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SPITZBERGEN – Mit dem Snowmobil durch die unendliche arktische Weite

Wenn du Einsamkeit nicht ertragen kannst, dann langweilst du vielleicht auch andere. Oscar Wilde (1854 – 1900)

Tag 2 unserer Spitzbergenreise überraschte uns mit herrlichem Sonnenschein. Laut Wettervorhersage sollte das auch der schönste Tag unserer Reise werden, sodass wir für diesen Tag eine Schneemobil-Tour buchten, die retrospektiv gesehen auch der Höhepunkt der Reise werden sollte.IMG_3089

Gebucht haben wir diesen Ausflug über Hurtigruten Svalbard erst am Vortag, was aber problemlos klappte. Zum Glück ist die Zahl der Touristen auf Spitzbergen noch sehr überschaubar, sodass wir problemlos an all den Aktivitäten teilnehmen konnten, die wir uns ausgesucht hatten. Wir wurden – wie bei allen anderen Ausflügen auch von unserem Guide, einer kleinen zierlichen Dame namens Merte – direkt im Hotel abgeholt, danach gab es eine Einschulung zum Gebrauch der Snowmobiles und als alle Tour-Teilnehmer ihren Führerschein vorgezeigt hatten (es gab einen extra dafür abgestellten Polizisten, der sich allen Ernstes draußen in den Fjorden aufhielt und die Fahrlizenzen kontrollierte!! Ohne Führerschein, kein Showmobil!!!) wurden wir mit richtigen Polaranzügen, dicken Stiefeln, Handschuhen, Hauben und Helmen ausgestattet. Und dann ging es auch schon los!!!IMG_2984

Anfangs waren wir noch etwas vorsichtig, aber schon nach kurzer Zeit hatten wir uns an unser Fahrzeug gewöhnt und trauten uns immer mehr Gas zu geben. Helga und ich teilten uns ein Snowmobil, sodass jede von uns mal als Co-Pilot durch die Gegend gefahren wurde und die beeindruckende Landschaft so richtig genießen konnte, danach wechselten wir und konnten unsere Fahrkenntnisse austesten. Wer ein bisschen Mofa oder Motorrad-Erfahrung hat, freundet sich sehr rasch mit diesem anfangs etwas eigenartigen Gefährt an und es macht so richtig Spaß über Schnee und Eis zu düsen! Genauso schön ist es aber auch, einfach nur da zu sitzen und das Wahnsinns-Panorama auf sich wirken zu lassen.IMG_2934

Unser Ziel war der Tempelfjord mit seinen beeindruckenden Gletschern – etwa 170 km wollten wir an diesem Tag zurücklegen. Und die Zeit verging wie im Flug! Dank unserer tollen Ausrüstung war’s auch wirklich überhaupt nicht kalt (zumindest nicht, solange man nicht unendlich viele Fotos machen wollte und immer wieder die Hände aus den dicken Handschuhen rausgeben musste…). Merte war für alle Eventualitäten top ausgerüstet, man weiß in dieser Gegend ja wirklich nicht, ob es sich der Wettergott nicht doch zwischendurch anders überlegte und man nicht mehr weiterfahren konnte. So hatte sie von ausreichend Essen über Campingkocher bis zu Zelten, GPS Geräten, Erste-Hilfe-Ausrüstung, dem notwendigen Gewehr und Reserve-Benzin alles mit dabei!IMG_E3046

Und sie kannte die Fjorde wie ihre Westentasche! Was für uns so wirkte, als würde sich die Landschaft doch irgendwie wiederholen, als wäre ein Fjord dem nächsten sehr ähnlich, all das war für sie wohlbekanntes Terrain und so baute sie in unsere Tour regelmäßige Stops ein, um uns auf die Besonderheiten der Gegend aufmerksam zu machen. Und noch etwas wollte sie uns zeigen und wir hofften so sehr, dass es klappen würde: eine Eisbärenmutter mit ihren 2 Jungen sollte sich in dem Fjord herum treiben, sie war erst am Vortag dort gesichtet worden.

Zeichen der Zivilisation finden sich in dieser Gegend kaum, lediglich die Spuren vorangegangener Snowmobil-Touren konnten wir manchmal entdecken. Und irgendwann, nach vielen, vielen Kilometern endloser weißer Weite tauchte plötzlich eine Hütte aus dem Nichts vor uns auf, Fredheim. Die hatte der Jäger Hilmar Nøis einst dort errichtet und er verbrachte mit seiner Frau mehrere Winter dort. Angeblich hat sie sogar ein Kind dort geboren und immer noch gibt es viele Legenden um diesen Platz.IMG_E2955

Die die Hütte herrlich in der Sonne lag, bot sie sich für unsere Mittagsrast wunderbar an. Merte lud daher ihr Gewehr, steckte es neben sich in den Schnee und  hielt uns erst dann an, sich mit ihr niederzulassen. Der Respekt der Menschen auf Spitzbergen vor den Eisbären ist groß und man ist sich der Gefahr, die von ihnen ausgehen kann – insbesondere im Frühjahr, wenn die Mütter mit ihren Kindern erstmals aus ihrer Wurfhöhle kommen und quasi einen Bärenhunger haben – durchaus bewusst. Nicht umsonst gilt auf der Inselgruppe das Gesetz, dass man sich außerhalb der großen Siedlungen nur bewaffnet fortbewegen darf.

Unser Mittagessen war etwas skurril und gewöhnungsbedürftig, bestand es doch aus „Trockenfutter“ der verschiedensten Geschmacksrichtungen, das man nur mit dem mitgebrachten heißen Wasser aufgießen und etwas ziehen lassen musste, aber ich muss zugeben, es schmeckte richtig gut! Und irgendwie passte so ein „Turmat“ ja auch wirklich gut zu unserer kleinen Expedition!IMG_3102

Da das Eis in den Fjorden noch sehr dick war – auch das wurde von Merte überprüft, indem sie mit einem Eispickel einfach ein Loch in die Eisdecke schlug – konnten wir mit unseren Schneemobilen direkt quer über den Fjord sausen, es trug uns mühelos!IMG_2986

Am Ende des Fjordes erwarteten uns die Ausläufer des Tunabreen-Gletschers in leuchtendem Blau. Gletschereis wird aufgrund des Gewichtes der Eismassen so fest zusammen gepresst, dass es seine Zusammensetzung ändert und daher so intensiv blau schimmert. Wieder was gelernt – und das in der völligen Einöde…IMG_3011IMG_3020

Immer wieder hielten wir an, um nach der Eisbären-Mutter und ihren Kindern Ausschau zu halten, aber sie wollte sich tatsächlich nicht blicken lassen… Oder doch???  Nein, es blieb bei dieser inszenierten Aufnahme und ich weiß nicht recht, ob es nicht auch besser so war, sicher ist sicher. Immerhin wurde 2014 tatsächlich mal ein Tourist von einem Bären getötet… Aber irgendwie… gerne gesehen hätte ich so ein majestätisches Tier natürlich andererseits schon gerne …IMG_2948

Auf unserer Rückfahrt nach Longyearbyen präsentierten sich uns jedoch noch wunderschöne Rentiere und die sind auch gar nicht so scheu. Keine Ahnung, wie sie es schaffen, den langen Winter in dieser kargen Umgebung zu überstehen, aber offenbar klappt es, indem sie sich den Sommer über eine ordentliche Speckschicht zulegen.IMG_3098

Die 8 Stunden, die wir auf unserer Tour unterwegs waren, vergingen wirklich wie im Flug und sie hätten ruhig auch noch etwas länger dauern dürfen, wir konnten uns an der wunderschönen Landschaft wirklich kaum sattsehen und haben dieses einmalige Erlebnis absolut genossen.

Hast du schon gehört, welche Besonderheiten Spitzbergen bereit hält und was es so einzigartig macht? Hier kannst du nachlesen, was man an Einzigartigkeit dort findet bzw. was wir sonst noch alles im Hohen Norden erlebt haben…

 

 

 

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SPITZBERGEN – alles ist das Nördlichste!

 

Wenn man sich bei 78° in der nördlichsten Stadt der Welt befindet, trifft man fast zwangsläufig auf allerlei Superlative und es scheint, als hätten sich die „Spitzbergener“ einen Spaß daraus gemacht, Touristen mit den nördlichsten Dingen aller Zeiten zu locken. Abgesehen von der nördlichsten Kirche der Welt, der nördlichsten Universität und dem nördlichsten Krankenhaus, kann man in Spitzbergen auch das nördlichste Bier der Welt trinken, die nördlichste Pizza essen, es gibt das nördlichste Gourmetrestaurant und man kann im nördlichsten Supermarkt einkaufen.IMG_3380

Was unterscheidet dieses Spitzbergen aber noch vom Rest der Welt, was macht es sonst noch so besonders?

  • Die Tatsache zum Beispiel, dass man die Stadt Longyearbyen nicht unbewaffnet verlassen darf! Das nicht notwendig, weil auf Spitzbergen so eine hohe Kriminalitätsrate herrscht (im Gegenteil, hier kennt jeder jeden und die Einwohner passen gut aufeinander auf), sondern als Schutz vor den Eisbären, die immer und überall auftauchen können. Am Anfang und am Ende der Stadt findet sich dieses entzückende Schild und außerhalb dieser Grenze gilt strenge Waffenpflicht (wird auch kontrolliert!). Wer selbst keine Waffe hat, braucht einen bewaffneten Guide, von dem er begleitet wird.IMG_E3078
  • Apropos Eisbären: Es gibt doppelt so viele Eisbären auf Spitzbergen, wie Menschen – 2500 Einwohner und ca. 5000 gezählte pelzige Genossen. Wer hat hier also die Macht???
  • Der Schutz vor den Eisbären erfordert es auch, dass auf Spitzbergen nichts abgeschlossen wird: Autos und Haustüren müssen immer unversperrt bleiben, damit jeder im Fall des Falles Schutz finden kann. Nicht gerade gemütlich, wenn man sich vorstellt, vorm Fernseher zu sitzen und plötzlich stürmt jemand herein, weil er von einem Eisbären verfolgt wird, nicht wahr? Aber offenbar notwendig und allzu oft dürfte so eine Verfolgungsjagd dann ja doch nicht vorkommen…
  • Außer in Geschäften zieht man immer seine Schuhe aus, wenn man ein Gebäude betritt – sogar, wenn man ins Krankenhaus muss. Oder in schönen Restaurants. Oder im Hotel Im Eingangsbereich findet man daher fast überall ein Schuhregal. Und einen Kasten – um auch das stets mitgeführte Gewehr ablegen zu können.
  • Mehr als 10 % der Einwohner Spitzbergens sind Studenten – und sie studieren and der Universität Svalbard Polarwissenschaften, Physik oder Biologie.IMG_3351
  • Auf Spitzbergen werden geplanter Weise keine Kinder geboren. Das kleinen Krankenhaus bietet lediglich eine Notversorgung, für Geburten ist man nicht wirklich vorbereitet, und auch einen Kinderarzt gibt es nicht. Und so werden schwangere Frauen einige Wochen vor der Geburt aufs Festland ausgeflogen (meist nach Tromsø, die in ca. 1000 km Entfernung nächstgelegene größere Stadt) und kehren erst nach der Geburt des Kindes wieder zurück.
  • Ebenso verlassen ältere Personen die Inseln, da eine Altersversorgung dort nicht gewährleistet ist.
  • Gestorben darf auf Spitzbergen auch nicht werden – oder zumindest ist keine Bestattung möglich. Durch den dort herrschenden Permafrost, würden die Leichen im Falle einer Beerdigung wieder an die Erdoberfläche kommen. Ein bisschen makaber, oder?
  • Spitzbergen ist komplett steuerfrei, was Einkäufe dort, vor allem im Vergleich zum restlichen Norwegen, ziemlich günstig macht. Bier und Spirituosen sind an Menge reglementiert, nicht jedoch Wein. Warum ist das so? Man ging früher davon aus, dass die Bergbauarbeiter sich hauptsächlich mit ersteren Getränken volllaufen lassen würden – und dem wollte man durch die Einschränkung entgegenwirken. Wein tranken eher die „feineren“ Leute, von denen man keine Alkoholexzesse erwartete. Die Bergbauarbeiter sind fast alle abgezogen – die Alkohol-Regelung ist geblieben
  • Katzen sind auf Spitzbergen verboten, nicht jedoch Hunde. Auf der Inselgruppe gibt es einzigartige Vogelarten, und man möchte verhindern, dass diese durch die kleinen Raubtiere in Gefahr geraten
  • Eine sehr kuriose Sammlung befindet sich ebenfalls auf Spitzbergen, ganz in der Nähe des Flughafens: eine Samenbank, in der tief in der Erde in einem Punkersystem Samen aller derzeit bekannter Pflanzen gelagert werden. Spitzbergen hat ein sehr konstantes Klima und ist nicht durch Erdbeben, Krieg und ähnliche Katastrophen bedroht, sodass die Inselgruppe ein idealer Aufbewahrungsort dafür ist. Sollte eine Pflanzenart aussterben, kann man auf das dort lagernde Saatgut zurückgreifen und eine Neuzucht versuchen.
  • Mehr als vier Monate im Jahr ist es auf Spitzbergen übrigens dunkel, in der sogenannten Polarnacht. Morketida nennen die Norweger diese Zeit und zum Höhepunkt der Saison wird es nun nicht mal dämmrig und die Temperaturen sinken schon mal auf unter 40 °C. Dafür ist es im Sommer über 4 Monate lang hell, die Zeit der Mitternachtssonne sorgt für reges Treiben und einen wahren Energieschub der Bewohner.IMG_3070

Spannend, oder? Bestimmt hast du nun selbst Lust auf eine Reise auf eine Inselgruppe bekommen, die vom Nordpol nur noch einen… nun ja… Katzensprung… nämlich 1300 km entfernt ist! Hier kannst du nachlesen, wie du deine Reise am besten planst und was dich an Aktivitäten auf Spitzbergen erwartet.

