Veröffentlicht in Stadt-Reise

LJUBLJANA – auf Drachenjagd in Sloweniens Hauptstadt

Unsere größten Ängste sind die Drachen, die unsere tiefsten Schätze bewahren. Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Über Fronleichnam wollten die Halbstarken und ich heuer ans Meer. Nachdem wir die letzten Jahre oft in Italien waren, sollte diesmal Slowenien unser Ziel sein. Da ich den Kindern auch immer etwas von der Welt zeigen will und nicht nur tagelang am Strand in der Sonne braten möchte, haben wir einen Zwischenstop in Ljubljana eingeplant. Wir waren alle ein bisschen skeptisch, als wir uns auf den Weg in diese beinahe unaussprechliche Stadt machten, doch Laibach, wie Sloweniens Hauptstadt auf Deutsch genannt wird, hat uns sofort in ihren Bann gezogen. Und als wir uns auf  die Jagd nach den unzähligen Drachen machten, die dort versteckt sind, waren auch die Halbstarken restlos begeistert.IMG_0427

Erst 1991 aus den Fängen des Kommunismus des ehemaligen Jugoslawiens entkommen, hat sich Ljubljana zu einer wunderschönen Stadt voll Flair und Gemütlichkeit gemausert. Letztes Jahr wurde es sogar zur „Grünsten Stadt Europas“ gekürt, und das zu Recht. Unzählige Parks finden sich überall in der Stadt und die Ljubljanica schlängelt sich umgeben von viel Grün durch das Zentrum, bevor sie wieder einen Teil unterirdisch weiter fließt. Gerade mal 280.000 Einwohner hat die Stadt – 60.000 davon sind Studenten. Und das macht sich bemerkbar! Ljubljana ist jung und dynamisch, es finden sich unzählige Bars, Cafés und Restaurants, die zum Verweilen einladen, Straßenkünstler finden sich überall in der Altstadt verteilt und im Sommer gibt es unzählige Freiluftveranstaltungen, Konzerte, Open-Air-Kinos und Gastgärten, in denen man es sich gemütlich machen kann.IMG_3082

Das Zentrum Ljubljanas ist überschaubar und die meisten Aktivitäten bzw. Sehenswürdigkeiten spielen sich um den Prešeren-Platz ab. Habt ihr schon mal eine Stadt gesehen, die ihr eigenes Wetter macht?? Laibach kann das – und ein bisschen Nieselregen war bei der momentanen Hitze sogar willkommen!IMG_0337

Einer der ganz großen Helden Sloweniens ist der Architekt Joše Plecnik, dessen Denkmal sich auf diesem Platz findet. Was Gaudí für Barcelona war, war Plecnik für Laibach – er hat das Stadtbild geprägt und überall seine Spuren hinterlassen. Plecnik wollte aus Ljubljana zu Zeiten, als dieses noch eine kleine unbedeutende Stadt in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie war, ein ganzheitliches Meisterwerk nach Athener Vorbild machen – um es auf seine Zeit als Hauptstadt vorzubereiten. Und man muss zugeben, das ist ihm wunderbar gelungen. Den Marktplatz, etliche Brücken, die Nationalbibliothek und viele, viele andere Gebäude hat er in seinem ganz eigenen Stil entworfen.IMG_0496

Diese zieren ebenso wie viele Jugendstilbauten (ebenfalls aus Monarchiezeiten) die Altstadt Ljubljanas – irgendwie fühlt man sich aus Wien kommend hier sofort heimisch…

An unserem ersten Abend haben wir uns mit meiner Brieffreundin Martina und ihrer Familie getroffen und somit quasi eine Privatführung durch die Stadt erhalten. Erst machten wir uns auf zu einem kleinen Stadtbummel, um einen Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Laibachs zu bekommen, dann stand ein bisschen Sport am Programm. Hoch über Ljubljana thront die alte Burg, die uns einen wunderschönen Ausblick bis weit über die Stadtgrenzen hinaus bot. Der Aufstieg dauert nicht länger als eine Viertelstunde und lohnt sich allemal, wer nicht laufen möchte, kann für 4 € hin und retour auch bequem mit der Standseilbahn hinauf fahren. Schade, dass der Aussichtsturm schon um 9 Uhr schließt, der Ausblick von ganz oben hätte uns bestimmt auch gefallen. Aber auch so war die Aussicht beeindruckend!

Am nächsten Tag gab es erst mal ein reichhaltiges Frühstück im Café Cacao, direkt im Zentrum und sehr idyllisch an der Ljubljanica gelegen. Anschließend wollten wir einen Rundgang durch die Stadt machen um auch ein bisschen etwas über die Geschichte zu erfahren. In unserer Unterkunft, den Viva Rooms (wahnsinnig praktisch quasi ums Eck beim Prešeren Platz gelegen, einfach, aber sauber und gepflegt) hat man uns die Freetour empfohlen. Erst hat uns die Menschenmasse, die sich für die Tour einfand, etwas abgeschreckt, aber aufgeteilt in kleine Gruppen machten wir uns schließlich mit unserem Guide Jack auf den Weg. Lustig und mit großer Begeisterung hat er uns seine Stadt gezeigt – eine kleine Verkostung von eingelegtem Gemüse auf dem Markt und Brombeerschnaps in der Altstadt inklusive.IMG_0447IMG_0450

So erfuhren meine kleinen Drachenjäger endlich auch, was es mit dem Fabeltier in Ljubljana so auf sich hatte und als wir die Geschichte von Jason und den Argonauten hörten, waren wir alle restlos begeistert. Der Beschützer der Stadt findet sich wirklich überall: an Wasserspeiern, in Auslagen, im Stadtwappen und – wohl am bekanntesten – gleich in mehrfacher Ausführung auf der Drachenbrücke. Es heißt, wer sich nicht mit einem Drachen fotografieren ließ, sei nicht in Ljubljana gewesen. Wir waren selbstverständlich und nachweislich dort – seht selbst…

IMG_3084

Die Drachenbrücke ist aber nicht die einzige Möglichkeit, die Ljubljanica zu überqueren. Direkt vom Prešeren Platz führen – etwas skurril – gleich drei Brücken, die sogenannte Tromostovje über den Fluss und wie in fast jeder Stadt, die etwas auf sich hält, gibt es auch hier eine Brücke, an der Pärchen vor den Statuen von Adam und Eva, dem Satyr, Prometheus oder etlichen anderen Skulpturen ihre ewige Liebe in Form eines Vorhängeschlosses besiegeln können: die Mesarski Most – in Anlehnung an die vielen Metzgerläden, die sich gleich anschließend in den Marktarkaden finden, auch Butcher’s Bridge genannt.IMG_0422IMG_0424

Den Abschluss fand unsere 2stündige Tour auf dem sogenannten Kongressplatz vor der Ursulinenkirche, wo in den Sommermonaten allabendlich verschiedenste Konzerte stattfinden.IMG_0467

Für uns traf sich das wunderbar, wollten wir als nächstes doch das Museum of Illusions besuchen. Klein aber fein entführte uns dieses in eine Welt der Trugbilder und Illusionen und versetzte uns in seiner Einzigartigkeit wirklich ins Staunen.

IMG_3078

Danach stand noch ein bisschen moderne Kunst auf dem Programm. Im Stadtteil Metelkova laden etliche Galerien und Museen zum Besuch ein. Alleine schon der Fussmarsch – Metelkova ist problemlos in etwa 15 min von der Altstadt aus zu erreichen – ist ein Erlebnis. Die bunten Fassaden der Häuser, Graffitis und Mosaike faszinieren jung (in unserem Fall die Halbstarken) und alt…

Vieles gäbe es in Laibach noch zu entdecken – so haben wir zum Beispiel den Tivolipark, Ljubljanas größten und angeblich schönsten Park irgendwie ganz links liegen gelassen. Wahrscheinlich war aber die Vorfreude auf das Meer dann doch schon zu groß, so dass wir uns am späten Nachmittag auf den Weg zur slowenischen Adriaküste machen. Und da wir noch lange nicht alles gesehen haben, das Ljubljana zu bieten hat, gibt es wenigstens Gründe, um bald einmal wieder in diese bezaubernde Stadt zurück zu kehren.IMG_0489

Mein Ljubljana-Tipp: unbedingt etwas mehr Zeit in dieser schönen Stadt einplanen, 2 Tage sind eindeutig zu kurz. Durch seine zentrale Lage in Slowenien sind auch viele andere Attraktionen, wie zB die Postojna Höhlen, Bled mit seinem wunderschönen See oder die malerischen Küstenstädte Piran, Izola und Portoroz jeweils in nur etwa 1 Autostunde zu erreichen.

Was dich sonst noch interessieren könnte:

Ebenfalls wunderschöne Jugendstilgebäude findest du in Lettlands Hauptstadt RIGA

 

Veröffentlicht in Allgemein

Fotoparade 1/2017

Das Wesen des Menschen bei der Aufnahme sichtbar zu machen, ist die höchste Kunst der Fotografie. Friedrich Dürrenmatt (1921 – 1990)

Meine Lieben!

