Veröffentlicht in Stadt-Reise

LJUBLJANA – auf Drachenjagd in Sloweniens Hauptstadt

Unsere größten Ängste sind die Drachen, die unsere tiefsten Schätze bewahren. Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Über Fronleichnam wollten die Halbstarken und ich heuer ans Meer. Nachdem wir die letzten Jahre oft in Italien waren, sollte diesmal Slowenien unser Ziel sein. Da ich den Kindern auch immer etwas von der Welt zeigen will und nicht nur tagelang am Strand in der Sonne braten möchte, haben wir einen Zwischenstop in Ljubljana eingeplant. Wir waren alle ein bisschen skeptisch, als wir uns auf den Weg in diese beinahe unaussprechliche Stadt machten, doch Laibach, wie Sloweniens Hauptstadt auf Deutsch genannt wird, hat uns sofort in ihren Bann gezogen. Und als wir uns auf  die Jagd nach den unzähligen Drachen machten, die dort versteckt sind, waren auch die Halbstarken restlos begeistert.IMG_0427

Erst 1991 aus den Fängen des Kommunismus des ehemaligen Jugoslawiens entkommen, hat sich Ljubljana zu einer wunderschönen Stadt voll Flair und Gemütlichkeit gemausert. Letztes Jahr wurde es sogar zur „Grünsten Stadt Europas“ gekürt, und das zu Recht. Unzählige Parks finden sich überall in der Stadt und die Ljubljanica schlängelt sich umgeben von viel Grün durch das Zentrum, bevor sie wieder einen Teil unterirdisch weiter fließt. Gerade mal 280.000 Einwohner hat die Stadt – 60.000 davon sind Studenten. Und das macht sich bemerkbar! Ljubljana ist jung und dynamisch, es finden sich unzählige Bars, Cafés und Restaurants, die zum Verweilen einladen, Straßenkünstler finden sich überall in der Altstadt verteilt und im Sommer gibt es unzählige Freiluftveranstaltungen, Konzerte, Open-Air-Kinos und Gastgärten, in denen man es sich gemütlich machen kann.IMG_3082

Das Zentrum Ljubljanas ist überschaubar und die meisten Aktivitäten bzw. Sehenswürdigkeiten spielen sich um den Prešeren-Platz ab. Habt ihr schon mal eine Stadt gesehen, die ihr eigenes Wetter macht?? Laibach kann das – und ein bisschen Nieselregen war bei der momentanen Hitze sogar willkommen!IMG_0337

Einer der ganz großen Helden Sloweniens ist der Architekt Joše Plecnik, dessen Denkmal sich auf diesem Platz findet. Was Gaudí für Barcelona war, war Plecnik für Laibach – er hat das Stadtbild geprägt und überall seine Spuren hinterlassen. Plecnik wollte aus Ljubljana zu Zeiten, als dieses noch eine kleine unbedeutende Stadt in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie war, ein ganzheitliches Meisterwerk nach Athener Vorbild machen – um es auf seine Zeit als Hauptstadt vorzubereiten. Und man muss zugeben, das ist ihm wunderbar gelungen. Den Marktplatz, etliche Brücken, die Nationalbibliothek und viele, viele andere Gebäude hat er in seinem ganz eigenen Stil entworfen.IMG_0496

Diese zieren ebenso wie viele Jugendstilbauten (ebenfalls aus Monarchiezeiten) die Altstadt Ljubljanas – irgendwie fühlt man sich aus Wien kommend hier sofort heimisch…

An unserem ersten Abend haben wir uns mit meiner Brieffreundin Martina und ihrer Familie getroffen und somit quasi eine Privatführung durch die Stadt erhalten. Erst machten wir uns auf zu einem kleinen Stadtbummel, um einen Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Laibachs zu bekommen, dann stand ein bisschen Sport am Programm. Hoch über Ljubljana thront die alte Burg, die uns einen wunderschönen Ausblick bis weit über die Stadtgrenzen hinaus bot. Der Aufstieg dauert nicht länger als eine Viertelstunde und lohnt sich allemal, wer nicht laufen möchte, kann für 4 € hin und retour auch bequem mit der Standseilbahn hinauf fahren. Schade, dass der Aussichtsturm schon um 9 Uhr schließt, der Ausblick von ganz oben hätte uns bestimmt auch gefallen. Aber auch so war die Aussicht beeindruckend!

