Veröffentlicht in Stadt-Reise, UNESCO

KOTOR – ein kleines Stück Montenegro, das Lust auf mehr macht

Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier. Mahatma Gandhi (1869 – 1948)

In den Osterferien waren wir mit den „Schwestern“ – einer entzückenden Freundinnenrunde samt Anhang – in Kroatien. Bis Dubrovnik sind wir gefahren, viele hunderte Kilometer von Wien aus… Und weil wir schon mal so weit waren, haben wir doch gleich auch einen Abstecher nach Montenegro gemacht. Nun ja, wir waren schon ziemlich skeptisch – oder eher die Schwestern waren skeptisch, weil noch ziemlich unerfahren in Sachen Osteuropa. Aber ich glaube für alle sprechen zu können: wir haben es nicht bereut.img_3176

Die Anreise war zwar langsam und kurvig über viele kleine enge Landstraßen mit Schlaglöchern und auch der erste Eindruck vom Stadtrand von Kotor war eher mäßig und sehr „östlich“. Unser Quartier, Apartments Dukic, lag direkt in der Altstadt und war nicht schwer zu finden – wohl aber ein Parkplatz für unsere 4 Autos. Und mit der Suche nach dem selbigen und mit unserer Bekanntschaft zu Sascha persönlich begann das montenegrinische Abenteuer  – und begann auch unsere Liebe zu den Menschen dort. Und wir haben gelernt, dass die Verhältnisse in diesem Land zwar noch bedeutend einfacher sind als bei uns, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen jedoch um ein Vielfaches größer. Und dass es eigentlich nichts gibt, das es nicht gibt.

Das Parkplatzproblem hat „unser“ Sašha mit ein paar Telefonaten und ein bisschen herumplärren gelöst. Ganz flott kamen aus allen Gassen Leute, die einfach ihre Autos weggestellt haben, damit wir einen Parkplatz für unsere Karren hatten. Und wie das funktioniert hat – wir haben gerade so gestaunt! Da nächste Problem lag bei Sascha selbst. Wir hatten 4 Appartements  für 4 Familien reserviert – Saša hat aber nur mit 2 gerechnet. Schnell wurde wieder telefoniert, schnell wurde ein 3. Appartement in einem anderen Haus aufgetrieben. Und schließlich auch noch ein 4. – das musste allerdings erst etwas „präpariert“ werden… Man hat Matratzen überkopf durch die halbe Stadt geschleppt und schnell noch die Oma aus einer Wohnung verbannt (das ist allerdings nur eine reine Mutmaßung, die wir angestellt haben, weil die Wohnung ein bisschen nach Oma aussah und ein bisschen nach Oma roch. Und in der Nacht kamen vom Dachboden her auch noch Geräusche, die ein bisschen nach Oma klangen… Aber wie gesagt, das ist reine Spekulation).

Nachdem alles soweit geklärt war, erkundeten wir die Stadt. Umgeben von einer mittelalterlichen, dicken Stadtmauer versprüht die Altstadt von Kotor mit seinen engen, verwinkelten Gassen einen unglaublichen Charme. Groß ist es nicht, gerade mal 5000 Menschen leben hier und alle waren unglaublich freundlich zu uns, als wir erzählten, dass wir bei Sascha wohnen würden. Trotz aller Einfachheit, der schiefen Häuser und unebenen, holprigen Straßen und Gässchen ist Kotor unglaublich lebendig. Und auf seine eigene Art auch modern. Die vielen kleinen Geschäfte und Boutiquen – es waren durchaus auch international bekannte Läden zu finden – verleiteten uns zu dem ein oder anderen Spontankauf. Man muss wohl zugeben, die Mode dort ist eine andere, vielleicht ein bisschen wie bei uns in den 80er Jahren, aber so manch eine von uns wäre durchaus bereit gewesen, einen lokalen Friseur aufzusuchen. Leider waren halt auch die Öffnungszeiten eher wie bei uns in den 80er Jahren – um 18 Uhr war Schluss, daran konnte nicht mal Sascha etwas ändern.img_3217

Das erste, das uns in Kotor – abgesehen von einer kleinen, gemütlichen Weinlokal, aber das ist eine andere Geschichte – auffiel waren die vielen Katzen überall. Alles schien sich irgendwie um Katzen zu drehen, in vielen Auslagen fanden sich Katzen, es gab T-Shirts, Türschilder, Handtücher, etc. alles mit Katzenmotiven in den verschiedensten Variationen.  Und sogar ein eigenes Katzenmuseum gab es! Bald wussten wir auch warum: sie hatten eine historische Bedeutung. Motor war im Laufe der Geschichte unter verschiedenen Belagerungen und eines Tages wurden die von den Menschen geliebten Hunde aus der Stadt vertrieben. Als Ersatz hielt man fortan Katzen als Haustiere – und bis heute ist es so geblieben.

