Veröffentlicht in Allgemein, Reise-Weise

SPITZBERGEN – auf Eisbärenjagd in arktischen Gefilden

Ich ziehe deshalb den Herbst dem Frühjahr vor, weil das Auge im Herbst den Himmel, im Frühjahr jedoch die Erde sucht. Søren Aabye Kierkegaard (1813 – 1855)

Eine Reise in die nördlichsten besiedelten Gebiete unseres Planeten war schon immer mein Traum – und nun sollte dieser in Erfüllung gehen: Eine Reise wahrlich ans Ende der Welt, in die unendlichen Weiten der Arktis. Eine solche Expedition wollte ich nicht alleine bestreiten, Gleichgesinnte, die sich für so ausgefallene Destinationen interessieren sind jedoch rar, und so traf es sich ganz herrlich, als ich mit Helga eine Reisepartnerin fand, die sich ebenso aufs ewige Eis freute, wie ich.IMG_9100

Der Zeitpunkt um nach Spitzbergen zu fahren, will wohl überlegt sein, denn ebenso vielfältig, wie die Landschaft und die Witterungsbedingungen zu den unterschiedlichen Jahreszeiten sind, so verschieden sind auch die touristischen Angebote, die man zur jeweiligen Zeit dort nutzen kann. Von 26. Oktober bis 15. Februar ist in Spitzbergen Polarnacht, das heißt, die Sonne erscheint überhaupt nicht über dem Horizont und das einzige, was man an Helligkeit erwarten kann, ist ein paar Stunden Dämmerungslicht. Dafür ist die Nacht lang und die Möglichkeit, Polarlichter zu sehen natürlich immens höher. Vom 20. April bis 23. August tritt dann das genaue Gegenteil ein: der Polartag herrscht vor und die Sonne ist rund um die Uhr zu sehen. Die Natur erwacht und das viele Tageslicht ist ebenfalls ein ganz besonderes Erlebnis. Wir entschieden uns dafür, Mitte April nach Spitzbergen zu reisen. Da war es schon rund um die Uhr hell (für die Mitternachtssonne fehlte nur noch ein ganz, ganz kleines Stückchen, das nicht der Rede Wert war), aber noch kalt genug, um vereiste und verschneite Fjorde vorzufinden und alle möglichen Winteraktivitäten mitzumachen. Schon sehr speziell, oder?

Die Anreise nach Spitzbergen läuft immer über Oslo, von dort aus gibt es mit SAS oder Norwegian Direktflüge nach Longyearbyen. Dieser fast unaussprechliche Ort beherbergt den einzigen Flughafen der Inselgruppe und ist zugleich die größte Siedlung auf Spitzbergen. Eine rechtzeitige empfiehlt sich, gibt es doch nur 1 bzw. max 2 Flüge täglich, die in dieser abgeschiedenen Gegend landen.IMG_2848

Während es schon dunkel war, als wir gegen 22.30 Uhr in Oslo wegflogen, war es plötzlich wieder taghell, als wir nach etwa 3 Stunden schließlich landeten. Bereits im Flughafengebäude wurden wir vom ersten Eisbären begrüßt und waren gleich ganz euphorisch – und wie wir bald feststellen sollten, würden uns diese munteren Gesellen in ausgestopfter Form in den nächsten Tagen so ziemlich überall begegnen.IMG_2876

Longyearbyen, das mit 2000 Einwohnern sogar als Stadt gilt, ist sehr überschaubar und entsprechend einfach gestaltete sich auch der Transfer vom Flughafen zu unserem Hotel, es gab nämlich lediglich einen einzigen Bus und der steuerte einfach der Reihe nach alle verschiedenen Unterkünfte an. Wir hatten uns für die Coalminer’s Cabins entschieden, ein einfaches Hotel, das in den früheren Unterkünften der Kohlebergbau-Arbeiter untergebracht war. Es lag etwas außerhalb des Zentrums, war aber zu Fuß gut erreichbar, sauber, das Frühstück war lecker und ausreichend, lediglich das Badezimmer musste man sich mit anderen Gästen teilen, was uns aber nicht störte. Longyearbyen bietet aber auch noch mehrere andere Hotels unterschiedlicher Preisklassen, irgendwie erschienen uns die „Cabins“ jedoch am authentischsten.

4 Tage verbrachten wir insgesamt auf Spitzbergen, dazu kamen noch jeweils 1 Tag für die An- und Abreise. So man nicht an besonderen Touren teilnehmen möchte, die  mehr Zeit in Anspruch nehmen, ist diese Zeit auch durchaus ausreichend, auch wenn es natürlich noch ein paar kleinere Ausflüge gab, die wir in diesen Tagen nicht unterbringen konnten – aber stressen wollen wir uns dann auch wieder nicht. Da sich die meisten Aktivitäten natürlich im Freien abspielen, ist das Wetter nicht ganz unwesentlich, um die angebotenen Möglichkeiten entsprechend genießen zu können. Wir haben daher im Vorhinein keine Touren gebucht sondern alles kurzfristig entschieden – und es hat sich gelohnt, denn so konnten wir uns die schönsten Tage aussuchen um die Ausflüge zu machen, bei denen wir uns am längsten in der freien Natur aufhalten würden.IMG_3074

