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LONDON – Wochenendtrip in Teenie-Begleitung

Die Welt ist ein Buch und diejenigen, welche nicht reisen, lesen nur eine Seite.

Der Zufall wollte es, dass mein lieber Kollege Stefan (viiiielen Dank nochmal an dieser Stelle!!!) ein Wochenende in London gebucht hat, das er dann aber nicht antreten konnte. Da die Hotelbuchung aber nicht mehr storniert werden konnte, habe ich mich quasi „geopfert“ und bin in Begleitung meines mittleren „Halbstarken“ (pubertätsbedingte Hormonschwankungen hoch vier!!!) in die britische Metropole aufgebrochen. Und was die liebe Reiseeule unlängst in Mädchenbegleitung erlebt hat, gibt’s hier nun in „Teenie-Männer“-Version nachzulesen…

IMG_8395 (1)Dazu muss ich gleich noch vorweg nehmen, dass wir schon mal in London waren, ziemlich genau 2 Jahre ist das nun her. Aus diesem Grund kannten wir uns schon ein bisschen in der Stadt aus und haben auch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten schon mal abgeklappert, was die ganze Reise unheimlich entspannte. Ich selbst neige ja dazu, immer ALLES sehen zu wollen, was bei einem Wochenende in so einer großen Stadt natürlich unmöglich ist. Noch unmöglicher ist dieses Unterfangen allerdings in Begleitung eines Pubertiers, das erstens verdammt viel Schlaf braucht und morgens nur sehr träge in die Gänge kommt und sich zweitens bei Sightseeingtouren auch eher langsam bewegt und nur eine sehr beschränkte Ausdauer hat. Sogeschen waren die Voraussetzungen für eine halbwegs entspannte Reise ja sehr gut.

IMG_5520Bonuspunkte beim Pubertier konnte ich außerdem sammeln, weil unser Flug schon kurz nach Mittag ging, sich ein Schulbesuch an diesem Freitag also gar nicht lohnte. Froh gelaunt schnappten wir uns also am Vormittag ein Taxi, ließen uns zum Flughafen kutschieren und von der EasyJet nach Gatwick fliegen – alles „easy cheesy“, sozusagen…

Unser Hotel war top-modern und bescherte mir gleich weitere Gutpunkte bei meinem Begleiter. Das CitizenM lag unmittelbar hinter dem Tower, die Underground Station direkt unter dem Hotel, praktischer ging es wirklich nicht.IMG_5369 (1)

Und dass im Hotel alles elektronisch ablief, begeisterte uns dann vollends: von der Lichtsteuerung im Zimmer, über die „Vorhänge“ bis zum Weckton in der Früh: alles konnte von einem iPad aus gesteuert werden. Das kleine Badezimmer hatte Milchglasscheiben und man konnte sogar die Farbe der Beleuchtung wählen, während man unter der Dusche stand. Sehr spacig und pubertätsfreundlich…

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Nette Demo in der Lobby…

Nachdem wir uns elektronisch abreagiert hatten, stürzten wir uns ins Geschehen – London hautnah! Unser erster Weg führte uns zur Tower Bridge. Diese kann man nicht nur bestaunen, sondern auch von innen besichtigen und ganz oben über einen Glasboden überqueren! Brrrr, das kostet eine ganz schöne Überwindung in über 40 m Höhe über die Themse zu spazieren, die Autos auf der Brücke und etliche Schiffe unter einem.IMG_8414 (1)

In den beiden Türmen befinden sich Ausstellungen zur Geschichte der Brücke und abschließend kann man auch noch den Maschinenraum besichtigen, von dem aus der Brückenmechanismus betrieben wird. Faszinierend!

Anschließend ließ sich mein Halbstarker mit dem Versprechen auf ein ordentliches Abendessen zum Piccadilly Circus und auf die Oxford Street locken.IMG_5438 (1)

Ich durfte ein bisschen bummeln und Souvenirs einkaufen, durch einen kurzen (aber ziemlich teuren…) Besuch im „Kingdom of Sweets“ auf der Oxford Street wurde mir sogar ein etwas längerer Bummel zugestanden, bevor uns dann der jugendliche Hunger zwang, die nächstbeste Gelegenheit zur Nahrungsaufnahme zu ergreifen. Diese bot sich uns im Ember Yard, einer Tapas Bar mit wirklich exzellentem Essen. Nicht das typische Jugendlichen-Restaurant, das muss ich zugeben, aber der Hunger war groß und als wir erst einmal begonnen haben uns durchzukosten waren wir BEIDE begeistert!!

Danach war es schon relativ spät und wir waren müde, außerdem bot unser fancy Hotel eine unendliche Auswahl an Filmen an, die man – selbstverständlich per iPad – auswählen konnte, von denen wir mindestens 500 unbedingt sehen mussten. Nun ja, von meiner Seite her beschränkte sich dieses Unterfangen auf 10 min Bridget Jones‘ Baby. Was sonst in dieser Nacht noch alles angesehen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis…

IMG_5539 (1)The Shard“ gebucht. Das ist ein geniales Gebäude – das höchste der EU übrigens mit 310 m (der Mercury Tower in Russland ist europaweit das höchste…) und der Ausblick ist einfach sensationell. Wir hatten aber auch ein wahnsinniges Glück mit dem Wetter: strahlender Sonnenschein und eine richtig tolle Fernsicht. Gab es anfangs schon ein bisschen Gemecker, weil 10 Uhr ja absolut keine Teenager-kompatible Zeit ist, so ist dieser aber sofort abgeebbt, als wir mit dem High-Speed-Lift bis zur Aussichtsterrasse gefahren sind. Dort oben konnte man dann auch noch mittels einer Virtual Reality Brille eine Achterbahnfahrt quasi auf dem Turm erleben und sich so richtig fürchten – genial!

Weiter ging unsere Tour dann nach Camden, wo sich uns ein völliges Kontrastprogramm zum supermodernen Aussichtsturm bot. Heimelige Atmosphäre, alles ist bunt und wahnsinnig belebt. Wir haben es genossen, durch den Stables und den Camden Lock Market zu flanieren, ich durfte ein bisschen „Fetzen“ schauen, während sich mein Begleiter für Email-Schilder, diverse Comics und T-Shirts mit Star Wars Motiven begeistert hat. Wir haben es sogar geschafft, einige Weihnachtsgeschenke einzukaufen!

Die Camdenmarkets sind ein wahres Schlaraffenland, nicht nur für immerhungrige Heranwachsende! Es wird dort Streetfood aus aller Herren Länder angeboten, ich glaube, es gibt nichts, was man dort nicht findet.  Und wir mussten nicht einmal versuchen, uns auf irgend ein Lokal zu einigen, es konnte einfach jeder das auswählen, was er wollte, und gegessen wird dann gemeinsam auf einer der vielen Bänke vor dem Markt. Herrlich – und sooooo lecker!

Ein Highlight waren auch die coolen Fassaden der Camden High Street und die vielen tollen Geschäfte dort.

Und dann waren da noch die vielen Graffitis in den Seitengasse – eine super Fotolocation! Bunt, bunter, am buntesten!IMG_8654

Danach machten wir einen kurzen Abstecher in den Hyde Park, wo wir eigentlich das Winterwonderland sehen wollten. Eigentlich… halb London hatte offenbar aber dieselbe Idee, was uns dann doch ein bisschen abschreckte, weshalb wir dann lieber – einmal quer durch den Park und dann gerade aus – ins Natural History Museum marschiert sind.

Viele Museen in London sind ja gratis bzw. verlangen nur für Sonderausstellungen Eintritt – so auch dieses. Und es hat sich wirklich gelohnt! Das Museum ist riiiiesig und die Aufmachung echt toll und sehr interaktiv. Man könnte wohl Tage darin verbringen, bis man alles gesehen hat! Schon die Eingangshalle beeindruckt enorm und nimmt man den Seiteneingang, so kann man mit einer Rolltreppe direkt mitten ins Erdinnere fahren – super gemacht.

Wir haben uns für eine Ausstellung über Vulkane und Erdbeben entschieden, danach wollte mein Jüngling zu einer Insektenausstellung (iiiigitt, aber ich hab tapfer durchgehalten…) und anschließend waren wir natürlich noch bei den Dinosauriern, das ist ja immer ein „Muss“ in Naturkundemuseen – selbst ich habe mir in den letzten Jahren ein beträchtliches Wissen über „Tyrannosaurus Rexe“ & Konsorten angeeignet und finde sie mittlerweile schon beinahe entzückend.IMG_5711 (1)

Es wurde spät im Museum, wir blieben bis zur letzten Minute und haben beinahe vergessen, dass wir ja eigentlich hungrig sein sollten… Bei der Frage nach der Abendgestaltung habe ich als Antwort etwas wie Burger-Essen, Kino, Bowling oder Ähnliches befürchtet. Aber nein, man(n) wollte in ein Pub!! In ein echtes, englisches Pub. Auch gut, das klang nach einem vernünftigen Plan und deftigem Essen. Allerdings, und das wussten wir nicht, erwies es sich als ziemlich schwierig, abends mit einem 14jährigen in ein Pub zu gehen – die sind dort nämlich schlichtweg verboten. Jugendschutz und so, was ja grundsätzlich sehr vernünftig, jedoch nur halblustig ist, wenn einen plötzlich der Hunger übermannt… Schließlich fanden wir jedoch eines, das im hinteren Teil ein Restaurant war und auch mit Gästen wie uns Freude hatte: das „Hoop & Grapes“, ganz in der Nähe unseres Hotels. Dort fanden wir beide, was wir suchten: das Pubertier einen Burger und Ginger Ale, ich Fish & Chips und Cider. Abend gerettet, alle zufrieden…

Der Sonntag war leider schon unser letzter Tag, den wollten wir noch so richtig auskosten. Als Höhepunkt stand der Dungeon auf dem Programm, dafür lohnte es sich sogar, so halbwegs zeitig aufzustehen, hatten wir doch gehört, dass dort oft lange Schlangen anstanden. Dem war aber gar nicht so, wir kamen gleich rein und das Gruseln und Schaudern konnte beginnen.