Nach einem ausgezeichneten traditionellen Abendessen – die montenegrinische Küche ist ähnlich der Serbischen bzw. Kroatischen – mussten wir neuerlich auf Saschas Hilfe zurückgreifen – es schien fast, als hätte er Freude daran, seine Erfahrungen in Sachen Teenagerfüßen mit uns zu teilen… Mit den Halbstarken zu reisen ist nicht immer nur ein reines Vergnügen, und in Kombination mit ihren ebenfalls halbstarken Freunden können sie einen mit ihren stinkenden Teenagerfüßen manchmal richtig quälen. Sašha hat das Problem rasch erkannt – er kam auch nicht drum herum, nötigten wir die Kids doch, ihre unzumutbaren Turnschuhe VOR den Appartements auszuziehen. Prompt kam Herr Sašha auf uns zu und wusste Rat hinsichtlich Salben, die zwar „alle Haut weg“ machten, aber eben auch den „Geruch“ entfernten. Wo wir diese Salben kriegen konnten, wusste er natürlich auch – und prompt wurde auch gleich wieder telefoniert.

Am nächsten Tag führte uns eine Wanderung auf die Festung San Giovanni, oder besser gesagt auf das, was von ihr übrig war. Schützte sie einst die Stadt vor Feinden und mit ihren langen Steinwallen vor Steinrutschen, thront sie heute nur mehr als Ausflugsziel über der Stadt. Der Aufstieg war trotz Mittagshitze (wir waren allerdings Ende März dort, im Sommer wäre wohl doch ein früher Aufbruch empfehlenswert) überschaubar, in etwa 1/2 Stunde waren wir auch schon oben angekommen und wurden von einem wahrlich atemberaubenden Anblick auf die gesamte Bucht von Kotor belohnt. Die Halbstarken fanden es abenteuerlich, auf den Burgresten herumzuklettern, während wir uns an der schönen Umgebung erfreuten.

Anschließend ging es zum Hafen, der um diese Jahreszeit verträumt vor uns lag. In der Sommersaison legen dort mehrere Kreuzfahrtschiffe täglich an und dann ist es zumindest  kurzfristig mit der Ruhe und Beschaulichkeit in der Altstadt vorbei. Dann wird der Glockenturm umlagert, die Restaurants sind voll und die Souvenirhändler machen große Geschäfte, mit Dingen, wie man sie überall findet. Wir hatten die Stadt und ihre Einwohner aber fast für uns allein und konnten ihre Gastfreundschaft wirklich genießen.

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Wir hatten leider nur 1 1/2 Tage Zeit, den Reiz Montenegros zu erkunden, dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen. Nicht ohne natürlich vorher von Saììha ausführliche Tipps für die Weiterreise nach Bosnien zu erhalten – inklusive Landkarte aus den 80er Jahren als Geschenk (wir wissen schon, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, aber die Straßenlage war zum Zeitpunkt der Drucklegung offenbar wirklich noch eine ganz andere) – und nicht ohne dass nocheinmal die umliegenden Anwohner zusammengetrommelt wurden. Immerhin hatte man zwischenzeitlich auch die eigenen Autos wieder irgendwie eingeparkt und ohne Herumrangieren (und Sašhas Hilfe natürlich…) wäre das  Ausparken wohl ein größeres Unterfangen geworden. Aber das ist eine andere Geschichte…

 

MEIN KOTOR-TIPP: Die Old Winery in der Altstadt bietet eine große Auswahl lokaler und internationaler Weinsorten, die man in traditioneller Weinkeller-Atmosphäre genießen kann

 

3 Kommentare zu „KOTOR – ein kleines Stück Montenegro, das Lust auf mehr macht

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