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ASERBAIDSCHAN – Öl, Schlammvulkane und Brennende Felsen

Feuer und Wasser sind zwei gute Diener, aber schlimme Herrn. Deutsches Sprichwort

Wie um alles auf der Welt kommt man auf die Idee nach Aserbai… Aserbai… was?? Aserbaidschan zu fahren??? Und was macht man dort??? Oft wurden wir das gefragt, und ganz ehrlich, bevor wir wirklich dort waren, haben wir uns das im Laufe unserer Reisevorbereitungen auch gefragt… Der Europäische Songcontest, der 2012 in Baku stattfand, und die im Rahmen dessen ausgestrahlten Berichte über diese Stadt, haben  meine liebe Ex-Schwägerin Karin und mich auf die Idee gebracht, dass wir dort doch unbedingt mal hin wollten. So weit, so gut… Ein bisschen blauäugig waren wir, als wir dachten, wir würden einfach ein Visum beantragen und dann halt „mal schnell“ für ein paar Tage hinfahren. Die Visumsache war ganz schön kompliziert, viel komplizierter, als alle anderen Visa, die wir je beantragt haben, und wir waren schon dabei, uns einen Plan B zu überlegen, als man uns am Freitag um 11.55 Uhr (die Bürozeiten enden um 12 Uhr, unser Flug ging Samstag Früh… aber das ist eine andere Geschichte…) dann doch noch auf der aserbaidschanischen Botschaft in Wien unsere Reisepässe MIT Visum in die Hand drückte.

Genau haben wir nicht gewusst, was uns dort erwartet, Reiseführer über Aserbaidschan gab es noch wenige, und die, die es gab, waren nicht sehr aufschlussreich. Also ließen wir es mal auf uns zukommen und staunten nicht schlecht, als wir mitten in der Nacht ankamen und uns die Stadt schon im Landeanflug mit einem Lichtermeer begrüßte und sowohl der Flughafen als auch die Autobahn nach Baku einen hochmodernen Eindruck auf uns machten.

Am nächsten Morgen sollten wir noch mehr Überraschungen erleben. Wir wussten, dass sich in Baku Bauwerke vieler Epochen trafen – aber in diesem Ausmaß hatten wir das nicht erwartet. Zum einen war da eine wunderschön restaurierte Altstadt mit dem Palast der Schirwanschahs aus dem 15. Jahrhundert, der unglaublich gut erhalten war und uns mit seinen vielen Höfen beeindruckte.img_7505

Dann gab es den Jungfrauentum, der uns ehrlich gesagt, anfangs ein bisschen Angst einflößte, da wir nicht genau wussten, was es damit auf sich hatte. Angeblich war dort einmal die Tochter des Khan von Baku eingesperrt und stürzte sich von dort aus in den Tod. Ein bisschen gruselig, aber der Ausblick ist herrlich und heute gilt der Turm als Wahrzeichen von Baku.

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Jungfrauenturm

Es fanden sich viele Moscheen – Aserbaidschan ist ein zu 98 % muslimisches, jedoch sehr liberales Land, und bei Spaziergängen durch die kleinen Gässchen der Altstadt entlang der Stadtmauer ließ sich fast um jede Ecke etwas Neues entdecken.

Auf der anderen Seite lernten wir ein sehr modernes Baku kennen. Über der Stadt thronen die 3 Feuertürme, die schon von weitem sichtbar waren.

img_7459Das Teppichmuseum in Form einer Teppichrolle ist wirklich sehenswert und etwas außerhalb des Stadtzentrums fand sich das Museum der modernen Kunst – die Hasen im Park davor erinnerten uns an zu Hause, an den Dürer-Hasen vor der Albertina in Wien.

Für den Songcontest hat man 2012 eine riesige Halle gebaut, für die extra eine Halbinsel aufgeschüttet wurde. Ein etwas eigenartiges Gebilde, aber in der Nacht sehr hübsch beleuchtet.img_7607

Man hat sich wirklich bemüht, den Teil der Stadt, den Touristen zu sehen bekommen, hübsch zu gestalten. Ein riesiger Park entlang der Esplanade wird mit viel Aufwand gepflegt, es wurden Kanäle angelegt, durch die man mit dem Boot fahren kann und auch einkaufstechnisch – Karin brauchte unbedingt Sandalen mit glitzernden Bommeln drauf – findet man in Baku alles, was das Herz der verwöhnten Shoppingqueen begehrt.