IMG_8688Leute, die etwas organisierter sind, als ich, kaufen am besten ein Ticket schon im Vorhinein übers Internet, da kann man etliche £ sparen und hat einen garantierten Zeitrahmen, wann man eingelassen wird. Aber wie gesagt, es war kein Problem und hat viel Spaß gemacht. Ich habe ja schon voriges Jahr den Dungeon in Hamburg besucht, sodass die Überraschungseffekte nicht mehr ganz so groß waren, weil einiges doch ähnlich ist. Aber für meinen Halbstarken war es genial und er hat es genossen.Version 2

Vor lauter Dankbarkeit (ja, auch Söhne können dankbar sein…) ob dieses wunderbaren Tagesanfangs gab es überhaupt kein Gemurre, als ich einfach noch ein bisschen durch die Stadt bummeln und auf den typischen Touristenpfaden noch ein paar nicht minder typische Touristenfotos knipsen wollte und auch ein Abstecher in verschiedene Bookshops und zu Paperchase (DER Papier- und Schreibwarenhimmel!!!) wurde geduldig hingenommen.

Dann war auch schon der Nachmittag angebrochen und es war Zeit, sich wieder auf den Weg zum Flughafen Gatwick zu machen. Gerne wären wir auch noch länger geblieben, vieles hätte es noch gegeben, das wir entdecken oder wiedersehen wollten. Und auch die Zeit nur für uns beide hat uns sehr gut getan, so ein Pubertier, das im Rudel aufwächst, braucht manchmal auch ein bisschen Mutterliebe ganz für sich allein. Wir haben dieses Wochenende alle zwei genossen, jeder auf seine Weise und es war eigentlich gar nicht schwer, bei all den Möglichkeiten, die sich in London bieten, etliche auszusuchen, die uns beiden gefallen haben. In diesem Sinne: gerne jederzeit wieder – sowohl London, also auch Teenie-Begleitung!!!IMG_5515 (1)

Weitere Tipps für einen Ausflug nach London mit Teenagern, wo Harry Potter, Madame Tussaud’s und die typisch englische „Tea Time“ eine Rolle spielen, findest du demnächst hier.

Du hast vor, in Mädchen-Begleitung nach London zu fahren? Dann schau doch hier, wie es der Reiseeule dabei ergangen ist!

Und falls du Geheim-Tipps hast für unsere nächste Reise nach London – bitte immer gerne. London ist ja definitiv eine Stadt, in die man immer wieder zurück will…

 

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STOCKHOLM – einmal und immer wieder

Reisen – es lässt dich sprachlos, dann verwandelt es dich in einen Geschichtenerzähler. Ibn Battuta (1304 – 1377)

Es gibt diese Orte, Städte, Plätze, an denen man sich sofort zu Hause fühlt, an denen man glaubt, bereits ewig dort gewesen zu sein, obwohl man gerade erst angekommen ist. Diese Orte, die man glaubt, schon so gut zu kennen und doch immer wieder Neues entdecken zu wollen. Weißt du, was ich meine? Bestimmt hast du auch so einen Lieblingsplatz irgendwo auf der Welt. Wien mag ich sehr, sehr gerne, es ist mein Zuhause geworden. Auch nach Mitterbergholz, in das kleine Dorf in Oberösterreich, in dem ich aufgewachsen bin, verschlägt es mich immer wieder. Und gleich danach kommt für mich in der Liste der ganz besonderen Orte Stockholm.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Es ist ganz unmöglich, dir meine Begeisterung für Stockholm in einem Beitrag zu vermitteln. Ich möchte dir daher hier Grundsätzliches über die Stadt erzählen, in einem weiteren Artikel kommt dann das Wichtigste für deinen ersten Besuch in Stockholm und ein bisschen später dann Dinge, für die du vielleicht erst bei einem weiteren Abstecher in Schwedens Hauptstadt Zeit finden wirst.IMG_7648

Zum ersten Mal war ich während einer Interrail-Reise völlig ungeplant in Stockholm. Das war 1998. Einer meiner Reisebegleiter hatte seinen Reisepass verloren, sodass wir  – eigentlich auf dem Weg nach Norwegen – einen Umweg über Stockholm machen mussten und dort ein paar „Extra-Tage“ verbringen mussten, bis der Ersatzpass ausgestellt war. Damals hab ich mich in Stockholm verliebt und gehofft, bald wieder dorthin zurück zu kommen.

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Im Jahr darauf habe ich mit einer lieben Kollegin einen ganzen Sommer dort verbracht. Wir machten ein Praktikum in einem Krankenhaus und haben so das Leben in dieser bezaubernden Stadt nicht nur als Touristen sondern auch im Alltag kennengelernt. Da wir in diesem Sommer keine Wohnung hatten und ein Hotel für uns Studenten für 2 Monate zu teuer gewesen wäre, durften wir in den Wohnungen der Kollegen wohnen, die gerade auf Urlaub waren uns so ihre Wohnungen bzw. Häuser nicht brauchten – zum Housesitting sozusagen. Wir sind in diesem Sommer jede Woche umgezogen, was zwar anstrengend war, aber auf diese Weise hatten wir Gelegenheit, sehr viele Ecken von Stockholm zu entdecken und die Schweden in ihrem Alltag zu beobachten.IMG_7762

Seit diesem einprägsamen Sommer bin ich unzählige Male nach Stockholm zurück gekehrt. Mit Freunden, mit den Halbstarken und gerne auch alleine. Über die Jahre habe ich so meine Lieblingsplätzchen in Stockholm gefunden, an die ich fast jedes Mal zurück kehre, wenn ich in der Stadt bin. Und obwohl ich schon so oft dort war, entdecke ich doch bei jedem Besuch immer wieder Neues.IMG_7764

Ich wurde schon oft gefragt, wann denn Stockholm am schönsten sei. Nun, ich finde, es hat zu jeder Jahreszeit seinen Reiz (außer vielleicht im grauen November, aber wo ist es denn da auch schon wirklich schön…), aber wenn du das erste Mal nach in diese Stadt fährst, würde ich dir Juni oder Juli empfehlen. Da ist das Wetter warm und beständig und die Tage sind einfach endlos lang. Aufgrund seiner Lage gibt es zwar keine Mitternachtssonne zu sehen, dafür müsste man doch noch deutlich weiter nördlich bis über den nördlichen Polarkreis fahren, aber so ganz dunkel wird es zu dieser Jahreszeit in Stockholm nicht (toll, für Touristen, man kann ECHT viel unternehmen an so einem langen Tag, eher weniger schön, wenn man trotzdem am nächsten Morgen in die Arbeit gehen muss…). Das Leben in der Stadt spielt sich von Mai – August hauptsächlich im Freien ab, was nocheinmal speziell zu der tollen Stimmung beiträgt. Es gibt Freiluftfestivals, unzählige Schanigärten und die Schweden zieht es wirklich nach draußen, so oft es nur irgendwie geht. Der besondere Reiz Stockholms geht für mich vom Wasser aus. Die Stadt ist ja auf 14 Inseln erbaut und gleich an Stockholm anschließend beginnt der SCHÄRENGARTEN, der einen ganz großen Teil des Charms der schwedischen Hauptstadt ausmacht.img_8027

Auch im Winter finde ich Stockholm ganz bezaubernd. Wenn die Nächte lang werden hüllt sich die Stadt in ein Lichtermeer und versprüht damit eine unglaubliche Gemütlichkeit. Die unzähligen Weihnachtsmärkte, die dann in der Stadt – einer der stimmungsvollsten ist natürlich auf dem Stortorget in der Altstadt „Gamla Stan“ – verteilt sind, laden ein, eine Tasse herrlichen Glögg (ungefähr so etwas wie unser Glühwein) und Pepparkakar, Pfefferkuchen, zu probieren.img_4199.jpg

Aber egal, für welchen Zeitpunkt du dich für deinen Stockholm-Besuch entscheidest, ich bin mir fast sicher, du wirst von dieser Stadt begeistert sein.IMG_1979

Die Orientierung in Stockholm ist einfach. Internationale Flüge kommen fast immer am Flughafen Arlanda an. Von dort fährst du am besten mit den Flygbussarna, den Flughafenbussen ins Zentrum. Die sind verhältnismäßig günstig (Tickets gibt es direkt am Flughafen oder – etwas günstiger noch – über die Homepage des Unternehmens), du musst dafür mit ca. 200 SKR für ein Retourticket rechnen. Busse fahren alle 10 min bis direkt zum Busterminal in der Stadt. Eine andere – etwas schnellere, dafür aber mit 540 SKR hin und retour doch deutlich teurere Variante ist der Arland Express. Die Version Taxi gibt es natürlich auch noch, aufgrund der Entfernung in die Stadt von über 40 km ist dabei jedoch mit mindestens 500 SKR für eine Strecke zu rechnen.IMG_7472

Jedes dieser Verkehrsmittel bringt dich direkt in das Zentrum der Stadt zum sogenannten Cityterminalen, dort treffen Züge, Busse und die U-Bahn, die „Tunnelbana“ (daher sind die Haltestellen auch immer mit einem T gekennzeichnet) aufeinander. Im Stadtzentrum bewegst du dich am besten zu Fuß, die Entfernungen sind nicht allzu weit und es macht große Freude, die kleinen Gässchen zu entdecken oder an den Ufern entlang zu promenieren. Je nachdem, wo dein Hotel liegt oder was du sonst noch gerne ein bisschen außerhalb des Zentrums unternehmen möchtest, wirst du aber vielleicht doch ein Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel brauchen. Dieses kaufst du in Form einer wiederaufladbaren Plastikkarte entweder an den Schaltern der U-Bahn oder in den Trafiken. Es gilt immer sowohl für die Tunnelbana, als auch für Busse und die Fähre zur Insel Djurgarden. Eine U-Bahnfahrt in Stockholm ist ein wahres Erlebnis, sind doch fast alle Stationen von Künstlern gestaltet worden und wenn du ein bisschen Zeit hast – oder einen kurzen Regenschauer überbrücken möchtest – kann ich dir eine kleine Rundfahrt (besonders schön ist zB die Stationen Kungsträdgården, Stadion oder T-Centralen) nur wärmstens empfehlen.IMG_4093IMG_4111

