LONGYEARBYEN – die unaussprechliche Stadt im Arktischen Eis

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Wenn du denkst, Abenteuer sind gefährlich, dann versuche es mal mit Routine. Die ist tödlich. Paolo Coelho (* 1947)

Es schneit!! Endlich – und absolut passend zu dieser! Ich mag Schnee und er erinnert mich sooo sehr an die Reise nach Spitzbergen im vergangenen Frühjahr. Und da fällt mir ein, dass ich ja mit meinen Berichten über diese beeindruckende Inselgruppe noch gar nicht fertig bin… Darum möchte ich dir heute ein bisschen etwas über Longyearbyen erzählen.IMG_2864

Die Hauptstadt und gleichzeitig größte Siedlung Spitzbergens ist Longyearbyen. Byen ist Norwegisch für Dorf und benannt wurde sie nach ihrem Gründer, John Munroe Longyear, der die Stadt 1906 als Bergbauarbeiter-Siedlung gründete.IMG_9109.jpg

Longyearbyen ist nicht nur einer nördlichsten, dauerhaft besiedelten Orte der Welt, es ist auch in vielerlei Hinsicht an Skurrilität kaum zu überbieten. Wusstest du zum Beispiel, dass sich in der 2000-Einwohner Gemeinde tatsächlich eine Universität mit 250 Studierenden befindet? Dass es dort ein eigenes Krankenhaus und die größte Samenbank der Welt gibt?IMG_2883

Geprägt ist Longyearbyen nach wie vor vom Kohlebergbau. Und auch wenn dieser weitgehend zur Ruhe gekommen ist und es nur mehr eine Grube gibt, in der noch aktiv Bergkohle abgebaut wird (eine russische Siedlung, Barentsburg, betreibt ebenfalls noch Bergbau, aber auch dort sind die Förderungszahlen rückläufig), findet man noch überall „Zeugen“ des floriden Bergbaus. Früher wurde die Kohle mit kleinen Seilbahn-Wägen direkt zum Hafen transportiert. Die Anlagen sind immer noch vorhanden, verfallen aber schön langsam, da sie nicht mehr genutzt und auch nicht gewartet werden. Hübsch ist das nicht, aber eben typisch für dort.IMG_8895

Das Zentrum Longyearbyens ist die kleine Fußgängerzone. Eigentlich gibt es hier alles, was man so braucht und man kann tatsächlich einen kleinen Einkaufsbummel unternehmen. Im Einkaufszentrum Lompen findet man Souvenirs und jegliche Outdoorausrüstung, außerdem ein gemütliches Café. Überhaupt gibt es in der kleinen Stadt überproportional viele Sportgeschäfte und nachdem meine Trekkingschuhe gleich nach Ankunft die Sohle verloren haben, war ich darüber sehr dankbar…IMG_3373

Gleich vis-à-vis befindet sich der einzige Supermarkt, der mit einer erstaunlichen Vielfalt an Produkten aufwarten kann. Sogar Straußenfleisch haben wir dort gefunden – schon irgendwie skurril, oder?

Die einzige Kirche in der Arktis befindet sich ebenfalls in Longyearbyen. Sie dient nicht nur für Gottesdienste, sondern ist ein beliebter Versammlungsort und auch wir wurden hier herzlich willkommen geheißen.IMG_8875

Da die Kirche das erste Gebäude war, das wir in Longyearbyen, abgesehen von unserem Hotel, betraten, waren wir noch sehr erstaunt, dass wir dort beim Eingang unsere Schuhe ausziehen mussten. Mit der Zeit gewöhnten wir uns aber an diese Sitte, beim Betreten eines Gebäudes wirklich überall die Straßenschuhe gegen Hauspatschen ein zu tauschen, egal eben, ob es sich um die Kirche, ein Museum oder ein schönes Restaurant handelte. Meistens findet sich neben dem Schuhregal auch noch ein Kasten, in dem man sein Gewehr ablegen kann. Das mutet anfangs etwas seltsam an, mit der Zeit wird es aber zur Normalität. Wenn du meine früheren Spitzbergen-Artikel gelesen hast, weißt du ja schon, dass es auf den Inseln Pflicht ist, eine Waffe zu tragen, sobald man das Siedlungsgebiet verlässt, als Schutz vor den Eisbären. Und da viele Leute daher ihr Gewehr mit dabei haben, gibt es diese Schränke.IMG_2876

Langeweile sollte in Longyearbyen eigentlich nicht aufkommen, denn auch wenn das Wetter mal nicht so einladend für Outdoor-Aktivitäten sein sollte, gibt es jede Menge zu tun. Mehrere Museen laden dazu ein, Näheres über die Geschichte dieses besonderen Ortes zu erfahren. Im North Pole Expedition Museum kann man die beschwerlichen Bedingungen nacherleben, die die ersten Nordpolexpeditionen mit sich brachten. Das Svalbard Museum ist im Universitätsgebäude untergebracht und erzählt viel über die Besiedelung Spitzbergens, über Flora, Fauna und das Leben auf den Inseln, inklusive der Zeit, in der intensiver Bergbau betrieben wurde. Und sogar eine kleine Galerie gibt es am Stadtrand.IMG_8911

Wer sich sportlich betätigen möchte, kann im örtlichen Hallenbad seine Längen schwimmen. Die an die Schule angebundene Einrichtung ist auch für Touristen zugänglich!

Auch Ausgehmöglichkeiten gibt es mehr als genug. In der gemütlichen Svalbar ist eigentlich immer etwas los und es gibt Musik, kleine Speisen und sogar Gesellschaftsspiele, die man sich ausborgen kann. Die Funkenbar im gleichnamigen Hotel bietet eine große Auswahl an Getränken in sehr schicker Atmosphäre, wenn man hungrig wird, kann man sich im angrenzenden Restaurant kulinarisch verwöhnen lassen. Sehr lecker gegessen haben wir abgesehen vom Funkenrestaurant auch im Coal Miners‘ Bar & Grill, das gleich unserem Hotel angeschlossen war.

Die Bewohner Longyearbyens sind ausgesprochen freundlich, es herrscht ein entspannter Dorfcharakter – kein Wunder, kennt hier doch wirklich jeder jeden. Großteils leben dort übrigens Leute als allen möglichen Nationen, die teils als Touristen und teils zum Arbeiten nach Spitzbergen gekommen sind und sich vom Zauber der Stadt, der Einsamkeit und der Verbundenheit mit der Natur beeindrucken ließen und geblieben sind. ich habe mich dort auf jeden Fall sehr wohl gefühlt, und wer weiß, vielleicht führt mich der Weg ja irgendwann einmal wieder dorthin zurück? Schön wär’s!

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