Unzählige Lokale bieten sowohl traditionelles aserbaidschanisches Essen, welches ziemlich an die türkische Küche erinnert, als auch internationale Speisen, an. Besonders angetan waren wir von der Karavansarai einem ganz urigen Restaurant nahe des Jungfrauenturms und dem Green Garden, das sich direkt im Hof in einer Ruine befindet. Ganz traditionell sitzt man dort am Boden auf vielen Pölstern, umgeben voll allerlei Ausgrabungsstücken, Vasen und Ähnlichem (oder zumindest, was einem als solche „verkauft“ werden) und kann nach einem gelungen Abendessen auch gemütlich Shisha rauchen…img_7619

Unser Hotel Riviera lag gleich am Meer auf einer kleinen Anhöhe und bot einen herrlichen Ausblick auf die Bucht von Baku und die Frühstücksidylle war nur von einem anfangs ziemlich penetranten Ölgeruch getrübt. Im Laufe des Urlaubs gewöhnten wir uns daran – nicht aber an den Anblick des schwimmenden Ölfilms im Kaspischen Meer. Das Baden im Meer ist dort verboten – man hätte ehrlich gesagt unter diesen Umständen aber auch gar keine rechte Lust dazu. Im Norden der Halbinsel von Baku gibt es einige Ferienorte, wo auch schon zahlreiche Hotels und Clubanlagen gebaut wurden, generell hatten wir aber den Eindruck, dass der Tourismus in Aserbaidschan noch ziemlich in den Kinderschuhen steckt.

Irgendwie müssen wir aber fast auch ein bisschen dankbar sein für all den Öl- und Gasgeruch dort. Immerhin gibt es eine direkte Pipeline von Aserbaidschan nach Österreich und ein Teil unseres Erdöl- und Gasbedarfs können wir so decken.

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Da wir gerne etwas von Land und Leuten sehen wollten, haben wir uns für 1 Tag ein Taxi gemietet, das mit uns aufs Land raus gefahren ist. Ich muss ehrlich sagen, der Taxifahrer hat mit uns wahrscheinlich das Geschäft seines Lebens gemacht, billig war das Ganze nicht (wobei Aserbaidschan generell teurer war, als wir erwartet hatten – Restaurants kosten ungefähr gleich viel wie bei uns und auch sonst war das Preisniveau durchaus mit westlichem Standard vergleichbar) – aber durchaus jeden Manat wert!

Aserbaidschan soll landschaftlich wunderschön sein, wenn man Richtung Kaukasus fährt. In der Umgebung um Baku ist es eher flach, karg und trocken und außer Bohrtürmen am Land und im Wasser ist streckenweise nicht viel zu sehen. Dennoch sollte sich unser Tagesausflug mehr als lohnen…

Unser erster Stopp auf der Erkundungstour war im Qobustan-Nationalpark, wo wir unzählige steinzeitliche Felsmalereien bewundern konnten. Menschen, Stiere, Pferde, mal im Kampf mal in Alltagsposen – zugegeben, manchmal brauchte man etwas Fantasie, um alles zu erkennen. Aber spannend war das allemal, vor allem wenn man bedenkt, dass die Zeichnungen bis zu 40.000 Jahre alt sind. Völlig zurecht wurde dieser Nationalpark zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt!

Danach ging es weiter zu etwas, von dem ich zuvor nicht mal wusste, dass es das gibt. Schlammvulkane! In einer Landschaft, in der wir uns eher wie auf dem Mond als auf der Erde fühlten, brodelte und fauchte es überall und manchmal spritzte kalter Schlamm richtig aus den Vulkanen heraus! Es heißt, dass man wunderhübsch wird, wenn man sich diesen Schlamm ins Gesicht schmiert… Nun ja, gaaaanz so schön wollten wir dann ja gar nicht werden… Unfassbar eigentlich, dass außer uns überhaupt niemand dort war – auch fast wie am Mond…

Aserbaidschan wird auch das „Land des Feuers“ genannt. Wir haben nun auch gesehen, warum! Es gibt dort brennende Felsen!! Das Erdgas, das es in diesem Land überall gibt, kommt durch Spalten im Boden nach oben. Irgendwann hat es zu brennen begonnen und seitdem lodert an manchen Stellen das Feuer. Ganz schön faszinierend!img_7876

Wir waren beeindruckt von Aserbaidschan, teilweise überrascht, manchmal aber auch schockiert. Abseits der für Fremde vorgesehenen Pfade herrscht sehr wohl eine große Armut. Da werden Lebensmittel und Tiere am Straßenrand verkauft, Stromkabel hängen einfach an den Häusern herunter, und als wir einen Aussichtsturm bestiegen sind, haben wir zum Glück erst beim Runtergehen bemerkt, dass die Zwischendecken zur Hälfte durchgebrochen waren.