Stockholm eilt der Ruf voraus, teuer zu sein. Das stimmt in gewissen Bereichen sicher, vor allem Restaurantbesuche sind mir immer sehr kostspielig vorgekommen. Man kann sich aber damit behelfen, von den preiswerteren und durchwegs schmackhaften Mittagsmenüs Gebrauch zu machen, die oftmals angeboten werden und meistens neben der Hauptspeise auch Knäckebrot – ja, die Schweden lieben es! – Salat und Kaffee beinhaltet. Wobei Kaffee, das muss ich bei aller Liebe zu Stockholm schon sagen, für Kenner der Wiener Kaffeehausszene und vor allem Kaffeeauswahl,  in erster Linie einmal enttäuschend ist, da hier vornehmlich Filterkaffee serviert wird. Und das in rauen Mengen, die Schweden sind ja mit dem Pro-Kopf-Kaffee-Konsum gaaaanz weit vorne. Schön langsam etablieren sich Cappuccino, Latte & Co auch in den Kaffeehäusern, man muss aber oft extra nachfragen.img_6685.jpg

Noch etwas ist wichtig, worauf du  vorbereitet sein solltest, wenn du nach Stockholm (oder nach Schweden generell) fährst: Steck deine Kreditkarte ein! Nicht, um dort Unsummen auszugeben oder die teuersten Shops zu plündern, sondern für den Alltag, denn es gibt dort kaum mehr Bargeld. Jede kleinste Summe wird dort am liebsten mit der Kreditkarte bezahlt, manche Geschäfte oder Lokale akzeptieren nicht einmal mehr Bargeld.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Ich wurde schon oft gefragt, wo man in Stockholm am besten nächtigt. Nun, wie in jeder Großstadt gibt es unzählige Hotels, Hostels und Pensionen, in denen man unterkommen kann und allgemein ist der Standard gut und mit dem zu vergleichen, was wir im deutschsprachigen Raum so kennen. Was mir aber wirklich gut gefällt, weil es etwas ganz Besonderes ist, ist das Hotel bzw. Hostel Långholmen, ein aufgelassenes Gefängnis, in dem man in kleineren (im Hotelbereich) oder Mehrbett-Zellen (im Hostelteil) untergebracht ist. Und ganz, ganz toll ist auch der Dreimaster Af Chapman, der direkt vor der Insel Skepsholmen vor Anker liegt und auf dem man wie ein echter Klabautermann seine Nächte in einer Kabine verbringen kann.IMG_2111.jpg

So, nun bist du also gut angekommen, hast dein Quartier bezogen und deine Kreditkarte und ein Tunnelband-Ticket hast du auch in der Tasche. Dann können wir uns ja auf den Weg zum Sightseeing machen!

Los geht’s, hier geht es weiter zu unserer gemeinsamen Entdeckungsreise!

 

 

 

 

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STOCKHOLM – Sightseeing Tour auf 14 Inseln

Fahre in die Welt hinaus. Sie ist fantastischer als jeder Traum. Ray Bradbury (1920 – 2012)

In meinem letzten Beitrag habe ich ja schon begonnen, dir Stockholm ein bisschen vorzustellen. Nun wollen wir uns aber auf den Weg machen und uns gemeinsam auf eine Sightseeing-Tour begeben. Stockholm ist sehr vielfältig und es wird nicht gelingen, in ein paar Tagen ALLES zu sehen. Aber ein paar Dinge gibt es doch, die du auf keinen Fall verpassen solltest. Bereit?OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Jeden Touristen verschlägt es automatisch in die Altstadt, Gamla Stan. Und das ist gut so! Gamla Stan ist entzückend! Auf einer eigenen kleinen Insel gelegen, ist die Altstadt sehr überschaubar und du kannst dich dort nicht verlaufen. Das Herz von Gamla Stan ist der Stortorget, der „Große Platz“, den du bestimmt von Postkarten kennst, die alten Häuser in allen möglichen Rot- und Gelbtönen sind quasi ein Wahrzeichen der Stadt. Im Sommer laden die zahlreichen Cafés und Restaurants auch zum Heraußen-Sitzen ein und auch wenn alles dort ein bisschen teurer ist, als im Rest der Stadt: die Stimmung ist großartig und es macht Spaß aus erster Reihe dem bunten Treiben zuzusehen.

Nimm dir danach die Zeit, dich durch die kleinen Gässchen treiben zu lassen. Das ist meine allerliebste Beschäftigung in Stockholm, es gibt ja so vieles zu entdecken! Hast du die Mårten Trotzig Gränd, die mit 90 cm engste Gasse der Stadt gefunden?

Wenn du vom vielen Bummeln müde wirst, kann ich dir eine kleine Pause im Cosy Café in der Stora Nygatan 42 empfehlen (dort gibt es „richtigen Kaffee“, was in Schweden ja nicht immer selbstverständlich ist…) oder, für die Verspielten, im Muminkaffe, wo sich alles um die süßen Gesellen, die Mumins dreht.

Die ganz großen Sehenswürdigkeiten der Altstadt, wie den Riksdagen, den schwedischen Reichstag, das Kungliga Slottet, das Schloss, die Storkyrka oder die Klara Kyrka hast du bestimmt in der Zwischenzeit auch schon entdeckt. Die Wachablöse findet im Sommer übrigens täglich um 11.45 (sonntags um 12.45) statt.IMG_7551

Spazierst du von der Altstadt über die Brücke „Strömbron“, kommst du – vorbei an der Oper – direkt zum Kungsträdgården. Dort ist im Sommer so richtig was los! Konzerte und diverse Festivals finden dort statt, und die Schweden lieben es, sich dort zu treffen! Im Winter findest du dort auch einen kleinen Eislaufplatz, auf dem du – bei freiem Eintritt – deine Runden drehen kannst.IMG_2003

Ein paar Meter weiter den Kai entlang findest du die Abfahrtsstelle der Waxholmfähren. Für mich ist eine der ganz großen Besonderheiten an Stockholm die Lage am Wasser. Der Schärengarten liegt direkt vor den Toren der Stadt und um die Atomsphäre Stockholms so richtig kennen zu lernen, solltest du unbedingt eine Schifffahrt hinaus in die Inselwelt einplanen. Such dir dafür einen sonnigen Tag aus – das ist dann Schweden wie aus dem Bilderbuch!

Folgst du dem Kai weiter kommst du zur Skeppsholmsbron, die auf die gleichnamige Insel führt. Der Dreimaster, der dort vor Anker liegt, ist nicht zufällig gerade da, nein, der ist hier festgemacht und beherbergt die beliebte Jugendherberge Af Chapman (nicht nur für Youngsters geeignet, sondern für alle, die Lust darauf haben, mal auf einem echten Segelboot zu übernachten…). Auf Skeppsholmen befindet sich das Moderna Museet – und ein Foto auf der Brücke mit der goldenen Krone ist natürlich auch für denen richtigen Touristen Pflicht!IMG_6726IMG_7463

Viel Zeit solltest du einplanen, bevor du dich nach Djurgården begibst, denn dort gibt es jede Menge zu tun. Die Insel, der „Tiergarten“, ist das grüne Herzen Stockholms und die Einheimischen lieben es, dort zu joggen oder Rad zu fahren. Vielleicht magst du dich ja auch sportlich betätigen und eine Runde radeln? Gleich nachdem du die Brücke Djurgårdsbron überquert hast, findest du einige Radverleihe.

Und danach geht’s ab in die Museen! Das Vasamuseum solltest du dir auf keinen Fall entgehen lassen. Es ist sensationell, wie gut das Schiff, das 1628 auf seiner Jungfernfahrt, die aufgrund eines Konstruktionsfehlers nur ein paar Meter weit glückte, rekonstruiert wurde. 333 Jahre lag die alte Lady unter Wasser, bevor sie gehoben, und aus fast lauter Originalteilen wiederaufgebaut wurde. Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene übrigens 130 sek und du solltest mindestens 1,5 Stunden für den Besuch des Museums einkalkulieren.IMG_7494

Unmittelbar daneben befindet sich das ABBA-Museum. Der Schwedischen Kaltband sollte man wohl auch unbedingt einen Besuch abstatten und sich eine Runde Karaoke genehmigen… Das Museum ist toll und sehr interaktiv gestaltet und auch wenn es mit 250 sek ziemlich teuer ist, ich finde, es lohnt sich auf jeden Fall!IMG_7875

Etwas ganz Besonderes ist der Skansen, eine Mischung aus Freilichtmuseum und Tiergarten. Alte Gebäude aus ganz Schweden wurden dort original wieder aufgebaut, teilweise gibt es auch Handwerks- oder Tanzvorführungen und es finden auch große Konzerte dort statt. Der Tiergartenteil ist liebevoll gestaltet und zeigt die meisten heimischen Tiere Skandinaviens und vom obersten Hügel des Geländes hat man einen herrlichen Blick auf die Stadt. Im Skansen kann man einen ganzen Tag verbringen und immer wieder Neues entdecken. Für die Kurzversion solltest du dir aber auf jeden Fall 3 Stunden Zeit nehmen, damit du dir einen schönen Überblick verschaffen kannst.

Wer ein bisschen „Action“ braucht, sollte sich einen Abstecher nach Gröna Lund, den Vergnügungspark der Stadt, nicht entgehen lassen. Der Eintritt beträgt 110 skr und man kann dort entweder jede Fahrt einzeln bezahlen oder sich – für die ganz Mutigen – ein Ticket kaufen, bei dem alle Fahrten inkludiert sind.IMG_8112

Ein Stadtteil, der sich in den letzten Jahren sehr gemausert hat und unbedingt einen Besuch Wert ist, ist Södermalm, von den Einheimischen liebevoll Söder oder SoFo genannt. Am besten du nimmst die U-Bahn und fährst bis zum Medborgarplatsen. Im Viertel um den Platz spielt sich momentan das Stockholmer Nachtleben ab und es finden sich unzählige nette Lokale, aber auch tagsüber ist immer etwas los. Eine Pause in Gildas Rum, einem etwas kitschigen, aber sehr, sehr netten Café ist immer eine gute Idee für eine „Fika“. So nennen die Schweden übrigens die Kaffeepause, die ihnen heilig ist und zu der es traditionell außer Kaffee auch noch die beliebten Zimtschnecken, die „Kanelbullar“ gibt.