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SPITZBERGEN – auf Eisbärenjagd in arktischen Gefilden

Ich ziehe deshalb den Herbst dem Frühjahr vor, weil das Auge im Herbst den Himmel, im Frühjahr jedoch die Erde sucht. Søren Aabye Kierkegaard (1813 – 1855)

Eine Reise in die nördlichsten besiedelten Gebiete unseres Planeten war schon immer mein Traum – und nun sollte dieser in Erfüllung gehen: Eine Reise wahrlich ans Ende der Welt, in die unendlichen Weiten der Arktis. Eine solche Expedition wollte ich nicht alleine bestreiten, Gleichgesinnte, die sich für so ausgefallene Destinationen interessieren sind jedoch rar, und so traf es sich ganz herrlich, als ich mit Helga eine Reisepartnerin fand, die sich ebenso aufs ewige Eis freute, wie ich.IMG_9100

Der Zeitpunkt um nach Spitzbergen zu fahren, will wohl überlegt sein, denn ebenso vielfältig, wie die Landschaft und die Witterungsbedingungen zu den unterschiedlichen Jahreszeiten sind, so verschieden sind auch die touristischen Angebote, die man zur jeweiligen Zeit dort nutzen kann. Von 26. Oktober bis 15. Februar ist in Spitzbergen Polarnacht, das heißt, die Sonne erscheint überhaupt nicht über dem Horizont und das einzige, was man an Helligkeit erwarten kann, ist ein paar Stunden Dämmerungslicht. Dafür ist die Nacht lang und die Möglichkeit, Polarlichter zu sehen natürlich immens höher. Vom 20. April bis 23. August tritt dann das genaue Gegenteil ein: der Polartag herrscht vor und die Sonne ist rund um die Uhr zu sehen. Die Natur erwacht und das viele Tageslicht ist ebenfalls ein ganz besonderes Erlebnis. Wir entschieden uns dafür, Mitte April nach Spitzbergen zu reisen. Da war es schon rund um die Uhr hell (für die Mitternachtssonne fehlte nur noch ein ganz, ganz kleines Stückchen, das nicht der Rede Wert war), aber noch kalt genug, um vereiste und verschneite Fjorde vorzufinden und alle möglichen Winteraktivitäten mitzumachen. Schon sehr speziell, oder?

Die Anreise nach Spitzbergen läuft immer über Oslo, von dort aus gibt es mit SAS oder Norwegian Direktflüge nach Longyearbyen. Dieser fast unaussprechliche Ort beherbergt den einzigen Flughafen der Inselgruppe und ist zugleich die größte Siedlung auf Spitzbergen. Eine rechtzeitige empfiehlt sich, gibt es doch nur 1 bzw. max 2 Flüge täglich, die in dieser abgeschiedenen Gegend landen.IMG_2848

Während es schon dunkel war, als wir gegen 22.30 Uhr in Oslo wegflogen, war es plötzlich wieder taghell, als wir nach etwa 3 Stunden schließlich landeten. Bereits im Flughafengebäude wurden wir vom ersten Eisbären begrüßt und waren gleich ganz euphorisch – und wie wir bald feststellen sollten, würden uns diese munteren Gesellen in ausgestopfter Form in den nächsten Tagen so ziemlich überall begegnen.IMG_2876

Longyearbyen, das mit 2000 Einwohnern sogar als Stadt gilt, ist sehr überschaubar und entsprechend einfach gestaltete sich auch der Transfer vom Flughafen zu unserem Hotel, es gab nämlich lediglich einen einzigen Bus und der steuerte einfach der Reihe nach alle verschiedenen Unterkünfte an. Wir hatten uns für die Coalminer’s Cabins entschieden, ein einfaches Hotel, das in den früheren Unterkünften der Kohlebergbau-Arbeiter untergebracht war. Es lag etwas außerhalb des Zentrums, war aber zu Fuß gut erreichbar, sauber, das Frühstück war lecker und ausreichend, lediglich das Badezimmer musste man sich mit anderen Gästen teilen, was uns aber nicht störte. Longyearbyen bietet aber auch noch mehrere andere Hotels unterschiedlicher Preisklassen, irgendwie erschienen uns die „Cabins“ jedoch am authentischsten.

4 Tage verbrachten wir insgesamt auf Spitzbergen, dazu kamen noch jeweils 1 Tag für die An- und Abreise. So man nicht an besonderen Touren teilnehmen möchte, die  mehr Zeit in Anspruch nehmen, ist diese Zeit auch durchaus ausreichend, auch wenn es natürlich noch ein paar kleinere Ausflüge gab, die wir in diesen Tagen nicht unterbringen konnten – aber stressen wollen wir uns dann auch wieder nicht. Da sich die meisten Aktivitäten natürlich im Freien abspielen, ist das Wetter nicht ganz unwesentlich, um die angebotenen Möglichkeiten entsprechend genießen zu können. Wir haben daher im Vorhinein keine Touren gebucht sondern alles kurzfristig entschieden – und es hat sich gelohnt, denn so konnten wir uns die schönsten Tage aussuchen um die Ausflüge zu machen, bei denen wir uns am längsten in der freien Natur aufhalten würden.IMG_3074

Der erste Tag war etwas verzogen, zeitweise schneite und regnete es auch. Es regnete?? Auf Spitzbergen?? Nun, es war – zumindest im April – nicht ganz so kalt, wie man sich diese Inselgruppe vorstellen würde, immerhin zieht der Golfstrom an der Küste vorbei, sodass wir durchaus mit Temperaturen um den Gefrierpunkt überrascht wurden. Das lässt sich doch aushalten. Da wir von der langen Anreise ohnehin noch etwas müde waren, beschlossen wir, den ersten Tag der Hauptstadt Longyearbyen zu widmen und diese so richtig zu erkunden, außerdem wollten wir uns ein bisschen organisieren und unsere weiteren Aktivitäten planen. Und das war gar nicht wenig, was sich uns dort bot: von der nördlichsten Kirche der Welt über eine Universität zu einem Einkaufszentrum und sogar einem kleinen Krankenhaus fand sich dort eigentlich alles, was man zum Leben braucht.IMG_8877IMG_8875

Tag 2 überraschte uns mit herrlichem Sonnenschein, sodass wir beschlossen, an diesem Tag eine Snowmobile Tour weit hinaus in die Fjorde zu unternehmen. Wir hatten diese bei Hurtigruten Svalbard gebucht und waren damit wirklich gut beraten. Nach einer kurzen Einschulung wurden wir mit richtigen Polaranzügen, dicken Stiefeln, Handschuhen, Hauben und Helmen ausgestattet. Und dann ging es auch schon los!!!IMG_2921

Snowmobil fahren ist ein bisschen wir Motorrad fahren und während wir anfangs  noch etwas vorsichtig waren, hatten wir uns bald an unser Fahrzeug gewöhnt und genossen es sehr, über Schnee und Eis zu düsen! Das Ganze ist zwar kein billiges Vergnügen (etwa 340 € wurden für den Fahrer und ca. die Hälfte für den Co-Piloten fällig), aber es hat sich mehr als gelohnt und wurde zu einem ganz speziellen Erlebnis.IMG_3070

Unser Ziel war der Tempelfjord mit seinen beeindruckenden Gletschern – etwa 170 km wollten wir an diesem Tag zurücklegen. Die Landschaft war so atemberaubend und da der Fjord noch dick zugefroren war, konnten wir sogar über das Eis fahren, quasi einfach querfeldein.IMG_8978

Gletschereis hat eine ganz besondere Farbe, es leuchtet richtig blau und da davor zu stehen, war so richtig beeindruckend. Aber auch sonst gab es viel zu sehen und wir legten immer wieder kleine Pausen ein, um unsere Umgebung so richtig auf uns wirken zu lassen: Täler, schroffe Felsen, Eisklötze, Wasserfälle – und sogar eine Rentierherde ließ sich blicken.

IMG_9021 Insgeheim haben wir natürlich auch gehofft, Eisbären zu sehen, aber die haben sich leider doch zu gut versteckt. Ich weiß immer noch nicht, ob ich darüber traurig oder auch ein bisschen erleichtert sein soll, sind diese Tiere doch gerade im Frühjahr, wenn sie mit ihren Jungen erstmals ihre Wurfhöhle verlassen doch recht gefräßig und aggressiv… Aber auch ohne die pelzigen Gesellen wurde dieser Ausflug zu einem unvergesslichen Erlebnis!

Am nächsten Tag hatten wir eine Schiffsfahrt geplant. Es gibt auf Spitzbergen noch 2 russische Siedlungen – Barentsburg und Pyramiden. Letztere war das Ziel unseres Ausflugs. Während es einst ein lebendiges Bergbaudorf war, ist Pyramiden nunmehr fast verlassen, nur noch eine Handvoll Menschen leben dort – und das hauptsächlich aus touristischen Gründen. In Barentsburg wird noch aktiv Kohle abgebaut, dort leben noch dauerhaft etwa 500 EinwohnerIMG_3113 (1)

Die Fahrt mit der „Langøysund“ war traumhaft. Wir fuhren die Küste entlang durch mehrere Fjorde, wo wir aus der Ferne wieder den Rentieren beim Weiden zusehen konnten. Es ging durchs Eismeer und unser Schiff schaffte es mühelos, riesige Eisschollen zu durchbrechen und immer wieder konnten wir Walrosse und Robben beobachten, die sich auf den Schollen sonnten oder im Wasser plantschten.

Mittags wurde dann auf dem Oberdeck ein Griller angeheizt und ein herrliches Mittagessen für uns bereitet. Neben gegrilltem Lachs und Schweinerippchen gab es auch Walsteak. Norwegen ist ja das einzige Land, das noch kontrollierten Walfang betreiben darf und so ließen wir uns diese einmalige Spezialität nicht entgehen. Mmmmh!

Leider war der Fjord tief drinnen noch sehr stark zugefroren, sodass unserer Fahrt durch die dicken Eisschollen ein plötzliches Ende gesetzt wurde. Das Schiff wurde daher kurzerhand „auf Eis“ gelegt und wir hatten die Möglichkeit, auszusteigen und eine kleine Runde mitten auf dem Fjord zu drehen, bevor wir leider umdrehen und zurück nach Longyearbyen fahren mussten. Pyramiden sahen wir daher nur von der Ferne – schade, aber mit solchen witterungsbedingten Planänderungen muss man sich in einer Gegend wie Spitzbergen eben abfinden.IMG_3151

Wie schnell sich das Wetter dort ändern konnte, merkten wir bei unserer Rückfahrt. War der erste Teil der Strecke noch wunderschön sonnig und ruhig, zogen plötzlich dicke Wolken und Nebel auf und man konnte vom umliegenden Panorama so gut wie gar nichts mehr sehen. Und kalt wurde es auch… damit wir nur ja nicht vergessen konnten, dass wir uns in der Arktis befanden.

Unser 4. und gleichzeitig letzter Tag war wieder schön sonnig und es stand ein Besuch auf einer Huskyfarm mit anschließender Hundeschlittenfahrt auf dem Programm. Wer mich kennt weiß, dass Hunde und ich keine allzu gute Kombination sind und ich eigentlich eine Heidenangst vor ihnen habe. Aber ich wollte mutig sein und mir dieses Abenteuer nicht entgehen lassen und die Huskys dort haben es mir leicht gemacht, meine Angst so halbwegs zu überwinden. IMG_3212

Svalbard Husky ist ein kleines Familienunternehmen und Audun, der Besitzer, hat uns selbst auf seiner Farm herum geführt und uns mit seinen Hunden bekannt gemacht. Ca. 100 Huskys tummeln sich dort, jeder hat seine eigene kleine Hütte, nur die Babies leben mit ihren Müttern gemeinsam in eigenen Boxen. Audun kennt jeden einzelnen mit dem Namen und all seinen Eigenheiten und es ist eine Freude zu sehen, wie liebevoll er sich mit seiner Frau um die Tiere kümmert.IMG_3211

Es blieb genug Zeit zum Kennenlernen der Hunde, für allerlei Fragen und Erklärungen, zum Umsehen und Streicheln (und auch zum Fotografieren…), bevor wir unser Hundschlittengespann fertig für die Ausfahrt machen mussten. Ich muss ehrlich sagen, wenn man einen ordentlichen Respekt vor Hunden hat, ist es gar nicht so einfach, ihnen das Geschirr anzuziehen, das sie brauchen um vor den Schlitten gespannt zu werden, sie dann aus ihrer Hütte zu holen zu ihrem Platz zu bringen, aber mit vereinten Kräften haben wir das doch geschafft. Und dann ging’s los!

Die Hunde sind wahnsinnig energiegeladen und sie wollen eigentlich nur eines: laufen! Mühelos ziehen sie einen Schlitten mit 2 Personen (einer sitzt, einer lenkt) herum und sie scheinen dabei überhaupt nicht müde zu werden, sondern die Fahrt so richtig zu genießen.IMG_9455

Per Hundeschlitten ist meiner Meinung nach die stimmigste Art um sich an einem Ort wie Spitzbergen fortzubewegen. Das Tempo passt wunderbar um die Umgebung so richtig auf sich wirken zu lassen und abgesehen davon, dass es manchmal ein bisschen abenteuerlich war, wenn der Schlitten über kleine Unebenheiten drüber sauste, war das wirklich sehr, sehr gemütlich.IMG_9408

Den restlichen Tag ließen wir gemütlich in Longyearbyen ausklingen, kauften noch ein paar Souvenirs und genossen ein herrliches Abendessen, bevor  diese wunderbare Reise dem Ende zu ging und wir uns mitten in der Nacht – wir wissen bis jetzt nicht, warum der einzige Flug unbedingt um 3 Uhr Früh von dort losstarten muss… – wieder auf den Heimweg machen mussten.