Es gibt etwas Neues hier in der Blogger-Welt, das ich unbedingt mit euch teilen will! Michael von Erkunde die Welt hat zu einem Fotowettbewerb aufgerufen. Einmal halbjährlich veranstaltet er die Fotoparade, bei der viele, viele Blogger ihre schönsten Fotos zu verschiedenen Kategorien zeigen. Na, das ist ja wohl eine Herausforderung und es war gar nicht so einfach, zu jedem Thema ein passendes Foto aus meinen vielen, vielen Gigabytes heraus zu kramen. Aber seht selbst, wofür ich mich entschieden habe…

UNGEWÖHNLICHIMG_8397

Dieses Foto habe ich für euch ausgewählt, aus Vorfreude auf einen meiner nächsten Artikel. Wollt ihr raten, wo ich im März war? Richtig, in Barcelona! Das Bild wurde im Park Guëll aufgenommen und es zeigt das Dach des Eingangsgebäudes – entworfen von Antoní Gaudí Anfang des 20. Jahrhunderts. Ich hab mich ja ein bisschen darüber geärgert, dass man für den Park jetzt Eintrittsgeld bezahlen muss (das war bei meinem letzten Besuch noch nicht so…), aber Gaudís Werk ist so ungewöhnlich, dass ich nun doch bald darüber schreiben mag…

ENTSPANNTIMG_2514

Bei diesem Bild, dass meine lieben Leser ja schon von der Geschichte über Jordanien kennen, war ich ein bisschen unschlüssig, ob ich es besser für die Rubrik „außergewöhnlich“ oder „entspannt“ verwenden sollte. Irgendwie passt es für beides. Es war unglaublich entspannend, sich von einem Kamel durch die Wüste tragen zu lassen – zumindest die erste halbe Stunde, bis mir die Beine dann eingeschlafen sind. Und außergewöhnlich war es auch, die Welt mal aus der Perspektive von einem Kamelrücken zu sehen. Mehr Fotos von meiner tollen Jordanien-Reise gibt es hier:

FERNIMG_0089

Auch dieses Foto entstand bei meiner Reise nach Jordanien. Es zeigt das Kloster in Petra, der alten Felsenstadt. Um nach Petra zu kommen muss man erst einmal über SEHR gewundene und auch für bergerprobte Autofahrer beängstigende Serpentinen fahren. Wenn man dann dort angekommen ist, steht einem ein Fußmarsch durch den eindrucksvollen Siq bis nach Petra bevor. Dort wandert man dann durch die ganze Anlage (und die ist riiiiesig), quasi bis ans andere Ende. Und dort steigt man noch mal 45 min in der prallen Sonne – bei unserem Besuch hatte es 43 °C – auf einen Berg hinauf. All das lohnt sich aber für DIESEN Anblick, oder? Also, wenn das nicht als „fern“ durchgeht…

BELEUCHTETIMG_9469

Bratislava Ende Jänner. Gemeinsam mit meiner Freundin Petra verbrachte ich ein Wochenende dort. Bratislava ist wunderbar und voll mit unzähligen gemütlichen Lokalen, Bars, Cafés, Restaurants. In der Altstadt gibt es viele kleine Läden, die herrlich zum Bummeln einladen. Wir haben es genossen und hätten beinahe darauf vergessen, auch die Sehenswürdigkeiten Bratislavas abzuklappern. Und so sind wir erst bei Sonnenuntergang auf den Hügel zur Burg hinauf marschiert, wobei dieses Foto entstanden ist. Einen Bericht über Bratislava bin ich euch ja noch schuldig, aber der kommt bald…

ALTIMG_7901

In dieser Kategorie muss ich euch ein Bild zeigen, dass ihr schon kennt. Aber  zum Thema „alt“ ist dieses wohl das Passendste in meinem Repertoire. Im Februar war ich bei meiner Freundin Lizzie in Bath auf Besuch. Und weil ich gerade schon in dieser Ecke der Welt war, musste natürlich ein Abstecher nach Stonehenge unbedingt sein. Die Stimmung hätte nicht besser sein können, ich glaube, ein optimaleres Wetter als an diesem Tag mit Regen, Wolken und Wind als hier hätte man für diesen mystischen Ort nicht wünschen können.

Falls ihr nochmal nachlesen möchtet:

SCHÖNSTES FOTOIMG_8506

Das ist die schwerste aller Kategorien! Ich hab mich aber schlussendlich doch für dieses Bild vom Cabo Saõ Vicente am südwestlichsten Punkt Europas entschieden, weil es einfach soooo wunderschön dort war. Und weil es zwar eine Weile gedauert hat, bis ich die Blumen und die Felsen scharf hinbekommen habe, es am Ende aber doch gelungen ist. Das Panorama dort ist atemberaubend mit steilen Klippen und hohen Wellen und man fühlt sich wahrlich wie am Ende der Welt. Mehr über ein paar wunderschöne Tage im Süden Portugals kannst du hier nachlesen:

Ich war ja immer schon schlecht, wenn es darum ging, mich für etwas zu entscheiden. So auch hier… 6 Kategorien sind einfach zu wenig für die vielen Bilder, die ich ausgesucht habe. Und so hab ich mir gedacht, ich füge einfach nochmal 6 hinzu – meine persönlichen 6 Disziplinen eben. Hier sind sie: „Heimisches – Köstliches – Perspektivisch – Kurios – Stimmung – Panorama“

HEIMISCHESIMG_9829

Wien hat unglaublich viele schöne Ecken. Dieses Foto entstand im Februar an der alten Donau. Mittlerweile sieht es dort schon wieder ganz anders aus, alles ist grün und Erholungsuchende tummeln sich im und um das Wasser.

KÖSTLICHESFullSizeRender

Selten hab ich so gut gegessen, wie an der Algarve. Diese Sardinen sind eine Delikatesse dort und einfach unglaublich lecker!!

PERSPEKTIVISCHIMG_9350

Sieht die Welt nicht gleich ganz anders aus, wenn man sie einmal von einem anderen Blickwinkel betrachtet? Hier seht ihr den Palacio da Pena im kleinen portugiesischen Ort Sintra einmal von ganz weit unten. Ein wahrlich interessantes und farbenprächtiges Gebäude – egal von wo aus man es betrachtet…

KURIOSBrunnenmarkt 9

Bei einem Bummel über den Brunnenmarkt in Wien bin ich auf diesen Gesellen gestoßen. Ob der absichtlich dort platziert wurde? Aber der Brunnenmarkt ist ja überhaupt ein Ort, wo sich viele interessante Leute treffen… Seht selbst!

STIMMUNGIMG_7883

Ein bisschen nachdenklich wirkt dieser kleine Junge hier am Kanal in Salisbury in England. Auf einem kurzen Zwischenstop am Weg von Bath nach Stonehenge ist er mir begegnet. Ob er wohl immer noch dort sitzt??

PANORAMAIMG_2126

Das ist nun aber wirklich mein letztes Bild für heute – ein Panorama vom Amphitheater in Amman über die Stadt. Amman selbst ist nicht besonders hübsch (man könnte es auch anders ausdrücken…), aber der Ausblick von dort oben hat doch etwas Bewegendes.

Wenn dir meine Fotos gefallen haben und du Lust auf mehr bekommen hast, dann kann ich dir die Seiten der anderen Teilnehmer an der Fotoparade 1/2017  von Erkunde-die-Welt.de nur wärmstens empfehlen.

Oder vielleicht hast möchtest du ja mit deinem eigenen Blog auch teilnehmen?

Herzliche Grüße, deine Christina

Veröffentlicht in Wien, Zwischen-Reise

BRUNNENMARKT – Multikulti und ein bisschen Urlaub in Ottakring

Der Marktschreier erobert die Menge – der Stille erobert sich. Georg Kaiser (1878-1945)

Eigentlich bin ich gerade auf Urlaub. Oder zumindest auf Wochenendtrip, das ist ja manchmal nur eine Definitionsfrage. Zu Besuch bei meiner Brieffreundin Sebnem in Izmir in der Türkei. Eigentlich… denn in Wahrheit bin ich hier und verbringe ein völlig reisefreies Pfingstwochenende in Ottakring. Auch nicht schlecht, werden sich einige von euch denken. Ja, eh… Aber wenn man EIGENTLICH in der Türkei wäre, ist Ottakring halt nur die zweitbeste Alternative. Wobei… ein bisschen fühlt es sich auch hier wie in der Türkei an.Brunnenmarkt 13

Noch nie ist es mir bei all meinen Reisen passiert, dass ich einen Flug verpasst habe. Ich habe auch diesen nach Izmir am Freitag nicht verpasst. Ich war nur etwas knapp am Flughafen – 58 min vor Abflug. Zu knapp für den namenlosen Trainee am Sunexpress-Schalter am Flughafen, denn der hatte gerade seinen Computer am Check-in abgedreht und weigerte sich standhaft, ihn wieder anzuschalten und mich doch noch mitzunehmen. Genauso wie er sich weigerte, mir seinen Namen bekannt zu geben oder mir zu sagen, wo sich denn gerade sein Chef aufhielt. Es gab also viel Ärger und laute Worte am Flughafen, am Ergebnis hat sich allerdings nichts geändert. Ich durfte nicht mehr mit und da alle anderen Möglichkeiten, an diesem besagten Freitag vor Pfingsten noch in die Türkei zu fliegen unerschwinglich teuer waren, machte ich mich supergrantig wieder auf den Weg nach Hause.