Wunderschön auf Södermalm ist auch ein Spaziergang entlang des Katarinavägen bzw. Fjällgatan. Man wandert da hoch über der Stadt am Wasser entlang und hat einen herrlichen Blick auf Gamla Stan – ideal für alle, die es gerne etwas romantisch haben. Den Sonnenuntergang von dort aus zu beobachten, ist wirklich idyllisch!IMG_7945

Wenn du nach all den Besichtigungen noch ein bisschen Zeit hast, bietet sich ein kleiner Abstecher zum Schloss Drottningholm, dem Wohnsitz der Königsfamilie an. Schloss Drottningholm liegt westlich von Stockholm im Mälaren See und ist mit der Tunnelbana (Station Brommaplan) und dann weiter mit dem Bus oder mit Ausflugsschiffen, die vor dem Stadshuset abfahren, zu erreichen. Das Schloss selbst zählt zum UNESCO Welterbe und der umliegende Park ist ein beliebtes Ausflugsziel nicht nur für Touristen.IMG_7800

Nun gut, ich denke die wichtigsten Sehenswürdigkeiten für deinen ersten Stockholm-Besuch habe ich dir nun vorgestellt. Aber Stockholm hat natürlich noch viel mehr zu bieten – mehr darüber erzähle ich dir gerne das nächste Mal 😉

Aber vielleicht warst du ja ohnehin schon mal selbst in Stockholm. Was sind deine liebsten Orte in dieser schönen Stadt? Ich freue mich sehr auf deine Tipps!

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BRÜSSEL – zu Gast in Europas Hauptstadt

An zu viel Glück ist noch keiner gestorben. Flämisches Sprichwort

3 Tage lang waren die Halbstarken und ich im August 2014 in Brüssel. 3 Tage, an denen wir viel gesehen und erlebt haben und in denen wir durchaus einen Einblick in diese Stadt gewonnen haben, die aufgrund ihrer Bedeutung innerhalb der Europäischen Union viel mehr Einfluss auf unser tägliches Leben hat, als wir auf den ersten Blick glauben würden. Wir reden heute noch oft und gerne über diese Reise nach Brüssel. Warum? Weil wir in Brüssel

  • soviel Waffeln und Schokolade gegessen haben, wie noch nie
  • unsere Liebe für Comics entdeckt haben
  • den einzigen Strafzettel für Falschparken bekommen haben, den wir nie gezahlt haben und uns so oft verfahren haben, wie sonst noch nirgends
  • drauf gekommen sind, dass uns zu unserem Glück ein Haustier fehlt – prompt haben wir uns nach unserer Rückkehr dann einen Hamster zugelegt
  • ein etwas eigenartiges und langwieriges Erlebnis mit dem Feuermelder in unserem Appartement hatten und nun wissen, dass die Feuerwehr nicht kommt, nur weil der Alarm losgeht
  • versucht haben, in unserem schönsten Französisch zu plaudern – aber immer deutsche oder englische Antworten bekommen haben…

Wenn du selbst noch nie in Brüssel warst, macht dir dieser Artikel vielleicht Lust auf einen Ausflug in die belgische Hauptstadt. Uns hat es gefallen – insbesondere ob der Vielfältigkeit, die wir in jeder Hinsicht dort vorgefunden haben.

Wir hatten Glück mit dem Zeitpunkt, zu dem wir in Brüssel waren. Einmal pro Jahr gibt es genau für ein Wochenende am Grand Place den berühmten Blumenteppich. Innerhalb von wenigen Stunden legen hunderte Freiwillige dieses Kunstwerk aus Begonien auf, das man dann für genau 3 Tage bewundern kann. Welch ein Zufall, dass wir wirklich genau zu diesem Zeitpunkt in Brüssel waren, quasi zur rechten Zeit am rechten Ort… Das hatten wir nicht geplant, aber es war wirklich wunderschön und wenn wir nochmal nach Brüssel fahren, dann werden wir, wenn irgendwie möglich, den Zeitpunkt berücksichtigen. Den nächsten Blumenteppich gibt es übrigens von 11. bis 13. August 2017 und von 17. bis 19. August 2018.IMG_0508

Wenn man sich dann schon am Grand Place im Herzen Brüssels befindet, lohnt es sich durchaus, sich ein wenig umzusehen, befinden sich dort doch mit dem Rathaus (Hôtel de Ville), dem gegenüber liegendem Broothuis (Maison du Roi) und den angrenzenden Zunfthäusern wirklich die Prunkbauten der Stadt.  Nicht zu Unrecht zählt der Grand Place daher auch zum UNESCO Weltkulturerbe! Wenn nicht gerade der Blumenteppich unzählige Einheimische und Touristen anlockt, findet sich auf diesem Platz auch stets ein fröhliches Treiben auf dem Platz selbst und in den umliegenden Lokalen. Wie auch überall sonst im absoluten Stadtzentrum sind die Preise natürlich so, dass man die Lage mit bezahlt, aber es lohnt sich durchaus, kurz inne zu halten und einfach die schöne Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.

Apropos wirken lassen: Etliche Spezialitäten hat Belgien natürlich zu bieten, die man sich nicht entgehen lassen soll: da wären einerseits die wirklich SEHR typischen Waffeln, die es mit allerlei Toppings von Schokolade über Erdbeeren, Eis, Schlagobers bis zu den verschiedensten Früchtekombinationen gibt. Dann natürlich die Belgische Schokolade – herrlich, ein absolutes „Muss“… Und dann wäre da noch das Belgische Bier, das meiner Meinung nach ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist, gibt es dieses doch in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen. Kirsche und Pflaume habe ich probiert, weil es halt einfach dazu gehört. Nun ja, was soll ich euch sagen..? Wenn man seit 16 Jahren in Wien-Ottakring wohnt, und sich über die Jahre an das heimische Bier gewöhnt hat, überzeugt einen das nicht so wirklich…IMG_0461

Unweit vom Grand Place findet man den wohl berühmtesten „Einwohner“ Brüssels: das Manneken Pis. Manchmal nackt, manchmal mit verschiedensten Kostümen bekleidet, pinkelt es fröhlich in seinen Brunnen. Menschentrauben davor versuchen, ein Selfie mit sich zu knipsen oder gar die ganze Familie mit dem Manneken Pis abzubilden und man muss eher Glück haben, wenn man einen freien Blick darauf erhaschen kann. Nachvollziehen konnten wir diese Euphorie eigentlich nicht, im Gegenteil, wir waren eher enttäuscht davon, hätten wir doch eine „richtige“ Statue erwartet und nicht bloß einen 60 cm kleinen Gesellen. Aber Größe ist ja angeblich nicht alles und so erlangte der kleine Mann dennoch seine Berühmtheit.IMG_0517

Bei weitem imposanter waren da schon die Shopping Arcarden Galleries Royals, die auf über 100 m Länge etliche Designerläden beherbergen. Für eine richtige Shoppingtour hat unser Reisebudget leider nicht gereicht, aber immerhin konnten wir uns mit ausreichend Schokolade eindecken…IMG_0462

Am nächsten Tag ging es dann in einen moderneren Teil Brüssels. Etwas außerhalb des Stadtzentrums findet man das Wahrzeichen der Stadt: das Atomium. 1958 für die Weltausstellung erbaut, beherbergt das einem Eisenatom nachgebaute Konstrukt heute einerseits seine eigene Geschichte, andererseits wechselnde Ausstellungen über naturwissenschaftliche Themen. Die 9 Kugeln sind mit Aufzügen und Rolltreppen miteinander verbunden und von der obersten Kugel aus hat man aus ca. 100 m Höhe einen herrlichen Blick auf die Stadt.

Gleich daneben befindet sich Europa im Kleinformat – das Mini-Europe. In einem hübsch angelegten Park finden sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Europas im Maßstab 1:25. Alles ist liebevoll gestaltet und sehr detailgetreu ausgeführt. Alle Länder der Europäischen Union sind vertreten, Österreich wird beispielsweise durch das Stift Melk repräsentiert, aus Deutschland finden sich unter anderem das Brandenburger Tor in Berlin, das Holstentor zu Lübeck und der Dom von Speyer. Die Kinder waren von diesem Mini-Land wirklich beeindruckt und wir haben Stunden dort verbracht 😉 Im Ausgangsbereich findet sich eine Ausstellung über die EU, wo auf spielerische Weise allerlei Wissenswertes vermittelt wird. Wenig politisch, wie wir finden, sondern eher auf die Besonderheiten der einzelnen Länder Bedacht nehmend.

Brüssel ist eine Comic-Stadt. Es gibt ein Comic-Museum und einen Comic Walk, wo man auf einem Rundgang durch die Stadt auf über 5 km verschiedenste Comics an den Fassaden bewundern kann. Noch nie sind die Halbstarken ohne zu murren einfach kilometerweit durch eine Stadt spaziert…IMG_0527

Dann mussten wir uns natürlich auch den Royals etwas widmen und uns ansehen, wo König Philippe und seine Mathilde mit ihrer Familie residieren. Ich mag ja Königsfamilien – die jetzigen mehr, als die der Vergangenheit – und gebe zu, dass ich schon manchmal ganz gerne ein bisschen Klatsch und Tratsch über sie lese. Und ihre Schlösser bewundere. Irgendwie würde ich doch auch selbst eine ganz gute Prinzessin abgeben, oder nicht? Mehr noch als das Schloss hat uns allerdings der Jubelpark mit seinen schönen Gartenanlagen, dem Triumphbogen und den Ausstellungshallen gefallen, in denen ein Oldtimer-Museum untergebracht ist.IMG_0688

Brüssel ist sehr vielseitig und wir waren eigentlich von der Stadt im Großen und Ganzen sehr positiv überrascht, auch wenn wir in den 3 Tagen natürlich bei weitem nicht alles gesehen haben. Eine Reise mit Kindern läuft ja doch immer ein bisschen anders ab, als wenn man eine Stadt alleine oder mit Freunden besuchen würde.

