Veröffentlicht in Reise-Weise

KURISCHE NEHRUNG – Sand & Dünen wohin das Auge reicht

Das Leben ist zu kurz für irgendwann. Unbekannt

Zugegeben, ums Eck ist sie ja nicht gerade, die Kurische Nehrung, jene fast 100 km lange  Halbinsel, die sich Litauen mit Russland teilt. Aber sooo schön soll sie sein – sagen alle, die schon dort waren. Viele sind das nicht, denn das Naturschutzgebiet in der Baltischen See gilt immer noch als Geheimtipp – das wusste sogar Thomas Mann, der lange Zeit auf der Kurischen Nehrung verbracht und einige seiner Werke dort verfasst hat.

Im Rahmen einer Baltikumreise bot sich nun auch für die 3 Halbstarken und mich die Gelegenheit, uns diesen Traum zu erfüllen und einen Eindruck von diesem Paradies zu bekommen. Natürlich reicht diese Zeit nicht aus um die ganze Halbinsel kennenzulernen, aber sie reicht, um völlig beeindruckt zu sein und zu wissen, dass man dort UNBEDINGT noch einmal hin muss.img_0321

Die Anreise ist – vorausgesetzt, dass man schon mal in Litauen ist – einfach. Mit der Fähre kann man in wenigen Minuten von Klaipeda übersetzen, und dann geht es eigentlich nur mehr gerade aus, denn von Norden nach Süden wird die Kurische Nehrung eigentlich nur von einer einzigen Straße durchzogen. Die Halbinsel ist lang (fast 100 km) und schmal (maximal 3,8 km breit) und sie grenzt Richtung Festland das Kurische Haff von der Ostsee ab. Die Hälfte ist litauisches Staatsgebiet, die zweite Hälfte gehört zu Kaliningrad, also Russland. Und die Grenze dazwischen die gibt es – und sie wird streng bewacht. Will man auch den russischen Teil kennenlernen, muss man über die Botschaft ein Visum beantragen, sonst geht leider gar nichts. Wir haben blauäugig gedacht, dass das ja wohl nicht so streng gehandhabt werden würde – das war aber ein Irrtum. Kein Visum, kein Grenzübertritt, so einfach war das.

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Blick von der Düne Parnidden – hinter uns liegt Russland

Aber der litauische Teil alleine bot genug Sehenswertes für viele, viele Urlaubstage. Der Hauptort der Insel ist Nida, der gemeinsam mit anderen kleinen Dörfern zur Gemeinde Neringa zusammen gefasst wird. Beschaulich sind diese Orte, und doch gibt es alles, was man so braucht. Entlang der Promenade laden etliche Cafés und Restaurants zum Verweilen ein, im Hafen gibt es ebenfalls sehr gemütliche Lokale. Ein Supermarkt, wenige Souvenirgeschäfte, und verschiedene Freizeiteinrichtungen wie Tennisplätze, ein Aquarium oder Minigolfanlagen sorgen für Unterhaltung.

Ansonsten merkt man von der Zivilisation dort nicht viel, das gesamte Gebiet der Sandinsel steht unter Naturschutz. Die Küste Richtung Ostsee ist geprägt von endlosen Stränden und Sanddünen, man kann sich kaum sattsehen. Die dem kurischen Haff zugewandte Seite ist bewaldet, im Uferbereich eher sumpfig und wird von unzähligen Vogelarten bewohnt. Riesige Kolonien an Kormoranen, Graureihern und ähnlichem bevölkert das Gebiet,  überall gibt es Hochstände zur Vogelbeobachtung und mit der Zeit kann man Vogelarten sogar schon an ihren Stimmen erkennen.

Wir haben die Kurische Nehrung großteils zu Fuss und mit dem Fahrrad erkundet, das bietet sich auch an, denn das Gelände ist flach – gerade mal 60 m misst die höchste Düne. Unzählige Stopps zwischendurch lassen einen die Ruhe so richtig zu genießen, Vögel zu beobachten oder den Fischern auf ihren kleinen Booten zuzusehen. Eilig soll man es auf der Nehrung nicht haben, weder was den öffentlichen Verkehr noch die Wartezeit in Lokalen betrifft, aber es gelingt einem rasch, sich auf die Langsamkeit der Bewohner einzustellen – es läuft einem ja auch wirklich nichts davon.img_0249

Die endlosen Strandspaziergänge waren auch für die Halbstarken interessant – heißt es doch, dass die Ostsee immer wieder Bernstein anschwemmen würde. Man hat sich schon im Steinreichtum schwelgen sehen und ist bereitwillig die lange Strände hinauf und wieder runter gelaufen. Nun ja, gesucht haben wir fleißig und ein klitzekleines Stückchen haben wir auch gefunden, das mit viel Glück wirklich ein „Bernsteinchen“ sein könnte… Zu einem Besuch der Kurischen Nehrung gehört auch unbedingt eine Dünenwanderung dazu – von der „Düne Parnidden“ aus hat man einen herrlichen Ausblick bis zum Festland und zum russischen Teil hinüber. Die „Vecekrugas Düne“, die höchste der Insel, haben wir mit dem Fahrrad bezwungen. Ganz schön sportlich, nicht?

Dass der Fischfang auf der Kurischen Nehrung eine große Bedeutung hat, ist allgegenwärtig. Die idyllischen Holzhäuser sind von sogenannten Kurenwimpeln gekrönt, die früher auch auf den Fischerbooten angebracht waren und an denen man die Zugehörigkeit zu den einzelnen Dörfern erkennen konnte. Herrliche Fischgerichte findet man fast überall, uns hat es im Don Vito so gut geschmeckt, dass wir gleich mehrmals einkehren mussten.

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Fischerhaus mit den typischen Kurenwimpeln

Sehenswert, und vor allem für Kinder lustig, ist der Hexenberg in Juodkrante, wo sich im Wald unzählige aus Holz geschnitzte Hexen, Märchen und Sagengestalten tummeln. Ganz schön gruselig…

Die Kurische Nehrung hat sich in den letzten 200 Jahren stark verändert. Was vor etlichen Jahren dort noch Bestand hatte, war plötzlich weg. Einfach vom Sand verschüttet wurden verschiedene Dörfer, Friedhöfe und sogar ein ganzer Flughafen. „Schuld“ daran sind Wanderdünen, die sich aufgrund der Abholzung der Waldbestände ausbreiten konnten. Mittlerweile hat man erkannt, wie wichtig der Schutz der Landzunge ist und man versucht dem gegenzusteuern indem man die Kurische Nehrung wieder bewaldet hat. Ein bisschen seltsam ist es aber schon, wenn man über eine Düne läuft und weiß, dass unter einem ein ganzes Dorf begraben liegt.

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Kaum zu glauben, dass unter dieser Düne ein Dorf verschüttet liegt, oder?

Zwar nicht (bern)steinreich ab mit vielen ganz tollen Eindrücken sind wir von diesem besonderen Ort zurück gekehrt und ich hoffe sehr, dass sich irgendwann wieder die Gelegenheit für einen Urlaub auf der Kurischen Nehrung bietet.

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