Und weil man, wenn einem schon die ganze Urlaubs-Stimmung vermasselt wurde, nicht einfach zu Hause sitzen und Blog schreiben oder Nichts tun kann, machte ich mich auf den Weg dorthin, wo man in Wien ganz schnell in fremde Welten eintauchen kann: auf den Brunnenmarkt im 16. Bezirk. Hier findet man alles, was Multikulte-Herz begehrt. Hier treffen Döner-Buden auf Würstel-Stände, hier findet man Obst und Gemüse aus aller Herren Länder, immer frisch und knackig, Gewürze, von denen man zuvor noch nie gehört hat.

Man findet Kinderspielzeug genauso wie Blumen oder Kleiderschürzen für die Oma. Es gibt Fleisch, bei dem man sich wundert, dass das wirklich jemand kauft (von Mägen über ganze Schafsköpfe bis zu wirklich leckeren Filetstücken hab ich dort alles schon gesehen) und Fisch – manchmal sogar noch lebendigen.

So vielfältig und unterschiedlich wie die Art der angebotenen Waren sind auch die Menschen, die man am Brunnenmarkt antrifft. Von alteingesessenen Marktstandlern – die leider immer weniger werden – über orientalische Verkäufer mit Turban und lautstark rufende Gemüsehändler („Alles nur 1 Euro!!!“) bieten alle ihre Waren an und auch das Publikum ist sehr gemischt. Männer sitzen auf klapprigen Stühlen bei den Ständen und rauchen Shisha, verhüllte Frauen mit Hijab und Gesichtsschleier sind ebenso anzutreffen wie Einheimische, und auch unser Bundespräsident wird des Öfteren am Brunnenmarkt gesichtet.

Schlendert man die Brunnengasse weiter, so kommt man unweigerlich zum Yppenplatz. Hier spielt sich die „Ausgeh-Szene“ des 16. Bezirks momentan ab, hier trifft man sich, um gemütlich zu flanieren und in dem ein oder anderen Lokal Freunde zu treffen oder kulinarische Köstlichkeiten auszuprobieren. Es reiht sich Lokal an Lokal – vom Beisl über den alteingesessenen Türken „Kent“ zur Weinbar oder dem kleinen italienischen Delikatessenladen mit nur wenigen Stehtischen ist alles vertreten. Auch ein Nobel-Imbiss hat sich niedergelassen und konkurriert mit dem alteingesessenen „Club international“ um Kundschaft. Es fällt nicht schwer, sich auf der Dachterrasse vom „Wirr“ in Urlaubsstimmung versetzen zu lassen. Bis Sperrstunde ist, kann man an lauen Sommerabenden draußen sitzen und das emsige Treiben beobachten oder den ein oder anderen Cocktail trinken.IMG_0329

Am Samstag Vormittag verwandelt sich der Yppenplatz in einen Bauernmarkt. Vom Brunnenmarkt kommend, wo man sich bereits mit den „Basics“ eingedeckt hat, kann man nun das ein oder andere Gustostückerl aus der Region erwerben. Der Andrang ist groß, da Publikum wird etwas elitärer, wenn sich auch aus der angrenzenden Josefstadt Menschen mit ihrem Dirndl und Bastkorb ins Getümmel werfen. Einen Besuch auf dem Brunnenmarkt am Samstag Vormittag verbindet man gleichzeitig mit einem gemütlichen Frühstück in einem der vielen Lokale, wenn denn alle Einkäufe erledigt sind und sich noch ein freies Plätzchen findet. Ganz unterschiedliche Dinge werden da angeboten und „Frühstück“ ist hier ein eher dehnbarer Begriff, der auch um 15 Uhr oft noch seine Berechtigung hat.

Gründe um auf den Brunnenmarkt und den Yppenplatz zu kommen gibt es viele, dazu braucht es keinen verpassten Flug in die Türkei. Dazu reicht ein ganz normaler Samstag Vormittag zum Einkaufen oder ein während der Woche, an dem man sich mit Freunden treffen will. Und wenn man aus dieser doch etwas anderen Welt wieder nach Hause kommt, fühlt man sich immer ein bisschen, als wäre man doch auf Urlaub gewesen.

Mein Brunnenmarkt-Tipp: Am Yppenplatz 7 befindet sich die kleine Weinbar Trugsitz, wo man in heimeliger Atmosphere das ein oder andere Gläschen verkosten kann. Es ist mir immer wieder eine Freude…!

Was dich in Wien sonst noch interessieren könnte:

  • Ebenfalls klein aber fein ist das Miniatur Tirolerland. Mitten im 5. Bezirk kannst du dich da auf eine Bahnreise durch Tirol begeben. Die vielen liebevollen Details werden dich in Staunen versetzen!
Veröffentlicht in Reise-Weise, Stadt-Reise

RIGA – ganz viel Jugend & Stil

Die Erfahrung, daß wir eines reinen Enthusiasmus fähig sind: dies ist der eigentlichste Gewinn der Reisen. Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Bereits zwei Mal hat es mich in die lettische Hauptstadt verschlagen – einmal 2014  mit meiner lieben Freundin Sybille, als Riga europäische Kulturhauptstadt war und einmal im Jahr darauf mit den 3 Halbstarken als Zwischenstopp auf dem Weg von Estland auf die Kurische Nehrung. Und so unterschiedlich diese beiden Reisen auch waren, so hatten sie doch eines gemeinsam: Riga hat mich jedes Mal wieder in seinen Bann gezogen!IMG_5166

Riga, 1997 zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt, ist mit etwa 700.000 Einwohnern die größte Stadt des Baltikums. Nur wenige Kilometer von der Baltischen See entfernt, spielt sich das pulsierende Leben der Stadt hauptsächlich zwischen der Daugava und den zufließenden Kanälen ab, die auch gleich die Altstadt einschließen. Unzählige Anbieter offerieren Rundfahrten auf diesen Gewässern, welche sich herrlich für die erste Erkundung der Stadt eignen. Ich finde ja immer, dass man eine Stadt zumindest einmal vom Wasser aus und einmal von oben gesehen haben sollte – der Blickwinkel ändert sich enorm und man entdeckt vieles, das einem sonst verborgen geblieben wäre.

IMG_5090

Abgesehen von einer Bootsfahrt (Kopf einziehen, die Kanäle führen teilweise durch Tunnel und es kann ganz schön eng werden!) ist Riga sehr gut zu Fuß zu erkunden, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegen sehr nahe beisammen. Die Hauptattraktion, das Schwarzhäupterhaus kann man nicht verpassen. Das Original wurde zwar längst zerstört, der Wiederaufbau ist jedoch wunderbar gelungen. Am schönsten finde ich es übrigens in der Abendsonne, wenn die Fassade so richtig schön beleuchtet wird.

IMG_6898

Wir hatten natürlich gehört, dass Riga vom Jugendstil geprägt ist. Da ja auch Wien einiges aus dieser Epoche zu bieten hat, dachten wir ungefähr zu wissen, was uns dort erwarten würde. Aber: wir waren überrascht! An jeder Ecke begegnen einem im Zentrum Rigas wunderschöne, großteils auch schon sehr hübsch renovierte Jugendstilgebäude, die Dichte ist fast schon überwältigend und während man anfangs noch bei jedem Haus mit offenem Mund stehen bleibt und staunt, werden diese bald fast ein bisschen zur Normalität. Dennoch sollte man, wenn man ein bisschen Zeit hat, es sich nicht nehmen lassen, zumindest ein Mal durch die Alberta Iela zu spazieren. Dort reiht sich ein Jugendstilbau an den anderen, und den krönenden Abschluss bildet das Jugendstilmuseum, in dem man das zugehörige Interieur besichtigen kann.

Es macht unglaubliche Freude, einfach durch die Gassen der Altstadt zu spazieren und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Da Riga klein und übersichtlich ist, kommt man so fast automatisch an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei.

Riga bietet aber auch unzählige Lokale – im Sommer oft mit Gastgarten oder zumindest ein paar Tischen am Gehsteig – von denen aus man das herrliche Treiben der Stadt beobachten kann. Als Spezialität findet sich übrigens eine kalte Rote Beete Suppe mit Dill und gekochtem Ei – etwas speziell, aber so typisch, dass man sie sich nicht entgehen lassen sollte.

IMG_6838

Abgesehen von den architektonischen Prunkbauten des Jugendstils ist Riga auch noch von einem gewissen postkommunistischen Charme geprägt. Wie in fast jeder größeren Stadt des ehemaligen Ostblocks findet sich auch dort der obligatorische häßliche Fernsehturm (ein bisschen außerhalb, wem der Weg nicht zu weit ist, der kann jedoch von der Aussichtsplattform aus über 100 m Höhe einen wunderschönen Ausblick über die Stadt bis zur Ostseeküste genießen) sowie eine Brücke, die auch nicht gerade eine Zierde darstellt, auf ihre eigene Art jedoch fast schon zum Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Und dann ist da noch die am linken Ufer der Daugava, die – unmöglich zu übersehen – das Stadtbild prägt.

