämlich 5800 m2, und steht unter strengem Naturschutz und wurde 1991 auch zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt – und wir standen bei unserem Besuch erst mal vor dem Problem, irgendwo „anfangen“ zu müssen. Im ganzen Delta gibt es 24 Ortschaften und eine kleine Stadt, nur 3 der Dörfer sind mit dem Auto zu erreichen, der Rest lediglich per Boot. Ganz am Rand des Deltas liegt Tulcea, eine Stadt mit etwa 90.000 Einwohnern, die von Touristen gerne als Ausgangspunkt für Expeditionen ins Donaudelta genutzt wird. Wir wollten allerdings etwas „näher dran“ sein und entschieden uns daher für das beschauliche Dorf Dunavatu de Jos, wo wir in einer einfachen Privatunterkunft, der Vila Rihanna, 4 Tage verbrachten. Nach Dunavatu de Jos ist die zivilisierte Welt quasi zu Ende. Die letzte Straße mündet in einen klitzekleinen Hafen, danach kommt nur mehr Wasser und Wildnis.IMG_2149

Auch wenn in den letzten Jahren der internationale Individualtourismus zugenommen hat, eine Reise ins Donaudelta (sofern man jetzt nicht mit einer organisierten Reise zB im Rahmen einer Donaukreuzfahrt dorthin fährt) ist anders, als wenn man in Mitteleuropa ein wenig „Wildnis“ erkunden möchte. Von Tulcea aus gibt es zwar sehr viele organisierte Fahrten ins Delta, möchte man jedoch ein bisschen eigenständiger und individueller unterwegs sein, bedarf das einiger Selbstorganisation und viel Herumfragen. Touristeninformationen gibt es – ebenfalls wieder abgesehen von Tulcea – nicht, aber es kennt meistens jeder irgendjemanden, der jemanden kennt… Du weißt schon…IMG_2011

Da all die Leute, die unsere Vermieterin kannte, aber niemanden kannten… wussten wir erst mal nicht so genau, wie wir nun weitermachen sollten und wie wir unserem Ziel – die Pelikane in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten – näher kommen würden. Dann tauchte aber eine Freundin der Vermieterin auf, die eine Freundin hatte und deren Mann…

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endlos schlängeln sich die Wasserstraßen durch das Delta

 

Naja, kurzum, am nächsten Tag ging es los und der für uns organisierte Fischer brachte uns mit seinem klitzekleinen Boot hinein mitten ins Donaudelta. Diese Leute sind dort aufgewachsen und kennen die Gegend wie ihre Westentasche – für uns war es mit der Orientierung bald vorbei, das Labyrinth an kleinen Wasserstraßen, nur unterbrochen von ab und zu einem kleinen See, verwirrte uns völlig. Aber das machte nichts, wir kamen ohnehin aus dem Staunen nicht mehr raus, als wir durch diese wunderschöne Landschaft fuhren. Schilf und Seerosen, wohin man sah, die umliegenden Bäume wuchsen fast bis ins Wasser, sogar Kühe badeten im Wasser. Tiere ohne Ende – es machte uns Freude, im Dickicht all der Pflanzen dort, Frösche, Fische und Vögel zu entdecken.

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Durch uns aufgeschreckte Schwäne… und ganz hinten all ihre Freunde…

Das kleine Motorboot machte leider ziemlich viel Lärm, sodass unser Fischer immer wieder den Motor abstellte, damit wir nicht all zu viel Vögel aufschreckten. Wir konnten Reiher beobachten, in schwarz und in weiß, Kolonien von Schwänen schreckten vor uns auf und flogen höchst beeindruckend mit einem Höllenlärm vor uns davon und schließlich, als das Wasserlabyrinth etwas lockerer wurde, schwammen sie endlich vor uns: die Pelikane!! Scheu sind sie, und natürlich nahmen sie Reißaus, als sie uns entdeckten, aber dennoch blieb genug Zeit, sie zu bewundern.

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Stolzer Fischer mit seiner Beute

Wir konnten uns irgendwie gar nicht sattsehen und auch die Halbstarken waren begeistert und wollten immer weiterfahren, als der Fischer uns fragte, ob wir denn nicht schon zurück wollten. Neiiiiin!!!! IMG_1987Immer wieder fand er irgendwelche Wasserstraßen, die wir noch nicht abgeklappert waren, immer wieder tauchten neue gefiederte Bewohner vor uns auf, überall gab es etwas zu entdecken. Und dabei haben wir nur den kleinen, südlichen Teil des Donaudeltas gesehen, die Möglichkeiten dort wären wirklich unerschöpflich. Wir haben auch ein Pärchen getroffen, dass das Donaudelta überhaupt ganz alleine mit dem Kanu erkundet und dazwischen im Zelt übernachtet, das ist an einigen Stellen noch erlaubt, in der strengen Schutzzone jedoch nicht.

