Veröffentlicht in Reise-Weise

ISLAND – zwischen Nordlichtern, Vulkanen und Geysiren

Das Licht der Herrlichkeit scheint in der Nacht – wer kann es sehen? Ein Herz, das Augen hat und wacht. – Angelus Silesius (1624-1677)

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Eine der beeindruckendsten Reisen überhaupt führte mich gemeinsam mit einer Kollegin nach Island – und das im Winter. Wir wurden belächelt und für verrückt erklärt, was uns aber nicht davon abgehalten hat, uns in dieses Abenteuer zu stürzen. Wir ließen uns dadurch nicht beirren und haben uns auf gemacht, dieses Land aus Eis, Gletschern, Geysiren und Vulkanen zu erkunden – und das alles mit dem Hauptziel, das Nordlicht zu sehen. Und es hat sich mehr als gelohnt!

Gleich mal vorne weg: Island ist elementar! Mach dich darauf gefasst und stell dich darauf ein. Bereise es nur mit jemandem, mit dem du diese beeindruckenden und tiefgreifenden Erlebnisse teilen möchtest. Mach dich darauf gefasst, dass du dort weniger Zivilisation findest, als erwartet (was in der Landkarte als Ort oder gar Stadt eingezeichnet war, entpuppte sich oftmals nur als ein paar Häuser mit einer Tankstelle) – aber du dafür Natur mit Haut und Haaren erlebst.

Wir wussten auch nicht genau, was uns in Island im Jänner erwarten würde und waren überrascht, dass es bei weitem heller war, als wir uns das vorgestellt hatten. Tageslicht gab es von 9 Uhr bis etwa 17 Uhr – gar nicht so schlecht, für ein Land sooo weit nördlich. Da uns von rasch ändernden Witterungseinflüssen und unberechenbaren Straßenverhältnissen berichtet wurde, haben wir eine organisierte Tour gebucht, die uns 1 Woche lang in den Westen und Süden der Insel führen sollte.

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In einer kleinen Gruppe haben wir uns daher mit einer deutschen Reiseleiterin und einem einheimischen Fahrer auf den Weg gemacht – und wir waren gut beraten. Im Sommer kann man Island bestimmt auf eigene Faust erkunden, im Winter wechselt das Wetter wirklich so schnell, dass es für Fremde völlig unberechenbar ist.

Unser erster Stopp ging zum Barnafoss – den „Kinderwasserfällen“. Diese waren zwar nicht so hoch, wie manch andere, aber nicht weniger beeindruckend, erstreckten sie sich doch über mehr als hundert Meter durch die Landschaft.

Tags darauf machten wir uns auf den Weg in den Süd-Westen – in ein kleines Fischerdorf namens Stykkishólmur. Idyllisch lagen die Fischerboote im Hafen, von wo aus wir gleich zu einer Rundfahrt starteten. Vorbei an Basaltformationen ging es aufs offene Meer hinaus, wo die Netze ausgeworfen wurden und wir gleich fangfrisch die Beute verkosten konnten!

Zugegeben, es war eine Überwindung, die Muscheln frisch aus der Schale zu essen – aber sie schmeckten herrlich! Und so ganz nebenbei wurden wir mit einer wunderbaren Aussicht und einem beeindruckenden Sonnenuntergang belohnt!img_2261

Am nächsten Tag stand der „Golden Circle“ auf dem Programm – ein absolutes Muss für alle Island-Besucher. Und das zu recht! Erster Halt war im UNESCO-Weltkulturerbe þingvellir, dem Ort, an dem das erste isländische Gericht tagte und an dem – weniger dramatisch aber umso beeindruckender – die eurasische und die amerikanische Kontinentalplatte aufeinanderstoßen. Von einer kleinen Anhöhe überblickte man das ganze Tal, in dem sich ein Fluss durchschlängelte und verzweigte. Ganz ruhig lag alles vor uns – wie wunderschön muss das erst im Sommer sein, wenn alles grün ist?img_2526

Danach ging es weiter zu den Geysiren. Der eigentliche Geysir bricht leider nur alle 2 Jahre aus, dafür ist aber sein kleiner Nachbar, der Strokkur, umso aktiver und spritzt alle paar Minuten eine Wasserfontäne in die Luft.