Der erste Tag war etwas verzogen, zeitweise schneite und regnete es auch. Es regnete?? Auf Spitzbergen?? Nun, es war – zumindest im April – nicht ganz so kalt, wie man sich diese Inselgruppe vorstellen würde, immerhin zieht der Golfstrom an der Küste vorbei, sodass wir durchaus mit Temperaturen um den Gefrierpunkt überrascht wurden. Das lässt sich doch aushalten. Da wir von der langen Anreise ohnehin noch etwas müde waren, beschlossen wir, den ersten Tag der Hauptstadt Longyearbyen zu widmen und diese so richtig zu erkunden, außerdem wollten wir uns ein bisschen organisieren und unsere weiteren Aktivitäten planen. Und das war gar nicht wenig, was sich uns dort bot: von der nördlichsten Kirche der Welt über eine Universität zu einem Einkaufszentrum und sogar einem kleinen Krankenhaus fand sich dort eigentlich alles, was man zum Leben braucht.IMG_8877IMG_8875

Tag 2 überraschte uns mit herrlichem Sonnenschein, sodass wir beschlossen, an diesem Tag eine Snowmobile Tour weit hinaus in die Fjorde zu unternehmen. Wir hatten diese bei Hurtigruten Svalbard gebucht und waren damit wirklich gut beraten. Nach einer kurzen Einschulung wurden wir mit richtigen Polaranzügen, dicken Stiefeln, Handschuhen, Hauben und Helmen ausgestattet. Und dann ging es auch schon los!!!IMG_2921

Snowmobil fahren ist ein bisschen wir Motorrad fahren und während wir anfangs  noch etwas vorsichtig waren, hatten wir uns bald an unser Fahrzeug gewöhnt und genossen es sehr, über Schnee und Eis zu düsen! Das Ganze ist zwar kein billiges Vergnügen (etwa 340 € wurden für den Fahrer und ca. die Hälfte für den Co-Piloten fällig), aber es hat sich mehr als gelohnt und wurde zu einem ganz speziellen Erlebnis.IMG_3070

Unser Ziel war der Tempelfjord mit seinen beeindruckenden Gletschern – etwa 170 km wollten wir an diesem Tag zurücklegen. Die Landschaft war so atemberaubend und da der Fjord noch dick zugefroren war, konnten wir sogar über das Eis fahren, quasi einfach querfeldein.IMG_8978

Gletschereis hat eine ganz besondere Farbe, es leuchtet richtig blau und da davor zu stehen, war so richtig beeindruckend. Aber auch sonst gab es viel zu sehen und wir legten immer wieder kleine Pausen ein, um unsere Umgebung so richtig auf uns wirken zu lassen: Täler, schroffe Felsen, Eisklötze, Wasserfälle – und sogar eine Rentierherde ließ sich blicken.

IMG_9021 Insgeheim haben wir natürlich auch gehofft, Eisbären zu sehen, aber die haben sich leider doch zu gut versteckt. Ich weiß immer noch nicht, ob ich darüber traurig oder auch ein bisschen erleichtert sein soll, sind diese Tiere doch gerade im Frühjahr, wenn sie mit ihren Jungen erstmals ihre Wurfhöhle verlassen doch recht gefräßig und aggressiv… Aber auch ohne die pelzigen Gesellen wurde dieser Ausflug zu einem unvergesslichen Erlebnis!

Am nächsten Tag hatten wir eine Schiffsfahrt geplant. Es gibt auf Spitzbergen noch 2 russische Siedlungen – Barentsburg und Pyramiden. Letztere war das Ziel unseres Ausflugs. Während es einst ein lebendiges Bergbaudorf war, ist Pyramiden nunmehr fast verlassen, nur noch eine Handvoll Menschen leben dort – und das hauptsächlich aus touristischen Gründen. In Barentsburg wird noch aktiv Kohle abgebaut, dort leben noch dauerhaft etwa 500 EinwohnerIMG_3113 (1)

Die Fahrt mit der „Langøysund“ war traumhaft. Wir fuhren die Küste entlang durch mehrere Fjorde, wo wir aus der Ferne wieder den Rentieren beim Weiden zusehen konnten. Es ging durchs Eismeer und unser Schiff schaffte es mühelos, riesige Eisschollen zu durchbrechen und immer wieder konnten wir Walrosse und Robben beobachten, die sich auf den Schollen sonnten oder im Wasser plantschten.

Mittags wurde dann auf dem Oberdeck ein Griller angeheizt und ein herrliches Mittagessen für uns bereitet. Neben gegrilltem Lachs und Schweinerippchen gab es auch Walsteak. Norwegen ist ja das einzige Land, das noch kontrollierten Walfang betreiben darf und so ließen wir uns diese einmalige Spezialität nicht entgehen. Mmmmh!