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Was uns am allermeisten beeindruckt hat, war jedoch die Freundlichkeit der Menschen dort. Obwohl wir als europäische und blond(gefärbte) Frauen alleine unterwegs waren, haben wir uns nie unwohl gefühlt, im Gegenteil, jeder war sehr hilfsbereit und freundlich. Schade, dass wir nur 4 Tage Zeit hatten für dieses Land. Irgendwann wollen wir vielleicht zurück kommen und in die Berge dort fahren und bestimmt gibt es dann auch sonst schon wieder eine Menge Neues zu entdecken – bevor die großen Touristenmassen kommen und alles für sich einnehmen.

 

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UNESCO – Gobustan Felsenlandschaft

Die Malerei ist stumme Poesie, die Poesie blinde Malerei. Leonardo da Vinci (1452-1519)

In der Halbwüste von Aserbaidschan, nur 50 km von der Hauptstadt Baku entfernt, liegt auf 3 Plateaus die 537 ha große Felsenlandschaft von Qobustan (Gobustan). Über 6000 in Felsen eingravierte Zeichnungen zeugen von steinzeitlichen Felsenkunst – teilweise sind die Bilder bis zu 40.000 Jahre alt. Dargestellt werden Tiere, Menschen, Alltagsszenen, Kriegshandlungen etc. Weiters findet man aufgelassene Höhlen, Zeugnisse früher Siedlungen und Grabstätten, die auf eine intensive Nutzung dieser Gegend während einer Feuchtigkeitsperiode hinweisen, die der letzten Eiszeit gefolgt ist.

Quelle: whc.unesco.org

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UNESCO – Altstadt von Baku mit Palast der Schirvanschahs und dem Jungfrauenturm

Zieht die Liebe ein, wird die Hütte zum Palast. Arabisches Sprichwort

Die Altstadt von Baku mit ihren gut erhaltenen Stadtmauern aus dem 12. Jahrhundert liefert Zeugnis von der Besiedelung durch Araber, Perser, Shirvanen, Ottomanen, Russen und zuletzt der Aserbaidschani. Meisterstücke der Architektur der Stadt sind der Schirvanschahs Palast aus dem 15. Jahrhundert sowie der Jungfrauenturm aus dem 12. Jahrhundert, der als Wahrzeichen Baku gilt und dessen erste Grundsteine bereits im 7 oder 6. Jahrhundert vor Christus gelegt worden sein dürften.

Quelle: whc.unesco.org

 

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SCHALLABURG – Back to the 70ies

Die beiden schönsten Dinge sind die Heimat, aus der wir stammen, und die Heimat, nach der wir wandern. – Heinrich Jung-Stilling (1740-1817)

Sonntag Nachmittag – das Wetter ist maximal mittelprächtig angesagt. Wohin also mit den Halbstarken in meiner Wohnung, damit wir einen halbwegs harmonischen und streit-befreiten Tag verbringen können? Meine liebe Freundin Christine schlägt vor, doch auf die Schallaburg in Niederösterreich zu fahren. Eine ausgezeichnete Idee, denn wir haben auch schon von der Ausstellung über die 70er Jahre gehört, die dort stattfinden soll. 70er Jahre, das bedeutet Beatles, ABBA und Bee Gees – damit sind sogar die Halbstarken zu locken.

Die Schallaburg – ein wunderschönes Renaissance Schloss in der Nähe von Melk mit angeblich dem schönsten Renaissance-Innenhof im ganzen Land – erwartet uns nicht nur mit der Ausstellung über die 70er Jahre, ganz zufällig findet heute auch noch das Genussfestival statt, wo Bauern aus dem Umkreis ihre Produkte anbieten. Wir kosten uns kurz durch, während wir auf den Beginn unserer Führung warten. Und dann tauchen wir ein in eine Zeit, als wir selber noch viel kleiner waren als die Halbstarken jetzt sind, an die wir uns jedoch durchaus gut erinnern können.