Spitzbergen hat einen tiefen Eindruck hinterlassen. Ich hatte große Erwartungen an diesen ganz besonderen Ort und abgesehen davon, dass es mit der Eisbärenjagd nicht so ganz geklappt hat, wurden diese wirklich mehr als übertroffen. Es war eine Reise an einen Ort, an dem die Einheit mit der Natur ganz an vorderster Stelle steht, an dem die Menschen so sehr an den Lauf der Jahreszeiten gebunden sind, wie kaum wo sonst. An einen Ort, so weit weg vom Rest der Zivilisation, an dem die Uhren noch ein bisschen anders gehen und an dem einem so richtig bewusst wird, wie wunderbar und besonders unsere Welt eigentlich ist.

Hast du Lust, Näheres über die Besonderheiten Spitzbergens zu erfahren oder uns auf unsere Snowmobil Tour zu begleiten? Na, dann komm mit!!

 

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SIEBENBÜRGEN – auf den Spuren von Graf Dracula

„Der glücklichste Mann, der auf Erden wandelt, ist jener, der seine wahre Liebe findet.“ (aus dem Film „Bram Stoker’s Dracula“)

Eine der schönsten Gegenden Rumäniens ist definitiv Siebenbürgen. Das kann ich mit Gewissheit behaupten, haben die Halbstarken und ich doch im letzten Sommer während unserer Osteuropa-Tour Rumänien 2 Wochen lang unsicher gemacht. Und wir sind dort auf einen Gesellen gestoßen, der uns ganz schön das Fürchten gelehrt hat: Graf Dracula! Aber gab es den auch wirklich?

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Foto: Wikipedia

Ja! Graf Dracula, oder Vlad III.Draculea, lebte tatsächlich in der Walachei. 1431 wurde er in Schäßburg (Sighisoara) geboren und er muss ein ziemlich blutrünstiger Genosse gewesen sein, lieferte er sich doch wilde Kämpfe gegen das Osmanische Reich. Es heißt auch, dass er eine besondere Vorliebe für Hinrichtungen durch Pfählung hatte, was ihm auch noch den Beinamen „Tepes“, der Pfähler, einbrachte. Das rumänische „drac“ bedeutet übrigens Teufel – kein Wunder also, dass sein Ruf nicht der Beste ist. So wirklich berühmt wurde Graf Dracula allerdings erst durch den Roman „Graf Dracula“ des irischen Schriftstellers Bram Stroker, der seine Geschichte niederschrieb.

Diese Hintergründe reichten aus, um meine Reisebegleiter neugierig zu machen. Will man mit Teenagern etwas besichtigen, ist das ja auf den ersten Blick nicht immer ganz so einfach und bedarf manchmal guter Argumente. Graf Dracula war jedoch ein herrliches Lockmittel um allerlei Orte und Schlösser in Siebenbürgen aufzusuchen.

Begonnen haben wir unseren Trip ja in Hermannstadt (Sibiu), der Hauptstadt Siebenbürgens. Die ist wunderschön und wir hatten sogar das Glück, dort an einem großen Siebenbürger-Treffen teilnehmen zu können. Doch davon will ich euch ein anderes Mal mehr erzählen, für Sibiu lohnt sich auf jeden Fall ein eigener Artikel.

Erster Halt unserer „Jagd“ nach Graf Dracula war Schäßburg, oder auf rumänisch Sighisoara. Historisch bedingt spielt Deutsch dort ja immer noch eine große Rolle und so hatten wir keinerlei Verständigungsprobleme und konnten uns sehr sanft an das Rumänische gewöhnen und uns für unsere Weiterreise in andere Landesteile wappnen.IMG_1369

Sighisoara ist eine hübsche kleine Stadt mit engen Gässchen und Pflasterstein-Straßen und man ist dort mächtig stolz auf den offenbar berühmtesten Sohn der Stadt. Alles hier dreht sich um den Grafen – vom Dracula-Cafe, über das Vlad Dracul Restaurant bis zum Dracula-Haus findet sich alles, was man mit ihm in Verbindung bringen kann. Souvenirs über Souvenirs, wohin das Auge reicht, und man wirbt hier sogar mit den Geschäften bzw. Lokalen, in denen Graf Dracula NICHT war…IMG_1384

Ein ziemlicher Touristennepp, der groß aufgezogen ist und auf den wir leider auch hineingefallen sind, ist das Gruselkabinett direkt auf der Piata Cetati. Teenies sind ja anfällig für solche Pseudoattraktionen und ich bin schnell mal überredet, etwas auszuprobieren. Man darf für teures Geld etwa 5 min durch eine Art abgedunkeltes Labyrinth durchgehen und sich grausliche Masken ansehen. Sonst passiert dort nichts. GAR nichts.

Abgesehen von Dracula-Hype hat Sighisoara aber auch vieles zu bieten. Eben die kleinen, idyllischen Gässchen, durch die es sich herrlich flanieren lässt, eine Mischung aus Gotik, Barock und Renaissance prägt das Stadtbild und hat Sighisoara einen Platz in der Liste der UNESCO Welterbestätten eingebracht.IMG_4805

Auffälligste Sehenswürdigkeit ist der Stundenturm, dessen Uhr nur einen Stunden- jedoch keinen Minutenzeiger hat. Er ist jedoch nicht der einzige seiner Art, insgesamt 9 (von 14) Türme sind in der kleinen Stadt noch erhalten und sie alle sind unterschiedlichen Zünften zuzuordnen; so fanden wir zB den Schmiedeturm, den Schusterturm, den Scheiderturm oder den Kürschnerturm. Meine Reisegefährten hatten Spaß daran, sie alle, soweit halt möglich, zu erklimmen!

Hoch über der Stadt liegt auf dem sogenannten Burgberg die Burgkirche und die deutsche Schule, umgeben von einem recht idyllischen Friedhof. 175 Stufen (wir haben sie gezählt) führen über eine überdachte Treppe nach oben und man sollte diese kleine Mühe wirklich auf sich nehmen – der Ausblick von oben ist phänomenal!

Und ist man von den vielen Stufen schließlich müde und erschöpft, lohnt sich eine kleine Pause im Café International, wo man mit herrlichem Kuchen verwöhnt wird, vorausgesetzt, man kann sich mit der Selbstbedienung dort anfreunden. Gerade das Richtige für eine kleine Stärkung und durchaus preisgünstig, obwohl am 1. Platz der Stadt gelegen.

Weiter ging unsere Tour dann zu dem klassischen Dracula-Ort schlechthin: Zum Schloss Bran. Ob der Graf dort wirklich gelebt hat, ist zwar umstritten, das rumänische Tourismusamt hat das Schloss jedoch so gut vermarktet, dass man eigentlich kaum Zweifel daran haben kann. Und wenn’s doch nicht so war, dann ist die Geschichte zumindest gut erfunden und das Schloss entspricht in etwa dem, was man sich nach der Lektüre von Bram Strokers Roman unter der Burg Draculas vorstellt. Eine Top-Location, sozusagen…

Das fanden im übrigen auch die vielen anderen Touristen, die wir dort angetroffen haben. Die Warteschlange zur Kasse war lang, es ging dann aber auch relativ zügig voran. Durch den idyllischen Schlossgarten wanderten wir – ein bisschen Gemecker inklusive, schließlich war es wirklich, wirklich heiß an diesem schönen Augusttag – nach oben und wurden, kaum dass wir das Schloss betreten hatten, in eine andere Zeit versetzt.IMG_1458Türmchen, Balkone, enge Schleichwege, knarrende Gänge. Also wenn das nicht authentisch war. Der Schlosshof mit dem tiefen Brunnen hätte glatt auch für Dornröschen gepasstVersion 2 – es war wirklich märchenhaft und hat uns alle 4 restlos begeistert. Einzig störend war, dass es teilweise wirklich ein Gedrängel gab und es uns nicht so wirklich gelang, mal kurz innezuhalten und das Ganze ungestört auf uns wirken zu lassen. Wäre man alleine dort, ich glaube, man könnte sich so richtig gruseln!IMG_4877

In einem Atemzug mit dem Schloss Bran wird auch das Schloss Peles genannt, wenn man sich auf Dracula-Tour macht. Wobei… alles kann man uns auch nicht für wahr verkaufen und meinem Hobby-Historiker Leonhard ist natürlich gleich aufgefallen, dass das zeitlich überhaupt nicht zusammen passt, stammt dieses Schloss doch aus dem späten 19. Jahrhundert. Aber es ist absolut sehenswert und für mich eines der schönsten Schlösser, die ich überhaupt je besucht habe.IMG_1543

Hoch über der kleinen Stadt Sinaia thront es auf einem Hügel und es ist so entzückend und verspielt, dass man sich kaum daran sattsehen kann. Eine Mischung aus Gemäuer und Holz, mit Türmchen, Balkönchen und unendlichen Verzierungen. Wunderschön! Der Schlossgarten beherbergt unzählige Brunnen und Skulpturen und ist mit einer Vielzahl an Blumen geschmückt.

Auch innen hat das Schloss einiges zu bieten, besteht doch das gesamte Interieur aus Holz, ist verschnörkelt und verspielt. Leider waren die Halbstarken und ich ein bisschen in Zeitnot, weshalb wir keine Führung machen konnten, bei meinem ersten Besuch vor ein paar Jahren bin ich allerdings auch innen durchmarschiert und war begeistert.IMG_1541

Das war natürlich bei weitem nicht alles, das Siebenbürgen zu bieten hat, aber es waren die wichtigsten Stationen auf unserer Dracula-Jagd. Waren wir erfolgreich? Nun ja… „Der Kavalier genießt und schweigt“, heißt es ja so gerne – und ungefähr so wollen wir es auch halten. Aber das ist auch gar nicht so wichtig… wir hatten eine tolle Zeit während unserer Suche nach dem Grafen, und das ist es doch, was zählt, oder? Siebenbürgen bietet übrigens noch viele weitere entzückende Städte, über die ich euch später erzählen werde, Klosterburgen, die in ihrer Art einzigartig sind und eine Geschichte, die uns näher steht, als wir denken. Bist du neugierig darauf?? Stay tuned!!

Und falls du in der Zwischenzeit schon Lust auf mehr Impressionen von Rumänien hast: wie wäre es mit einem Abstecher ans Donaudelta?

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ISRAEL – und plötzlich bin ich bibelfest

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Drum nähme ich den Stock und Hut und tät das Reisen wählen. Matthias Claudius (1740-1815)

Hallo, ihr Lieben!

Ich habe ein neues Land entdeckt! Also, natürlich nicht weltgeschichtlich gesehen – aber für mich. Meine kleine Welt hat sich erweitert – um ein Land das ich schon lange mal bereisen wollte, das mich irgendwie faszinierte, obwohl ich es gar nicht kannte und von dem man immer wieder in den Medien hört, wenn auch nicht immer aus erfreulichen Gründen. Israel! Eine Jahrtausendelange Geschichte verbirgt sich hinter diesem Land – und die wollte doch erforscht und entdeckt werden, oder?

Auch wenn meine Freundin Lisi und ich nur 4 1/2 Tage Zeit für dieses Projekt hatten, wir wollten es drauf ankommen lassen und einfach das von Israel sehen, das sich in dieser kurzen Zeit machen ließ. Jerusalem war Pflichtprogramm – alles weitere war flexibel. Dachten wir. Bei der Lektüre unseres Reiseführers stellte sich nämlich sehr bald heraus, dass Israel eine Menge zu bieten hat, das wir unbedingt sehen wollten. Aus „nur Jerusalem ist Pflicht“ wurde schließlich „ich will auch nach Haifa und zum See Genezareth und nach Bethlehem und nach Akko….“ – und so haben wir die Idee geboren, doch einen Mietwagen zu nehmen.IMG_9954

Noch ein bisschen komplizierter gestaltete sich unsere Planung, als wir rausfanden, wie man es in Israel mit den Feiertagen hält. Freitag Abend bis Samstag Abend ist Sabbat – alles, was jüdisch ist, ist in dieser Zeit geschlossen. Ausnahmslos. Am Samstag haben dann muslimische Geschäfte und Restaurants oft zu und am Sonntag alles Christliche. Das Bedarf ein bisschen einer Umsicht! Wir haben unseren Reiseablauf einige Male geändert, weil wir drauf gekommen sind, dass manches an einigen Tagen einfach nicht zu besichtigen ist. Wenn man drauf vorbereitet ist, ist das alles nicht schlimm, aber wenn nicht, kann man durchaus seine Überraschungen erleben.