IMG_6763

In den Außenbezirken reihen sich Plattenbauten aneinander, die ein Übriges dazu beitragen, an die Zeit bis 1989 zu erinnern. Interessant ist auch ein Besuch des Okkupationsmuseums gleich neben den Schwarzhäupterhäusern, das einen schönen Überblick über die Geschichte Lettlands bietet. Auch das Freiheitsdenkmal zeugt von vergangenen Zeiten und hat hohen Symbolcharakter für die Entwicklung der Stadt.

IMG_5186

Genau wie in Kotor in Montenegro begegnet einem auch in Riga eines auf Schritt und Tritt: die berühmte Katze von Riga. Ein Handwerker wollte um die Wende des 19/20. Jahrhunderts in die damalige Handwerkergilde aufgenommen werden, was ihm aber verwehrt wurde. Aus Ärger hat er daher auf seinem Haus am Lica-Platz eine Bronzefigur einer Katze anbringen lassen, die der Stadt den Rücken und den Schwanz zuwandte, was zu großen Unstimmigkeiten führte.

IMG_6790 Die Katze als Symbol ist der Stadt geblieben und man begegnet ihr weiters sowohl in Form der allgegenwärtigen herumstreunenden „echten“ Katzen als auch bei der Skulptur der Stadtmusikanten hinter der Petri-Kirche. Diese ist übrigens ein Geschenk der Stadt Bremen an Riga – als Zeichen der Verbundenheit, quasi von Hansestadt zu Hansestadt.

IMG_9903

Ein ganz eigenes Flair bietet auch ein Besuch der Alten Markthalle. Während drinnen Lebensmittel aller Art (es gibt auch eine eigene Fisch-Halle!) angeboten wird, findet man auf dem Platz hinter der Markthalle vormittags ebenfalls einen Markt, bei dem man von Hausrat über Blumen (bei unserem ersten Besuch war Pfingstrosen-Zeit – herrlich, dieser Duft) bis zu Kleidung alles erstehen kann. In den umliegenden alten Speichergebäuden sind in letzter Zeit viele Lokale unter gekommen und es hat sich eine sehr belebte Ausgeh-Szene entwickelt.

Wenn man ein bisschen mehr Zeit in Riga verbringen kann, lohnt sich auch ein Ausflug ins nahe gelegene Jurmala. Mit der Bahn in einer halben Stunde zu erreichen, findet man dort einen endlosen Strand an der Baltischen See vor. Im Sommer lässt die Wassertemperatur durchaus ein Bad im Meer zu, außerhalb der Saison bieten sich lange Strandspaziergänge – mit etwas Glück findet man vielleicht sogar ein Stückchen Bernstein – oder ein Bummel durch das Zentrum der kleinen, von Holzhäuschen geprägten Stadt an. Auch für einen Besuch mit Kindern stellt das eine willkommene Abwechslung dar, wenn diese von der Stadtbesichtigung schon etwas müde geworden sind.

IMG_7082

Apropos Kinder: Riga bietet unzählige Parks, in denen sich die Kleinen herrlich austoben können. Es gibt einen Zoo und für die historisch interessierten Kids findet sich im Pulverturm ein Kriegsmuseum, das recht interessant aufbereitet ist. Kinder sind übrigens auch immer wieder fasziniert von der Tatsache, dass der Weihnachtsbaum aus Lettland kommt – kleines Detail am Rande…

Ein schöner Tagesausflug führt auch in den Gauja Nationalpark, etwa 1 1/2 von Riga entfernt und gut mit dem Bus zu erreichen. Ein hübsches Barockschloss und die Burg Turaida warten dort auf die Besucher und unberührte Landschaft lädt zum Wandern ein. Im kleinen Städtchen Sigulda führt eine Seilbahn von einer Seite des Tales auf die andere und bietet während der kurzen Fahrt einen wunderschönen Ausblick über den Nationalpark.

Riga bietet also für jeden Geschmack etwas und eignet sich durch seine Lage am Wasser besonders in der warmen Jahreszeit wunderbar für einen Städtetrip. Durch seine Vielseitigkeit kann es mit den ganz „Großen“ durchaus mithalten. Wer also Paris, Rom & Co schon gut kennt, wird bestimmt auch in Riga seine Freude haben!

Mein Riga-Tipp: Ein Halbtagesausflug nach Jurmala bietet perfekte Urlaubsatmosphäre. Am Strand findet man einige ganz nette Restaurants, die herrliche Ausblicke aufs Meer bieten. Im Beach haben wir Leckeres vom Grill gegessen und windgeschützt durch Glaswände die Seele baumeln lassen.

Was dich im Baltikum noch interessieren könnte:

  • ein paar Tage Sonne, Sand, Meer und Dünen auf der Kurischen Nehrung. Die zwischen Litauen und Russland aufgeteilte Halbinsel ist von Riga aus mit dem Auto in 3 1/2 Stunden plus einer kurzen Fahrt mit der Fähre gut zu erreichen.

 

Veröffentlicht in Reise-Weise

JORDANIEN – Faszination und Abenteuer bei den Beduinen

Der Mensch bringt die Wüste zum Blühen. Die einzige Wüste, die ihm noch Widerstand leistet, befindet sich in seinem Kopf. – Ephraim Kishon (1924 – 2005)

Eine ganz besondere Reisegefährtin ist meine liebe Brieffreundin Karin aus Estland. Gemeinsam haben wir im Vorjahr Albanien unsicher gemacht und weil wir nicht nur reisetechnisch perfekt harmonieren, sondern auch jede Menge Spaß miteinander haben, machten wir uns heuer auf den Weg, Jordanien zu erkunden. Warum Jordanien, wo sich doch bei der momentanen politischen Situation kaum jemand auch nur in die Nähe des fernen Ostens traut? Nun, ein bisschen Bedenken hatten wir natürlich auch, aber schlussendlich siegte unsere Abenteuerlust, unsere Faszination für das unbekannte Terrain und nicht zuletzt die Neugierde darauf, unsere gemeinsame Brieffreundin Enas dort nach vielen Jahren der Korrespondenz auch einmal persönlich kennenzulernen.IMG_9766

Nun ja, wenn man sich in solch ein Land begibt, muss man darauf gefasst sein, dass nichts so ist, wie zu Hause. Waren wir auch – dennoch waren wir überrascht und auch ein bisschen entsetzt, als wir unser erstes Quartier, das Hotel River Jordan in Amman bezogen. Als authentisch wurde es beschrieben, mit familiärer Atmosphäre. Tja, authentisch ist gut und hat es auch wirklich getroffen, wie wir später festgestellt haben. Zuerst war uns aber eher zum Davonlaufen, als wir gesehen haben, dass das Gebäude weder eine Türe noch intakte Fenster hatte, die Stromkabel einfach nur runter hingen, der Lift keine Anstalten machte, sich auch nur ein bisschen zu bewegen und die Stufen in den 3. Stock mehr als bröckelig waren. Aber was soll ich euch sagen – man gewöhnt sich so ziemlich an alles (an den seltsam muffigen Geruch zuletzt, aber auch der hat uns zuletzt gar nicht mehr arg gestört). Und immerhin war es „getierfrei“ und relativ sauber…DSC_6388

Nach dem ersten Schreck kam dann aber gleich am nächsten Morgen die erste positive Überraschung: das Treffen mit Enas und die Erkundung Ammans. Enas war lieb und sehr bemüht uns die Schönheit ihrer Heimatstadt näherzubringen, was ihr sehr gut gelungen ist. Man muss wissen, dass Amman als eine der hässlichsten Hauptstädte der Welt gilt (Karin und ich haben da auch noch einen anderen Favoriten für diese Auszeichnung, aber das ist eine andere Geschichte…) und auf den ersten Blick trifft es das recht gut. Bei genauerem Hinsehen und mit Enas‘ Insiderwissen („Trust the Locals“ war schon immer unsere Devise…) haben wir aber doch viele schöne Ecken der Stadt entdeckt.IMG_2126

Die eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten sind ein wahnsinnig gut erhaltenes römisches Theater sowie die Zitadelle auf einem der 7 Hügel Ammans – beide bieten eine beeindruckende Aussicht über das Häusermeer der 4-Millionnen-Stadt.