Teil 3 des „Golden Circle“ ist der Gullfoss – ein riesiger Wasserfall, der friedlich von Schnee und Eis bedeckt vor uns lag.img_2661

Weiter ging die Reise zu einer Islandpferde-Farm im Süden des Landes. Wir wurden mit den 5 Gangarten der Islandpferde – Schritt, Trab, Galopp, Pass und Tölt – bekannt gemacht und hatten ausgiebig Gelegenheit, zum Pferde streicheln. Ein Islandpferd, das einmal die Insel verlassen hat, darf nie wieder dort hin zurück, man will damit verhindern, dass Krankheiten eingeschleppt wird und sich das Erbgut des Islandpferdes mit anderen Rassen vermischt

Einer der Höhepunkte unserer Reise war die Fahrt zur Gletscherlagune Jökulsarlón. Wahnsinn, wie blau das Eis dort schimmerte, wirklich so wie die Bonbons, die wir aus unserer Kindheit kennen. Man konnte sich kaum satt sehen von dieser wunderschönen Landschaft! Im Sommer kann man mit einem Boot durch die Lagune fahren, dafür war jetzt natürlich viel zu viel Eis dort. Dafür war im Winter alles viel sauberer und reiner und nicht mit Vulkanasche bedeckt.img_3000

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Ist das nicht beeindruckend? Das Eis wird unter sehr hohem Druck durch die Gletschermassen zusammen gedrückt, daher ändert es seine Form und schimmert so schön blau! Gleich am Ende, dort wo die Gletscherlagune ins Meer mündete, fand sich ein wunderschöner, schwarzer Strand mit unzähligen Eisbergen. Die Sonne meinte es dort besonders gut, sodass diese hübschen Fotos entstehen konnten.

Unser nächster Stopp führte uns zum Unaussprechlichen! 2010 hat er den europäischen Flugverkehr lahmgelegt, jetzt lag er ganz ruhig und unauffällig vor uns: der Eyjafjallajökull. Alleine schon wegen des Namens hat er uns fasziniert – wir haben seeehr lange gebraucht, bis unsere Reiseleiterin mit unserer Aussprache einigermaßen zufrieden war. Der Bauer, dessen Hof damals verschüttet wurde, hat zur Erinnerung an den Ausbruch ein kleines Museum errichtet!img_2743

Vulkane spielen eine ganz, ganz große Rolle in Island. Als wir dort waren, ist gerade der Bárδabunga ausgebrochen – seine Feuerfontäne konnten wir vom Balkon unseres Hotels 170 km entfernt sehen! Überhaupt hat die Natur eine wahnsinnige Gewalt in Island. Durch die Instabilität der Kontinentalplatten gibt es laufend Erdbeben – 300 wurden während unserer Urlaubswoche gezählt, 30 davon über Stärke 3, also durchaus spürbar. Aber ehrlich gesagt, wir haben es nur gemerkt, wenn uns unsere Reiseführerin drauf aufmerksam gemacht hat, und die Isländer selbst waren diesbezüglich ohnehin völlig cool. Sie werden erst nervös, wenn es in 1 Woche über 2000 Beben gibt, denn dann steht möglicherweise ein Vulkanausbruch bevor.

Dass die Isländer durch die abgeschiedene Lage ihres Landes eine ganz eigene Kultur erhalten haben, konnten wir im Freilichtmuseum erfahren. img_2773

Zwischen alten Gebäuden und Gegenständen aus früheren Zeiten, tauchten auch immer wieder die Trolle auf. Gibt es sie nun wirklich oder sind sie nur Sagengestalten? 50 % der Isländer glauben angeblich daran und man nimmt sogar bei Bauarbeiten darauf Rücksicht, ihre kleinen Häuschen nicht zu zerstören. Ihren ganz großen Auftritt haben sie immer zu Weihnachten, wo die Trollfrau Grýlla mit ihren 13 Söhnen, den Weihnachtstrollen, zu den Menschen kommt.