Mit Baden ist im Donaudelta natürlich nichts, das Wasser sieht auch sumpfig genug aus, dass man erst gar nicht wirklich auf die Idee kommen würde. Wenn man Lust aufs Schwimmen bekommt, muss man ganz hinaus fahren bis ans Schwarze Meer. Auch das haben wir uns zum Glück nicht entgehen lassen. Vom kleinen Ort Jurilovca aus gibt es Fähren, die nach Gura Portitei, einer kleinen Sandbank, die auf der einen Seite noch ans Delta, auf der anderen Seite schon ans Schwarze Meer grenzt.

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Angekommen in Gura Portitei

Mit den Fähren und den Fahrplänen ist das allerdings nicht so einfach, es fanden sich jedoch am kleinen Hafen sehr schnell eine Hand voll anderer Leute, die ebenfalls dort hin wollten und ein Fischer bot an, für ein geringes Entgelt uns alle hinzubringen. Nun ja,… es war durchaus ein Abenteuer! In eine kleine, schaukelnde Nussschale wurden alle Leute gequetscht, die mitfahren wollten und wir überquerten SEHR wackelig einen riesigen See. Die Fahrt hat sich aber ausgezahlt – Gura Portitei ist entzückend! Es gibt dort nur ein kleines Hotel und ein Restaurant – ansonsten Sand und Muscheln, wohin das Auge reicht! Seeeehr idyllisch!IMG_1845IMG_1843

Die Donau teilt sich im Delta in 3 Arme auf – den Sfantu-Arm, den Chilis-Arm und den Sulina-Arm – am Ende des letzteren, dort wo das Schwarze Meer beginnt und der endgültige 0-Punkt der Donau festgelegt wurde, liegt die kleine Stadt Sulina, die wir ebenfalls besucht haben. Es wimmelt dort gerade so vor Schiffen, kleinen und großen, die ihre Reise von oder zu der Donau antreten. Sulina ist ein kleines bisschen touristisch, als mehr als unser winziger Ort Dunavatu de Jos, und so werden auch von dort viele Exkursionen ins Delta angeboten. Außerdem hat es den ganz großen Vorteil, dass es so weit draußen liegt, dass es auf der anderen Seite schon ans Meer grenzt und man daher auch herrlich dort baden kann.IMG_5213

Unser Ausflug ins Donaudelta – er war ein ganz, ganz eindrucksvolles Erlebnis und sicher einer der ganz großen Höhepunkte unserer heurigen Balkan-Reise. Die Urtümlichkeit der Natur, all die vielen, vielen Tiere und die Ruhe dort haben sich in uns tief eingeprägt und uns schwer beeindruckt.IMG_5268

Mein Donaudelta-Tipp: Als Ausgangsbasis unbedingt einen der kleinen Orte wählen, um das Delta hautnah zu erleben, einfache Quartiere werden fast in jedem Dorf angeboten. Die Vila Rihanna in Dunavatu de Jos, wo wir untergekommen sind, war schlicht, aber sauber und gleich daneben im Restaurant Pestisorul (Str. Dunareni 107, es ist leider keine Homepage verfügbar), findet man den besten Fisch der Gegend.

Hast du Lust darauf, noch mehr von Rumänien zu entdecken? Wie wäre es dann mit einem Abstecher nach Siebenbürgen… Gemeinsam können wir uns auf die Suche nach Graf Dracula machen…

 

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TRANSNISTRIEN – nie was von gehört, oder??

Wer reisen will,
muss zunächst Liebe zu Land und Leute mitbringen,
zumindest keine Voreingenommenheit.
Er muss guten Willen haben, das Gute zu finden
anstatt es durch Vergleiche tot zu machen.
Theodor Fontane (1819 -1898)

Also noch nie in meinem ganzen Leben habe ich von einem Land namens Transnistrien (gerne auch Transdnestrien genannt) gehört. Du vielleicht??? Das liegt jetzt vielleicht daran, dass wir alle gemeinsam gröbere Bildungslücken haben. Oder daran, dass dieses Land so unbekannt ist, dass man es einfach nicht kennen kann. Ich glaube mittlerweile, eher weiteres ist der Fall… 😉

Erst als meine liebe Ex-Schwägerin Karin und ich uns auf den Weg nach Moldawien machten und den zugehörigen Reiseführer studierten, fiel uns das erste Mal auf, dass es ganz im Osten des Landes einen Streifen jenseits der Dnister gab, der auf der Landkarte lila gefärbt war. Das klang irgendwie interessant und besonders und so haben wir uns näher damit beschäftigt und und schließlich sogar auf den Weg dorthin gemacht.IMG_4505