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Jaffa im Sonnenuntergang

Also, auf ging’s! Der größte Flughafen des Landes, Ben Gurion, liegt etwas außerhalb von Tel Aviv und da Israel ein kleines Land ist, schien uns Tel Aviv auch als ein guter Ausgangspunkt für unsere kleine Expedition. Eine kleine Expedition – das schreit doch direkt nach dem Little Tel-Aviv Hostel als Unterkunft. Einfach, sauber und günstig, das waren unsere Ansprüche und denen tat das Little Tel-Aviv mehr als nur Genüge. Die Lage war auch gut, in ein paar Minuten konnten wir auf dem mondänen Rothschild-Boulevard flanieren und bis zum Strand waren es gerade mal eine gute Viertelstunde.img_6358.jpg

Apropos Strand! Der Strand in Tel Aviv ist toll und hipp – wenn man nicht gerade im Jänner dort ist! Uns empfing er nämlich mit einem ordentlichen Sturm, der alles überflutet hat, von Baden oder auch nur Plantschen war daher keine Spur (naja, wäre auch sonst im Jänner nicht soooo verlockend gewesen, aber ein Bikini-Foto hätten wir sonst schon geschafft…), aber wir waren beeindruckt von der Kraft des Wassers, von den riesigen Wellen und auch von dem Chaos, das so ein Sturm gleich mal anrichten kann. Aber irgendwann wär’s wohl schön, nochmal dorthin zurück zu kommen, wenn der Strand so richtig belebt ist, man die verschiedenen Strandabschnitte und das wilde Treiben dort auskosten kann.IMG_E0039

Tags darauf ging machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Ein Teil Tel-Avivs ist als UNESCO Weltkulturerbe geschützt: die sogenannte „Weiße Stadt“, in der sich Bauten im Bauhausstil aneinanderreihen. Das ist jetzt natürlich Geschmacksache und vielleicht nicht unbedingt schön, aber ich hab ja so ein Faible fürs Welterbe – wie du bestimmt schon mitgekriegt hast – und drum mussten wir dort einfach hin. Irgendwie scheint dieser Baustil überhaupt in der ganzen Stadt allgegenwärtig zu sein, wir entdeckten nämlich eine ganze Menge „Bauhaus-Häuser“, oder glaubten zumindest, sie als solche zu erkennen…

Am Nachmittag ging es nach Jaffa, den südlichen, alten Stadtteil von Tel Aviv. Jaffa ist eine alte Hafenstadt mit einer langen Geschichte und weil wir ja gerade auf dem „Bildungstrip“ waren, beschlossen wir uns einer Free Walking Tour anzuschließen. Diese Gratis-Touren werden ja gerade in vielen Städten angeboten und ich muss wirklich sagen, es war informativ und kurzweilig . Aber auch sonst hat es Spaß gemacht, durch die engen Gässchen der Altstadt zu bummeln oder den Fischerbooten am Hafen zuzusehen. Der Wellengang war ja immer noch gewaltig, sodass die meisten Schiffe im Hafen lagen und gar nicht auslaufen konnten.

Als wir mit der Tour fertig waren und es Zeit war, Souvenirs zu kaufen, staunten wir nicht schlecht. Es war nicht mal 16 Uhr, als in Jaffa alles dicht gemacht und alle Rollläden runtergelassen wurden: klar, der Sabbat begann. Wie gut, dass wir bereits zuvor unser Mietauto abgeholt hatten, denn auch die Busse stellten ihren Betrieb völlig ein. Sei darauf vorbereitet, wenn du vor hast, nach Israel zu fahren. Es fahren in dieser Zeit zum Beispiel auch keinen öffentlichen Busverkehr zwischen Tel Aviv und Jerusalem und es kann durchaus mal passieren, dass man sonst feststeckt. Es gibt aber private Alternativen, die sogenannten Sheruts, die angeblich sehr gut funktionieren, aber leider keinen fixen Fahrplan haben, sondern immer dann los starten, wenn sie eben voll sind.

Zum Glück war die Nahrungsbeschaffung in Tel Aviv selbst trotz des Sabbats unkompliziert, es fanden sich genügend Lokale, die offen hatten (in Jaffa haben wir gerade mal mit Mühe und Not noch einen Kaffee bekommen, bevor alles geschlossen wurden. Sehr lecker haben wir im Restaurant Night kitchen gegessen – wir wussten gar nicht, welch ein In-Lokal das ist, und welch ein Glück wir hatten, das wir ganz spontan einen Tisch bekamen. Eine Reservierung empfiehlt sich daher unbedingt – na fürs nächste Mal wissen wir es… Kulinarisch hat Tel Aviv überhaupt einiges zu bieten, internationale Küche ist genauso vertreten, wie einheimische Kost. Unser Herz erobert hat das Lokal Benedict am Rothschild Boulevard. Haben wir uns erst noch gewundert, dass dort mit „All about breakfast 24/7“ geworben wird, wurden wir bald eines Besseren belehrt: Hier gibt es wirklich rund um die Uhr Frühstück, und nur das – in allen leckeren Varianten.t

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Frühstück zum Abendessen – das „Benedict“ macht’s möglich!

Tags darauf führte uns unsere Tour dann Richtung Norden. Das Autofahren in Israel ist, abgesehen von den Großstädten, wo es schon mal richtig voll werden kann, kein wirkliches Problem. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern (ich erinnere mich da an eine Fahrt durch das nächtliche Amman in Jordanien…) werden Verkehrsregeln weitgehend eingehalten und die Straßenbeschilderung erfolgt fast immer dreisprachig in Hebräisch, Arabisch und Englisch. Das Autobahnnetz ist gut ausgebaut und die Orientierung recht einfach. Uns hat man wie selbstverständlich mit einem Automatik-Auto ausgestattet und ich weiß bis heute nicht, ob ich mich nicht vielleicht ein bisschen darüber kränken sollte…IMG_0217

Zuerst machten wir in Haifa halt, um die berühmten Bahaa-Gärten zu besichtigen. Eine wunderschön angelegte Garten-Anlage mit einem goldkippeligen Schrein und einem Gebetszentrum, die über Haifa thront und einen herrlichen Blick über die Stadt bietet – all das gehört der sogenannten Bahai-Religion, die paradoxer Weise in Israel selbst aber gar keine Mitglieder haben darf. Leider kann man die Gärten nicht durchgehend besichtigen sondern muss für die einzelnen Terrassen immer wieder eigene Eingänge benutzen, was uns ziemlich genervt hat. Nichtsdestotrotz lohnt es sich, sich bis ganz nach oben „vorzuarbeiten“ um dann den wunderschönen Ausblick genießen zu können.IMG_E0130

Dann ging es weiter in die alte Seefahrer-Stadt Akko. Akko hat eine entzückende Altstadt, die nur aus engen Gässchen besteht und diese wiederum sind voll mit Marktständen. Und Akko hat einen Hafen, in dem bunte Fischerboote vor Anker liegen.IMG_6531

Von dem abgesehen wird man in Akko in die Zeit der Kreuzfahrer zurück versetzt. Beherrscht wird die Stadt von einer riesigen Burganlage und die Kreuzfahrertunnel, über die früher die Stadt betreten und verlassen werden konnte, sind auch noch zu besichtigen. Ein bisschen spooky, oder? Wir hatten nur ein paar Stunden für diese hübsche Stadt eingeplant, hätten aber noch locker einen ganzen Tag bleiben und herumschlendern können.IMG_6636

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Uhuuuu… 2 Geister, oder wie?

Aber nein, wir mussten weiter. Zum See Genezareth – ich hatte nämlich eine Mission: ich wollte über’s Wasser gehen. Soll ja schon mal vorgekommen sein und irgendwie klang das Ganze nicht so schwierig… War es dann aber doch und ich muss zugeben, ich bin gescheitert. Nichtsdestotrotz ist ein Abstecher an den See Genezareth eine feine Sache. Er liegt nämlich 200 m unter dem Meeresspiegel und es herrscht eine ganz eine eigene Atmosphäre dort. Die erste Anlaufstelle, wenn man von der Küste kommt, ist Tiberias, ein Ferienort, in dem es im Sommer wohl schon ganz schön voll werden kann. Im Jänner war dort aber fast keiner und wir konnten beinahe ungestört (die Möwen, die Möwen…) ein herrliches Abendessen an der Esplanade genießen – quasi erste Reihe fußfrei.IMG_E0234

Am Sonntag erwartete uns das Highlight unserer Reise: Jerusalem stand am Programm. Jerusalem muss man gesehen und erlebt haben! Betritt man die Stadt durch eines der 8 Tore der Stadtmauer, ticken die Uhren anders. Es ist schwer zu beschreiben, aber in Jerusalem liegt etwas in der Luft. Es herrscht eine ganz eine eigene Stimmung und auch wenn man nicht sonderlich gläubig ist, hat man das Gefühl von etwas Spirituellem umgeben zu sein. Es hätte mich auch nicht gewundert, wenn Jesus mit seinen Jüngern plötzlich über die Via Dolorosa spaziert wäre – das wäre durchaus stimmig gewesen.IMG_6775

Ich kann ja manchmal etwas kompliziert sein, und so habe ich mir hier eingebildet, unbedingt ein Foto von mir vor dem Felsendom haben zu wollen. Aus Israel wegzufahren, ohne dieses Bild ging gar nicht, das war für mich, als wäre ich in Paris, aber nicht am Eiffelturm gewesen. Tatata – bitte sehr – Lisi hat es möglich gemacht!!IMG_0261

Warum ich das extra so erwähne? Nun, es ist gar nicht einfach, den Tempelberg wirklich zu betreten. Von der Ferne sieht man den Felsendom aus der ganzen Stadt, aber direkt davor zu stehen, bedarf einiges organisatorischen Geschickes, die Öffnungszeiten dieser heiligen Stätte sind nämlich sehr überschaubar, und nicht wirklich vorhersehbar. Freitag und Samstag ist grundsätzlich geschlossen. An den anderen Tagen sollte der Tempelberg grundsätzlich am Vormittag und am Nachmittag für 2 Stunden geöffnet sein – dies kann sich aber, je nach Sicherheitslage und Gebetssituation, jederzeit ändern. Wenn nämlich die Moslems in der Al-Aqsa Moschee zu beten beginnen, haben alle anderen Leute ratzfatz den Berg zu verlassen. Und das geht blitzschnell, wir haben es selbst erlebt. Es verspricht auch kein Tourenbieter, bei einem Rundgang durch Jerusalem den Tempelberg zu besichtigen, weil das Ganze eben nicht wirklich planbar ist. Ich bin aber seeehr froh, dass wir dort waren und ich mein Foto hab. Danke, Lisi! Jerusalem kann man nicht so nebenbei abhandeln, ich werde dir daher in den nächsten Tagen in einem eigenen Blogpost nochmal extra darüber berichten.

Von Jerusalem nur ein paar Kilometer entfernt liegt Bethlehem. Jeder kennt Bethlehem, da wurde doch das Christkind geboren und jedes halbwegs religiöse österreichische Kind träumt davon, einmal als „Friedenslichtkind“ für die Aktion des ORF Oberösterreich vor Weihnachten nach Bethlehem zu reisen und dort das Friedenslicht zu entzünden und nach Hause zu bringen. Nach Bethlehem mussten wir also auch unbedingt und die paar Kilometer Entfernung… so nahe kamen wir da nicht so schnell wieder hin. Was wir allerdings nicht bedacht und erst bei unseren Recherchen vor Ort bemerkt haben: Bethlehem liegt im Westjordanland und das ist von Israel abgeriegelt. Durch Zäune und durch eine Meterhohe Mauer. Von „schnell mal hinfahren“ war daher keine Spur, der Autobus, der uns dort hinbringen sollte, umrundete gefühlt die ganze Stadt und brauchte dafür fast 1 1/2 Stunden – Grenzkontrollen durch schwer bewaffnete Soldaten im Autobus inklusive. Da kann einem schon mal kurz mulmig werden.

In Bethlehem selbst hat sich dann ein Taxifahrer angeboten uns ein bisschen herumzufahren, was keine schlechte Idee war. Das idyllische Bethlehem, in dem man mit dem Esel herumreitet und von einem Ende der Stadt zum nächsten mal ein paar Minuten braucht, gibt es nämlich nicht. Das heutige Bethlehem ist eine große Stadt mit über 30.000 Einwohnern, verwinkelten Straßen und von einer schnellen Besichtigung ist da keine Spur. Wir ließen uns also zur Geburtskirche bringen und stiegen in die berühmte Geburtsgrotte hinab – schon ein denkwürdiger Moment. Ich muss ja sagen und ma hört es vielleicht auch heraus, ich bin nicht wirklich religiös. Aber wenn man mal davon ausgeht, dass es stimmt, was über diese Orte und ihre Begebenheiten überliefert wurde, dann ist es schon „wow“, selbst dort zu stehen.

Unser Taxifahrer war Palästinenser und es war ihm ein Anliegen, uns zur Mauer zu fahren und uns darüber zu erzählen, wie sie ab 2005 praktisch über nach errichtet und die West Bank von Israel abgeriegelt wurde. 25 km ist die Mauer lang, die restliche Sperrzone wird mit Zäunen und Wachtürmen gesichert. Das hatten wir doch alles schon mal irgendwo und gerade deshalb fühlt es sich umso bedrückender an. Manche, wie dieses Hotel direkt an der Mauer, versuchen aller Ironie zum Trotz Profit daraus zu schlagen und und bieten Zimmer mit Mauerblick an. Der absolute Großteil der Bevölkerung leidet jedoch darunter, denn sie sind ausgeschlossen von der Welt und ihrem Leben vor dem Mauerbau.