Leider war der Fjord tief drinnen noch sehr stark zugefroren, sodass unserer Fahrt durch die dicken Eisschollen ein plötzliches Ende gesetzt wurde. Das Schiff wurde daher kurzerhand „auf Eis“ gelegt und wir hatten die Möglichkeit, auszusteigen und eine kleine Runde mitten auf dem Fjord zu drehen, bevor wir leider umdrehen und zurück nach Longyearbyen fahren mussten. Pyramiden sahen wir daher nur von der Ferne – schade, aber mit solchen witterungsbedingten Planänderungen muss man sich in einer Gegend wie Spitzbergen eben abfinden.IMG_3151

Wie schnell sich das Wetter dort ändern konnte, merkten wir bei unserer Rückfahrt. War der erste Teil der Strecke noch wunderschön sonnig und ruhig, zogen plötzlich dicke Wolken und Nebel auf und man konnte vom umliegenden Panorama so gut wie gar nichts mehr sehen. Und kalt wurde es auch… damit wir nur ja nicht vergessen konnten, dass wir uns in der Arktis befanden.

Unser 4. und gleichzeitig letzter Tag war wieder schön sonnig und es stand ein Besuch auf einer Huskyfarm mit anschließender Hundeschlittenfahrt auf dem Programm. Wer mich kennt weiß, dass Hunde und ich keine allzu gute Kombination sind und ich eigentlich eine Heidenangst vor ihnen habe. Aber ich wollte mutig sein und mir dieses Abenteuer nicht entgehen lassen und die Huskys dort haben es mir leicht gemacht, meine Angst so halbwegs zu überwinden. IMG_3212

Svalbard Husky ist ein kleines Familienunternehmen und Audun, der Besitzer, hat uns selbst auf seiner Farm herum geführt und uns mit seinen Hunden bekannt gemacht. Ca. 100 Huskys tummeln sich dort, jeder hat seine eigene kleine Hütte, nur die Babies leben mit ihren Müttern gemeinsam in eigenen Boxen. Audun kennt jeden einzelnen mit dem Namen und all seinen Eigenheiten und es ist eine Freude zu sehen, wie liebevoll er sich mit seiner Frau um die Tiere kümmert.IMG_3211

Es blieb genug Zeit zum Kennenlernen der Hunde, für allerlei Fragen und Erklärungen, zum Umsehen und Streicheln (und auch zum Fotografieren…), bevor wir unser Hundschlittengespann fertig für die Ausfahrt machen mussten. Ich muss ehrlich sagen, wenn man einen ordentlichen Respekt vor Hunden hat, ist es gar nicht so einfach, ihnen das Geschirr anzuziehen, das sie brauchen um vor den Schlitten gespannt zu werden, sie dann aus ihrer Hütte zu holen zu ihrem Platz zu bringen, aber mit vereinten Kräften haben wir das doch geschafft. Und dann ging’s los!

Die Hunde sind wahnsinnig energiegeladen und sie wollen eigentlich nur eines: laufen! Mühelos ziehen sie einen Schlitten mit 2 Personen (einer sitzt, einer lenkt) herum und sie scheinen dabei überhaupt nicht müde zu werden, sondern die Fahrt so richtig zu genießen.IMG_9455

Per Hundeschlitten ist meiner Meinung nach die stimmigste Art um sich an einem Ort wie Spitzbergen fortzubewegen. Das Tempo passt wunderbar um die Umgebung so richtig auf sich wirken zu lassen und abgesehen davon, dass es manchmal ein bisschen abenteuerlich war, wenn der Schlitten über kleine Unebenheiten drüber sauste, war das wirklich sehr, sehr gemütlich.IMG_9408

Den restlichen Tag ließen wir gemütlich in Longyearbyen ausklingen, kauften noch ein paar Souvenirs und genossen ein herrliches Abendessen, bevor  diese wunderbare Reise dem Ende zu ging und wir uns mitten in der Nacht – wir wissen bis jetzt nicht, warum der einzige Flug unbedingt um 3 Uhr Früh von dort losstarten muss… – wieder auf den Heimweg machen mussten.

Spitzbergen hat einen tiefen Eindruck hinterlassen. Ich hatte große Erwartungen an diesen ganz besonderen Ort und abgesehen davon, dass es mit der Eisbärenjagd nicht so ganz geklappt hat, wurden diese wirklich mehr als übertroffen. Es war eine Reise an einen Ort, an dem die Einheit mit der Natur ganz an vorderster Stelle steht, an dem die Menschen so sehr an den Lauf der Jahreszeiten gebunden sind, wie kaum wo sonst. An einen Ort, so weit weg vom Rest der Zivilisation, an dem die Uhren noch ein bisschen anders gehen und an dem einem so richtig bewusst wird, wie wunderbar und besonders unsere Welt eigentlich ist.

Hast du Lust, Näheres über die Besonderheiten Spitzbergens zu erfahren oder uns auf unsere Snowmobil Tour zu begleiten? Na, dann komm mit!!

 

5 Kommentare zu „SPITZBERGEN – auf Eisbärenjagd in arktischen Gefilden

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