MARIAZELL – auf Pilgerfahrt und Wandertour

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Sage nicht, wenn ich Zeit dazu habe, vielleicht hast du nie Zeit dazu. Wenn nicht jetzt, wann dann? (aus dem Talmud, einem der wichtigsten Schriftwerke des Judentums)

Es ist ja wirklich fast eine Schande! Da bin ich so viel in der Weltgeschichte herumgereist und im eigenen Land gibt es immer noch Orte, die ich nicht besucht habe. Orte von Bedeutung, die man kennt und die man eigentlich schon gesehen haben muss.

Unlängst im Nachtdienst ist mir das wieder mal so richtig bewusst geworden und da ich NACH dem Nachtdienst immer dazu neige, unüberlegte Dinge zu tun (meistens äußert sich das in Shoppingtouren, wo ich dann völlig unnötige Sachen einkaufe, aber das ist eine andere Geschichte…), habe ich kurzerhand beschlossen, nach dem  Dienst nach Mariazell zu pilgern. Ich bin ja nicht wirklich religiös, sonst hätte ich vielleicht schon eher mal das Bedürfnis gehabt, dorthin zu fahren. Aber ich bin neugierig und so wollte ich einfach wissen, wie es denn so ist, dieses so bekannte Mariazell.Version 2

Zur Klarstellung aber gleich mal vorneweg: dieser Beitrag richtet sich hauptsächlich an Leute, die Mariazell aus touristischen Gründen interessiert, das war auch der Grund meines Besuches dort. Ich kann euch nicht mit religiösen Hintergründen versorgen, weil ich mich damit einfach nicht auskenne (der religiöse Anteil meines Besuchs in Mariazell beschränkte sich auf das Anzünden einer Kerze für einen erkrankten Kollegen, selbst da hab ich ganz vergessen, dass man auch dazu beten sollte, damit es etwas hilft…) Für alle die glaubenstechnisch etwas wissen möchten, gibt es Informationsquellen, die bedeutend kompetenter sind!

Aber dennoch – auf nach Mariazell! Schon die Anreise ist wunderschön, denn egal, ob man über die Südstrecke oder von St. Pölten aus ins Mariazeller Land fährt, man hat dabei etliche Berge und Täler zu überwinden. Irgendwie fühlt es sich ein bisschen wie „hinter den sieben Bergen“ an. Ganz stilvoll reist man übrigens mit der Mariazeller Bahn an, die sich im Stundentakt ab St.Pölten auf den Weg macht. Besonders schön sind die Wagen der 1. Klasse, die sogenannte „Himmelstreppe“ mit ihren Dachfenstern, durch die man das tolle Panorama noch besser betrachten kann.IMG_5292

Herzstück Mariazells, das Ziel sämtlicher Pilger und das Ende der Pilgerwege, der sogenannten „Via Sacra“ ist natürlich die Basilika, eine Prachtkirche des Barocks und der Gotik.

IMG_5328 (1)Viel wurde seit 1157 an ihr herum gebaut, bis sie die jetzige Perfektion erreicht hat. Der gotische Mittelturm wird von 2 barocken Seitentürmen flankiert und das Portal alleine zieht schon die Blicke der Besucher auf sich.IMG_1829

Und auch im Inneren lässt man sich nicht lumpen: der Hochaltar von Karl Fischer von Erlach verdient es, dass man davor innehält und dieses Meisterwerk bewundert und das Gnadenbild, eine Statue der Gottesmutter mit dem Kind auf dem Arm ist das religiöse Heiligtum der Basilika. Wunderschön anzusehen sind auch die 4 Orgeln, von denen vor allem die Wiener Orgel über dem Eingangsportal wirklich bewundernswert ist. Bereits 2 Mal gab es in Mariazell übrigens einen Papstbesuch: 1983 war Johannes Paul II da und 2007 Benedikt XIV. Man befindet sich also in guter Gesellschaft hier 😉

Nun gut, Basilika besichtigt – und das war’s nun? Keinesfalls! Erst mal muss man natürlich eine Kerze anzünden, egal wie gläubig man ist, aber das gehört zu einer Pilgerfahrt ja nun doch dazu. Das bringt man aber besser rasch hinter sich, denn in der Kerzengrotte, etwas abseits der Basilika, erreicht es durch tausende Kerzenflammen beträchtliche Temperaturen. Man möchte gar nicht meinen, welche Hitze Teelichter verursachen, wenn man sie nur in einer ausreichenden Menge aufstellt.IMG_5314

Und dann heißt es, den Ort selbst zu erkunden, denn auch da gibt es jede Menge zu sehen. Rund um die Basilika finden sich – ziemlich skurril – unzählige Stände, in denen man von klassischen Souvenirs über Imbisse bis zu Devotionalien alles Mögliche erstehen kann. Auch die ominösen Kaffeetassen mit Namenaufdruck, die man noch aus Großmutters Zeiten kennt, gibt es dort („Christina“ war aber leider aus…).