Unseren letzten Tag in Israel widmeten wir weitgehend den archäologischen Stätten des Landes. Und so fuhren wir nach Caesarea, eine Dreiviertelstunde nördlich von Tel Aviv, einer ehemaligen Hafenstadt mit fast 2500 Jahre langer Geschichte, wo sich in einem Nationalpark beeindruckende Überreste Römischer Besiedelung wie ein Hippodrom oder ein altes Theater befinden. Megiddo, auf der Strecke zwischen Tel Aviv und Nazareth haben wir in seiner Bedeutung etwas unterschätzt. Von hier soll laut Bibel Armageddon, der Weltuntergang ausgehen. Lisi war traurig, dass wir keine Zeit für eine Besichtigung hatten, ich fühlte mich fast ein bisschen erleichtert. Man will ja im Fall des Falles dann doch nicht direkt vor Ort sein…

Nazareth mussten wir auch noch einen Besuch abstatten, es war ja schließlich das Dorf, wo alles begann und Maria die frohe Botschaft empfing. Nun ja, Dorf… das ist so eine Sache, denn auch Nazareth hat sich ziemlich gemausert und beherbergt nun fast 80.000 Einwohner – inklusive ihrer Autos, die sich gefühlt alle zur selben Zeit auf den Straßen befanden und einen beträchtlichen Stau verursachten. Außer der Verkündigungskirche und einem bisschen „Streetlife“ bietet Nazareth nicht viel und ich würde retrospektiv fast empfehlen, dass jeder, der nicht aus religiösen Gründen hinmöchte, eher einen Bogen drum macht und seine Zeit andernorts besser verwendet.

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Hier hat Maria gewohnt – anno dazumal…

Nun, 4 1/2 Tage um ein ganzes Land zu erkunden, das ist natürlich viel zu kurz und wir mussten durchaus Abstriche machen. Die Gegend südlich von Jerusalem, die Wüste Negev, das Rote und das Tote Meer konnten wir gar nicht besuchen und auch sonst gibt es bestimmt noch viele Orte, die mehr als sehenswert sind. Diese kurze Zeit hat aber auf jeden Fall gereicht, um einen Eindruck von Israel zu bekommen, im grauen Januar ein paar Sonnenstrahlen zu tanken Bibelkenntnisse aufzufrischen, und sich ein bisschen mit der Geschichte des Nahen Ostens zu beschäftigen.

Ich wurde seitdem mehrmals gefragt, ob ich noch einmal nach Israel fahren würde. Wäre ich noch nicht dort gewesen, würde ich es in der momentanen Situation wieder tun, ein zweites Mal möchte ich vorläufig aber nicht hinreisen. Ich finde es durchaus befremdlich, an allen Ecken und Enden von Uniformierten mit Maschinengewehren überwacht zu werden und auch die penibel genauen Kontrollen und Befragungen am Flughafen Ben Gurion empfand ich als unangenehm. Wir haben aber ansonsten keine brenzligen Situationen erlebt und wir haben uns auch nicht gefürchtet. Trotzdem empfiehlt sich schon, sich vor der Abreise über die Sicherheitswarnung des Außenministeriums zu informieren, denn auch wenn die Lage momentan ruhig ist, kann sich dies natürlich jederzeit wieder ändern.

Warst du auch schon in Israel und möchtest deine Erfahrungen mit uns teilen? Gerne freue ich mich über deinen Kommentar!

Hast du Lust, mehr über Urlaub im Nahen Osten zu erfahren? Vielleicht ist ja mein Bericht über 10 Tage in Jordanien etwas für dich?

 

 

 

Veröffentlicht in Reise-Weise, Stadt-Reise

LONDON – Wochenendtrip in Teenie-Begleitung

Die Welt ist ein Buch und diejenigen, welche nicht reisen, lesen nur eine Seite.

Der Zufall wollte es, dass mein lieber Kollege Stefan (viiiielen Dank nochmal an dieser Stelle!!!) ein Wochenende in London gebucht hat, das er dann aber nicht antreten konnte. Da die Hotelbuchung aber nicht mehr storniert werden konnte, habe ich mich quasi „geopfert“ und bin in Begleitung meines mittleren „Halbstarken“ (pubertätsbedingte Hormonschwankungen hoch vier!!!) in die britische Metropole aufgebrochen. Und was die liebe Reiseeule unlängst in Mädchenbegleitung erlebt hat, gibt’s hier nun in „Teenie-Männer“-Version nachzulesen…

IMG_8395 (1)Dazu muss ich gleich noch vorweg nehmen, dass wir schon mal in London waren, ziemlich genau 2 Jahre ist das nun her. Aus diesem Grund kannten wir uns schon ein bisschen in der Stadt aus und haben auch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten schon mal abgeklappert, was die ganze Reise unheimlich entspannte. Ich selbst neige ja dazu, immer ALLES sehen zu wollen, was bei einem Wochenende in so einer großen Stadt natürlich unmöglich ist. Noch unmöglicher ist dieses Unterfangen allerdings in Begleitung eines Pubertiers, das erstens verdammt viel Schlaf braucht und morgens nur sehr träge in die Gänge kommt und sich zweitens bei Sightseeingtouren auch eher langsam bewegt und nur eine sehr beschränkte Ausdauer hat. Sogeschen waren die Voraussetzungen für eine halbwegs entspannte Reise ja sehr gut.

IMG_5520Bonuspunkte beim Pubertier konnte ich außerdem sammeln, weil unser Flug schon kurz nach Mittag ging, sich ein Schulbesuch an diesem Freitag also gar nicht lohnte. Froh gelaunt schnappten wir uns also am Vormittag ein Taxi, ließen uns zum Flughafen kutschieren und von der EasyJet nach Gatwick fliegen – alles „easy cheesy“, sozusagen…

Unser Hotel war top-modern und bescherte mir gleich weitere Gutpunkte bei meinem Begleiter. Das CitizenM lag unmittelbar hinter dem Tower, die Underground Station direkt unter dem Hotel, praktischer ging es wirklich nicht.IMG_5369 (1)

Und dass im Hotel alles elektronisch ablief, begeisterte uns dann vollends: von der Lichtsteuerung im Zimmer, über die „Vorhänge“ bis zum Weckton in der Früh: alles konnte von einem iPad aus gesteuert werden. Das kleine Badezimmer hatte Milchglasscheiben und man konnte sogar die Farbe der Beleuchtung wählen, während man unter der Dusche stand. Sehr spacig und pubertätsfreundlich…

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Nette Demo in der Lobby…

Nachdem wir uns elektronisch abreagiert hatten, stürzten wir uns ins Geschehen – London hautnah! Unser erster Weg führte uns zur Tower Bridge. Diese kann man nicht nur bestaunen, sondern auch von innen besichtigen und ganz oben über einen Glasboden überqueren! Brrrr, das kostet eine ganz schöne Überwindung in über 40 m Höhe über die Themse zu spazieren, die Autos auf der Brücke und etliche Schiffe unter einem.IMG_8414 (1)

In den beiden Türmen befinden sich Ausstellungen zur Geschichte der Brücke und abschließend kann man auch noch den Maschinenraum besichtigen, von dem aus der Brückenmechanismus betrieben wird. Faszinierend!

Anschließend ließ sich mein Halbstarker mit dem Versprechen auf ein ordentliches Abendessen zum Piccadilly Circus und auf die Oxford Street locken.IMG_5438 (1)

Ich durfte ein bisschen bummeln und Souvenirs einkaufen, durch einen kurzen (aber ziemlich teuren…) Besuch im „Kingdom of Sweets“ auf der Oxford Street wurde mir sogar ein etwas längerer Bummel zugestanden, bevor uns dann der jugendliche Hunger zwang, die nächstbeste Gelegenheit zur Nahrungsaufnahme zu ergreifen. Diese bot sich uns im Ember Yard, einer Tapas Bar mit wirklich exzellentem Essen. Nicht das typische Jugendlichen-Restaurant, das muss ich zugeben, aber der Hunger war groß und als wir erst einmal begonnen haben uns durchzukosten waren wir BEIDE begeistert!!

Danach war es schon relativ spät und wir waren müde, außerdem bot unser fancy Hotel eine unendliche Auswahl an Filmen an, die man – selbstverständlich per iPad – auswählen konnte, von denen wir mindestens 500 unbedingt sehen mussten. Nun ja, von meiner Seite her beschränkte sich dieses Unterfangen auf 10 min Bridget Jones‘ Baby. Was sonst in dieser Nacht noch alles angesehen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis…

IMG_5539 (1)The Shard“ gebucht. Das ist ein geniales Gebäude – das höchste der EU übrigens mit 310 m (der Mercury Tower in Russland ist europaweit das höchste…) und der Ausblick ist einfach sensationell. Wir hatten aber auch ein wahnsinniges Glück mit dem Wetter: strahlender Sonnenschein und eine richtig tolle Fernsicht. Gab es anfangs schon ein bisschen Gemecker, weil 10 Uhr ja absolut keine Teenager-kompatible Zeit ist, so ist dieser aber sofort abgeebbt, als wir mit dem High-Speed-Lift bis zur Aussichtsterrasse gefahren sind. Dort oben konnte man dann auch noch mittels einer Virtual Reality Brille eine Achterbahnfahrt quasi auf dem Turm erleben und sich so richtig fürchten – genial!

Weiter ging unsere Tour dann nach Camden, wo sich uns ein völliges Kontrastprogramm zum supermodernen Aussichtsturm bot. Heimelige Atmosphäre, alles ist bunt und wahnsinnig belebt. Wir haben es genossen, durch den Stables und den Camden Lock Market zu flanieren, ich durfte ein bisschen „Fetzen“ schauen, während sich mein Begleiter für Email-Schilder, diverse Comics und T-Shirts mit Star Wars Motiven begeistert hat. Wir haben es sogar geschafft, einige Weihnachtsgeschenke einzukaufen!

Die Camdenmarkets sind ein wahres Schlaraffenland, nicht nur für immerhungrige Heranwachsende! Es wird dort Streetfood aus aller Herren Länder angeboten, ich glaube, es gibt nichts, was man dort nicht findet.  Und wir mussten nicht einmal versuchen, uns auf irgend ein Lokal zu einigen, es konnte einfach jeder das auswählen, was er wollte, und gegessen wird dann gemeinsam auf einer der vielen Bänke vor dem Markt. Herrlich – und sooooo lecker!

Ein Highlight waren auch die coolen Fassaden der Camden High Street und die vielen tollen Geschäfte dort.

Und dann waren da noch die vielen Graffitis in den Seitengasse – eine super Fotolocation! Bunt, bunter, am buntesten!IMG_8654

Danach machten wir einen kurzen Abstecher in den Hyde Park, wo wir eigentlich das Winterwonderland sehen wollten. Eigentlich… halb London hatte offenbar aber dieselbe Idee, was uns dann doch ein bisschen abschreckte, weshalb wir dann lieber – einmal quer durch den Park und dann gerade aus – ins Natural History Museum marschiert sind.

Viele Museen in London sind ja gratis bzw. verlangen nur für Sonderausstellungen Eintritt – so auch dieses. Und es hat sich wirklich gelohnt! Das Museum ist riiiiesig und die Aufmachung echt toll und sehr interaktiv. Man könnte wohl Tage darin verbringen, bis man alles gesehen hat! Schon die Eingangshalle beeindruckt enorm und nimmt man den Seiteneingang, so kann man mit einer Rolltreppe direkt mitten ins Erdinnere fahren – super gemacht.

Wir haben uns für eine Ausstellung über Vulkane und Erdbeben entschieden, danach wollte mein Jüngling zu einer Insektenausstellung (iiiigitt, aber ich hab tapfer durchgehalten…) und anschließend waren wir natürlich noch bei den Dinosauriern, das ist ja immer ein „Muss“ in Naturkundemuseen – selbst ich habe mir in den letzten Jahren ein beträchtliches Wissen über „Tyrannosaurus Rexe“ & Konsorten angeeignet und finde sie mittlerweile schon beinahe entzückend.IMG_5711 (1)

Es wurde spät im Museum, wir blieben bis zur letzten Minute und haben beinahe vergessen, dass wir ja eigentlich hungrig sein sollten… Bei der Frage nach der Abendgestaltung habe ich als Antwort etwas wie Burger-Essen, Kino, Bowling oder Ähnliches befürchtet. Aber nein, man(n) wollte in ein Pub!! In ein echtes, englisches Pub. Auch gut, das klang nach einem vernünftigen Plan und deftigem Essen. Allerdings, und das wussten wir nicht, erwies es sich als ziemlich schwierig, abends mit einem 14jährigen in ein Pub zu gehen – die sind dort nämlich schlichtweg verboten. Jugendschutz und so, was ja grundsätzlich sehr vernünftig, jedoch nur halblustig ist, wenn einen plötzlich der Hunger übermannt… Schließlich fanden wir jedoch eines, das im hinteren Teil ein Restaurant war und auch mit Gästen wie uns Freude hatte: das „Hoop & Grapes“, ganz in der Nähe unseres Hotels. Dort fanden wir beide, was wir suchten: das Pubertier einen Burger und Ginger Ale, ich Fish & Chips und Cider. Abend gerettet, alle zufrieden…

Der Sonntag war leider schon unser letzter Tag, den wollten wir noch so richtig auskosten. Als Höhepunkt stand der Dungeon auf dem Programm, dafür lohnte es sich sogar, so halbwegs zeitig aufzustehen, hatten wir doch gehört, dass dort oft lange Schlangen anstanden. Dem war aber gar nicht so, wir kamen gleich rein und das Gruseln und Schaudern konnte beginnen.

IMG_8688Leute, die etwas organisierter sind, als ich, kaufen am besten ein Ticket schon im Vorhinein übers Internet, da kann man etliche £ sparen und hat einen garantierten Zeitrahmen, wann man eingelassen wird. Aber wie gesagt, es war kein Problem und hat viel Spaß gemacht. Ich habe ja schon voriges Jahr den Dungeon in Hamburg besucht, sodass die Überraschungseffekte nicht mehr ganz so groß waren, weil einiges doch ähnlich ist. Aber für meinen Halbstarken war es genial und er hat es genossen.Version 2

Vor lauter Dankbarkeit (ja, auch Söhne können dankbar sein…) ob dieses wunderbaren Tagesanfangs gab es überhaupt kein Gemurre, als ich einfach noch ein bisschen durch die Stadt bummeln und auf den typischen Touristenpfaden noch ein paar nicht minder typische Touristenfotos knipsen wollte und auch ein Abstecher in verschiedene Bookshops und zu Paperchase (DER Papier- und Schreibwarenhimmel!!!) wurde geduldig hingenommen.