Am nächsten Tag gab es erst mal ein reichhaltiges Frühstück im Café Cacao, direkt im Zentrum und sehr idyllisch an der Ljubljanica gelegen. Anschließend wollten wir einen Rundgang durch die Stadt machen um auch ein bisschen etwas über die Geschichte zu erfahren. In unserer Unterkunft, den Viva Rooms (wahnsinnig praktisch quasi ums Eck beim Prešeren Platz gelegen, einfach, aber sauber und gepflegt) hat man uns die Freetour empfohlen. Erst hat uns die Menschenmasse, die sich für die Tour einfand, etwas abgeschreckt, aber aufgeteilt in kleine Gruppen machten wir uns schließlich mit unserem Guide Jack auf den Weg. Lustig und mit großer Begeisterung hat er uns seine Stadt gezeigt – eine kleine Verkostung von eingelegtem Gemüse auf dem Markt und Brombeerschnaps in der Altstadt inklusive.IMG_0447IMG_0450

So erfuhren meine kleinen Drachenjäger endlich auch, was es mit dem Fabeltier in Ljubljana so auf sich hatte und als wir die Geschichte von Jason und den Argonauten hörten, waren wir alle restlos begeistert. Der Beschützer der Stadt findet sich wirklich überall: an Wasserspeiern, in Auslagen, im Stadtwappen und – wohl am bekanntesten – gleich in mehrfacher Ausführung auf der Drachenbrücke. Es heißt, wer sich nicht mit einem Drachen fotografieren ließ, sei nicht in Ljubljana gewesen. Wir waren selbstverständlich und nachweislich dort – seht selbst…

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Die Drachenbrücke ist aber nicht die einzige Möglichkeit, die Ljubljanica zu überqueren. Direkt vom Prešeren Platz führen – etwas skurril – gleich drei Brücken, die sogenannte Tromostovje über den Fluss und wie in fast jeder Stadt, die etwas auf sich hält, gibt es auch hier eine Brücke, an der Pärchen vor den Statuen von Adam und Eva, dem Satyr, Prometheus oder etlichen anderen Skulpturen ihre ewige Liebe in Form eines Vorhängeschlosses besiegeln können: die Mesarski Most – in Anlehnung an die vielen Metzgerläden, die sich gleich anschließend in den Marktarkaden finden, auch Butcher’s Bridge genannt.IMG_0422IMG_0424

Den Abschluss fand unsere 2stündige Tour auf dem sogenannten Kongressplatz vor der Ursulinenkirche, wo in den Sommermonaten allabendlich verschiedenste Konzerte stattfinden.IMG_0467

Für uns traf sich das wunderbar, wollten wir als nächstes doch das Museum of Illusions besuchen. Klein aber fein entführte uns dieses in eine Welt der Trugbilder und Illusionen und versetzte uns in seiner Einzigartigkeit wirklich ins Staunen.

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Danach stand noch ein bisschen moderne Kunst auf dem Programm. Im Stadtteil Metelkova laden etliche Galerien und Museen zum Besuch ein. Alleine schon der Fussmarsch – Metelkova ist problemlos in etwa 15 min von der Altstadt aus zu erreichen – ist ein Erlebnis. Die bunten Fassaden der Häuser, Graffitis und Mosaike faszinieren jung (in unserem Fall die Halbstarken) und alt…

Vieles gäbe es in Laibach noch zu entdecken – so haben wir zum Beispiel den Tivolipark, Ljubljanas größten und angeblich schönsten Park irgendwie ganz links liegen gelassen. Wahrscheinlich war aber die Vorfreude auf das Meer dann doch schon zu groß, so dass wir uns am späten Nachmittag auf den Weg zur slowenischen Adriaküste machen. Und da wir noch lange nicht alles gesehen haben, das Ljubljana zu bieten hat, gibt es wenigstens Gründe, um bald einmal wieder in diese bezaubernde Stadt zurück zu kehren.IMG_0489

Mein Ljubljana-Tipp: unbedingt etwas mehr Zeit in dieser schönen Stadt einplanen, 2 Tage sind eindeutig zu kurz. Durch seine zentrale Lage in Slowenien sind auch viele andere Attraktionen, wie zB die Postojna Höhlen, Bled mit seinem wunderschönen See oder die malerischen Küstenstädte Piran, Izola und Portoroz jeweils in nur etwa 1 Autostunde zu erreichen.

Was dich sonst noch interessieren könnte:

Ebenfalls wunderschöne Jugendstilgebäude findest du in Lettlands Hauptstadt RIGA

 

4 Kommentare zu „LJUBLJANA – auf Drachenjagd in Sloweniens Hauptstadt

  1. Hallo Christina,
    super toller Artikel! Und da es für mich Anfang August nach Slowenien – und natürlich auch nach Ljubljana – geht, sind deine Tipps bei mir genau richtig 🙂 Werde davon gleich mal ein paar notieren!
    Liebe Grüße
    Ria

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