Das Zweitberühmteste in Mariazell ist wohl der Lebkuchen. Eine ganze Familiendynastie hat ihn berühmt gemacht und mittlerweile wurde sogar eine kleine Erlebniswelt geschaffen, in der man die Produktion miterleben kann. Da das Wetter für Indoar-Aktivitäten aber VIEL zu schön war, hab ich nur dem Shop einen Besuch abgestattet und ein paar Leckereien für die Halbstarken eingekauft, bevor es weiter ging zur nächsten Attraktion:IMG_E1841

Einer Fahrt auf die Bürgeralpe, den Hausberg Mariazells. Laut Wegbeschreibung ist man in etwa 90 Minuten zu Fuss oben, das hätte ich auch gerne gemacht, war nach dem Nachtdienst ein bisschen zu träge dazu. Alternativ gibt es noch zwei weitere Möglichkeiten, um die Bürgeralpe zu „erklimmen“: die Seilbahn, die direkt aus dem Ort wegfährt (2019 soll sie allerdings renoviert werden und daher nicht zur Verfügung stehen) und den Sessellift, der vom Nachbarort St.Sebastian wegfährt (Tipp: zu Fuss geht man bis zur Talstation nur 15 Minuten und die Warteschlange am Sessellift ist bedeutend kürzer als die der Seilbahn…). IMG_5270

Auf der Bürgeralpe finden sich etliche gut beschriftete Wanderwege, die ein herrliches Panorama bieten. Ich bin den 3-Seen-Weg gegangen, der war auch ein bisschen übernächtig gut zu bezwingen und man kann wunderschöne Ausblicke auf den Kristallsee, den Erlaufsee und auf ein Stückchen Hubertussee genießen. Der Kristallsee lädt im Sommer auch zu allerlei Wassersport ein, unter anderem gibt es dort den höchstgelegenen Wasserschilift Europas, den „Wake Alps“. Auch zahlreiche kulturelle Veranstaltungen werden dort abgehalten, auf der Seebühne finden im Rahmen der „Mariazeller Bergwelle“ dort verschiedenste Konzerte statt.IMG_5272

Die Bürgeralpe ist auch ein Paradies für Mountainbiker. Nachdem man sich bequem mit dem Sessellift zur Bergstation bringen ließ, gilt es auf Strecken aller Schwierigkeitsgrade sein sportliches Geschick zu testen.IMG_1851 Und wenn man von all der Anstrengung hungrig und müde ist, kann man sich im Berggasthof oder in der gemütlichen Edelweißhütte stärken.IMG_1892

Auch für kleine Leute ist die Bürgeralpe ein kleines Paradies. Der Spielpark „Biberwasser“ bietet auf vielen Stationen Gelegenheit sich richtig auszutoben und im „Holzknechtland“ kann man erleben, wie die Handwerker der Umgebung früher gelebt haben und unter welch schwierigen Bedingungen sie ihre Arbeit verrichten mussten. Die Tickets für beide Parks kann man übrigens gleich als Kombi-Ticket mit den Seilbahnkarten erwerben.IMG_5277

Nachdem ich den Erlaufsee von oben recht idyllisch fand, hab ich beschlossen, noch einen kleinen Abstecher dorthin zu unternehmen und meine müden Beine darin zu baden. Mit der nostalgischen Museumsbahn kann man in etwa 1/2 Stunde von Mariazell aus bis direkt an den See „zuckeln“. IMG_1938Die Fahrt ist wunderschön, die Bahn fährt im Sommer auch regelmäßig fast jede Stunde. Erkundige dich aber vorher nach der letzten Rückfahrt, sonst ergeht es dir wie mir und du musst die etwa 3 km dann zu Fuss zurück wandern. Auch kein Drama, wenn man’s vorher weiß.IMG_1927

Schön war er, dieser Tag in Mariazell, inklusive An- und Abreise durch das wunderbare Mariazeller Land. Auch im Winter soll es übrigens ganz reizvoll dort sein, wenn der Mariazeller Advent seine Tore öffnet und allerlei Leckereien, Handwerkskunst und weihnachtliche Veranstaltungen geboten werden. Ich denke, auch das wäre einen Ausflug wert…

Tipp: Wie wäre es mit einem Schitag in Mariazell? Die Bürgeralpe verwandelt sich im Winter in ein schönes Familien-Schigebiet mit über 8 km Pisten

Lust auf weitere Ausflüge im schönen Niederösterreich? Wie wäre es denn damit?

Oder was hältst du von einem anderen „Pilgerausflug“? Dann kann ich dir das Kloster Maulbronn in Deutschland wärmstens empfehlen:

 

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