IMG_9697IMG_9683

Natürlich durfte auch ein Besuch in der König-Abdullah-Moschee (der jordanische König und seine Familie begegneten uns, wie wir im Laufe unserer Reise feststellen sollten, beinahe auf Schritt und Tritt; kaum ein Lokal oder ein Geschäft, in dem nicht ein royales Bild zu finden war und so ziemlich überall fand man Straßen, Plätze, Gebäude etc. nach der Königsfamilie benannt…) nicht fehlen. Gerne war man uns behilflich, uns dafür entsprechend zu adjustieren…

Amman bietet neben vielen sehr herunter gekommen Lokalen aus einige sehr hübsche Cafés und Restaurants. Gleich zu Beginn genossen wir ein herrliches Öko-Frühstück im Shams el Balad, ein sehr gemütliches Café mit einer wunderschönen Terrasse. Zum Abendessen ging es an den Stadtrand in eine Burgruine, wo wir im Restaurant Kan Zaman nicht nur einen schönen Sonnenuntergang sondern auch traditionelle Speisen vom Grill genießen konnten.

Am nächsten Tag ging es dann in die nördliche Umgebung Ammans, wo wir erst eine andere Ruine (also das, was für uns, die wir an unsere schönen europäischen Burgen und Schlösser gewohnt sind, halt eine Ruine ist; für die Jordanier ist das alles zumindest eine Burg, wenn nicht ein ganzes Schloss, was wir nicht immer so wirklich nachvollziehen konnten…) in Ajlun und anschließend – und deutlich beeindruckender – die römischen Überreste der Stadt Jerash besichtigten. Ein Amphitheater, Säulengänge, ein Triumphbogen, alte Plätze, Überreste verschiedenster Gebäude – all das zeugt von einer längst vergangenen Zeit und ist teilweise erstaunlich gut erhalten.

Ein Erlebnis der besonderen Art war auch ein Besuch im „Lebanese House“, wo wir uns von den Besonderheiten der orientalischen Küche überzeugen konnten. Hätte mir vorher jemand gesagt, dass ich je Hammelhoden essen würde, nun ja…IMG_2184

Der nächste Tag war ein sehr Spiritueller. Wir verließen unser gemütliches traditionelles Quartier und machten uns auf in Richtung Totes Meer. Zuvor gab es aber einen Abstecher nach Madaba, wo sich in der St. Georg’s Kirche das berühmte Mosaik von Madaba, ein wirklich gut erhaltene Karte des Heiligen Landes befindet. Danach machten wir uns – auf den Spuren von Moses – auf zum Berg Nebo,

bevor wir schließlich an der Taufstätte jenseits des Jordans landeten, wo wir doch tatsächlich bei einem Bad im Jordan von all unseren Sünden befreit wurden. Ein eigentlich sehr skurriler Ort, an dem Israel und Jordanien lediglich durch den „Fluss“ (da ist es ein bisschen ähnlich wie mit den Burgen und Schlössern: was für die Jordanier ein Fluss ist, geht bei uns bestenfalls als kleines, abgestandenes Rinnsal durch, aber da das das einzige nennenswerte fließende Gewässer des Landes ist, würde ich mal sagen: besser als gar nichts, oder nicht?) Gut zu wissen übrigens, wie einfach einem hier die Absolution erteilt wird – bei Bedarf wissen wir jetzt jedenfalls, wohin wir uns wieder wenden können…

 

Nach all den kulturellen Eindrücken brauchten wir etwas Entspannung – und die fanden wir am Toten Meer. Unglaublich, wenn man vom Berg Nebo mit seinen 800 m plötzlich auf 400 m unter Meeresniveau fährt – das hat schon ziemlichen Gebirgscharakter. Entsprechend abenteuerlich war auch die Straße dorthin!DSC_6871

Wir hätten es nicht geglaubt, aber man geht dort TATSÄCHLICH nicht unter. Und man kann dort WIRKLICH Zeitung lesen, während man im Wasser dahin treibt. Schon faszinierend! Unbedingt dazu gehört auch ein Schlammbad, welches aufgrund seines Mineralstoffgehaltes eine beeindruckende Schönheitswirkung hat. Seht selbst – all die nachfolgenden Fotos zeigen immer noch Karin und mich. Gar kein Vergleich, oder?DSC_6967DSC_6989

Am Toten Meer mussten wir uns am nächsten Morgen von Enas verabschieden, die wieder zurück nach Amman musste. Karin und ich wollten weiter nach Petra, in die berühmte Felsenstadt, eines der 7 neuen Weltwunder. Doch Halt! Am Weg dort hin kam uns doch glatt ein Canyon im Wadi Mujib (Wadi ist ein Tal – der Wadi Mujib gilt als der am tiefsten gelegene Nationalpark der Welt!) in die Quere! Ich muss zugeben, es brauchte ein bisschen, bis mich Karin zu einer Tour in den Canyon überreden konnte, war ich doch schon ein bisschen skeptisch, ob meine sportlichen Fähigkeiten dazu ausreichen würden – aber es hat sich mehr als ausgezahlt, und ich muss sagen, die 3stündige Wanderung (inklusive Felsen klettern, etlichen Sprüngen ins warme Wasser und diversen Rutschpartien) war eines der schönsten Abenteuer während unserer Jordanien-Reise.

Unsere beiden Guides halfen uns, die ca. 2 km bis ans Ende der Schlucht sicher zurück zu legen, wo wir dann mit einer Dusche unter einem beeindruckenden Wasserfall belohnt wurden. Retour ging es dann gemütlich treibend im warmen Wasser – ein herrliches Gefühl!

 

Etwas später als geplant, kamen wir nach diesem Zwischenstopp – und einer neuerlich sehr abenteuerlichen Fahrt über eine Bergstraße, vom tief gelegenen Toten Meer musste man schließlich auch wieder auf normale Höhen hinauf kommen – in Wadi Musa, der Stadt unmittelbar vor Petra an. Für die Erkundung der alten Sandsteinstadt hatten wir uns einen ganzen Tag Zeit genommen. Das klingt zwar nach viel, im Endeffekt gibt es dort aber so viel zu entdecken, dass man besser auch noch einen zweiten Tag hätte anhängen sollen. Die Distanzen, die man dort zu Fuss (wer will auch per Pferd, Kutsche, Esel oder Kamel) zurück legt, sind gewaltig und aufgrund der Hitze – bei unserem Besuch hatte es knapp 40 °C – kommt man auch nicht so schnell wie gewohnt voran. Wenn man sich vom Schock, dass man 50 JD (über 60 Euro) Eintrittsgeld gezahlt hat, erholt hat, wandert man erst mal durch eine 1,5 km lange Schlucht, den Siq nach Petra und wird dort vom Prunkstück der ganzen Stadt, dem Schatzhaus begrüßt. Ich muss zugeben, das ist atemberaubend! So traurig die Tourismusflaute im Moment für die Jordanier selbst ist, so sehr haben wir es zugegebener Maßen genossen, dass dort kaum andere Touristen waren, sodass wir in Ruhe all die klassischen Fotos (Schatzhaus mit Kamel, Schatzhaus ohne, Schatzhaus mit uns…) schießen konnten.

Danach ging die Wanderung weiter durch das Tal, vorbei am mittlerweile 3. Amphitheater unserer Reise, an unzähligen Felsengräbern, dem ehemaligen Marktplatz, Säulengängen, den Überresten des Palastes etc. bis ans Ende des Tales. Dort konnte man sich – schon ein bisschen seltsam, dass man das dort überhaupt einbauen durfte – in einem Restaurant stärken, bevor man sich auf den Weg zum ca. 45minütigen Aufstieg zum Kloster machte. Unter normalen Temperaturen sollte das kein Problem darstellen, bei sengender Hitze war das jedoch eine ziemliche Herausforderung, die sich aber auf jeden Fall gelohnt hat!IMG_0089IMG_0100

Nun ja. Nach Petra hatten wir 2 erholsame Tage am Roten Meer am Programm – auf ging es also mit unserem klapprigen Mietauto über den Desert Highway bis ganz in den Süden des Landes. Dort angekommen – welch ein Anfängerfehler aber auch – stellten wir fest, dass wir einen Tag zu früh dran waren und zuvor noch ein Tag & eine Nacht in der Wüste stattfinden sollten. Retour also Richtung Wadi Rum, des bekanntesten und eindrucksvollsten Wüstentales Jordaniens. Am Visitor Center (in Jordanien gibt es bei der klitzekleinsten Sehenswürdigkeit ein Visitor Center; manchmal ist dieses sogar größer und beeindruckender als die Sehenswürdigkeit selbst…) holte uns „unser Beduine“ Sabbah ab – ein entzückender junger Mann, in den ich mich auf Anhieb ein bisschen verliebte. Mit seinem Jeep (ohne Nummerntafel, mit nur 1 Licht und einer zersprungenen Windschutzscheibe, aber all das stört dort niemanden) ging es vorbei an bezaubernden Felsformationen zu einem schönen Aussichtsplatz. Dort wurde uns von Sabbah in Beduinenmanier einfach im Sand Tee gekocht und wir konnten den Sonnenuntergang genießen.DSC_7587 (1)

Nachdem wir die ersten Beduinenwörter gelernt und uns mit der einheimischen Musik vertraut gemacht hatten (ich glaube, Karin wird sich noch lange an meine & Sabbah’s Performance erinnern…), ging es ab in unser Camp, wo wir in einem Zelt die Nacht verbringen wollten. Sabbah und seine Cousins (alle scheinen dort irgendwie verwandt zu sein; auch das ist eine andere Geschichte, die wir besser nicht hinterfragt haben…) haben Lagerfeuer gemacht und für uns in einem Erdloch Hühnchen und Gemüse gegrillt – herrlich. Natürlich war das Camp nicht ganz authentisch (es gab eine Dusche und ein WC, außerdem fanden wir zu unserer Überraschung doch tatsächlich Feldbetten in unserem Zelt vor und mussten nicht auf dem Boden schlafen. Zugegeben, es hat uns nicht gestört…), aber wir haben die Stille in der Wüste sehr genossen und waren fasziniert von dem unglaublichen Sternenhimmel dort.