Wie schnell sich das Wetter in Island ändert, davon konnten wir uns am Strand von Vík überzeugen, wo eben noch die Sonne auf die Basaltsäulen schien und im nächsten Moment eine Weltuntergangsstimmung aufzog, dass wir uns gar nicht mehr aus einer Höhle raus trauten. Wenn man von dort einen kleinen schwarzen Stein mitnimmt, bedeutet das, dass man irgendwann nach Island zurück kommt. Auch daran muss man glauben, aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert!IMG_2867.jpg

Der allabendliche Höhepunkt unserer Reise war die Jagd nach dem Nordlicht. Dieses besondere Naturphänomen entsteht, wenn Sonnenteilchen auf die äußerst Schicht der Erdatmosphäre treffen und dort verglühen. Sie werden vom Magnetfeld der Erde zu den Polen gezogen und sind daher hauptsächlich ganz im Norden (Aurora borealis) und im Süden (Aurora australis) zu sehen. Und sie sind wirklich, wirklich beeindruckend! Grüne Lichter (also meistens sind sie grün, es gibt angeblich auch weiße, rote und violette) tanzen über den Himmel oder ziehen in Bögen darüber. Wirklich ein Spektakel, das leider fototechnisch eine ziemliche Herausforderung darstellt!img_3227

 

Wir waren verwöhnt und durften sie während dieser Reise gleich mehrmals  sehen. Voraussetzung dafür ist natürlich ein klarer Himmel – und auch ein bisschen Geduld und Glück!

Egal, wohin man sieht, irgendeine Besonderheit findet sich auf Island fast immer. Seien es Vulkane, Wasserfälle, spannende Felsformationen im Meer oder die allgegenwärtigen Islandpferde – wir konnten uns oft wirklich kaum sattsehen.img_9269

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Zum Abschluss unserer tollen Island-Reise gab es noch ein bisschen Zeit für eine Stadtbesichtigung in Reykjavik und einen Besuch in der Blauen Lagune, einem riesigen Naturbad mit angeblich ganz blauem Thermalwasser. Also warm war es ja, aber der Eissturm, der uns bei unserem Besuch um die Ohren fegte, ließ uns die Farbe nicht wirklich erkennen. So müssen wir es glauben und darauf hoffen, dass uns der Stein aus Vík irgendwann nach Island zurück führt.

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7 Kommentare zu „ISLAND – zwischen Nordlichtern, Vulkanen und Geysiren

    1. Oh, vielen Dank!!! Ich bin leider nicht ganz zufrieden, wenn man’s vergrößert, ist es ein bisschen unscharf. Und dabei hätte ich sooooo gerne ein Nordlicht-Bild an der Wand. „Muss“ wohl nochmal hinfahren…

      Lg Christina

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      1. Gerne! 🙂 Finde das nicht so schlimm, es ist ein schönes Motiv. Für die Wand reicht es vielleicht nicht, aber nochmal nach Island (oder sonst in den Norden) reisen ist ja auch nichts schlimmes 😛
        Viel Erfolg auf jeden Fall bei der kommenden „Nordlichtjagd“!

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    1. Ja, Island war wirklich wow! Ich will auch unbedingt bald mal zurück – diesmal im Sommer, auch wenn das Nordlichermäßig nichts bringen wird. Aber bestimmt wird’s trotzdem wieder WOW!!
      Liebe Grüße, Christina

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  1. Liebe Christina!
    Ein sehr schöner Bericht!! Island ist im Winter besonders zauberhaft, vor allem die Nordlichter haben uns auch sehr begeistert. Das mit den „Orten“ die dann nicht wirklich welche sind kennen wir auch 😊
    Liebe Grüße
    Ines

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank, liebe Ines! Ja, die Nordlichter sind wirklich bezaubernd und ich bin grad soooo verleitet, heuer im Winter wieder nach Island zu fliegen. Vielleicht gibt’s dann ja bald noch mehr Nordlicht-Fotos…
      Liebe Grüße,
      Christina

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