RIGA – ganz viel Jugend & Stil

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Die Erfahrung, daß wir eines reinen Enthusiasmus fähig sind: dies ist der eigentlichste Gewinn der Reisen. Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Bereits zwei Mal hat es mich in die lettische Hauptstadt verschlagen – einmal 2014  mit meiner lieben Freundin Sybille, als Riga europäische Kulturhauptstadt war und einmal im Jahr darauf mit den 3 Halbstarken als Zwischenstopp auf dem Weg von Estland auf die Kurische Nehrung. Und so unterschiedlich diese beiden Reisen auch waren, so hatten sie doch eines gemeinsam: Riga hat mich jedes Mal wieder in seinen Bann gezogen!IMG_5166

Riga, 1997 zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt, ist mit etwa 700.000 Einwohnern die größte Stadt des Baltikums. Nur wenige Kilometer von der Baltischen See entfernt, spielt sich das pulsierende Leben der Stadt hauptsächlich zwischen der Daugava und den zufließenden Kanälen ab, die auch gleich die Altstadt einschließen. Unzählige Anbieter offerieren Rundfahrten auf diesen Gewässern, welche sich herrlich für die erste Erkundung der Stadt eignen. Ich finde ja immer, dass man eine Stadt zumindest einmal vom Wasser aus und einmal von oben gesehen haben sollte – der Blickwinkel ändert sich enorm und man entdeckt vieles, das einem sonst verborgen geblieben wäre.

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Abgesehen von einer Bootsfahrt (Kopf einziehen, die Kanäle führen teilweise durch Tunnel und es kann ganz schön eng werden!) ist Riga sehr gut zu Fuß zu erkunden, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegen sehr nahe beisammen. Die Hauptattraktion, das Schwarzhäupterhaus kann man nicht verpassen. Das Original wurde zwar längst zerstört, der Wiederaufbau ist jedoch wunderbar gelungen. Am schönsten finde ich es übrigens in der Abendsonne, wenn die Fassade so richtig schön beleuchtet wird.

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Wir hatten natürlich gehört, dass Riga vom Jugendstil geprägt ist. Da ja auch Wien einiges aus dieser Epoche zu bieten hat, dachten wir ungefähr zu wissen, was uns dort erwarten würde. Aber: wir waren überrascht! An jeder Ecke begegnen einem im Zentrum Rigas wunderschöne, großteils auch schon sehr hübsch renovierte Jugendstilgebäude, die Dichte ist fast schon überwältigend und während man anfangs noch bei jedem Haus mit offenem Mund stehen bleibt und staunt, werden diese bald fast ein bisschen zur Normalität. Dennoch sollte man, wenn man ein bisschen Zeit hat, es sich nicht nehmen lassen, zumindest ein Mal durch die Alberta Iela zu spazieren. Dort reiht sich ein Jugendstilbau an den anderen, und den krönenden Abschluss bildet das Jugendstilmuseum, in dem man das zugehörige Interieur besichtigen kann.

Es macht unglaubliche Freude, einfach durch die Gassen der Altstadt zu spazieren und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Da Riga klein und übersichtlich ist, kommt man so fast automatisch an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei.

Riga bietet aber auch unzählige Lokale – im Sommer oft mit Gastgarten oder zumindest ein paar Tischen am Gehsteig – von denen aus man das herrliche Treiben der Stadt beobachten kann. Als Spezialität findet sich übrigens eine kalte Rote Beete Suppe mit Dill und gekochtem Ei – etwas speziell, aber so typisch, dass man sie sich nicht entgehen lassen sollte.

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Abgesehen von den architektonischen Prunkbauten des Jugendstils ist Riga auch noch von einem gewissen postkommunistischen Charme geprägt. Wie in fast jeder größeren Stadt des ehemaligen Ostblocks findet sich auch dort der obligatorische häßliche Fernsehturm (ein bisschen außerhalb, wem der Weg nicht zu weit ist, der kann jedoch von der Aussichtsplattform aus über 100 m Höhe einen wunderschönen Ausblick über die Stadt bis zur Ostseeküste genießen) sowie eine Brücke, die auch nicht gerade eine Zierde darstellt, auf ihre eigene Art jedoch fast schon zum Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Und dann ist da noch die am linken Ufer der Daugava, die – unmöglich zu übersehen – das Stadtbild prägt.

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In den Außenbezirken reihen sich Plattenbauten aneinander, die ein Übriges dazu beitragen, an die Zeit bis 1989 zu erinnern. Interessant ist auch ein Besuch des Okkupationsmuseums gleich neben den Schwarzhäupterhäusern, das einen schönen Überblick über die Geschichte Lettlands bietet. Auch das Freiheitsdenkmal zeugt von vergangenen Zeiten und hat hohen Symbolcharakter für die Entwicklung der Stadt.

