LEDNICE – Märchenlandschaft im Nachbarland

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Märchen sind die letzte Literaturgattung, die uns in dem Glauben verführt, daß die Liebe eine Chance auf dieser Welt hat. Eugen Dreiermann (* 1940)

Am Sonntag haben die Halbstarken und ich einen wunderschönen Tag in Lednice in Tschechien verbracht und wieder einmal ist mir bewusst geworden, dass wir unseren östlichen Nachbarn immer noch viel zu wenig Beachtung schenken. Und das wirklich zu Unrecht, denn die Tschechische Republik, die Slowakei und Ungarn haben sooo viel Schönes zu bieten!IMG_5019

Lednice ist ganz einfach zu erreichen, von Wien aus ist man über die A5 in maximal 75 min mit dem Auto dort, über Höhenau und Breclav kann man auch mit Zug und Bus anreisen. Der Ort selbst ist hübsch und überschaubar, im Nachhinein (schlechte Recherche, ich weiß…) habe ich auch erfahren, dass es dort ein wunderschönes Spa gibt. Hauptsehenswürdigkeit ist aber das Schloss Lednice mit seiner wunderschönen Parkanlage, die auch durch einen Eintrag in der UNESCO Welterbe-Liste gewürdigt wird.IMG_4829

Kaum dass man die Anlage betritt, trifft man als allererstes gleich auf das Schloss –  und man wird automatisch in eine Märchenwelt versetzt. Die vielen Türmchen und Erker, die unzähligen Details an der Fassade, all das verzauberte uns vom ersten Anblick an. Wenn Wasserspeier wie Schafe aussehen, dann darf man doch wirklich etwas staunen, nicht wahr?

Wir haben uns entschieden, eine Führung durch die Repräsentationsräume des Schlosses zu machen. Diese Touren dauern etwa eine Stunde und werden regelmäßig angeboten, meistens auf Tschechisch mit Deutschen Begleittexten, gelegentlich gibt es aber auch Führungen auf Deutsch. Der Preis ist durchaus akzeptabel, umgerechnet etwa 6 € werden pro Erwachsenem verrechnet. Es gibt aber auch andere Führungen durch die Wohnbereiche oder durch die Kellergrotte, die bestimmt auch sehenswert sind.

Das Schloss Lednice war ein Sommersitz der Familie Liechtenstein, die Ausstattung ist jedoch dermaßen prunkvoll, dass wir nur so gestaunt haben. Es gibt einen Ballsaal, Speisesäle und luxuriöse Badezimmer, das Herzstück des Schlosses ist jedoch die Bibliothek mit der wunderschönen hölzernen Wendeltreppe. Auch ein Palmenhaus ist direkt an das Schloss angeschlossen und kann extra besichtigt werden.

Nach einer kleinen Erfrischung an einem der vielen Imbissstände, die man überall in der Anlage findet, starteten wir mit der Erkundung des Schlossparks. Und hier staunten wir noch viel mehr, als beim Schloss selbst!IMG_4874

Die Anlage ist riiiiesig, es wurden künstliche Teiche angelegt, in denen sich unzählige Inseln finden, die Flora faszinierte uns ebenfalls, weil sich dort viele Gewächse befanden, die wir einfach nicht kannten. Das Geschlecht von Liechtenstein ließ nämlich Pflanzensamen aus der ganzen Welt zusammentragen, sodass man jetzt im Park sogar Bäume aus Südamerika bewundern kann. Im Gewächshaus der Anlage werden diese liebevoll groß gezogen.IMG_1720

Spazierwege führen die Teiche entlang und immer wieder finden sich schöne Plätzchen, die zum Verweilen einladen. Nach etwa 1/2 Stunde Gehzeit kommt man – nachdem man eine Grotte und eine kleine Steinbrücke passiert hat – zu einem Minarett. Dieses mutet in dieser mährischen Parkanlage etwas seltsam an – und das ist es auch. Der Grund, warum es hier im Schlosspark ein, auf den ersten Blick unpassendes, Minarett gibt, ist nicht klar.

Eine Version ist, dass es im Schlosspark Lednice Einflüsse verschiedener Kulturen gibt (so fanden sich zB türkische Bäder, ein römischer Obelisk, eine Schweizer Brücke,…) und so eben auch ein Minarett erbaut wurde, weil man es einfach optisch ansprechend fand. Anderen Quellen zufolge wäre auch eine Moschee geplant gewesen, die wegen des sandigen Bodens jedoch nicht erbaut werden konnte. Wie dem auch sei, das Minarett ist von weitem sichtbar und ist ein durchaus lohnendes Ziel für einen Spaziergang.IMG_1746

Gleich neben dem Minarett befindet sich ein umgeleiteter Seitenarm der Thaya, der das Parkgelände großräumig durchfließt. Da die Anlage so riesig ist, gibt es hier sogar einen richtigen Bootsverkehr mit 2 Linien (Preis je etwa 6 €/Person, Kinder zahlen nur die Hälfte). Die eine bringt einen zurück zum Schloss, die andere zur Johannesburg am äußeren Ende des Parks. Wir haben uns für diese Linie entschieden und ließen uns gemächlich etwa eine dreiviertel Stunde durch die wunderschöne Herbstlandschaft schippern, bevor wir die Johannesburg erreichten.IMG_1760

Nun, „Burg“ ist vielleicht etwas zufiel gesagt, denn eigentlich handelt es sich hier um eine künstliche Ruine, die zwar im Vergleich zum Schloss deutlich schmuckloser imponiert, dennoch aber seinen Reiz hat. Einst war die Johannesburg bewohnt, heute dient sie als Veranstaltungsort für Festivals oder Hochzeiten. Auch hier ist eine Besichtigung möglich, wir waren dafür allerdings schon ein bisschen zu spät dran. Dafür konnten wir das herrliche Abendlicht hier genießen und bei einem kleinen Stand frischen Wein verkosten…IMG_4988

Der Rückweg zum Schloss führt etwa 3 km lang durch Wiesen und Wälder. Wer schon ein bisschen müde ist und den Weg nicht mehr laufen möchte, kann sich auch, wie anno dazumal, in einer Pferdekutsche zurück bringen lassen.IMG_5004

Mehrmals täglich gibt es im Park auch eine Greifvogelschau, die wir leider aus Zeitgründen auslassen mussten, und auch dem Aquarium konnten wir keinen Besuch abstatten, da es gerade geschlossen war.IMG_4925

Obwohl wir fast einen ganzen Tag in Lednice verbrachten, haben wir also bei weitem nicht alles gesehen und wollen unbedingt nochmal einen Besuch dort einplanen und dann vielleicht auch einen Abstecher ins nahe gelegene Valtice machen, das mit seinem Herrenhaus ebenfalls Teil des UNESCO Welterbes ist.

Als Abschluss eines Tages in Lednice empfiehlt sich übrigens ein Besuch im Schlossrestaurant oder einem der urtümlichen Gasthöfe im Ort. Die tschechische Küche ist deftig, aber unglaublich lecker!!!

Mein Lednice-Tipp: Picknick-Sachen mitbringen und es sich in der weitläufigen Anlage gemütlich machen. Oder sich bei den zahlreichen Ständen mit deftigen Tschechischen Snacks eindecken. Wir haben neben dem Minarett gebratene Klobasse probiert und für sehr lecker befunden!

Bist du neugierig geworden, was sich bei unseren Nachbarn sonst noch so tut? Dann schau doch mal hier mit mir nach Slowenien:

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