Es gibt allerlei Objekte aus dieser Zeit zu sehen, Telefone, Schreibmaschinen, Lebensmittelpackungen, Fahrräder, … Man erfährt Politisches aus dieser Zeit, Kulturelles, es gibt Ausschnitte von Fernsehsendungen – 1, 2, oder 3, wie es damals war, oder Dalli Dalli, ich habe es geliebt!! – Berichte über Hausbesetzungen, Emanzipation und vieles mehr. Entsetzt waren wir, als wir erfahren haben, dass bis 1975 der Mann das Familienoberhaupt war und die Frau doch – offiziell zumindest – tatsächlich fragen musste, ob sie arbeiten gehen durfte oder den Führerschein machen konnte. Und endlich ganz zum Schluss,  eine kleine Disco mit der langersehnten Musik. Da wird doch gleich das Tanzbein geschwungen!

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Im Schlossrestaurant gibts dann – ach, wie passend – Toast Hawaii und anschließend machen wir noch einen Spaziergang durch den Schlossgarten, wo noch herrlich die Dahlien blühen. Die Halbstarken und ihre Freunde (& -innen) lassen sich sogar herab, sich ein bisschen auf dem Spielplatz auszutoben. Ist zwar ein klein wenig peinlich, aber nachdem das Klettergerüst wie ein riesiger Holzdrache aussieht, einfach zu verlockend. Gut ists so – ich glaube, es hat uns allen gefallen, und zum Schluss ließ sich sogar die Sonne wieder blicken!

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Veröffentlicht in Stadt-Reise

Ich hab mein Herz in HEIDELBERG verloren…

Ich hab‘ mein Herz in Heidelberg verloren,
In einer lauen Sommernacht.
Ich war verliebt bis über beide Ohren
Und wie ein Röslein hat ihr Mund gelacht. Fritz Löhner-Beda (1883-1942)

Ein Zufall führte mich im Frühjahr 2016 nach Heidelberg – ein Zufall in Form eines Kongresses, an dem ich teilnehmen durfte. Da ein Kongress viel Anstrengung und „Lernerei“ bedeutet, war es umso wichtiger, sich zur Erholung auch ein bisschen auf die netten Dinge in der Umgebung zu konzentrieren. Wie optimal, dass ich mich schon in Heidelberg befand, wo sich all dies ganz herrlich vereinbaren ließ.

In Heidelberg, dieser sehr jungen, lebendigen Studentenstadt, die gleichzeitig eine ganze Menge Geschichte mit sich bringt und die aufgrund seiner Schönheit das Ziel unzähliger Touristen ist. Mit etwa 150.000 Einwohnern ist Heidelberg durchaus überschaubar – es fehlt aber dennoch in keinem Reiseführer – und da sich die meisten Sehenswürdigkeiten direkt in der Altstadt befinden, ist es sehr gut zu Fuß zu erkunden.

Malerisch am Neckar gelegen wird Heidelberg vom alten Schloss dominiert, welches ebenso wie die Alte Brücke ein absolutes „Muss“ bei einem Heidelberg-Besuch ist. Aber daran führt ohnehin kein Weg vorbei. Am besten erreicht man das Schloss zu Fuß, wobei man auch gleich einen wunderbaren Ausblick über die Altstadt und den Fluss hat. Einfacher geht es mit der Bergbahn, die bereits im Eintrittsticket inkludiert ist.

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Warum das Schloss immer noch Schloss heißt, weiß ich nicht, in Wahrheit ist es nur eine Ruine, die bereits im Pfälzischen Erbfolgekrieg im 17. Jahrhundert und ein paar Jahrzehnte später durch einen Brand ziemlich zerstört und nur mehr teilweise wiederaufgebaut wurde. Die alten Schlosshöfe lassen sich aber noch immer herrlich erkunden, und im Inneren ist das berühmte Große Fass zu besichtigen – kongressbedingt hab ich mich allerdings auf das Äußere des Schlosses beschränken müssen.

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Das Stadtzentrum wird dominiert von der Heiligengeistkirche, die geschäftstüchtig touristisch vermarktet wird – befinden sich doch in ihren Arkadengängen unzählige Souvenirstände. Gleich in unmittelbarer Umgebung wird es jedoch wieder urtümlicher mit wunderschönen alten Häusern und weitläufigen Plätzen, wo es viele Lokale gibt, die in der warmen Jahreszeit auch zum Heraußen-sitzen einladen. Besonders malerische finde ich den Kornmarkt, der auch einen herrlichen Blick auf das Schloss bietet.