Am nächsten Tag ging es per Kamel die 17 km zurück zum Visitor Center. Auch wenn wir dem Kamel zugestehen, dass wir keine leichte Fracht waren – auch für uns war es ganz schön anstrengend, uns 2 1/2 Stunden auf dem schaukelnden Kamelrücken zu halten, und an die seltsamen Bewegungen der Tiere vor allem beim Aufstehen und Niederlegen mussten wir uns erst gewöhnen!IMG_2514

Nach diesem Abenteuer ging es zurück ans Rote Meer nach Aqaba, wo wir nun tatsächlich ein Zimmer in einem strandnahen Hotel reserviert hatten. Neue Temperaturrekorde erwarteten uns dort – 43 °C!! Was kam daher sonst in Frage, als uns gleich ins Wasser stürzen zu wollen?! Ein etwas kompliziertes Unterfangen, sind doch Frauen in Bikinis aus religiösen Gründen an öffentlichen Stränden dort nicht gern gesehen. Schlussendlich machten wir jedoch den Beach Club Berenice ausfindig, wo die Regeln nicht ganz so streng ausgelegt wurden und wir doch noch zu unserem Badenachmittag, einem wunderschönen Schnorchelgang (ich war ja seit unserer Reise nach Ägypten völlig fasziniert von der Unterwasserwelt und für Karin war diese eine beeindruckende neue Erfahrung) und unserem ersten und einzigen alkoholischen Getränk während der ganzen Reise kamen. Es ist unglaublich, welch farbenprächtige Korallenriffe mit unzähligen Fischen sich direkt vor der Küste befanden. Schade nur, dass man lange Zeit nicht auf sie geachtet hat, denn so wurde bereits auch vieles zerstört und stark verschmutzt. Aber dennoch kamen wir aus dem Staunen kaum heraus und konnten uns an all den bunten Tieren gar nicht satt sehen.

Gegen Ende unserer Reise ging es wieder Richtung Norden, wo wir noch eine kleine Wanderung im Dana Natur Reservat machten (um das Gebiet wirklich zu erkunden, sollte man allerdings einige Tage dort einplanen, es gibt unzählige Wanderwege mit beeindruckenden Ausblicken. Die Distanzen sind jedoch weit und erfordern einiges an Ausdauer) und zum Schluss noch 1 Tag bei den Wüstenschlössern (und schon wieder ist das so eine Definitionssache…) verbrachten.

Mehr noch als die Schlösser beeindruckte uns die Tatsache, dass wir uns dort recht weit in etwas unheimliche Gegenden vorwagen mussten und plötzlich damit konfrontiert waren, dass wir uns zu Grenzen wie denen zu Syrien, Saudi Arabien und zum Irak eigentlich nur einige wenige Kilometer entfernt befanden. Und auch wenn in Jordanien derzeit Frieden herrscht, ein bisschen mulmig war uns bei dem Gedanken schon, was sich denn da gerade jenseits der Grenzen so abspielte.DSC_7990

Alles in allem war diese Reise nach Jordanien ein wahnsinnig beeindruckendes und abwechslungsreiches Erlebnis, tief prägend in vielen Aspekten und eine Erfahrung die wir aufgrund all der vielen tollen Momente, die wir dort verbracht haben, auf gar keinen Fall missen möchten.

Mein Jordanien-Tipp: unbedingt eine Nacht in der Wüste einplanen. Die Angebote dafür sind zahlreich, finanziell erschwinglich und unvergesslich. Am besten aber nicht gleich das erstbeste Camp buchen, sondern sich ein bisschen weiter in die Wüste hinein wagen, das Erlebnis ist gleich ein ganz ein anderes, wenn man sich etwas abseits der üblichen Touristenströme bewegt.

Veröffentlicht in Reise-Weise

ALGARVE – auf geht’s ans Ende der Welt

Was für die Raupe das Ende der Welt, ist für den Rest der Welt ein Schmetterling. Laotse (4.-3.- Jhdt. v. Chr.)

Es schneit draußen – mitten im April!!! Da kann ich ja gar nicht anders, als euch von unserem neuesten Reiseabenteuer zu erzählen, um die Sonne von dort zu mir an den Schreibtisch zu holen.

Gemeinsam mit einem Teil der Schwestern (einem kleinen, aber feinen Teil, der Rest hat dieses Mal gestreikt…) haben wir uns auf den Weg nach Portugal gemacht. Nicht, weil wir unbedingt dort hin wollten, sondern, weil es sich so ergeben hat, weil die Flüge billigeren, und weil wir ohnehin dort noch nie gewesen sind. Und gut war es, dass es sich so ergeben hat!!IMG_8540

Von Budapest aus (wir haben im Laufe der Zeit viele Flughäfen in der Nähe von Wien getestet und wissen es durchaus zu schätzen, dass wir da einen gewissen preislichen Spielraum haben, für den es sich bei 4 Reisenden schon mal lohnt, einen etwas längeren Anfahrtsweg auf sich zu nehmen…) sind wir mit der Wizz-Air (klingt nicht nur witzig, ist es auch, wenn man mit einem rosa-lila Flieger abhebt… Aber das ist ja eine andere Sache…) nach Faro geflogen, wo wir erst mal unsere Jacken im Koffer verstaut – die sollten wir die kommende Woche wirklich nicht brauchen – und dann unser Mietauto in Empfang genommen haben. Die nächsten Tage wollten wir damit Portugals Südküste abgrasen – die Algarve war ja soooo romantisch, hatten wir gehört. Ist sie auch… sogar (oder gerade deshalb) mit 4 Halbstarken im Gepäck!

IMG_8507

Strategisch gut positioniert, haben wir uns ein Hotel in Albufeira, ziemlich in der Mitte des Küstenstückes ausgesucht (kann auch Zufall gewesen sein, oder vom Booking.com-Gott so gewollt, je nachdem…), von wo aus wir uns in beide Richtungen auf Erkundungstour begeben konnten.

FullSizeRender-4

Gleich am ersten Tag eroberten wir das Ende der Welt – das Cabo de São Vicente, den südwestlichsten Zipfel Europas. Wow, die Felsenküste dort ist beeindruckend – viele, viele Meter fällt das Land einfach steil ins Meer und bei dem Wind, der dort von allen Seiten bläst, hieß es auch, sich ordentlich fest zu halten. Ein Leuchtturm markiert den größten Felsen – eine Töpferei ganz in der Nähe sorgt dafür, dass auch wirklich jeder Tourist mit einem gebührenden Souvenir nach Hause zurückkehren kann…

Apropos Touristen: Den Frühling kann ich euch für eine Reise an die Algarve wirklich nur wärmstens empfehlen. Es ist bereits angenehm warm, so um die 25 °C hatte es durchgehend, ganz Mutige schafften es auch schon, sich kurz im Meer zu erfrischen, aber die Strände hat man dennoch eher für sich alleine. Die Straßen sind übersichtlich frei und in allen Lokalen kriegt man problemlos einen Platz, aber ohne, dass dort gähnende Leere herrschen würde. Ich glaube, im Sommer kann es schon ganz schön voll werden…FullSizeRender-2

Nach und nach sind wir auf dem Rückweg dann die einzelnen Buchten abgefahren – und wir waren wirklich, wirklich beeindruckt! Es gibt unzählige schöne Strände entlang der ganzen Küste, einer ist schöner, als der andere. Sie sind einfach zu finden und mit einem braunen Hinweisschild markiert (so wie überhaupt das Autofahren in Portugal sehr einfach ist, weil alles gut beschildert ist…), für welche ihr euch entscheidet, bleibt wirklich ganz euch überlassen, ich denke, sie haben alle ihren Reiz. Was ihr aber auf keinen Fall versäumen solltet, ist die Ponta da Piedade westlich von Lagos: Diese Bucht mit den steilen Klippen, Grotten und Felsformationen ist wirklich atemberaubend – wir konnten uns kaum sattsehen und haben unsere halbe Speicherkarte mit Bildern von dort vollgeladen! Dass ein ordentlicher Wind ging, als wir dort waren, hat das Ganze noch beeindruckender gemacht.IMG_8658

Sehr sehenswert sollen auch die Höhlen sein, die man teilweise nur mit dem Boot und entsprechend der Gezeiten besuchen kann. Das bedarf allerdings ein bisschen Vorausplanung (hat uns gefehlt, das muss ich zugeben, drum sind wir an den Grotten gescheitert. Aber ein paar Attraktionen muss man sich ja auch für den nächsten Besuch aufsparen…).