Transnistrien ist ein Gebiet, eben jenseits des Flusses Dnister (auf Russisch Dnestr, daher kommt die etwas unterschiedliche Bezeichnung) das sich von Moldawien abgespalten hat und das sich fast ein bisschen trotzig vom Rest der Welt abkapselt. Es ist völlig an Russland orientiert und wird auch von dort unterstützt, entsprechend wird im ganzen Land nur Russisch gesprochen, auch wenn Transnistrien politisch gesehen immer noch zu Moldawien gehört. Als Währung gilt der Transnistrische Rubel, manchmal (aber wirklich nicht immer) lässt man sich jedoch auch dazu herab, moldawische Lei anzunehmen. Die Transistrier sehen sich als Russen und man fühlt sich bei einem Aufenthalt in diesem Land tatsächlich wie in einer Zeitkapsel in die alte Sowjetunion zurückversetzt. Hammer und Sichel zieren das Wappen Transnistriens und vor dem Parlamentsgebäude steht immer noch eine Lenin-Statue. Völlig skurril und fast ein bisschen unheimlich!IMG_1069.jpg

Von Chiçinau aus erreicht man Tiraspol, die Hauptstadt Transnistriens in etwa 1 1/2 Stunden Bahnfahrt – es gibt täglich nur 1 Zugverbindung hin und 1 zurück – oder nach etwa 2 Stunden in einem klapprigen Minibus. Das Zugticket für die 75 km lange Strecke kostet umgerechnet gerade mal 1 €, ein durchaus leitbarer Ausflug übrigens. Gleich bei der Einreise am Bahnhof muss man sich beim Immigrationsschalter (hallo – wir wollten nicht einwandern, wir waren nur Touristen und wir wollten GANZ sicher nicht dort bleiben!!!) registrieren und diverse Zettel ausfüllen – und man erhält dann die Erlaubnis, sich max. 10 Stunden in diesem Land aufzuhalten. Was passiert, wenn man länger bleibt, weiß ich nicht  – aber es ist wohl besser, es nicht drauf ankommen zu lassen…

Tiraspol verspürt den typischen Ost-Charme, wie man ihn sich schöner nicht vorstellen könnte. Plattenbau reiht sich an Plattenbau, Heldenstatuen sind in der ganzen Stadt verteilt. Regierungs- und Kulturpalast könnten kommunistischer nicht sein, weite Plätze erinnern an Bilder von riesigen Paraden und Aufmärschen, die unsereins nur aus dem Fernsehen kennt.IMG_1054

Als einzige Stadt auf der rechten Seite der Dnister gehört auch Bender noch zu Transnistrien. Die Stadt an sich ist nicht besonders sehenswert, schön ist allerdings die zugehörige Burg, die direkt am Flussufer lohnt. Vom Burgturm hat man einen herrlichen Ausblick über das Land – und bis ins verfeindete Moldawien hinein. Mit dem O-Bus Nummer 19 kann man Bender übrigens direkt von Tiraspol aus erreichen. Tickets gibt’s im Bus für wenige Rubel.IMG_4575IMG_1094

Ansonsten gibt es in Transnistrien keine nennenswerten Städte, aber viele kleine Dörfer. Einen herrlichen Blick über die Landschaft konnten wir bereits genießen, als wir das moldawische Kloster Tipova besuchten.IMG_0974

Sehr skurril ist auch, dass Transnistrien von einem Sheriff regiert wird, der von Tankstellen über das gesellschaftliche Leben bis zum Mobilfunknetz alles kontrolliert, was im Land so vor sich geht. Sogar der wichtigste Fussballverein des Landes inkl. das zugehörige Stadion ist nach ihm benannt: FC Sheriff Tiraspol.IMG_4555

Was uns überrascht hat war, dass sich in Tiraspol einige durchaus nette Lokale mit westlichem Standard finden. Für Kaffee und Kuchen empfiehlt sich zum Beispiel das Café Love auf der Lenin Straße 9, das lustiger Weise eine österreichische Kaffee-Marke führt. Das Restaurant Mafia auf der Straße des 25. Oktobers serviert japanische und italienische Küche – wir haben es getestet und für gut befunden…IMG_4527.jpg

Moldawien’s abtrünnige Region war mit Abstand das seltsamste Land, das ich bis jetzt besucht habe. Es war eine Erfahrung für sich und vor allem bei der Einreise etwas gruselig, aber durchaus sehenswert. Und wer kann schon von sich behaupten, je in Transnistrien gewesen zu sein?

Mein Transnistrien-Tipp: bei schönem Wetter laden die Sandstrände in Tiraspol durchaus zum Entspannen ein. Wir haben auch Leute gesehen, die in der Dnister gebadet haben, möchten das allerdings nicht unbedingt empfehlen. Weiter als bis zu den Knöcheln hätten wir uns nicht in dieses Gewässer getraut…

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