Was eigentlich noch auf unserem Programm stand, was wir leider aus Zeitgründen aber nicht mehr geschafft haben, war ein Besuch des Europäischen Parlaments mit dem sogenannten Parlamentarium, dem zugehörigen Besucherzentrum, das uns sehr empfohlen wurde. Aber Brüssel ist ja nicht aus der Welt und bestimmt findet sich irgendwann wieder mal die Gelegenheit hinzufahren – und dann muss ja auch noch ein bisschen etwas übrig sein, das man noch nicht gesehen hat, nicht wahr?

Mein Brüssel-Tipp: nimm dir genug Zeit, einfach durch die Gassen zu flanieren. Die Innenstadt von Brüssel ist kompakt und zu Fuss leicht zu erkunden, an jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Zwischendurch lohnt sich immer wieder ein Abstecher in eines der zahlreichen Cafés. Sehr stilvoll ist zum Beispiel das Café Métropole auf der Place de Brouquere

 

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Comic-Walk BRÜSSEL – auf den Spuren von Asterix,Tim & Struppi, Lucky Luke & Co

I’m a poor lonesome cowboy and a long way from home! Lucky Luke

Eine besondere Attraktion in Brüssel ist der sogenannte Comic Walk. Öffentlich zugänglich wurde eine Route in der Stadt angelegt, an der man während eines 5 km langen Spazierganges an über 40 Fassaden vorbei kommt, die mit den unterschiedlichsten Comic-Helden verziert sind.IMG_0530

Ausgehend von der Touristeninformation im Herzen Brüssels in der Rue Royale, wo man auch den zugehörigen Plan ausgehändigt bekommt, spaziert man gemütlich durch die Stadt. Man kommt dabei abgesehen von Orten, die man ohnehin besuchen möchte, auch in kleine Gässchen und Gegenden, die man ansonsten vielleicht nicht auf seinem Programm hätte.IMG_0529IMG_0528

Vorbei an Tim und Struppi und Asterix begegnet man auf der Strecke an den Fassaden den unterschiedlichsten Helden. Lucky Luke ist ebenso anzutreffen wie die Schlümpfe und Massupilami oder für uns eher unbekannte Gestalten wie Rick Hochet oder Le Jeune Albert.

Ein besonderer Spaß ist der Rundgang natürlich für Kinder, die plötzlich ganz freiwillig und ohne zu jammern durch die Stadt marschieren – immer auf der Suche nach dem nächsten Comic. Die Jagd danach wurde bei uns zu einem richtigen Wettkampf. Ganz nebenbei kommt man übrigens auch an vielen bekannten Sehenswürdigkeiten vorbei und bekommt einen schönen Eindruck von der Atmosphäre in Brüssel.IMG_0525

Als Abschluss bietet sich noch ein Besuch des Comic Museums in der Zanderstraat 20 rue des Sables an, wo man noch einmal in aller Ruhe verschiedenste Exponate der einzelnen Helden bestaunen kann. Es lohnt sich übrigens auch ein Blick auf das Gebäude selbst, befindet sich das Belgische Comic Zentrum doch in einem Jugendstil-Gebäude von Victor Horta.IMG_0523

Eine spannende Sache, diese Comics! Für uns haben sie Brüssel unvergesslich gemacht und eine schöne Abwechslung in unsere Städtetour gebracht.

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LJUBLJANA – auf Drachenjagd in Sloweniens Hauptstadt

Unsere größten Ängste sind die Drachen, die unsere tiefsten Schätze bewahren. Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Über Fronleichnam wollten die Halbstarken und ich heuer ans Meer. Nachdem wir die letzten Jahre oft in Italien waren, sollte diesmal Slowenien unser Ziel sein. Da ich den Kindern auch immer etwas von der Welt zeigen will und nicht nur tagelang am Strand in der Sonne braten möchte, haben wir einen Zwischenstop in Ljubljana eingeplant. Wir waren alle ein bisschen skeptisch, als wir uns auf den Weg in diese beinahe unaussprechliche Stadt machten, doch Laibach, wie Sloweniens Hauptstadt auf Deutsch genannt wird, hat uns sofort in ihren Bann gezogen. Und als wir uns auf  die Jagd nach den unzähligen Drachen machten, die dort versteckt sind, waren auch die Halbstarken restlos begeistert.IMG_0427

Erst 1991 aus den Fängen des Kommunismus des ehemaligen Jugoslawiens entkommen, hat sich Ljubljana zu einer wunderschönen Stadt voll Flair und Gemütlichkeit gemausert. Letztes Jahr wurde es sogar zur „Grünsten Stadt Europas“ gekürt, und das zu Recht. Unzählige Parks finden sich überall in der Stadt und die Ljubljanica schlängelt sich umgeben von viel Grün durch das Zentrum, bevor sie wieder einen Teil unterirdisch weiter fließt. Gerade mal 280.000 Einwohner hat die Stadt – 60.000 davon sind Studenten. Und das macht sich bemerkbar! Ljubljana ist jung und dynamisch, es finden sich unzählige Bars, Cafés und Restaurants, die zum Verweilen einladen, Straßenkünstler finden sich überall in der Altstadt verteilt und im Sommer gibt es unzählige Freiluftveranstaltungen, Konzerte, Open-Air-Kinos und Gastgärten, in denen man es sich gemütlich machen kann.IMG_3082

Das Zentrum Ljubljanas ist überschaubar und die meisten Aktivitäten bzw. Sehenswürdigkeiten spielen sich um den Prešeren-Platz ab. Habt ihr schon mal eine Stadt gesehen, die ihr eigenes Wetter macht?? Laibach kann das – und ein bisschen Nieselregen war bei der momentanen Hitze sogar willkommen!IMG_0337

Einer der ganz großen Helden Sloweniens ist der Architekt Joše Plecnik, dessen Denkmal sich auf diesem Platz findet. Was Gaudí für Barcelona war, war Plecnik für Laibach – er hat das Stadtbild geprägt und überall seine Spuren hinterlassen. Plecnik wollte aus Ljubljana zu Zeiten, als dieses noch eine kleine unbedeutende Stadt in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie war, ein ganzheitliches Meisterwerk nach Athener Vorbild machen – um es auf seine Zeit als Hauptstadt vorzubereiten. Und man muss zugeben, das ist ihm wunderbar gelungen. Den Marktplatz, etliche Brücken, die Nationalbibliothek und viele, viele andere Gebäude hat er in seinem ganz eigenen Stil entworfen.IMG_0496

Diese zieren ebenso wie viele Jugendstilbauten (ebenfalls aus Monarchiezeiten) die Altstadt Ljubljanas – irgendwie fühlt man sich aus Wien kommend hier sofort heimisch…

An unserem ersten Abend haben wir uns mit meiner Brieffreundin Martina und ihrer Familie getroffen und somit quasi eine Privatführung durch die Stadt erhalten. Erst machten wir uns auf zu einem kleinen Stadtbummel, um einen Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Laibachs zu bekommen, dann stand ein bisschen Sport am Programm. Hoch über Ljubljana thront die alte Burg, die uns einen wunderschönen Ausblick bis weit über die Stadtgrenzen hinaus bot. Der Aufstieg dauert nicht länger als eine Viertelstunde und lohnt sich allemal, wer nicht laufen möchte, kann für 4 € hin und retour auch bequem mit der Standseilbahn hinauf fahren. Schade, dass der Aussichtsturm schon um 9 Uhr schließt, der Ausblick von ganz oben hätte uns bestimmt auch gefallen. Aber auch so war die Aussicht beeindruckend!

Am nächsten Tag gab es erst mal ein reichhaltiges Frühstück im Café Cacao, direkt im Zentrum und sehr idyllisch an der Ljubljanica gelegen. Anschließend wollten wir einen Rundgang durch die Stadt machen um auch ein bisschen etwas über die Geschichte zu erfahren. In unserer Unterkunft, den Viva Rooms (wahnsinnig praktisch quasi ums Eck beim Prešeren Platz gelegen, einfach, aber sauber und gepflegt) hat man uns die Freetour empfohlen. Erst hat uns die Menschenmasse, die sich für die Tour einfand, etwas abgeschreckt, aber aufgeteilt in kleine Gruppen machten wir uns schließlich mit unserem Guide Jack auf den Weg. Lustig und mit großer Begeisterung hat er uns seine Stadt gezeigt – eine kleine Verkostung von eingelegtem Gemüse auf dem Markt und Brombeerschnaps in der Altstadt inklusive.IMG_0447IMG_0450

So erfuhren meine kleinen Drachenjäger endlich auch, was es mit dem Fabeltier in Ljubljana so auf sich hatte und als wir die Geschichte von Jason und den Argonauten hörten, waren wir alle restlos begeistert. Der Beschützer der Stadt findet sich wirklich überall: an Wasserspeiern, in Auslagen, im Stadtwappen und – wohl am bekanntesten – gleich in mehrfacher Ausführung auf der Drachenbrücke. Es heißt, wer sich nicht mit einem Drachen fotografieren ließ, sei nicht in Ljubljana gewesen. Wir waren selbstverständlich und nachweislich dort – seht selbst…

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Die Drachenbrücke ist aber nicht die einzige Möglichkeit, die Ljubljanica zu überqueren. Direkt vom Prešeren Platz führen – etwas skurril – gleich drei Brücken, die sogenannte Tromostovje über den Fluss und wie in fast jeder Stadt, die etwas auf sich hält, gibt es auch hier eine Brücke, an der Pärchen vor den Statuen von Adam und Eva, dem Satyr, Prometheus oder etlichen anderen Skulpturen ihre ewige Liebe in Form eines Vorhängeschlosses besiegeln können: die Mesarski Most – in Anlehnung an die vielen Metzgerläden, die sich gleich anschließend in den Marktarkaden finden, auch Butcher’s Bridge genannt.IMG_0422IMG_0424

Den Abschluss fand unsere 2stündige Tour auf dem sogenannten Kongressplatz vor der Ursulinenkirche, wo in den Sommermonaten allabendlich verschiedenste Konzerte stattfinden.IMG_0467

Für uns traf sich das wunderbar, wollten wir als nächstes doch das Museum of Illusions besuchen. Klein aber fein entführte uns dieses in eine Welt der Trugbilder und Illusionen und versetzte uns in seiner Einzigartigkeit wirklich ins Staunen.