IMG_8571

Um Faro und Olhão befindet sich ein riesiger Naturschutzpark, der Rio Formosa, wo angeblich sogar Flamingos leben. Die wollten wir natürlich unbedingt sehen und haben deshalb extra eine Bootstour gemacht. Tja, was soll ich euch sagen… Im Nachhinein haben wir erfahren, dass das ein eher aussichtsloses Projekt ist, wenn man sich nicht früh morgens auf den Weg machen möchte, und es auch dann nur erfolgsvorsprechend ist, wenn man mit einem ganz kleinen Schiff durch die engen Flüsschen fahren kann. Klingt irgendwie logisch… Aber unzählige Störche haben sich uns dafür gezeigt – teilweise nisten sie sogar auf Strommasten. Grotesk…

Kulinarisch hat die Algarve auch vieles zu bieten, ganz typisch sind Sardinen – die besten davon findet man in Portimão. Wir haben sie uns im Hafen so richtig schmecken lassen! Aber auch allerhand anderen Fisch bekommt man immer frisch serviert – außer man entscheidet sich für den Bacalhau, einen Stockfisch, der auf keiner Speisekarte fehlen darf und der es – obwohl  aus Norwegen importiert – schon fast zum Nationalgericht geschafft hat. Lecker!FullSizeRender

Alljährlich findet in der Nähe von Albufeira ein großes Sandskulpturenfestival statt, dass den ganzen Frühling und Sommer über dauert. Heuer steht es unter dem Motto „Musik“ und wir haben dort mehr und weniger gut gelungene Nachbildungen von Mozart, den Beatles, den Rolling Stones und vielen anderen Stars und Sternchen gesehen. Schon faszinierend und durchaus sehenswert.IMG_8689

All die anderen angebotenen Attraktionen wie diverse Wasserparks mit Riesenrutschen etc. haben wir bewusst ausgelassen um Zeit zu haben, die  Umgebung zu genießen. Wir hatten leider nur 3 Tage an der Algarve zur Verfügung, aber es ließe sich dort Wochen lang aushalten, und man könnte immer wieder neue, wunderschöne Orte entdecken.IMG_8551

Mein Algarve-Tipp: Auch wenn man sonst nicht gerne Fisch mag: hier muss man unbedingt einmal Sardinen essen gehen – und das am Besten in Portimão am Hafen. Frischer sind sie wohl nirgendwo!

 

Veröffentlicht in Reise-Weise, UNESCO

BATH – very British, indeed!

Um zur Quelle zu kommen, muss man gegen den Strom schwimmen. Chinesisches Sprichwort.

Meine liebe (Brief)Freundin Lizzie hat es vor etlichen Jahren nach Bath verschlagen, wo sie seitdem an der dortigen Uni Deutsch unterrichtet – Grund genug, ihrer Einladung nachzukommen und dieser entzückenden südenglischen Stadt auch selbst einmal einen Besuch abzustatten.

Die Anreise von Wien aus ist denkbar einfach, seit die EasyJet Direktflüge nach Bristol anbietet. Von dort nach Bath gibt es eine direkte Busverbindung und in 45 min ist man mit einem Doppeldeckerbus – very British – auch schon im Zentrum von Bath.IMG_7626

Für mich, die ich zwar schon viel herumgekommen, aber noch ziemlich Britisch-naiv war (ich war lediglich zweimal in London gewesen, ansonsten kenne ich vom löblichen Königreich gar nichts), haben sich dort so ziemlich alle Erwartungen, die ich an England hatte erfüllt, und mehr noch: sie wurden übertroffen!IMG_7678

Bath an sich ist eine sehr, sehr hübsche Stadt mit etwa 85.000 Einwohnern. Es ist Universitätsstadt, Ursprung der einzigen heißen Quelle des Britischen Königreichs (nicht, dass ich das vorher gewusst hätte… – aber jetzt weiß ich’s…). Unzählige kleine Gässchen laden zum Flanieren ein und es gibt unzählige Pubs, Tearooms und entzückende Geschäfte wo man – ebenfalls very British – in hübschem Design von Kleidung, über Tee, Deka-Schnick-Schnack bis zu Papierwaren (ich habe mir enorme Vorräte an Briefpapier angelegt, beinahe mehr, als der EasyJet beim Rückflug recht war…) Das Stadtbild ist geprägt von gregorianischen Bauten des 19. Jahrhunderts, die ungewöhnlich gut erhalten sind. Am Herausragendsten ist sicher der „Circus“, ein kreisrunder Platz umgeben von Wohnhäusern, und der „Royal Crescent“, die Top Adresse der Stadt.

IMG_7684IMG_7802

Eine ganz spezielle Brücke überspannt den Fluss Avon: die Pulteney Bridge. Sie beherbergt – wie die Ponte Vecchio in Florenz – Geschäfte und zählt wie ihre große Schwester zu den schönsten Brücken der Welt.  Unbedingt einen Besuch wert ist auch die Abbey, aber die lässt sich bei einem Spaziergang durch Bath ohnehin nicht übersehen, und – als absoluter Höhepunkt und gleich daneben gelegen: die Römischen Bäder. Diese gehen auf das 1. Jahrhundert n.Chr zurück, wo in „Aqua Sulis“ von den Römern die heißen Quellen entdeckt wurden. Baden kann man darin heute nicht mehr (möchte man wohl auch nicht, so einladend schaut das Wasser dort auch nicht mehr aus), aber man erfährt auf toll aufbereitete Art und Weise eine ganze Menge über das damalige Leben in der Stadt. Wer Zeit und Lust hat, kann sich aber danach im modernen Spa erholen (da ich hier in Wien ja von heißen Quellen umgeben bin, hab ich das aber ausgelassen).IMG_7712

Sehr beeindrucken ist auch der Kennet-and-Avon Kanal, der sich über 140 km durch die Landschaft schlängelt und den Bristolkanal mit der Themse verbindet. Er wird mit sogenannten „Narrowboats“, langen, schmalen Hausbooten befahren, die Schleusen werden teilweise von den Schiffsführern selbst bedient.IMG_7651IMG_7648

Als eine der bekanntesten Töchter der Stadt hat sich Jane Austen wie es scheint sehr viel dabei gedacht, als sie sich in Bath niedergelassen hat – und man ist in der Stadt auch mächtig stolz auf sie, denn es scheint wirklich, als würde man ihr auf Schritt und Tritt zu begegnen.

Sehr positiv überrascht war ich auch von der Englischen Gastronomie. Heißt es doch immer, dass man in diesem Land nirgends gut essen kann, so wurde ich tatsächlich – Lizzie als quasi Einheimischer sei Dank – eines Besseren belehrt. Unzählige Tearooms laden zu Tee, Kaffee und herrlichem Kuchen ein, Mittags kehrten wir in einem kleinen aber feinen Deli ein und am Sonntag Abend genehmigten wir uns einen ganz traditionellen „Sunday Roast“ im Pub. Wirklich lecker und seeehr empfehlenswert (das komische Gebilde auf meinem Teller nennt sich übrigens Yorkshire Pudding und schmeckt wie Brandteigkrapfen… Yummy – and very British)

Um ein bisschen Landluft zu schnuppern und richtiges Rosamunde Pilcher Feeling zu gewinnen, entführte mich Lizzie nach Bradford-on-Avon, einer beschaulichen Kleinstadt nur eine halbe Zugstunde von Bath entfernt, ebenfalls am Kennet-and-Avon Kanal gelegen. Eine alte Steinerne Brücke, das Tithe Barn (ein riesiger Speicher) und eine alte Sächsische Kirche zählen zu den Hauptsehenswürdigkeiten der kleinen Stadt, die vor allem durch ihr Flair besticht. Von außen eher unscheinbar und fast ein bisschen furchteinflößend, verbrachten wir in „The Bridge Tea Rooms“ eine herrliche Tea Time mit Sandwiches und – very British – a cup of Tea.

Den Abschluss meines Kurztrips nach England bildete ein Abstecher in das entzückende Salisbury mit seiner beeindruckenden Kathedrale (mit dem höchsten Kirchturm Englands, für all die Rekordlüsternen unter euch) und von dort weiter nach Stonehenge.

Einmal muss man diese imposanten Steinkreise wirklich gesehen haben! Ebenso mystisch wie die ganze Umgebung dort war das Wetter – ebenfalls very British – mit Sturm und Regen. Es hätte nicht besser passen können!! Nichtsdestotrotz sind einige stimmungsvolle Fotos zum Teilen entstanden und die Erinnerung an diesen besonderen Ort bleiben hoffentlich ganz laaange bestehen.IMG_7901

Schnell, ja viel zu schnell ging dieses „very British“ Wochenende zur Neige, das nicht zuletzt Dank der Bemühungen meiner lieben Freundin Lizzie zu einem tollen Erlebnis wurde. Und gelernt habe ich auch einiges – ihr doch nun jetzt wohl auch!?