Direkt hinter der Heiligengeistkirche erstreckt sich Deutschlands längste Fußgängerzone durch die Altstadt. Ich hätte ja Stunden dort herum bummeln können, wäre nicht – du weißt schon – der Kongress gewesen…

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Unbedingt muss man vom Zentrum aus einmal den Neckar über die Alte Brücke überqueren. Drüben angekommen, wird man ebenfalls mit einem herrlichen Blick über die Stadt belohnt. Wer das Ganze noch mehr genießen möchte und etwas Zeit hat, wandere über den Philosophenweg den Hügel auf der anderen Flußseite hinauf – der Ausblick soll sich mehr als lohnen.

Beim Vorbeigehen sollte man unbedingt dem Brückenaffen (gleich links vor dem Brückentor) einen Besuch abstatten, er ist eines der geheimen Wahrzeichen Heidelbergs und soll den Menschen ihre Schattenseiten vor Augen führen, symbolisiert er doch – vor allem durch sein nacktes Hinterteil – Häßlichkeit, Schamlosigkeit, Lüsternheit und Eitelkeit. Wenn man ihm über den Spiegel streicht, den er in der Hand hält, soll das jedoch Wohlstand bringen, streicht man über seinen ausgestreckten Finger, bedeutet das, dass man nach Heidelberg zurück kommt und wenn man die kleinen Mäuse angreift, die neben ihm sitzen, soll ein Kindersegen zu erwarten sein. Soweit die Legende. Ich habe mich übrigens für zweiteres entschieden…img_4443

Einfach herum wandern und die Eindrücke auf sich wirken lassen. Zwischendurch ein bisschen einkehren in einem der vielen originellen Cafés und Bars, ich denke, so lässt sich Heidelberg am besten genießen. Und ich muss schon zugeben, auch ich hab ein bisschen – wie Paul Hörbiger im Schnulzenfilm von anno dazumal – „mein Herz in Heidelberg verloren…“

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MODENA – Darf’s Balsamico sein? Oder doch lieber ein Ferrari?

Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung. – Wilhelm II (1859-1941)

Modena war eigentlich gar nicht das Ziel unserer Reise – aber trotzdem ist es irgendwie ein Ziel geworden. Bevor wir hinfuhren, wussten wir nicht viel über diese Stadt und hätte ich nicht meine liebe Brieffreundin Pamela, die dort wohnt, wären wir wahrscheinlich auch heuer, wie etliche Male zuvor, einfach auf der Autobahn dran vorbei gefahren. Aber – Pamela sei Dank – gab es heuer einen Grund dort abzufahren. Zwar nicht mit dem Ferrari, sondern mit meinem kleinen Golf. Aber immerhin.

Modena ist Universitätsstadt, es zählt zum UNESCO Weltkulturerbe, der weltberühmte Aceto Balsamico di Modena kommt von dort und nicht zuletzt befindet sich dort die Kinderstube des schnittigen Ferraris.

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Ein Spaziergang durch Modena dauert kein ganzes Wochenende, nein nicht mal einen halben Tag. In 1-2 Stunden ist man durch und hat das Wichtigste gesehen. Aber das hat es in sich. Das Zentrum der Stadt bildet der Duomo die Modena – im heurigen Heiligen Jahr war es sogar möglich, ihn durch das heilige Tor zu betreten. Gleich daneben die Ghirlandina, der Aussichtsturm, der schon ein bisschen schief ausschaut. Das war jetzt aber noch nicht Pisa, oder??

 

Dann gibt es etliche Palazzi zu bestaunen, allen voran den Palazzo ducale, der die Militärakademie beherbergt. Wir hatten sehr viel Zeit, ihn zu bestaunen, die Kinder waren nämlich von dem Brunnen davor überhaupt nicht mehr weg zu bekommen.

Dass der berühmte Aceto Balsamico aus Modena kommt, darauf ist man hier sehr stolz. Bereits bei der Stadteinfahrt empfängt einen ein riesiges Eichenfass und kaum eine Auslage, die nicht irgendwie darauf Bezug nimmt. Wir mussten uns natürlich gleich damit eindecken, als Souvenir quasi – in den nächsten Monaten gibt es bei uns bestimmt oft Salat!!