Dann war auch schon der Nachmittag angebrochen und es war Zeit, sich wieder auf den Weg zum Flughafen Gatwick zu machen. Gerne wären wir auch noch länger geblieben, vieles hätte es noch gegeben, das wir entdecken oder wiedersehen wollten. Und auch die Zeit nur für uns beide hat uns sehr gut getan, so ein Pubertier, das im Rudel aufwächst, braucht manchmal auch ein bisschen Mutterliebe ganz für sich allein. Wir haben dieses Wochenende alle zwei genossen, jeder auf seine Weise und es war eigentlich gar nicht schwer, bei all den Möglichkeiten, die sich in London bieten, etliche auszusuchen, die uns beiden gefallen haben. In diesem Sinne: gerne jederzeit wieder – sowohl London, also auch Teenie-Begleitung!!!IMG_5515 (1)

Weitere Tipps für einen Ausflug nach London mit Teenagern, wo Harry Potter, Madame Tussaud’s und die typisch englische „Tea Time“ eine Rolle spielen, findest du demnächst hier.

Du hast vor, in Mädchen-Begleitung nach London zu fahren? Dann schau doch hier, wie es der Reiseeule dabei ergangen ist!

Und falls du Geheim-Tipps hast für unsere nächste Reise nach London – bitte immer gerne. London ist ja definitiv eine Stadt, in die man immer wieder zurück will…

 

Veröffentlicht in Allgemein, Reise-Weise, UNESCO

MAULBRONN – herbstliches Klostererlebnis der Extraklasse

Wenn du die Speisen ablehnst, die Brauchtümer ignorierst, die Religion fürchtest und die Menschen meidest, bleibst du besser Zuhause. James Michener (1907-1997)

Eigentlich eher zufällig sind die Halbstarken und ich in Maulbronn gelandet, weil es fast direkt auf unserem Weg von München nach Strassburg lag und wir auf der Reise plötzlich soooo hungrig geworden sind dass wir eine kleine Pause einlegen mussten. Und weil uns ein bisschen Kultur ja noch nie geschadet hat (auch wenn die Halbstarken das anfangs oft,  ein bisschen anders sehen, fügen sie sich dann doch in meine Besichtigungsideen und sind schlussendlich dann ja auch meistens begeistert…), haben wir dabei auch gleich das alte Kloster besichtigt.IMG_7605

Maulbronn an sich ist eine kleine, beschauliche Stadt nördlich von Pforzheim mit gerade mal 6.500 Einwohnern. Ein paar Fachwerkhäuser am Hauptplatz, einige Geschäfte, mehr gibt es dort nicht zu sehen. Wäre da nicht, ja wäre da nicht das berühmte Zisterzienserkloster, das den Ort so richtig aufpeppt!

Kloster? Langweilig! Nein, bei Gott nicht!!! Das Kloster Maulbronn ist eine großartige Anlage, die einen, einmal durch das alte Klostertor betreten, in eine andere Zeit verzaubert.IMG_7658

Bereits von außen erinnert das Kloster mit seinen Türmen und dem ehemaligen Wassergraben eher an eine Burg als an ein klerikales Gebäude. Wir hatten das große Glück an einem wirklich schönen Herbsttag dort gewesen zu sein, sodass auch die Umgebung mit den vielen Weinbergen noch eine ganz bezaubernde Atmosphäre kreierte.IMG_7595

Das Herzstück des ganzen Ensembles ist natürlich das Kloster selbst. Daneben gibt es aber einen riesigen Klosterhof mit allerhand Nebengebäuden, die zum Teil noch aus dem Mittelalter stammen. Mittelalter – das Interesse der Halbstarken war prompt erwacht, sie mutierten beinahe zu Rittern und sausten mit Begeisterung über das Gelände. Wie herrlich war es auch, sich nach fast 3 Stunden im Auto ein bisschen zu bewegen! Die Klostermühle faszinierte ebenso wie die ehemalige Bäckerei und der riesige alte Speicher, der immer noch gut erhalten ist.IMG_7606

Der Klosterhof ist frei zugänglich, für die Besichtigung des Klosters und die Sonderausstellungen ist ein Eintrittspreis von 7,50 € fällig (Kinder 3,80 €). Mit Audioguide kann man sich selbständig auf Erkundungstour begeben, es werden allerdings auch Führungen angeboten und ich muss sagen, es lohnt sich wirklich.IMG_4370

Das Kloster Heilbronn zählt zum UNESCO Welterbe, alleine deshalb sollte man es schon gesehen haben. Und auch wenn ich finde, dass sich Klöster ja oft schon sehr ähneln (genauso wie Burgen und Schlösser und Kirchen es auch tun…), so finden sich doch einige Besonderheiten: Sehr interessant ist das Chorgestühl in der Klosterkirche, in dem die ehemaligen Mönche früher 5 mal täglich gebetet haben. Das erste Gebet fand schon in den frühesten Morgenstunden statt, das letzte erst um Mitternacht. Aus praktischen Gründen gab es daher eine direkte Stiege von den Schlafgemächern bis in die Kirche, über die die Mönche damals halbschlafend zum Gebet torkeln konnten. Welch eine Vorstellung, fünf mal täglich in der Kirche zu sitzen (bzw. hier eher zu stehen), oder?IMG_7615

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Chorgestühl in der Klosterkirche

Die Vorhalle der Kirche nennt sich übrigens Paradies und ist ein architektonisches Meisterwerk eines unbekannten Künstlers. Zugegeben, das „Paradies“ hab ich mir immer ein bisschen anders vorgestellt, aber ich bin da ja flexibel…

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So sieht das Paradies in Maulbronn aus…

Ganz toll ist auch das Brunnhaus aus dem 14. Jahrhundert im Innenhof des Klosters. Wenn du schon mal Bilder vom Kloster Maulbronn gesehen hast, dann wahrscheinlich von hier, der Brunnen dort ist nämlich quasi der Fotostar der Anlage und tatsächlich fand sich, obwohl während unseres Besuchs sonst nicht sehr viele Leute dort waren, eine kleine Menschen-Schlange davor. Selfie-Time im Kloster!!

Die Ursprünge des Klosters gehen übrigens auf das 12. Jahrhundert zurück und es findet sich eine Mischung verschiedener Baustile von Romantik und Gotik, was ja auch den besonderen Reiz der Anlage ausmacht. Drumherum, außerhalb der Klostermauern, finden sich etliche bereits von den Zisterziensern angelegte Fischteiche in einer teilweise sehr naturbelassenen Landschaft. All dies zusammen hat dazu geführt, dass das Kloster Maulbronn und seine Umgebung als Gesamtbild als die am besten erhaltene Klosteranlage Mitteleuropas gilt. Wasserwirtschaft und Fischzucht waren seit jeher ein besonderes Steckenpferd der Zisterzienser. Heute werden die Teichanlagen auch freizeittechnisch genützt, man kann dort schwimmen und sogar Tretboote ausborgen. Wie schade, das wir dafür keine Zeit hatten!IMG_4417

Im Besucherzentrum finden auch wechselnde Ausstellungen statt, im Jahr von Martin Luther war es daher nur naheliegend, dass es auch eine Ausstellung über die Reformation in Baden-Württemberg zu sehen gab. Unterhaltung gibt’s im Klostergelände also genug. Es finden sich dort auch einige Souvenirgeschäfte, ein Bücherladen, ein Café und das Klosterrestaurant.

Mönche gibt es in Maulbronn schon seit vielen Jahren keine mehr. Die ursprüngliche Klosterschule, in der Mönche ausgebildet wurden, ist heute das evangelische Seminar, ein Gymnasium für Mädchen und Burschen. Hermann Hesse war übrigens der berühmteste Schüler von Maulbronn. Wieder was gelernt, nicht wahr?

Was uns besonders fasziniert hat, sind die vielen Anekdoten, die es um das Kloster Maulbronn gibt. So soll es zum Beispiel eine Maultier gewesen sein, das im 12. Jahrhundert mit seinen Hufen eine Wasserquelle freilegte, und just an dieser Stelle wurde das Kloster errichtet. Oder hast du schon mal vom Wunder von Heilbronn gehört? Einmal im Jahr, am 21.Juni zwischen 11 und 12 Uhr, scheint die Sonne (so sie denn scheint) genau so durch ein Kirchenfenster, dass die Dornenkrone der großen Christusstatue in der Kirche rot leuchtet und wie Blut aussieht. Das ist fast ein bisschen gruselig, findest du nicht? IMG_7617

Dann gibt es auch noch die Geschichte von Doktor Faustus, den Wunderheiler und Alchemisten, der angeblich seinerzeit in dem nach ihm benannten Faust-Turm gelebt und gearbeitet hat und Goethe als Vorbild für sein Buch diente.IMG_4419

Oder hast du schon mal von „Maultaschen“ gehört? Na, woher kommen die wohl? Genau, aus MAULbronn. Und weißt du, was es damit auf sich hat? Früher durften die Mönche in der Fastenzeit ja kein Fleisch essen. Ein besonders findiger Mönch kam aber zu einem Stück Fleisch, das er natürlich auch nicht entsorgen wollte, und so hat er es faschiert und unter Gemüse gemischt. Und damit Gott nicht sah, dass die Mönche in der Fastenzeit Fleisch aßen, wurde es in Nudelteig eingepackt und dann eben so verspeist. Wir haben es den Mönchen gleich getan und konnten es uns natürlich nicht nehmen lassen, diese Spezialität im Klosterrestaurant zu probieren. Das Lokal geht zwar schon als ziemlich „touristisch“ und eher hochpreisig durch, aber die Maultaschen waren ausgesprochen lecker. Und so hat sich’s ja doch gelohnt.IMG_E7645

Tja, du siehst also, dieser Besuch war durchaus amüsant und kurzweilig und hat uns allesamt begeistert. Muss man irgendetwas mit Religion am Hut haben, um dem Kloster Maulbronn einen Besuch abzustatten? Absolut nicht, die ganze Anlage an sich ist wirklich sehenswert. Wenn du also mal in der Nähe bist, schau vorbei, ich bin mir sicher, es wird dich genau so begeistern wie uns. Halbstarke, die nach dem Besuch meinen „war schon cool“, sind doch der beste Beweis dafür!

Praktische Informationen:

Öffnungszeiten:

1. März bis 31. Oktober Mo-So 9 – 17.30 Uhr, 1. November bis 28. Februar Mo-So 9 – 17 Uhr

Eintrittspreise:

Erwachsene: 7,50 €, Ermäßigt 3,80 €

Homepage: www.kloster-maulbronn.de

Hast du noch mehr Lust auf tolle Bauwerke? Vielleicht ist ja das etwas für dich:

 

 

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STOCKHOLM – einmal und immer wieder

Reisen – es lässt dich sprachlos, dann verwandelt es dich in einen Geschichtenerzähler. Ibn Battuta (1304 – 1377)

Es gibt diese Orte, Städte, Plätze, an denen man sich sofort zu Hause fühlt, an denen man glaubt, bereits ewig dort gewesen zu sein, obwohl man gerade erst angekommen ist. Diese Orte, die man glaubt, schon so gut zu kennen und doch immer wieder Neues entdecken zu wollen. Weißt du, was ich meine? Bestimmt hast du auch so einen Lieblingsplatz irgendwo auf der Welt. Wien mag ich sehr, sehr gerne, es ist mein Zuhause geworden. Auch nach Mitterbergholz, in das kleine Dorf in Oberösterreich, in dem ich aufgewachsen bin, verschlägt es mich immer wieder. Und gleich danach kommt für mich in der Liste der ganz besonderen Orte Stockholm.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Es ist ganz unmöglich, dir meine Begeisterung für Stockholm in einem Beitrag zu vermitteln. Ich möchte dir daher hier Grundsätzliches über die Stadt erzählen, in einem weiteren Artikel kommt dann das Wichtigste für deinen ersten Besuch in Stockholm und ein bisschen später dann Dinge, für die du vielleicht erst bei einem weiteren Abstecher in Schwedens Hauptstadt Zeit finden wirst.IMG_7648

Zum ersten Mal war ich während einer Interrail-Reise völlig ungeplant in Stockholm. Das war 1998. Einer meiner Reisebegleiter hatte seinen Reisepass verloren, sodass wir  – eigentlich auf dem Weg nach Norwegen – einen Umweg über Stockholm machen mussten und dort ein paar „Extra-Tage“ verbringen mussten, bis der Ersatzpass ausgestellt war. Damals hab ich mich in Stockholm verliebt und gehofft, bald wieder dorthin zurück zu kommen.

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Im Jahr darauf habe ich mit einer lieben Kollegin einen ganzen Sommer dort verbracht. Wir machten ein Praktikum in einem Krankenhaus und haben so das Leben in dieser bezaubernden Stadt nicht nur als Touristen sondern auch im Alltag kennengelernt. Da wir in diesem Sommer keine Wohnung hatten und ein Hotel für uns Studenten für 2 Monate zu teuer gewesen wäre, durften wir in den Wohnungen der Kollegen wohnen, die gerade auf Urlaub waren uns so ihre Wohnungen bzw. Häuser nicht brauchten – zum Housesitting sozusagen. Wir sind in diesem Sommer jede Woche umgezogen, was zwar anstrengend war, aber auf diese Weise hatten wir Gelegenheit, sehr viele Ecken von Stockholm zu entdecken und die Schweden in ihrem Alltag zu beobachten.IMG_7762

Seit diesem einprägsamen Sommer bin ich unzählige Male nach Stockholm zurück gekehrt. Mit Freunden, mit den Halbstarken und gerne auch alleine. Über die Jahre habe ich so meine Lieblingsplätzchen in Stockholm gefunden, an die ich fast jedes Mal zurück kehre, wenn ich in der Stadt bin. Und obwohl ich schon so oft dort war, entdecke ich doch bei jedem Besuch immer wieder Neues.IMG_7764

Ich wurde schon oft gefragt, wann denn Stockholm am schönsten sei. Nun, ich finde, es hat zu jeder Jahreszeit seinen Reiz (außer vielleicht im grauen November, aber wo ist es denn da auch schon wirklich schön…), aber wenn du das erste Mal nach in diese Stadt fährst, würde ich dir Juni oder Juli empfehlen. Da ist das Wetter warm und beständig und die Tage sind einfach endlos lang. Aufgrund seiner Lage gibt es zwar keine Mitternachtssonne zu sehen, dafür müsste man doch noch deutlich weiter nördlich bis über den nördlichen Polarkreis fahren, aber so ganz dunkel wird es zu dieser Jahreszeit in Stockholm nicht (toll, für Touristen, man kann ECHT viel unternehmen an so einem langen Tag, eher weniger schön, wenn man trotzdem am nächsten Morgen in die Arbeit gehen muss…). Das Leben in der Stadt spielt sich von Mai – August hauptsächlich im Freien ab, was nocheinmal speziell zu der tollen Stimmung beiträgt. Es gibt Freiluftfestivals, unzählige Schanigärten und die Schweden zieht es wirklich nach draußen, so oft es nur irgendwie geht. Der besondere Reiz Stockholms geht für mich vom Wasser aus. Die Stadt ist ja auf 14 Inseln erbaut und gleich an Stockholm anschließend beginnt der SCHÄRENGARTEN, der einen ganz großen Teil des Charms der schwedischen Hauptstadt ausmacht.img_8027

Auch im Winter finde ich Stockholm ganz bezaubernd. Wenn die Nächte lang werden hüllt sich die Stadt in ein Lichtermeer und versprüht damit eine unglaubliche Gemütlichkeit. Die unzähligen Weihnachtsmärkte, die dann in der Stadt – einer der stimmungsvollsten ist natürlich auf dem Stortorget in der Altstadt „Gamla Stan“ – verteilt sind, laden ein, eine Tasse herrlichen Glögg (ungefähr so etwas wie unser Glühwein) und Pepparkakar, Pfefferkuchen, zu probieren.img_4199.jpg

Aber egal, für welchen Zeitpunkt du dich für deinen Stockholm-Besuch entscheidest, ich bin mir fast sicher, du wirst von dieser Stadt begeistert sein.IMG_1979

Die Orientierung in Stockholm ist einfach. Internationale Flüge kommen fast immer am Flughafen Arlanda an. Von dort fährst du am besten mit den Flygbussarna, den Flughafenbussen ins Zentrum. Die sind verhältnismäßig günstig (Tickets gibt es direkt am Flughafen oder – etwas günstiger noch – über die Homepage des Unternehmens), du musst dafür mit ca. 200 SKR für ein Retourticket rechnen. Busse fahren alle 10 min bis direkt zum Busterminal in der Stadt. Eine andere – etwas schnellere, dafür aber mit 540 SKR hin und retour doch deutlich teurere Variante ist der Arland Express. Die Version Taxi gibt es natürlich auch noch, aufgrund der Entfernung in die Stadt von über 40 km ist dabei jedoch mit mindestens 500 SKR für eine Strecke zu rechnen.IMG_7472

Jedes dieser Verkehrsmittel bringt dich direkt in das Zentrum der Stadt zum sogenannten Cityterminalen, dort treffen Züge, Busse und die U-Bahn, die „Tunnelbana“ (daher sind die Haltestellen auch immer mit einem T gekennzeichnet) aufeinander. Im Stadtzentrum bewegst du dich am besten zu Fuß, die Entfernungen sind nicht allzu weit und es macht große Freude, die kleinen Gässchen zu entdecken oder an den Ufern entlang zu promenieren. Je nachdem, wo dein Hotel liegt oder was du sonst noch gerne ein bisschen außerhalb des Zentrums unternehmen möchtest, wirst du aber vielleicht doch ein Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel brauchen. Dieses kaufst du in Form einer wiederaufladbaren Plastikkarte entweder an den Schaltern der U-Bahn oder in den Trafiken. Es gilt immer sowohl für die Tunnelbana, als auch für Busse und die Fähre zur Insel Djurgarden. Eine U-Bahnfahrt in Stockholm ist ein wahres Erlebnis, sind doch fast alle Stationen von Künstlern gestaltet worden und wenn du ein bisschen Zeit hast – oder einen kurzen Regenschauer überbrücken möchtest – kann ich dir eine kleine Rundfahrt (besonders schön ist zB die Stationen Kungsträdgården, Stadion oder T-Centralen) nur wärmstens empfehlen.IMG_4093IMG_4111

Stockholm eilt der Ruf voraus, teuer zu sein. Das stimmt in gewissen Bereichen sicher, vor allem Restaurantbesuche sind mir immer sehr kostspielig vorgekommen. Man kann sich aber damit behelfen, von den preiswerteren und durchwegs schmackhaften Mittagsmenüs Gebrauch zu machen, die oftmals angeboten werden und meistens neben der Hauptspeise auch Knäckebrot – ja, die Schweden lieben es! – Salat und Kaffee beinhaltet. Wobei Kaffee, das muss ich bei aller Liebe zu Stockholm schon sagen, für Kenner der Wiener Kaffeehausszene und vor allem Kaffeeauswahl,  in erster Linie einmal enttäuschend ist, da hier vornehmlich Filterkaffee serviert wird. Und das in rauen Mengen, die Schweden sind ja mit dem Pro-Kopf-Kaffee-Konsum gaaaanz weit vorne. Schön langsam etablieren sich Cappuccino, Latte & Co auch in den Kaffeehäusern, man muss aber oft extra nachfragen.img_6685.jpg

Noch etwas ist wichtig, worauf du  vorbereitet sein solltest, wenn du nach Stockholm (oder nach Schweden generell) fährst: Steck deine Kreditkarte ein! Nicht, um dort Unsummen auszugeben oder die teuersten Shops zu plündern, sondern für den Alltag, denn es gibt dort kaum mehr Bargeld. Jede kleinste Summe wird dort am liebsten mit der Kreditkarte bezahlt, manche Geschäfte oder Lokale akzeptieren nicht einmal mehr Bargeld.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Ich wurde schon oft gefragt, wo man in Stockholm am besten nächtigt. Nun, wie in jeder Großstadt gibt es unzählige Hotels, Hostels und Pensionen, in denen man unterkommen kann und allgemein ist der Standard gut und mit dem zu vergleichen, was wir im deutschsprachigen Raum so kennen. Was mir aber wirklich gut gefällt, weil es etwas ganz Besonderes ist, ist das Hotel bzw. Hostel Långholmen, ein aufgelassenes Gefängnis, in dem man in kleineren (im Hotelbereich) oder Mehrbett-Zellen (im Hostelteil) untergebracht ist. Und ganz, ganz toll ist auch der Dreimaster Af Chapman, der direkt vor der Insel Skepsholmen vor Anker liegt und auf dem man wie ein echter Klabautermann seine Nächte in einer Kabine verbringen kann.IMG_2111.jpg

So, nun bist du also gut angekommen, hast dein Quartier bezogen und deine Kreditkarte und ein Tunnelband-Ticket hast du auch in der Tasche. Dann können wir uns ja auf den Weg zum Sightseeing machen!

Los geht’s, hier geht es weiter zu unserer gemeinsamen Entdeckungsreise!

 

 

 

 

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STOCKHOLM – Sightseeing Tour auf 14 Inseln

Fahre in die Welt hinaus. Sie ist fantastischer als jeder Traum. Ray Bradbury (1920 – 2012)

In meinem letzten Beitrag habe ich ja schon begonnen, dir Stockholm ein bisschen vorzustellen. Nun wollen wir uns aber auf den Weg machen und uns gemeinsam auf eine Sightseeing-Tour begeben. Stockholm ist sehr vielfältig und es wird nicht gelingen, in ein paar Tagen ALLES zu sehen. Aber ein paar Dinge gibt es doch, die du auf keinen Fall verpassen solltest. Bereit?OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Jeden Touristen verschlägt es automatisch in die Altstadt, Gamla Stan. Und das ist gut so! Gamla Stan ist entzückend! Auf einer eigenen kleinen Insel gelegen, ist die Altstadt sehr überschaubar und du kannst dich dort nicht verlaufen. Das Herz von Gamla Stan ist der Stortorget, der „Große Platz“, den du bestimmt von Postkarten kennst, die alten Häuser in allen möglichen Rot- und Gelbtönen sind quasi ein Wahrzeichen der Stadt. Im Sommer laden die zahlreichen Cafés und Restaurants auch zum Heraußen-Sitzen ein und auch wenn alles dort ein bisschen teurer ist, als im Rest der Stadt: die Stimmung ist großartig und es macht Spaß aus erster Reihe dem bunten Treiben zuzusehen.

Nimm dir danach die Zeit, dich durch die kleinen Gässchen treiben zu lassen. Das ist meine allerliebste Beschäftigung in Stockholm, es gibt ja so vieles zu entdecken! Hast du die Mårten Trotzig Gränd, die mit 90 cm engste Gasse der Stadt gefunden?

Wenn du vom vielen Bummeln müde wirst, kann ich dir eine kleine Pause im Cosy Café in der Stora Nygatan 42 empfehlen (dort gibt es „richtigen Kaffee“, was in Schweden ja nicht immer selbstverständlich ist…) oder, für die Verspielten, im Muminkaffe, wo sich alles um die süßen Gesellen, die Mumins dreht.

Die ganz großen Sehenswürdigkeiten der Altstadt, wie den Riksdagen, den schwedischen Reichstag, das Kungliga Slottet, das Schloss, die Storkyrka oder die Klara Kyrka hast du bestimmt in der Zwischenzeit auch schon entdeckt. Die Wachablöse findet im Sommer übrigens täglich um 11.45 (sonntags um 12.45) statt.IMG_7551

Spazierst du von der Altstadt über die Brücke „Strömbron“, kommst du – vorbei an der Oper – direkt zum Kungsträdgården. Dort ist im Sommer so richtig was los! Konzerte und diverse Festivals finden dort statt, und die Schweden lieben es, sich dort zu treffen! Im Winter findest du dort auch einen kleinen Eislaufplatz, auf dem du – bei freiem Eintritt – deine Runden drehen kannst.IMG_2003

Ein paar Meter weiter den Kai entlang findest du die Abfahrtsstelle der Waxholmfähren. Für mich ist eine der ganz großen Besonderheiten an Stockholm die Lage am Wasser. Der Schärengarten liegt direkt vor den Toren der Stadt und um die Atomsphäre Stockholms so richtig kennen zu lernen, solltest du unbedingt eine Schifffahrt hinaus in die Inselwelt einplanen. Such dir dafür einen sonnigen Tag aus – das ist dann Schweden wie aus dem Bilderbuch!

Folgst du dem Kai weiter kommst du zur Skeppsholmsbron, die auf die gleichnamige Insel führt. Der Dreimaster, der dort vor Anker liegt, ist nicht zufällig gerade da, nein, der ist hier festgemacht und beherbergt die beliebte Jugendherberge Af Chapman (nicht nur für Youngsters geeignet, sondern für alle, die Lust darauf haben, mal auf einem echten Segelboot zu übernachten…). Auf Skeppsholmen befindet sich das Moderna Museet – und ein Foto auf der Brücke mit der goldenen Krone ist natürlich auch für denen richtigen Touristen Pflicht!IMG_6726IMG_7463

Viel Zeit solltest du einplanen, bevor du dich nach Djurgården begibst, denn dort gibt es jede Menge zu tun. Die Insel, der „Tiergarten“, ist das grüne Herzen Stockholms und die Einheimischen lieben es, dort zu joggen oder Rad zu fahren. Vielleicht magst du dich ja auch sportlich betätigen und eine Runde radeln? Gleich nachdem du die Brücke Djurgårdsbron überquert hast, findest du einige Radverleihe.

Und danach geht’s ab in die Museen! Das Vasamuseum solltest du dir auf keinen Fall entgehen lassen. Es ist sensationell, wie gut das Schiff, das 1628 auf seiner Jungfernfahrt, die aufgrund eines Konstruktionsfehlers nur ein paar Meter weit glückte, rekonstruiert wurde. 333 Jahre lag die alte Lady unter Wasser, bevor sie gehoben, und aus fast lauter Originalteilen wiederaufgebaut wurde. Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene übrigens 130 sek und du solltest mindestens 1,5 Stunden für den Besuch des Museums einkalkulieren.IMG_7494

Unmittelbar daneben befindet sich das ABBA-Museum. Der Schwedischen Kaltband sollte man wohl auch unbedingt einen Besuch abstatten und sich eine Runde Karaoke genehmigen… Das Museum ist toll und sehr interaktiv gestaltet und auch wenn es mit 250 sek ziemlich teuer ist, ich finde, es lohnt sich auf jeden Fall!IMG_7875

Etwas ganz Besonderes ist der Skansen, eine Mischung aus Freilichtmuseum und Tiergarten. Alte Gebäude aus ganz Schweden wurden dort original wieder aufgebaut, teilweise gibt es auch Handwerks- oder Tanzvorführungen und es finden auch große Konzerte dort statt. Der Tiergartenteil ist liebevoll gestaltet und zeigt die meisten heimischen Tiere Skandinaviens und vom obersten Hügel des Geländes hat man einen herrlichen Blick auf die Stadt. Im Skansen kann man einen ganzen Tag verbringen und immer wieder Neues entdecken. Für die Kurzversion solltest du dir aber auf jeden Fall 3 Stunden Zeit nehmen, damit du dir einen schönen Überblick verschaffen kannst.