Mein Bath-Tipp: Das Widcombe Deli, Claverton Buildings im Stadtteil Widcombe bietet in gemütlicher Atmosphäre herrliche Pies, Salate und Kuchen an. Wenn man Glück hat, ergattert man sogar einen der Sitzplätze direkt am Auslagenfenster und kann gleichzeitig entspannt Passanten beobachten

Veröffentlicht in UNESCO

UNESCO – Stadt Bath

Bäder, Wein und Liebe zerstören unsern Leib, und das Leben machen doch nur Bad, Wein und Weib. Horaz (65-8 v. Chr)

Bereits zu Zeiten der Römer wurde in der Grafschaft Somerset die einzige heiße Quelle Großbritanniens in Bath (Aquae Sulis) entdeckt und im 1. Jahrhundert nach Chr. die ersten heißen Bäder gegründet. Die Überreste davon sind teilweise sehr gut erhalten und können, gemeinsam mit dem Pumpraum, noch heute besichtigt werden.

In der Abteilkirche des Klosters zu Bath, an deren Stelle die heutige Abbey steht, wurde 973 der erste Englische König Edgar gekrönt.IMG_7808

Die Pulteney Bridge beherbergt ähnlich der berühmten Ponte Vecchio in Florenz etliche Geschäfte und gilt als eine der schönsten Brücken der Welt.IMG_7659

Das Gregorianische Stadtbild des 19. Jahrhunderts konnte wunderschön erhalten werden. Mit dem Royal Crescent, einer halbkreisförmigen Straße direkt vor dem Royal Victoria Park und dem Circus, einem kreisrunden Platz in exakt dem selben Durchmesser des Erdwalls von Stonehenge weist Bath fürwahr eine einzigartige Architektur auf, insgesamt stehen jedoch fast 5000 Gebäude in der gesamten Stadt unter Denkmalschutz.

 

Veröffentlicht in Allgemein

UNESCO – Stonehenge und Avebury

Wer die Mysterien und deren tieferen Sinn mit den Mitteln der Vernunft ergründen will, zerstört sie. Giacomo Girolamo Casanova (1725-1798)

13 km nördlich von Salisbury im Kreis Wiltshire liegt Stonehenge, eine Grabanlage aus der Jungsteinzeit, welche eine einzigartige Megalithstruktur umgibt. Die erste Bauphase geht auf 3100 v. Chr zurück und seitdem wurde die Anlage schrittweise erweitert. Die bekannten Megalithen dürften zwischen 2500 und 2000 v. Chr errichtet worden sein.IMG_0088

Die innere hufeisenförmige Formation besteht aus Blausteinen (Dolerite), die aus 240 km Entfernung aus Wales aus den Preseli-Bergen angeliefert wurden, der Eingang in diese Anlage ist genau in Richtung des Mittsommersonnenaufganges gerichtet. Außen wurde ein geschlossener Kreis aus Sarsensteinen angelegt, die aus der Nähe von Malbourough nach Stonehenge gebracht wurden. Ganz in der Mitte befindet sich ein Opferstein und außerhalb der Steine ein Erdwall. Viele Mythen ranken sich um die Entstehung der Grabanlage, auch die Bereitstellung insbesondere der Blausteine ist nicht völlig geklärt.

Der Name Stonehenge aus dem Altenglischen bedeutet soviel wie „hängende Steine“, wobei Henge grundsätzlich für kreisrunde Anlagen verwendet wird.IMG_7898

Ein weiterer Teil dieser Welterbestätte befindet sich in Avebury unweit von Stonehenge, wo sich ebenfalls ein Steinkreis befindet, der zwar mit über 400 m Durchmesser des Außenkreises bedeutend größer als Stonehenge ist, jedoch die so imposanten Trilithen-Formationen, wie wir sie aus Stonehenge kennen, vermissen lässt. Innerhalb des großen Steinkreises befanden sich dort noch 2 kleinere Anordnungen von Kreisen: ein Nord- und ein Süd-Kreis, jeweils etwa 100 m im Durchmesser haltend.

Etwas Mystisches liegt diesen Stätten sehr wohl inne, vor allem, weil die Bedeutung der Steinkreise nicht vollends geklärt ist und etliche Sagen und Legenden ranken sich um Stonehenge und Avebury.

Beide Anlagen stehen, zusammen mit kleineren umliegenden Grabstätten, unter dem besonderen Schutz des National Trust, einer gemeinnützigen Organisation, die sich um Denkmalspflege und Naturschutz kümmert, und wurden 1986 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt.IMG_7907

Veröffentlicht in Allgemein

WEIMAR – Kultur, wohin das Auge reicht

Ein glücklicher Zufall in Form eines Kongresses führte mich nach Weimar. Fachlich wusste ich ungefähr, was mich dort erwarten würde – es sollte ein Kongress über Knochenerkrankungen sein – aber vom Drumherum hatte ich ehrlich gesagt wenig  Ahnung. Goethe war dort geboren, klar. Und von der Weimarer Republik hatte man in der Schule mal gehört. Aber ansonsten…? Ich wusste ja nicht einmal, dass sich in dieser kleinen, 65.000 Seelen Stadt gleich 2 UNESCO Welterbestätten befanden. Und so staunte ich nicht schlecht, was Weimar wirklich zu bieten hatte.

Nett und überschaubar, mit einer schönen Fußgängerzone, einem riesigen Park fast direkt im Zentrum und einem imposanten Stadtschloss – so präsentierte sich Weimar auf den ersten Blick. Doch in dieser Stadt gab es sooo viel mehr zu entdecken – und man war auch ordentlich stolz drauf.

Schon klar, nicht jeder Ort hatte einst so honorige Einwohner wie Herrn Goethe oder Schiller. Nicht nur, dass ihre beiden Wohnhäuser als Museen dienten und außerordentlich gut erhalten waren, vor allem ersterem begegnete man ja wirklich auf Schritt und Tritt…

Und direkt vor dem Deutschen Nationaltheater (in dem gerade eine exzellente Vorführung der Dreigroschenoper dargeboten wurde, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen wollte – „denn der Haifisch, der hat Zähne…“ Ihr wisst schon…) standen die beiden dann auch quasi „leibhaftig“. Das Goethe-Schiller-Denkmal auf dem Theaterplatz ist nur eine von vielen Skulpturen in der Stadt, aber bei weitem die bekannteste!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Deutsches Nationaltheater

Aufgrund seiner Vielzahl an kulturellen Bauten, Museen, Schlössern, Parks und der Herzogin Anna Amalia Bibliothek (die übrigens erst vor ein paar Jahren ausgebrannt, aber wunderschön wiederhergestellt wurde) wurde das „Klassische Weimar“ in die Liste der UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen. Und wohin man auch sah, überall gab es etwas zu entdecken und ich muss zugeben, dass mich all diese historischen Bauten bald mehr faszinierten, als die Knochen, wegen denen ich eigentlich hergekommen war!

Doch nicht nur der Geheimrat und seine Denkerfreunde erzählten eine lange Geschichte in Weimar. Auch das Bauhaus und die von dort ausgehende Architekturrichtung waren höchst spannend. 1919 von Walter Gropius gegründet  wurde das Bauhaus zur bedeutendsten Schule für Architektur, Kunst und Design des 20. Jahrhunderts, bis es 1933 von den Nationalsozialisten verboten wurde. Etliche Bauwerke, das Bauhaus-Museum und die Bauhaus-Universität zeugen heute noch von dieser beeindruckenden Stilrichtung, deren Ziel es war, Gesamtkunstwerke zu schaffen und den Unterschied zwischen Handwerk und Kunst aufzuheben bzw. zu vereinen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Bauhaus-Universität Weimar

Weniger intellektuell, aber nicht minder interessant war das kleine Ginkgo-Museum. Ein ganzes Haus wurde in Weimar diesem alten Baum gewidmet und im Shop im Erdgeschoß konnte man von Kosmetika über Schmuck, Tees und Büchern bis zu echten Bäumen alles erwerben, das mit Ginkgo zu tun hatte.ginkgo-baum-2

© Naschpflanzen.de

So viel Bildung, das machte ganz schön hungrig. Wie gut, dass auch die Thüringer Rostbratwurst als Kulturgut gilt und in Weimar wirklich allgegenwärtig ist. Im „Brötchen“ mit Senf serviert hat sie Kultstatus und schmeckt einfach immer!!

thuringer-rostbratwurst

© Thüringer Wurst Shop

Natürlich nahm der Knochenkongress die meiste Zeit meines Aufenthalts in Weimar in Anspruch. Aber ich glaube, die Zeit dazwischen war gut genützt um mir einen Überblick über das kulturelle und historische Angebot in dieser Stadt zu verschaffen und irgendwann werde ich zurück kommen und ganz in Ruhe alles ausgiebig besichtigen!

Mein Weimar-Tipp: Für den nach dem Brand wiederaufgebauten Rokoko-Saal in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek gibt es nur eine beschränkte Anzahl an Eintrittskarten. Entweder erwirbt man sie schon vorab im Internet, ansonsten lohnt es sich, spontan vorbei zu kommen, oft hat man Glück und ergattert noch eine der Tageskarten. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall!