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ASERBAIDSCHAN – Öl, Schlammvulkane und Brennende Felsen

Feuer und Wasser sind zwei gute Diener, aber schlimme Herrn. Deutsches Sprichwort

Wie um alles auf der Welt kommt man auf die Idee nach Aserbai… Aserbai… was?? Aserbaidschan zu fahren??? Und was macht man dort??? Oft wurden wir das gefragt, und ganz ehrlich, bevor wir wirklich dort waren, haben wir uns das im Laufe unserer Reisevorbereitungen auch gefragt… Der Europäische Songcontest, der 2012 in Baku stattfand, und die im Rahmen dessen ausgestrahlten Berichte über diese Stadt, haben  meine liebe Ex-Schwägerin Karin und mich auf die Idee gebracht, dass wir dort doch unbedingt mal hin wollten. So weit, so gut… Ein bisschen blauäugig waren wir, als wir dachten, wir würden einfach ein Visum beantragen und dann halt „mal schnell“ für ein paar Tage hinfahren. Die Visumsache war ganz schön kompliziert, viel komplizierter, als alle anderen Visa, die wir je beantragt haben, und wir waren schon dabei, uns einen Plan B zu überlegen, als man uns am Freitag um 11.55 Uhr (die Bürozeiten enden um 12 Uhr, unser Flug ging Samstag Früh… aber das ist eine andere Geschichte…) dann doch noch auf der aserbaidschanischen Botschaft in Wien unsere Reisepässe MIT Visum in die Hand drückte.

Genau haben wir nicht gewusst, was uns dort erwartet, Reiseführer über Aserbaidschan gab es noch wenige, und die, die es gab, waren nicht sehr aufschlussreich. Also ließen wir es mal auf uns zukommen und staunten nicht schlecht, als wir mitten in der Nacht ankamen und uns die Stadt schon im Landeanflug mit einem Lichtermeer begrüßte und sowohl der Flughafen als auch die Autobahn nach Baku einen hochmodernen Eindruck auf uns machten.

Am nächsten Morgen sollten wir noch mehr Überraschungen erleben. Wir wussten, dass sich in Baku Bauwerke vieler Epochen trafen – aber in diesem Ausmaß hatten wir das nicht erwartet. Zum einen war da eine wunderschön restaurierte Altstadt mit dem Palast der Schirwanschahs aus dem 15. Jahrhundert, der unglaublich gut erhalten war und uns mit seinen vielen Höfen beeindruckte.img_7505

Dann gab es den Jungfrauentum, der uns ehrlich gesagt, anfangs ein bisschen Angst einflößte, da wir nicht genau wussten, was es damit auf sich hatte. Angeblich war dort einmal die Tochter des Khan von Baku eingesperrt und stürzte sich von dort aus in den Tod. Ein bisschen gruselig, aber der Ausblick ist herrlich und heute gilt der Turm als Wahrzeichen von Baku.

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Jungfrauenturm

Es fanden sich viele Moscheen – Aserbaidschan ist ein zu 98 % muslimisches, jedoch sehr liberales Land, und bei Spaziergängen durch die kleinen Gässchen der Altstadt entlang der Stadtmauer ließ sich fast um jede Ecke etwas Neues entdecken.

Auf der anderen Seite lernten wir ein sehr modernes Baku kennen. Über der Stadt thronen die 3 Feuertürme, die schon von weitem sichtbar waren.

img_7459Das Teppichmuseum in Form einer Teppichrolle ist wirklich sehenswert und etwas außerhalb des Stadtzentrums fand sich das Museum der modernen Kunst – die Hasen im Park davor erinnerten uns an zu Hause, an den Dürer-Hasen vor der Albertina in Wien.

Für den Songcontest hat man 2012 eine riesige Halle gebaut, für die extra eine Halbinsel aufgeschüttet wurde. Ein etwas eigenartiges Gebilde, aber in der Nacht sehr hübsch beleuchtet.img_7607

Man hat sich wirklich bemüht, den Teil der Stadt, den Touristen zu sehen bekommen, hübsch zu gestalten. Ein riesiger Park entlang der Esplanade wird mit viel Aufwand gepflegt, es wurden Kanäle angelegt, durch die man mit dem Boot fahren kann und auch einkaufstechnisch – Karin brauchte unbedingt Sandalen mit glitzernden Bommeln drauf – findet man in Baku alles, was das Herz der verwöhnten Shoppingqueen begehrt.

Unzählige Lokale bieten sowohl traditionelles aserbaidschanisches Essen, welches ziemlich an die türkische Küche erinnert, als auch internationale Speisen, an. Besonders angetan waren wir von der Karavansarai einem ganz urigen Restaurant nahe des Jungfrauenturms und dem Green Garden, das sich direkt im Hof in einer Ruine befindet. Ganz traditionell sitzt man dort am Boden auf vielen Pölstern, umgeben voll allerlei Ausgrabungsstücken, Vasen und Ähnlichem (oder zumindest, was einem als solche „verkauft“ werden) und kann nach einem gelungen Abendessen auch gemütlich Shisha rauchen…img_7619

Unser Hotel Riviera lag gleich am Meer auf einer kleinen Anhöhe und bot einen herrlichen Ausblick auf die Bucht von Baku und die Frühstücksidylle war nur von einem anfangs ziemlich penetranten Ölgeruch getrübt. Im Laufe des Urlaubs gewöhnten wir uns daran – nicht aber an den Anblick des schwimmenden Ölfilms im Kaspischen Meer. Das Baden im Meer ist dort verboten – man hätte ehrlich gesagt unter diesen Umständen aber auch gar keine rechte Lust dazu. Im Norden der Halbinsel von Baku gibt es einige Ferienorte, wo auch schon zahlreiche Hotels und Clubanlagen gebaut wurden, generell hatten wir aber den Eindruck, dass der Tourismus in Aserbaidschan noch ziemlich in den Kinderschuhen steckt.

Irgendwie müssen wir aber fast auch ein bisschen dankbar sein für all den Öl- und Gasgeruch dort. Immerhin gibt es eine direkte Pipeline von Aserbaidschan nach Österreich und ein Teil unseres Erdöl- und Gasbedarfs können wir so decken.

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Da wir gerne etwas von Land und Leuten sehen wollten, haben wir uns für 1 Tag ein Taxi gemietet, das mit uns aufs Land raus gefahren ist. Ich muss ehrlich sagen, der Taxifahrer hat mit uns wahrscheinlich das Geschäft seines Lebens gemacht, billig war das Ganze nicht (wobei Aserbaidschan generell teurer war, als wir erwartet hatten – Restaurants kosten ungefähr gleich viel wie bei uns und auch sonst war das Preisniveau durchaus mit westlichem Standard vergleichbar) – aber durchaus jeden Manat wert!

Aserbaidschan soll landschaftlich wunderschön sein, wenn man Richtung Kaukasus fährt. In der Umgebung um Baku ist es eher flach, karg und trocken und außer Bohrtürmen am Land und im Wasser ist streckenweise nicht viel zu sehen. Dennoch sollte sich unser Tagesausflug mehr als lohnen…

Unser erster Stopp auf der Erkundungstour war im Qobustan-Nationalpark, wo wir unzählige steinzeitliche Felsmalereien bewundern konnten. Menschen, Stiere, Pferde, mal im Kampf mal in Alltagsposen – zugegeben, manchmal brauchte man etwas Fantasie, um alles zu erkennen. Aber spannend war das allemal, vor allem wenn man bedenkt, dass die Zeichnungen bis zu 40.000 Jahre alt sind. Völlig zurecht wurde dieser Nationalpark zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt!

Danach ging es weiter zu etwas, von dem ich zuvor nicht mal wusste, dass es das gibt. Schlammvulkane! In einer Landschaft, in der wir uns eher wie auf dem Mond als auf der Erde fühlten, brodelte und fauchte es überall und manchmal spritzte kalter Schlamm richtig aus den Vulkanen heraus! Es heißt, dass man wunderhübsch wird, wenn man sich diesen Schlamm ins Gesicht schmiert… Nun ja, gaaaanz so schön wollten wir dann ja gar nicht werden… Unfassbar eigentlich, dass außer uns überhaupt niemand dort war – auch fast wie am Mond…

Aserbaidschan wird auch das „Land des Feuers“ genannt. Wir haben nun auch gesehen, warum! Es gibt dort brennende Felsen!! Das Erdgas, das es in diesem Land überall gibt, kommt durch Spalten im Boden nach oben. Irgendwann hat es zu brennen begonnen und seitdem lodert an manchen Stellen das Feuer. Ganz schön faszinierend!img_7876

Wir waren beeindruckt von Aserbaidschan, teilweise überrascht, manchmal aber auch schockiert. Abseits der für Fremde vorgesehenen Pfade herrscht sehr wohl eine große Armut. Da werden Lebensmittel und Tiere am Straßenrand verkauft, Stromkabel hängen einfach an den Häusern herunter, und als wir einen Aussichtsturm bestiegen sind, haben wir zum Glück erst beim Runtergehen bemerkt, dass die Zwischendecken zur Hälfte durchgebrochen waren.

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Was uns am allermeisten beeindruckt hat, war jedoch die Freundlichkeit der Menschen dort. Obwohl wir als europäische und blond(gefärbte) Frauen alleine unterwegs waren, haben wir uns nie unwohl gefühlt, im Gegenteil, jeder war sehr hilfsbereit und freundlich. Schade, dass wir nur 4 Tage Zeit hatten für dieses Land. Irgendwann wollen wir vielleicht zurück kommen und in die Berge dort fahren und bestimmt gibt es dann auch sonst schon wieder eine Menge Neues zu entdecken – bevor die großen Touristenmassen kommen und alles für sich einnehmen.

 

Ein Kommentar zu „ASERBAIDSCHAN – Öl, Schlammvulkane und Brennende Felsen

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