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Genau wie in Kotor in Montenegro begegnet einem auch in Riga eines auf Schritt und Tritt: die berühmte Katze von Riga. Ein Handwerker wollte um die Wende des 19/20. Jahrhunderts in die damalige Handwerkergilde aufgenommen werden, was ihm aber verwehrt wurde. Aus Ärger hat er daher auf seinem Haus am Lica-Platz eine Bronzefigur einer Katze anbringen lassen, die der Stadt den Rücken und den Schwanz zuwandte, was zu großen Unstimmigkeiten führte.

IMG_6790 Die Katze als Symbol ist der Stadt geblieben und man begegnet ihr weiters sowohl in Form der allgegenwärtigen herumstreunenden „echten“ Katzen als auch bei der Skulptur der Stadtmusikanten hinter der Petri-Kirche. Diese ist übrigens ein Geschenk der Stadt Bremen an Riga – als Zeichen der Verbundenheit, quasi von Hansestadt zu Hansestadt.

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Ein ganz eigenes Flair bietet auch ein Besuch der Alten Markthalle. Während drinnen Lebensmittel aller Art (es gibt auch eine eigene Fisch-Halle!) angeboten wird, findet man auf dem Platz hinter der Markthalle vormittags ebenfalls einen Markt, bei dem man von Hausrat über Blumen (bei unserem ersten Besuch war Pfingstrosen-Zeit – herrlich, dieser Duft) bis zu Kleidung alles erstehen kann. In den umliegenden alten Speichergebäuden sind in letzter Zeit viele Lokale unter gekommen und es hat sich eine sehr belebte Ausgeh-Szene entwickelt.

Wenn man ein bisschen mehr Zeit in Riga verbringen kann, lohnt sich auch ein Ausflug ins nahe gelegene Jurmala. Mit der Bahn in einer halben Stunde zu erreichen, findet man dort einen endlosen Strand an der Baltischen See vor. Im Sommer lässt die Wassertemperatur durchaus ein Bad im Meer zu, außerhalb der Saison bieten sich lange Strandspaziergänge – mit etwas Glück findet man vielleicht sogar ein Stückchen Bernstein – oder ein Bummel durch das Zentrum der kleinen, von Holzhäuschen geprägten Stadt an. Auch für einen Besuch mit Kindern stellt das eine willkommene Abwechslung dar, wenn diese von der Stadtbesichtigung schon etwas müde geworden sind.

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Apropos Kinder: Riga bietet unzählige Parks, in denen sich die Kleinen herrlich austoben können. Es gibt einen Zoo und für die historisch interessierten Kids findet sich im Pulverturm ein Kriegsmuseum, das recht interessant aufbereitet ist. Kinder sind übrigens auch immer wieder fasziniert von der Tatsache, dass der Weihnachtsbaum aus Lettland kommt – kleines Detail am Rande…

Ein schöner Tagesausflug führt auch in den Gauja Nationalpark, etwa 1 1/2 von Riga entfernt und gut mit dem Bus zu erreichen. Ein hübsches Barockschloss und die Burg Turaida warten dort auf die Besucher und unberührte Landschaft lädt zum Wandern ein. Im kleinen Städtchen Sigulda führt eine Seilbahn von einer Seite des Tales auf die andere und bietet während der kurzen Fahrt einen wunderschönen Ausblick über den Nationalpark.

Riga bietet also für jeden Geschmack etwas und eignet sich durch seine Lage am Wasser besonders in der warmen Jahreszeit wunderbar für einen Städtetrip. Durch seine Vielseitigkeit kann es mit den ganz „Großen“ durchaus mithalten. Wer also Paris, Rom & Co schon gut kennt, wird bestimmt auch in Riga seine Freude haben!

Mein Riga-Tipp: Ein Halbtagesausflug nach Jurmala bietet perfekte Urlaubsatmosphäre. Am Strand findet man einige ganz nette Restaurants, die herrliche Ausblicke aufs Meer bieten. Im Beach haben wir Leckeres vom Grill gegessen und windgeschützt durch Glaswände die Seele baumeln lassen.

Was dich im Baltikum noch interessieren könnte:

  • ein paar Tage Sonne, Sand, Meer und Dünen auf der Kurischen Nehrung. Die zwischen Litauen und Russland aufgeteilte Halbinsel ist von Riga aus mit dem Auto in 3 1/2 Stunden plus einer kurzen Fahrt mit der Fähre gut zu erreichen.

 

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