Wer ein bisschen „Action“ braucht, sollte sich einen Abstecher nach Gröna Lund, den Vergnügungspark der Stadt, nicht entgehen lassen. Der Eintritt beträgt 110 skr und man kann dort entweder jede Fahrt einzeln bezahlen oder sich – für die ganz Mutigen – ein Ticket kaufen, bei dem alle Fahrten inkludiert sind.IMG_8112

Ein Stadtteil, der sich in den letzten Jahren sehr gemausert hat und unbedingt einen Besuch Wert ist, ist Södermalm, von den Einheimischen liebevoll Söder oder SoFo genannt. Am besten du nimmst die U-Bahn und fährst bis zum Medborgarplatsen. Im Viertel um den Platz spielt sich momentan das Stockholmer Nachtleben ab und es finden sich unzählige nette Lokale, aber auch tagsüber ist immer etwas los. Eine Pause in Gildas Rum, einem etwas kitschigen, aber sehr, sehr netten Café ist immer eine gute Idee für eine „Fika“. So nennen die Schweden übrigens die Kaffeepause, die ihnen heilig ist und zu der es traditionell außer Kaffee auch noch die beliebten Zimtschnecken, die „Kanelbullar“ gibt.

Wunderschön auf Södermalm ist auch ein Spaziergang entlang des Katarinavägen bzw. Fjällgatan. Man wandert da hoch über der Stadt am Wasser entlang und hat einen herrlichen Blick auf Gamla Stan – ideal für alle, die es gerne etwas romantisch haben. Den Sonnenuntergang von dort aus zu beobachten, ist wirklich idyllisch!IMG_7945

Wenn du nach all den Besichtigungen noch ein bisschen Zeit hast, bietet sich ein kleiner Abstecher zum Schloss Drottningholm, dem Wohnsitz der Königsfamilie an. Schloss Drottningholm liegt westlich von Stockholm im Mälaren See und ist mit der Tunnelbana (Station Brommaplan) und dann weiter mit dem Bus oder mit Ausflugsschiffen, die vor dem Stadshuset abfahren, zu erreichen. Das Schloss selbst zählt zum UNESCO Welterbe und der umliegende Park ist ein beliebtes Ausflugsziel nicht nur für Touristen.IMG_7800

Nun gut, ich denke die wichtigsten Sehenswürdigkeiten für deinen ersten Stockholm-Besuch habe ich dir nun vorgestellt. Aber Stockholm hat natürlich noch viel mehr zu bieten – mehr darüber erzähle ich dir gerne das nächste Mal 😉

Aber vielleicht warst du ja ohnehin schon mal selbst in Stockholm. Was sind deine liebsten Orte in dieser schönen Stadt? Ich freue mich sehr auf deine Tipps!

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RILA – vom Berg ins Tal, vom Kloster zum See

Die Natur allein ist unendlich reich, und sie allein bildet den großen Künstler. Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Rila – eine kleine Stadt im Süden Bulgariens. Auf der Landkarte kaum zu finden, aber in jedem Reiseführer als Top-Destination genannt. So unspektakulär Rila auf das erste Mal hören klingt, umso größer ist die Überraschung, wenn man dann selbst dort ist. Es stimmt schon, das Städtchen selbst macht wenig her. Eine lange Hauptstraße, ein paar Pensionen, mehr gibt es dort nicht. Aber der Hauptgrund, warum man unbedingt dort hin muss, ist ein anderer, oder besser gesagt, sind gleich zwei: einerseits das berühmte Rila-Kloster, andererseits der Nationalpark mit den 7-Rila-Seen. Auf unserer heurigen Balkan-Rundreise hatten wir das Glück, beides sehen zu können. Hätte ich mich für eines von beiden entscheiden müssen – es wäre mir sehr, sehr schwer gefallen und auch im Nachhinein wüsste ich nicht, wie diese Entscheidung wirklich ausgegangen wäre.

Von Sofia aus dauert es ca. 2 Stunden mit dem Auto, Rila zu erreichen. Nicht, weil die Strecke so lang ist, sondern weil die Wege in Bulgarien, sobald man die großen Hauptstraßen verlässt, eher, sagen wir mal, gewöhnungsbedürftig sind. Die drei Halbstarken und ich sind am Nachmittag angereist, wir wollten am selben Tag noch das Kloster besichtigen und hatten für den nächsten Tag eine Wanderung eben zu den 7-Rila-Seen geplant.IMG_5766

Kloster… nun, das klingt jetzt nicht soooo spektakulär. Kurz durchmarschiert, und das war’s dann schon, oder? Nun, das Rila-Kloster IST spektakulär, und wenn das sogar die Halbstarken sagen, für die momentan ja fast alles „cool“ sein muss, dann heißt das was. Das Kloster ist riesig – und wirklich beeindruckend!

Es liegt am Ende eines Tales auf über 1000 m Seehöhe und alleine die Anreise über viele Serpentinen in dem engen Tal ist hübsch. Man kann sich auch nicht verfahren, denn danach kommt nichts mehr – world’s end quasi. Der Klosterhof empfängt einen in schickem schwarz-weiß-gestreift und so richtig bunt wird es dann, wenn man sich der Kirche nähert. Dort gibt es Fresken über Fresken schon vor dem Eingang und an der Decke und drinnen sowieso auch – und alle erzählen eine Geschichte. Wohin man auch schaut, es gibt überall etwas zu sehen, Brunnen, einen Glockenturm, Arkaden. Die Kirche selbst ist, wie die meisten Kirchen in Bulgarien, orthodox und voll mit goldenen Verzierungen und Ikonen. Über 1000 Jahre ist das Rila-Kloster alt und bereits seit 1983 zählt es mit Recht zum UNESCO Welterbe.

Hinter der Kirche wird es etwas ruhiger und beschaulicher, die meisten Touristen kommen gar nicht bis hier her. Es lohnt sich aber sehr wohl, auch die hinteren Ecken zu erkunden und sich ein bisschen Zeit zu nehmen, sich die Malereien des Gebäudes etwas näher anzusehen oder einfach ein bisschen zu rasten und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Da das Kloster immer noch bewohnt ist, kann es schon mal passieren, dass einem zwei plaudernde Priester über den Weg laufen.IMG_2901

Das Kloster ist für jeden frei zugänglich, zu unserer Überraschung mussten wir nicht mal Eintrittsgeld bezahlen. Die Öffnungszeiten ändern sich je nach Jahreszeit, genaue Informationen findest du hier.IMG_5787

Wenn man den Klosterhof durch das hintere Tor verlässt, ist leider gleich wieder Schluss mit aller Beschaulichkeit, hier wird es nämlich wirklich touristisch, im Kloster selbst gibt es lediglich einen kleinen Shop, in dem man Ikonen und Postkarten kaufen kann. Wir waren alle nicht hungrig, sodass wir lediglich für ein Getränk dort eingekehrt sind. Nun ja, ich würde sagen, das war gut so. Von dort aus  kann man noch einen Blick auf den weiteren Verlauf des Tales werfen oder seinen Besuch in Rila beenden, oder man kann bereits von dort zu einer Wanderung in den Rila-Nationalpark aufbrechen.IMG_3041

Uns stand aber vor unserem Wandertag (die Ankündigung eines solchen kommt bei Halbstarken erst mal nicht sonderlich gut an, aber darauf konnte ausnahmsweise keine Rücksicht genommen werden, zu verlockend waren doch die Berichte über die wunderschönen Wanderwege im Rila-Gebirge…) noch eine Übernachtung im kleinen  Family Hotel Gorki Kut bevor. Ich muss zugeben, das war ein bisschen ungünstig gewählt. Nicht nur, dass sich das Family Hotel offenbar auf die Führung des Hotels durch eine einzige Familie (oder besser gesagt, auf das Familienoberhaupt, der hier praktisch Mädchen für alles und entsprechend genervt war) beschränkte, war es auch als Ausgangspunkt für unsere Bergtour suboptimal, da wir am nächsten Morgen nochmal fast 2 Stunden bis zum Beginn unserer Wanderung fahren mussten, praktisch einmal um den ganzen Berg herum. Falls du einen Besuch ähnlich wie dem unseren planst, mach es besser und wähle lieber eine Unterkunft etwas näher beim Startpunkt für die Seen-Wanderung. Das Städtchen Dupniza würde sich anbieten, von dort aus ist man in etwa 1/2 Stunde dort.IMG_2947

Ausgangspunkt für diese Tour ist der kleine Ort Saparewa Banja. Von dort aus geht es erst mal über viele, viele Kurven immer bergauf bis zur Talstation des Liftes auf 1600 m Seehöhe. Im Winter ist dort tatsächlich ein Schigebiet und wir hätten ja gehofft, dass die Après Ski Bars geöffnet hätten – dem war aber nicht so. Ansonsten gibt es dort aber alles, was das Touristenherz begehrt (oder auch nicht…), Imbissbuden, Souvenirshops etc. und alles läuft sehr organisiert ab. Ich weiß nicht, warum ich die Illusion hatte, dass die 7 Rila Seen eine Art Geheimtipp wären, vielleicht wegen der Anreise, die ja nicht unaufwändig ist, auf jeden Fall waren wir überrascht, wie viele Leute dort unterwegs waren, Einheimische, aber durchaus auch viele Touristen.IMG_2936

Der Sessellift bringt einen auf den Berg hinauf auf 2100 m, eine wirkliche Idylle, wie bei uns in den Alpen. Und von da an geht es nun aber wirklich zu Fuss weiter. Terrassenförmig sind die 7 Rila Seen angeordnet und es gibt einen gut ausgeschilderten Rundweg von der Bergstation bis ganz zum Gipfel und auf einer anderen Route wieder zurück, wobei es auch etliche Abkürzungen gibt, wenn man wenig Zeit hat, oder nicht zu allen Seen möchte. Die Menschenmassen schlängeln sich fast alle nach rechts hinauf, wir haben die Gegenrichtung gewählt und sind von dort aus gestartet, was sich als sehr gut erwiesen hat, weil wir doch stellenweise ganz alleine waren und uns die schönen Ausblicke nicht mir anderen Wanderern teilen mussten.IMG_2953

Der Weg ist einfach und mit normalen Sportschuhen gut zu bewältigen, je nach notwendigen Pausen sollte man jedoch schon 4-5 Stunden einberechnen um genug Zeit zum Staunen und Genießen zu haben. Denn die wird man brauchen, die Ausblicke sind einfach wunder-, wunderschön und das Panorama scheint sich nach allen paar Schritten zu ändern. Die Tour ist wirklich kurzweilig, weil es soooo viel zu entdecken gibt und kaum hat man den einen See bewundert, taucht auch nach dem nächsten Anstieg der nächste auf und versetzt einen neuerlich in Erstaunen. Jeder See hat entsprechend seiner Form einen eigenen Namen. Da gibt es das Dreiblatt, den Zwilling oder die Niere – entzückend, oder?IMG_2977

Hat man den Nierensee erreicht, geht es über einen relativ steilen Anstieg hinauf zum Auge und schließlich zum Tränensee. Und dann sind es nur noch wenige Schritte bis zum Gipfel, von dem aus man als Belohnung schließlich alle sieben Seen auf einmal überblicken kann. Weißt du, wie schön??? Sogar die Halbstarken waren wirklich berührt und begeistert und wir haben diese tolle Umgebung erst mal eine Zeit auf uns wirken lassen, bevor wir natürlich ein paar Erinnerungsfotos schießen mussten.IMG_5881IMG_3025

Bergab ging es dann ganz gemütlich und mit etlichen Verschnauf- und Ausblick-Pausen. Die Wanderung zu den Rila-Seen ist nichts für Leute, die es eilig haben, sie ist etwas zum Seele-baumeln-lassen. Sie erfordert keine sportlichen Höchstleistungen und ist weder von der Distanz noch von den zu überwindenden Höhenmetern eine besondere Herausforderung. Sie ist nichts, dass man einfach so als „gesehen“ ab haken sollte, und auch bestimmt nicht tun möchte, sie ist etwas für alle Sinne. Und sie entlohnt mit einer unglaublichen Landschaft, die man gerne einfangen und mitnehmen möchte, an der man sich eigentlich nicht sattsehen kann. Auch wenn man dort durchaus nicht allein ist, hat man doch immer wieder das Gefühl, eins zu sein mit der wunderschönen Natur.IMG_2965

Es war wohl auch ein großes Glück, dass wir einfach ein Traumwetter für unseren Wandertag erwischt hatten, denn so wirkte alles gleich nochmal so farbenfroh und intensiv und auf unserer Balkan-Rundreise waren die Tage in Rila sicher welche der allerschönsten und unvergesslichsten.

Mein Rila-Tipp: Plane unbedingt genug Zeit für einen Besuch in Rila ein, für die Wanderung kannst du einen ganzen Tag veranschlagen. Die Rila-Seen werden dich in ihren Bann ziehen und es wäre doch schade, sie nicht genießen zu können, oder?

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