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Den Ferraris ist ein ganzes Museum gewidmet – angeblich ist es sehenswert. Schade, dass die Öffnungszeiten nicht zu unseren Reiseplänen passten. Aber vielleicht werden wir ja wiederkommen, denn der Grund für unseren Besuch – meine Brieffreundin Pamela und ihre Familie – wird uns ja hoffentlich lange erhalten bleiben.

Veröffentlicht in Wien, Zwischen-Reise

China Magic – Luno International Lantern Festival

Die Freude ist überall – es gilt nur sie zu entdecken. Konfuzius (551- 479 v.Chr)

 

Von 1.9. bis 9.10.2016 findet in Wien auf der Donauinsel bei der Floridsdorfer Brücke das Chinesische Laternen Festival statt. Da wir schon ein paar Mal daran vorbei gefahren sind und gesehen haben, wie die verschiedenen Laternen aufgebaut wurden, wollte ich das Ganze unbedingt auch von der Nähe sehen. Und so wollten wir den Besuch meiner Mutter nutzen, die sich ja immer für die Besonderheiten der Stadt begeistern kann, um ein bisschen China-Feeling in Wien zu erleben. Leider klappte es erst beim zweiten Anlauf, am ersten Abend hatten uns Regenwetter und Wind einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber dann hat’s geklappt – und die vielen bunten Laternen versetzten uns wirklich ins Staunen!

Gestaunt haben wir auch über den Eintrittspreis von 22 Euro, der jedoch ob der zauberhaften Figuren und der dargebotenen Showeinlagen auch schnell wieder vergessen war.

Waren die Laternen und aufgebauten Pavilions schon in der Dämmerung hübsch anzusehen, so kamen sie bei völliger Dunkelheit erst recht zur Geltung.

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Da gab es Pandas in allen Formen und Farben, Chinesische Sternzeichen, Fische, Drachen, Teetassen, Reiter auf ihren Pferden, einen Nachbau der chinesischen Oper in Peking und der Staatsoper in Wien und allerhand anderer Figuren und Konstruktionen. Auch das Rahmenprogramm mit Scherenschnitten und kleinen Verkaufsständen hat uns fasziniert.

Ganz besonders beeindruckt waren wir jedoch von den Shows mit Tänzern aus der Szichuan Oper, Flötenspielern und Feuerschluckern. Die Kinder versuchten dem Trick auf die Spur zu kommen, mit dem ein Darsteller blitzschnell die Maske seines Gesichtes verändern konnte. Das war wirklich gelungen und wirklich nicht zu Durchschauen. Magic China eben…

Und so konnten wir für einen Abend ganz weit weg sein – und irgendwie doch so nah. Ist doch praktisch, oder?

 

Veröffentlicht in Reise-Weise

ISLAND – zwischen Nordlichtern, Vulkanen und Geysiren

Das Licht der Herrlichkeit scheint in der Nacht – wer kann es sehen? Ein Herz, das Augen hat und wacht. – Angelus Silesius (1624-1677)

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Eine der beeindruckendsten Reisen überhaupt führte mich gemeinsam mit einer Kollegin nach Island – und das im Winter. Wir wurden belächelt und für verrückt erklärt, was uns aber nicht davon abgehalten hat, uns in dieses Abenteuer zu stürzen. Wir ließen uns dadurch nicht beirren und haben uns auf gemacht, dieses Land aus Eis, Gletschern, Geysiren und Vulkanen zu erkunden – und das alles mit dem Hauptziel, das Nordlicht zu sehen. Und es hat sich mehr als gelohnt!

Gleich mal vorne weg: Island ist elementar! Mach dich darauf gefasst und stell dich darauf ein. Bereise es nur mit jemandem, mit dem du diese beeindruckenden und tiefgreifenden Erlebnisse teilen möchtest. Mach dich darauf gefasst, dass du dort weniger Zivilisation findest, als erwartet (was in der Landkarte als Ort oder gar Stadt eingezeichnet war, entpuppte sich oftmals nur als ein paar Häuser mit einer Tankstelle) – aber du dafür Natur mit Haut und Haaren erlebst.

Wir wussten auch nicht genau, was uns in Island im Jänner erwarten würde und waren überrascht, dass es bei weitem heller war, als wir uns das vorgestellt hatten. Tageslicht gab es von 9 Uhr bis etwa 17 Uhr – gar nicht so schlecht, für ein Land sooo weit nördlich. Da uns von rasch ändernden Witterungseinflüssen und unberechenbaren Straßenverhältnissen berichtet wurde, haben wir eine organisierte Tour gebucht, die uns 1 Woche lang in den Westen und Süden der Insel führen sollte.

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In einer kleinen Gruppe haben wir uns daher mit einer deutschen Reiseleiterin und einem einheimischen Fahrer auf den Weg gemacht – und wir waren gut beraten. Im Sommer kann man Island bestimmt auf eigene Faust erkunden, im Winter wechselt das Wetter wirklich so schnell, dass es für Fremde völlig unberechenbar ist.

Unser erster Stopp ging zum Barnafoss – den „Kinderwasserfällen“. Diese waren zwar nicht so hoch, wie manch andere, aber nicht weniger beeindruckend, erstreckten sie sich doch über mehr als hundert Meter durch die Landschaft.

Tags darauf machten wir uns auf den Weg in den Süd-Westen – in ein kleines Fischerdorf namens Stykkishólmur. Idyllisch lagen die Fischerboote im Hafen, von wo aus wir gleich zu einer Rundfahrt starteten. Vorbei an Basaltformationen ging es aufs offene Meer hinaus, wo die Netze ausgeworfen wurden und wir gleich fangfrisch die Beute verkosten konnten!

Zugegeben, es war eine Überwindung, die Muscheln frisch aus der Schale zu essen – aber sie schmeckten herrlich! Und so ganz nebenbei wurden wir mit einer wunderbaren Aussicht und einem beeindruckenden Sonnenuntergang belohnt!img_2261

Am nächsten Tag stand der „Golden Circle“ auf dem Programm – ein absolutes Muss für alle Island-Besucher. Und das zu recht! Erster Halt war im UNESCO-Weltkulturerbe þingvellir, dem Ort, an dem das erste isländische Gericht tagte und an dem – weniger dramatisch aber umso beeindruckender – die eurasische und die amerikanische Kontinentalplatte aufeinanderstoßen. Von einer kleinen Anhöhe überblickte man das ganze Tal, in dem sich ein Fluss durchschlängelte und verzweigte. Ganz ruhig lag alles vor uns – wie wunderschön muss das erst im Sommer sein, wenn alles grün ist?img_2526

Danach ging es weiter zu den Geysiren. Der eigentliche Geysir bricht leider nur alle 2 Jahre aus, dafür ist aber sein kleiner Nachbar, der Strokkur, umso aktiver und spritzt alle paar Minuten eine Wasserfontäne in die Luft.

Teil 3 des „Golden Circle“ ist der Gullfoss – ein riesiger Wasserfall, der friedlich von Schnee und Eis bedeckt vor uns lag.img_2661

Weiter ging die Reise zu einer Islandpferde-Farm im Süden des Landes. Wir wurden mit den 5 Gangarten der Islandpferde – Schritt, Trab, Galopp, Pass und Tölt – bekannt gemacht und hatten ausgiebig Gelegenheit, zum Pferde streicheln. Ein Islandpferd, das einmal die Insel verlassen hat, darf nie wieder dort hin zurück, man will damit verhindern, dass Krankheiten eingeschleppt wird und sich das Erbgut des Islandpferdes mit anderen Rassen vermischt

Einer der Höhepunkte unserer Reise war die Fahrt zur Gletscherlagune Jökulsarlón. Wahnsinn, wie blau das Eis dort schimmerte, wirklich so wie die Bonbons, die wir aus unserer Kindheit kennen. Man konnte sich kaum satt sehen von dieser wunderschönen Landschaft! Im Sommer kann man mit einem Boot durch die Lagune fahren, dafür war jetzt natürlich viel zu viel Eis dort. Dafür war im Winter alles viel sauberer und reiner und nicht mit Vulkanasche bedeckt.img_3000

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Ist das nicht beeindruckend? Das Eis wird unter sehr hohem Druck durch die Gletschermassen zusammen gedrückt, daher ändert es seine Form und schimmert so schön blau! Gleich am Ende, dort wo die Gletscherlagune ins Meer mündete, fand sich ein wunderschöner, schwarzer Strand mit unzähligen Eisbergen. Die Sonne meinte es dort besonders gut, sodass diese hübschen Fotos entstehen konnten.

Unser nächster Stopp führte uns zum Unaussprechlichen! 2010 hat er den europäischen Flugverkehr lahmgelegt, jetzt lag er ganz ruhig und unauffällig vor uns: der Eyjafjallajökull. Alleine schon wegen des Namens hat er uns fasziniert – wir haben seeehr lange gebraucht, bis unsere Reiseleiterin mit unserer Aussprache einigermaßen zufrieden war. Der Bauer, dessen Hof damals verschüttet wurde, hat zur Erinnerung an den Ausbruch ein kleines Museum errichtet!img_2743

Vulkane spielen eine ganz, ganz große Rolle in Island. Als wir dort waren, ist gerade der Bárδabunga ausgebrochen – seine Feuerfontäne konnten wir vom Balkon unseres Hotels 170 km entfernt sehen! Überhaupt hat die Natur eine wahnsinnige Gewalt in Island. Durch die Instabilität der Kontinentalplatten gibt es laufend Erdbeben – 300 wurden während unserer Urlaubswoche gezählt, 30 davon über Stärke 3, also durchaus spürbar. Aber ehrlich gesagt, wir haben es nur gemerkt, wenn uns unsere Reiseführerin drauf aufmerksam gemacht hat, und die Isländer selbst waren diesbezüglich ohnehin völlig cool. Sie werden erst nervös, wenn es in 1 Woche über 2000 Beben gibt, denn dann steht möglicherweise ein Vulkanausbruch bevor.

Dass die Isländer durch die abgeschiedene Lage ihres Landes eine ganz eigene Kultur erhalten haben, konnten wir im Freilichtmuseum erfahren. img_2773

Zwischen alten Gebäuden und Gegenständen aus früheren Zeiten, tauchten auch immer wieder die Trolle auf. Gibt es sie nun wirklich oder sind sie nur Sagengestalten? 50 % der Isländer glauben angeblich daran und man nimmt sogar bei Bauarbeiten darauf Rücksicht, ihre kleinen Häuschen nicht zu zerstören. Ihren ganz großen Auftritt haben sie immer zu Weihnachten, wo die Trollfrau Grýlla mit ihren 13 Söhnen, den Weihnachtstrollen, zu den Menschen kommt.

Wie schnell sich das Wetter in Island ändert, davon konnten wir uns am Strand von Vík überzeugen, wo eben noch die Sonne auf die Basaltsäulen schien und im nächsten Moment eine Weltuntergangsstimmung aufzog, dass wir uns gar nicht mehr aus einer Höhle raus trauten. Wenn man von dort einen kleinen schwarzen Stein mitnimmt, bedeutet das, dass man irgendwann nach Island zurück kommt. Auch daran muss man glauben, aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert!IMG_2867.jpg

Der allabendliche Höhepunkt unserer Reise war die Jagd nach dem Nordlicht. Dieses besondere Naturphänomen entsteht, wenn Sonnenteilchen auf die äußerst Schicht der Erdatmosphäre treffen und dort verglühen. Sie werden vom Magnetfeld der Erde zu den Polen gezogen und sind daher hauptsächlich ganz im Norden (Aurora borealis) und im Süden (Aurora australis) zu sehen. Und sie sind wirklich, wirklich beeindruckend! Grüne Lichter (also meistens sind sie grün, es gibt angeblich auch weiße, rote und violette) tanzen über den Himmel oder ziehen in Bögen darüber. Wirklich ein Spektakel, das leider fototechnisch eine ziemliche Herausforderung darstellt!img_3227

 

Wir waren verwöhnt und durften sie während dieser Reise gleich mehrmals  sehen. Voraussetzung dafür ist natürlich ein klarer Himmel – und auch ein bisschen Geduld und Glück!

Egal, wohin man sieht, irgendeine Besonderheit findet sich auf Island fast immer. Seien es Vulkane, Wasserfälle, spannende Felsformationen im Meer oder die allgegenwärtigen Islandpferde – wir konnten uns oft wirklich kaum sattsehen.img_9269

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Zum Abschluss unserer tollen Island-Reise gab es noch ein bisschen Zeit für eine Stadtbesichtigung in Reykjavik und einen Besuch in der Blauen Lagune, einem riesigen Naturbad mit angeblich ganz blauem Thermalwasser. Also warm war es ja, aber der Eissturm, der uns bei unserem Besuch um die Ohren fegte, ließ uns die Farbe nicht wirklich erkennen. So müssen wir es glauben und darauf hoffen, dass uns der Stein aus Vík irgendwann nach Island zurück führt.

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