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Danach stand noch ein bisschen moderne Kunst auf dem Programm. Im Stadtteil Metelkova laden etliche Galerien und Museen zum Besuch ein. Alleine schon der Fussmarsch – Metelkova ist problemlos in etwa 15 min von der Altstadt aus zu erreichen – ist ein Erlebnis. Die bunten Fassaden der Häuser, Graffitis und Mosaike faszinieren jung (in unserem Fall die Halbstarken) und alt…

Vieles gäbe es in Laibach noch zu entdecken – so haben wir zum Beispiel den Tivolipark, Ljubljanas größten und angeblich schönsten Park irgendwie ganz links liegen gelassen. Wahrscheinlich war aber die Vorfreude auf das Meer dann doch schon zu groß, so dass wir uns am späten Nachmittag auf den Weg zur slowenischen Adriaküste machen. Und da wir noch lange nicht alles gesehen haben, das Ljubljana zu bieten hat, gibt es wenigstens Gründe, um bald einmal wieder in diese bezaubernde Stadt zurück zu kehren.IMG_0489

Mein Ljubljana-Tipp: unbedingt etwas mehr Zeit in dieser schönen Stadt einplanen, 2 Tage sind eindeutig zu kurz. Durch seine zentrale Lage in Slowenien sind auch viele andere Attraktionen, wie zB die Postojna Höhlen, Bled mit seinem wunderschönen See oder die malerischen Küstenstädte Piran, Izola und Portoroz jeweils in nur etwa 1 Autostunde zu erreichen.

Was dich sonst noch interessieren könnte:

Ebenfalls wunderschöne Jugendstilgebäude findest du in Lettlands Hauptstadt RIGA

 

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RIGA – ganz viel Jugend & Stil

Die Erfahrung, daß wir eines reinen Enthusiasmus fähig sind: dies ist der eigentlichste Gewinn der Reisen. Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Bereits zwei Mal hat es mich in die lettische Hauptstadt verschlagen – einmal 2014  mit meiner lieben Freundin Sybille, als Riga europäische Kulturhauptstadt war und einmal im Jahr darauf mit den 3 Halbstarken als Zwischenstopp auf dem Weg von Estland auf die Kurische Nehrung. Und so unterschiedlich diese beiden Reisen auch waren, so hatten sie doch eines gemeinsam: Riga hat mich jedes Mal wieder in seinen Bann gezogen!IMG_5166

Riga, 1997 zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt, ist mit etwa 700.000 Einwohnern die größte Stadt des Baltikums. Nur wenige Kilometer von der Baltischen See entfernt, spielt sich das pulsierende Leben der Stadt hauptsächlich zwischen der Daugava und den zufließenden Kanälen ab, die auch gleich die Altstadt einschließen. Unzählige Anbieter offerieren Rundfahrten auf diesen Gewässern, welche sich herrlich für die erste Erkundung der Stadt eignen. Ich finde ja immer, dass man eine Stadt zumindest einmal vom Wasser aus und einmal von oben gesehen haben sollte – der Blickwinkel ändert sich enorm und man entdeckt vieles, das einem sonst verborgen geblieben wäre.

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Abgesehen von einer Bootsfahrt (Kopf einziehen, die Kanäle führen teilweise durch Tunnel und es kann ganz schön eng werden!) ist Riga sehr gut zu Fuß zu erkunden, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegen sehr nahe beisammen. Die Hauptattraktion, das Schwarzhäupterhaus kann man nicht verpassen. Das Original wurde zwar längst zerstört, der Wiederaufbau ist jedoch wunderbar gelungen. Am schönsten finde ich es übrigens in der Abendsonne, wenn die Fassade so richtig schön beleuchtet wird.

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Wir hatten natürlich gehört, dass Riga vom Jugendstil geprägt ist. Da ja auch Wien einiges aus dieser Epoche zu bieten hat, dachten wir ungefähr zu wissen, was uns dort erwarten würde. Aber: wir waren überrascht! An jeder Ecke begegnen einem im Zentrum Rigas wunderschöne, großteils auch schon sehr hübsch renovierte Jugendstilgebäude, die Dichte ist fast schon überwältigend und während man anfangs noch bei jedem Haus mit offenem Mund stehen bleibt und staunt, werden diese bald fast ein bisschen zur Normalität. Dennoch sollte man, wenn man ein bisschen Zeit hat, es sich nicht nehmen lassen, zumindest ein Mal durch die Alberta Iela zu spazieren. Dort reiht sich ein Jugendstilbau an den anderen, und den krönenden Abschluss bildet das Jugendstilmuseum, in dem man das zugehörige Interieur besichtigen kann.

Es macht unglaubliche Freude, einfach durch die Gassen der Altstadt zu spazieren und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Da Riga klein und übersichtlich ist, kommt man so fast automatisch an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei.

Riga bietet aber auch unzählige Lokale – im Sommer oft mit Gastgarten oder zumindest ein paar Tischen am Gehsteig – von denen aus man das herrliche Treiben der Stadt beobachten kann. Als Spezialität findet sich übrigens eine kalte Rote Beete Suppe mit Dill und gekochtem Ei – etwas speziell, aber so typisch, dass man sie sich nicht entgehen lassen sollte.

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Abgesehen von den architektonischen Prunkbauten des Jugendstils ist Riga auch noch von einem gewissen postkommunistischen Charme geprägt. Wie in fast jeder größeren Stadt des ehemaligen Ostblocks findet sich auch dort der obligatorische häßliche Fernsehturm (ein bisschen außerhalb, wem der Weg nicht zu weit ist, der kann jedoch von der Aussichtsplattform aus über 100 m Höhe einen wunderschönen Ausblick über die Stadt bis zur Ostseeküste genießen) sowie eine Brücke, die auch nicht gerade eine Zierde darstellt, auf ihre eigene Art jedoch fast schon zum Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Und dann ist da noch die am linken Ufer der Daugava, die – unmöglich zu übersehen – das Stadtbild prägt.

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In den Außenbezirken reihen sich Plattenbauten aneinander, die ein Übriges dazu beitragen, an die Zeit bis 1989 zu erinnern. Interessant ist auch ein Besuch des Okkupationsmuseums gleich neben den Schwarzhäupterhäusern, das einen schönen Überblick über die Geschichte Lettlands bietet. Auch das Freiheitsdenkmal zeugt von vergangenen Zeiten und hat hohen Symbolcharakter für die Entwicklung der Stadt.

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Genau wie in Kotor in Montenegro begegnet einem auch in Riga eines auf Schritt und Tritt: die berühmte Katze von Riga. Ein Handwerker wollte um die Wende des 19/20. Jahrhunderts in die damalige Handwerkergilde aufgenommen werden, was ihm aber verwehrt wurde. Aus Ärger hat er daher auf seinem Haus am Lica-Platz eine Bronzefigur einer Katze anbringen lassen, die der Stadt den Rücken und den Schwanz zuwandte, was zu großen Unstimmigkeiten führte.

IMG_6790 Die Katze als Symbol ist der Stadt geblieben und man begegnet ihr weiters sowohl in Form der allgegenwärtigen herumstreunenden „echten“ Katzen als auch bei der Skulptur der Stadtmusikanten hinter der Petri-Kirche. Diese ist übrigens ein Geschenk der Stadt Bremen an Riga – als Zeichen der Verbundenheit, quasi von Hansestadt zu Hansestadt.

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Ein ganz eigenes Flair bietet auch ein Besuch der Alten Markthalle. Während drinnen Lebensmittel aller Art (es gibt auch eine eigene Fisch-Halle!) angeboten wird, findet man auf dem Platz hinter der Markthalle vormittags ebenfalls einen Markt, bei dem man von Hausrat über Blumen (bei unserem ersten Besuch war Pfingstrosen-Zeit – herrlich, dieser Duft) bis zu Kleidung alles erstehen kann. In den umliegenden alten Speichergebäuden sind in letzter Zeit viele Lokale unter gekommen und es hat sich eine sehr belebte Ausgeh-Szene entwickelt.

Wenn man ein bisschen mehr Zeit in Riga verbringen kann, lohnt sich auch ein Ausflug ins nahe gelegene Jurmala. Mit der Bahn in einer halben Stunde zu erreichen, findet man dort einen endlosen Strand an der Baltischen See vor. Im Sommer lässt die Wassertemperatur durchaus ein Bad im Meer zu, außerhalb der Saison bieten sich lange Strandspaziergänge – mit etwas Glück findet man vielleicht sogar ein Stückchen Bernstein – oder ein Bummel durch das Zentrum der kleinen, von Holzhäuschen geprägten Stadt an. Auch für einen Besuch mit Kindern stellt das eine willkommene Abwechslung dar, wenn diese von der Stadtbesichtigung schon etwas müde geworden sind.

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Apropos Kinder: Riga bietet unzählige Parks, in denen sich die Kleinen herrlich austoben können. Es gibt einen Zoo und für die historisch interessierten Kids findet sich im Pulverturm ein Kriegsmuseum, das recht interessant aufbereitet ist. Kinder sind übrigens auch immer wieder fasziniert von der Tatsache, dass der Weihnachtsbaum aus Lettland kommt – kleines Detail am Rande…

Ein schöner Tagesausflug führt auch in den Gauja Nationalpark, etwa 1 1/2 von Riga entfernt und gut mit dem Bus zu erreichen. Ein hübsches Barockschloss und die Burg Turaida warten dort auf die Besucher und unberührte Landschaft lädt zum Wandern ein. Im kleinen Städtchen Sigulda führt eine Seilbahn von einer Seite des Tales auf die andere und bietet während der kurzen Fahrt einen wunderschönen Ausblick über den Nationalpark.

Riga bietet also für jeden Geschmack etwas und eignet sich durch seine Lage am Wasser besonders in der warmen Jahreszeit wunderbar für einen Städtetrip. Durch seine Vielseitigkeit kann es mit den ganz „Großen“ durchaus mithalten. Wer also Paris, Rom & Co schon gut kennt, wird bestimmt auch in Riga seine Freude haben!

Mein Riga-Tipp: Ein Halbtagesausflug nach Jurmala bietet perfekte Urlaubsatmosphäre. Am Strand findet man einige ganz nette Restaurants, die herrliche Ausblicke aufs Meer bieten. Im Beach haben wir Leckeres vom Grill gegessen und windgeschützt durch Glaswände die Seele baumeln lassen.

Was dich im Baltikum noch interessieren könnte:

  • ein paar Tage Sonne, Sand, Meer und Dünen auf der Kurischen Nehrung. Die zwischen Litauen und Russland aufgeteilte Halbinsel ist von Riga aus mit dem Auto in 3 1/2 Stunden plus einer kurzen Fahrt mit der Fähre gut zu erreichen.

 

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ROTHENBURG OB DER TAUBER – es weihnachtet so sehr

Es gibt tatsächlich Leute, die Weihnachtsfeste veranstalten. Ist das nicht komisch? Gustave Flaubert (1821 – 1880)

Was stimmt einen besser auf das bevorstehende Weihnachtsfest ein, als ein Besuch auf einem Christkindlmarkt? Derer gibt es zwar auch in Wien viele, aber – so berichten es zuverlässige Quellen – besonders schön sollte derjenige in Rothenburg ob der Tauber sein. Und so weihnachtlich und romantisch wäre es dort… Und überhaupt…! Also gut, meine liebe Kollegin Sissy eingepackt und dann nichts wie rein ins Auto und ab in diese kleine, beschauliche Stadt. img_0439img_0465

Nun, was soll ich euch sagen? Es war zauberhaft!! Rothenburg ist winzig klein, gerade mal 11.000 Einwohner leben zu normalen Zeiten dort – vor allem in der Weihnachtszeit finden sich aber auch eine Vielzahl an Touristen dort ein. Und das mit gutem Recht! Diese mittelalterliche Stadt verwandelt sich im Advent in ein derartig prunkvolles Weihnachtsdorf, dass es eine wahre Freude ist! Kitschig? Ja, aber auf eine sehr nette und stimmige Art. Die ganze Stadt ist ein einziges Weihnachtsdorf, jedes Haus ist geschmückt und beleuchtet, an den Schaufenstern kann man sich kaum satt sehen vor lauter Weihnachtsdekorationen und auf dem Marktplatz findet sich der Reiterlesmarkt, einer der schönsten und traditionellsten Christkindlmärkte Deutschlands. Unzählige Buden säumen den Platz und die umliegenden Gassen, es durftet herrlich nach Punsch und den berühmten Bratwürsteln. Die Stände bieten allerlei Kunsthandwerk, heimische Köstlichkeiten und natürlich konnten wir es nicht lassen, die legendären Ritterrollen – eine Art Flaumkuchen, aber eingerollt und daherauch im Vorbeigehen gut zu essen – gleich mal zu probieren.

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Gekrönt wird die Weihnachtsatmosphäre vom Deutschen Weihnachtsmuseum, das man rund um das Jahr in Rothenburg besichtigen kann. Da gibt es historische Weihnachtsbäume zu sehen, verschiedenster Christbaumschmuck von einst und jetzt ist ausgestellt und auch der Weihnachtsmann und seine Helfer sind vertreten. Am Ende des Weihnachtsmuseums wird man in Käthe Wohlfahrts Weihnachtsdorf geleitet, wo das Weihnachtsmärchen erst so richtig los geht!

In einer Halle ist ein richtiges Dorf mit einem 5 m hohen Christbaum und vielen, vielen Marktständen aufgebaut und es findet sich dort wirklich ALLES an Weihnachtsdekoration, was das Herz begehrt. Es glitzert und funkelt und man kann wirklich Stunden dort verbringen, ohne aus dem Staunen heraus zu kommen. Und natürlich geht man nicht von dort weg, ohne das ein oder andere Erinnerungsstück einzukaufen – allen guten Vorsätzen zum Trotz, aber das geht gar nicht anders…

Allgegenwärtig sind auch die berühmten Schneeballen, „die“ Spezialität in Rothenburg, die wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen wollten. Es bedarf einigen Geschicks, dieses Mürbteiggebäck halbwegs bröselfrei und einigermaßen sozial akzeptabel zu essen. Schade, dass man nach einem Ballen wirklich satt ist und es einfach keinen Platz mehr im Bauch gibt um die verschiedenen Geschmacksrichtungen zu testen. img_0356

Doch auch abseits des Weihnachtsrummels hat Rothenburg viel zu bieten. Ein absolutes „Muss“ ist ein Besuch des Mittelalterlichen Kriminalmuseums, wo man mit diversen Foltermethoden und vielen Jahrhunderten deutscher Rechtsgeschichte vertraut gemacht wird. Ganz schön gruselig… Passend dazu – und absolut empfehlenswert – wagten wir am Abend einen Rundgang durch die Stadt mit dem „Henker“, der uns an die Schauplätze der früheren Hinrichtungen führte und uns viel über das Leben in der Stadt seit dem Mittelalter erzählte. Der Gute hätte mich beinahe geheiratet, wäre ich doch ein paar Jährchen jünger gewesen… Aber das ist eine andere Geschichte…

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Wobei man sich ja in Rothenburg überhaupt in eine andere Zeit zurückversetzt fühlt. Das beginnt schon beim Betreten der Stadt durch eines der vielen Stadttore und setzt sich bei einem Bummel durch die Stadt unentwegt fort. Wohin man auch schaut, ist man von historischen Gebäuden, Fachwerkbauten und Türmchen umgeben. Auf jeden Fall lohnend ist ein Spaziergang über die Stadtmauer, von wo aus man aus anderer Perspektive einen herrlichen Blick auf die Stadt und weit über das Taubertal mit seinen vielen Mühlen hat.

img_0436Unseren zweiten Abend verbrachten wir bei einer Führung mit dem Nachtwächter durch die Stadt und so haben wir gemeinsam mit einer Horde anderer Touristen eine Menge über die damaligen Gegebenheiten erfahren. Überhaupt ist Rothenburg am schönsten am Abend, wenn alles so wunderbar beleuchtet ist. Wie in einem Wintermärchen ist das!img_0364

Ja, und so sind wir uns nun perfekt auf Weihnachten eingestimmt, konnten auch in den vielen, vielen Weihnachtsgeschäften schon das ein oder andere Geschenk besorgen und sind unserer zuverlässigen Quelle sehr dankbar dafür, dass sie uns an diesen besonderen Ort gelotst hat, den wir sonst womöglich gar nicht kennengelernt hätten. Fröhliche Weihnachten!

Mein Rothenburg-Tipp: Den nächtlichen Rundgang mit dem Henker oder dem Nachtwächter sollte man sich nicht entgehen lassen. Einfach ohne Voranmeldung um 18 Uhr bzw. 21.30 Uhr auf dem Marktplatz einfinden, für 7 Euro darf man dann mitmarschieren.

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KOTOR – ein kleines Stück Montenegro, das Lust auf mehr macht

Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier. Mahatma Gandhi (1869 – 1948)

In den Osterferien waren wir mit den „Schwestern“ – einer entzückenden Freundinnenrunde samt Anhang – in Kroatien. Bis Dubrovnik sind wir gefahren, viele hunderte Kilometer von Wien aus… Und weil wir schon mal so weit waren, haben wir doch gleich auch einen Abstecher nach Montenegro gemacht. Nun ja, wir waren schon ziemlich skeptisch – oder eher die Schwestern waren skeptisch, weil noch ziemlich unerfahren in Sachen Osteuropa. Aber ich glaube für alle sprechen zu können: wir haben es nicht bereut.img_3176

Die Anreise war zwar langsam und kurvig über viele kleine enge Landstraßen mit Schlaglöchern und auch der erste Eindruck vom Stadtrand von Kotor war eher mäßig und sehr „östlich“. Unser Quartier, Apartments Dukic, lag direkt in der Altstadt und war nicht schwer zu finden – wohl aber ein Parkplatz für unsere 4 Autos. Und mit der Suche nach dem selbigen und mit unserer Bekanntschaft zu Sascha persönlich begann das montenegrinische Abenteuer  – und begann auch unsere Liebe zu den Menschen dort. Und wir haben gelernt, dass die Verhältnisse in diesem Land zwar noch bedeutend einfacher sind als bei uns, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen jedoch um ein Vielfaches größer. Und dass es eigentlich nichts gibt, das es nicht gibt.

Das Parkplatzproblem hat „unser“ Sašha mit ein paar Telefonaten und ein bisschen herumplärren gelöst. Ganz flott kamen aus allen Gassen Leute, die einfach ihre Autos weggestellt haben, damit wir einen Parkplatz für unsere Karren hatten. Und wie das funktioniert hat – wir haben gerade so gestaunt! Da nächste Problem lag bei Sascha selbst. Wir hatten 4 Appartements  für 4 Familien reserviert – Saša hat aber nur mit 2 gerechnet. Schnell wurde wieder telefoniert, schnell wurde ein 3. Appartement in einem anderen Haus aufgetrieben. Und schließlich auch noch ein 4. – das musste allerdings erst etwas „präpariert“ werden… Man hat Matratzen überkopf durch die halbe Stadt geschleppt und schnell noch die Oma aus einer Wohnung verbannt (das ist allerdings nur eine reine Mutmaßung, die wir angestellt haben, weil die Wohnung ein bisschen nach Oma aussah und ein bisschen nach Oma roch. Und in der Nacht kamen vom Dachboden her auch noch Geräusche, die ein bisschen nach Oma klangen… Aber wie gesagt, das ist reine Spekulation).

Nachdem alles soweit geklärt war, erkundeten wir die Stadt. Umgeben von einer mittelalterlichen, dicken Stadtmauer versprüht die Altstadt von Kotor mit seinen engen, verwinkelten Gassen einen unglaublichen Charme. Groß ist es nicht, gerade mal 5000 Menschen leben hier und alle waren unglaublich freundlich zu uns, als wir erzählten, dass wir bei Sascha wohnen würden. Trotz aller Einfachheit, der schiefen Häuser und unebenen, holprigen Straßen und Gässchen ist Kotor unglaublich lebendig. Und auf seine eigene Art auch modern. Die vielen kleinen Geschäfte und Boutiquen – es waren durchaus auch international bekannte Läden zu finden – verleiteten uns zu dem ein oder anderen Spontankauf. Man muss wohl zugeben, die Mode dort ist eine andere, vielleicht ein bisschen wie bei uns in den 80er Jahren, aber so manch eine von uns wäre durchaus bereit gewesen, einen lokalen Friseur aufzusuchen. Leider waren halt auch die Öffnungszeiten eher wie bei uns in den 80er Jahren – um 18 Uhr war Schluss, daran konnte nicht mal Sascha etwas ändern.img_3217

Das erste, das uns in Kotor – abgesehen von einer kleinen, gemütlichen Weinlokal, aber das ist eine andere Geschichte – auffiel waren die vielen Katzen überall. Alles schien sich irgendwie um Katzen zu drehen, in vielen Auslagen fanden sich Katzen, es gab T-Shirts, Türschilder, Handtücher, etc. alles mit Katzenmotiven in den verschiedensten Variationen.  Und sogar ein eigenes Katzenmuseum gab es! Bald wussten wir auch warum: sie hatten eine historische Bedeutung. Motor war im Laufe der Geschichte unter verschiedenen Belagerungen und eines Tages wurden die von den Menschen geliebten Hunde aus der Stadt vertrieben. Als Ersatz hielt man fortan Katzen als Haustiere – und bis heute ist es so geblieben.

Nach einem ausgezeichneten traditionellen Abendessen – die montenegrinische Küche ist ähnlich der Serbischen bzw. Kroatischen – mussten wir neuerlich auf Saschas Hilfe zurückgreifen – es schien fast, als hätte er Freude daran, seine Erfahrungen in Sachen Teenagerfüßen mit uns zu teilen… Mit den Halbstarken zu reisen ist nicht immer nur ein reines Vergnügen, und in Kombination mit ihren ebenfalls halbstarken Freunden können sie einen mit ihren stinkenden Teenagerfüßen manchmal richtig quälen. Sašha hat das Problem rasch erkannt – er kam auch nicht drum herum, nötigten wir die Kids doch, ihre unzumutbaren Turnschuhe VOR den Appartements auszuziehen. Prompt kam Herr Sašha auf uns zu und wusste Rat hinsichtlich Salben, die zwar „alle Haut weg“ machten, aber eben auch den „Geruch“ entfernten. Wo wir diese Salben kriegen konnten, wusste er natürlich auch – und prompt wurde auch gleich wieder telefoniert.

Am nächsten Tag führte uns eine Wanderung auf die Festung San Giovanni, oder besser gesagt auf das, was von ihr übrig war. Schützte sie einst die Stadt vor Feinden und mit ihren langen Steinwallen vor Steinrutschen, thront sie heute nur mehr als Ausflugsziel über der Stadt. Der Aufstieg war trotz Mittagshitze (wir waren allerdings Ende März dort, im Sommer wäre wohl doch ein früher Aufbruch empfehlenswert) überschaubar, in etwa 1/2 Stunde waren wir auch schon oben angekommen und wurden von einem wahrlich atemberaubenden Anblick auf die gesamte Bucht von Kotor belohnt. Die Halbstarken fanden es abenteuerlich, auf den Burgresten herumzuklettern, während wir uns an der schönen Umgebung erfreuten.

Anschließend ging es zum Hafen, der um diese Jahreszeit verträumt vor uns lag. In der Sommersaison legen dort mehrere Kreuzfahrtschiffe täglich an und dann ist es zumindest  kurzfristig mit der Ruhe und Beschaulichkeit in der Altstadt vorbei. Dann wird der Glockenturm umlagert, die Restaurants sind voll und die Souvenirhändler machen große Geschäfte, mit Dingen, wie man sie überall findet. Wir hatten die Stadt und ihre Einwohner aber fast für uns allein und konnten ihre Gastfreundschaft wirklich genießen.

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Wir hatten leider nur 1 1/2 Tage Zeit, den Reiz Montenegros zu erkunden, dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen. Nicht ohne natürlich vorher von Saììha ausführliche Tipps für die Weiterreise nach Bosnien zu erhalten – inklusive Landkarte aus den 80er Jahren als Geschenk (wir wissen schon, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, aber die Straßenlage war zum Zeitpunkt der Drucklegung offenbar wirklich noch eine ganz andere) – und nicht ohne dass nocheinmal die umliegenden Anwohner zusammengetrommelt wurden. Immerhin hatte man zwischenzeitlich auch die eigenen Autos wieder irgendwie eingeparkt und ohne Herumrangieren (und Sašhas Hilfe natürlich…) wäre das  Ausparken wohl ein größeres Unterfangen geworden. Aber das ist eine andere Geschichte…

 

MEIN KOTOR-TIPP: Die Old Winery in der Altstadt bietet eine große Auswahl lokaler und internationaler Weinsorten, die man in traditioneller Weinkeller-Atmosphäre genießen kann

 

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Ich hab mein Herz in HEIDELBERG verloren…

Ich hab‘ mein Herz in Heidelberg verloren,
In einer lauen Sommernacht.
Ich war verliebt bis über beide Ohren
Und wie ein Röslein hat ihr Mund gelacht. Fritz Löhner-Beda (1883-1942)

Ein Zufall führte mich im Frühjahr 2016 nach Heidelberg – ein Zufall in Form eines Kongresses, an dem ich teilnehmen durfte. Da ein Kongress viel Anstrengung und „Lernerei“ bedeutet, war es umso wichtiger, sich zur Erholung auch ein bisschen auf die netten Dinge in der Umgebung zu konzentrieren. Wie optimal, dass ich mich schon in Heidelberg befand, wo sich all dies ganz herrlich vereinbaren ließ.

In Heidelberg, dieser sehr jungen, lebendigen Studentenstadt, die gleichzeitig eine ganze Menge Geschichte mit sich bringt und die aufgrund seiner Schönheit das Ziel unzähliger Touristen ist. Mit etwa 150.000 Einwohnern ist Heidelberg durchaus überschaubar – es fehlt aber dennoch in keinem Reiseführer – und da sich die meisten Sehenswürdigkeiten direkt in der Altstadt befinden, ist es sehr gut zu Fuß zu erkunden.

Malerisch am Neckar gelegen wird Heidelberg vom alten Schloss dominiert, welches ebenso wie die Alte Brücke ein absolutes „Muss“ bei einem Heidelberg-Besuch ist. Aber daran führt ohnehin kein Weg vorbei. Am besten erreicht man das Schloss zu Fuß, wobei man auch gleich einen wunderbaren Ausblick über die Altstadt und den Fluss hat. Einfacher geht es mit der Bergbahn, die bereits im Eintrittsticket inkludiert ist.

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Warum das Schloss immer noch Schloss heißt, weiß ich nicht, in Wahrheit ist es nur eine Ruine, die bereits im Pfälzischen Erbfolgekrieg im 17. Jahrhundert und ein paar Jahrzehnte später durch einen Brand ziemlich zerstört und nur mehr teilweise wiederaufgebaut wurde. Die alten Schlosshöfe lassen sich aber noch immer herrlich erkunden, und im Inneren ist das berühmte Große Fass zu besichtigen – kongressbedingt hab ich mich allerdings auf das Äußere des Schlosses beschränken müssen.

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Das Stadtzentrum wird dominiert von der Heiligengeistkirche, die geschäftstüchtig touristisch vermarktet wird – befinden sich doch in ihren Arkadengängen unzählige Souvenirstände. Gleich in unmittelbarer Umgebung wird es jedoch wieder urtümlicher mit wunderschönen alten Häusern und weitläufigen Plätzen, wo es viele Lokale gibt, die in der warmen Jahreszeit auch zum Heraußen-sitzen einladen. Besonders malerische finde ich den Kornmarkt, der auch einen herrlichen Blick auf das Schloss bietet.

Direkt hinter der Heiligengeistkirche erstreckt sich Deutschlands längste Fußgängerzone durch die Altstadt. Ich hätte ja Stunden dort herum bummeln können, wäre nicht – du weißt schon – der Kongress gewesen…

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Unbedingt muss man vom Zentrum aus einmal den Neckar über die Alte Brücke überqueren. Drüben angekommen, wird man ebenfalls mit einem herrlichen Blick über die Stadt belohnt. Wer das Ganze noch mehr genießen möchte und etwas Zeit hat, wandere über den Philosophenweg den Hügel auf der anderen Flußseite hinauf – der Ausblick soll sich mehr als lohnen.

Beim Vorbeigehen sollte man unbedingt dem Brückenaffen (gleich links vor dem Brückentor) einen Besuch abstatten, er ist eines der geheimen Wahrzeichen Heidelbergs und soll den Menschen ihre Schattenseiten vor Augen führen, symbolisiert er doch – vor allem durch sein nacktes Hinterteil – Häßlichkeit, Schamlosigkeit, Lüsternheit und Eitelkeit. Wenn man ihm über den Spiegel streicht, den er in der Hand hält, soll das jedoch Wohlstand bringen, streicht man über seinen ausgestreckten Finger, bedeutet das, dass man nach Heidelberg zurück kommt und wenn man die kleinen Mäuse angreift, die neben ihm sitzen, soll ein Kindersegen zu erwarten sein. Soweit die Legende. Ich habe mich übrigens für zweiteres entschieden…img_4443

Einfach herum wandern und die Eindrücke auf sich wirken lassen. Zwischendurch ein bisschen einkehren in einem der vielen originellen Cafés und Bars, ich denke, so lässt sich Heidelberg am besten genießen. Und ich muss schon zugeben, auch ich hab ein bisschen – wie Paul Hörbiger im Schnulzenfilm von anno dazumal – „mein Herz in Heidelberg verloren…“