Veröffentlicht in Reise-Weise

HAMBURG – Auf der Reeperbahn nachts um halb 1

Das Prinzip aller Dinge ist Wasser; aus Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück. Thales von Milet (625-545 v.Chr.)

Hamburg bereist man nicht an einem Tag. Auch nicht an zweien und eine Woche ist auch viel zu kurz. Gar zu vielfältig ist diese Stadt an der Elbe – und darum mag man sie eigentlich auch gar nicht auf einmal bereisen. Ich war mittlerweile 7 Mal dort – und immer wieder gibt es unzählige neue Ecken zu entdecken und zu bestaunen, und gleichzeitig kommt es mir jedes Mal ein bisschen vor, wie nach Hause zu kommen.sommerurlaub-2010-157

Allem voran und natürlich „die“ Sehenswürdigkeit schlecht hin – gerade wenn man aus einem Binnenland kommt – ist der Hamburger Hafen. Am besten beginnt man die Erkundung bei den Landungsbrücken (oder ein bisschen oberhalb davon bei der Jugendherberge in der … Straße, weil man von dort einen wunderbaren Blick über den Hafen hat) und marschiert mit einem Fischbrötchen in der Hand am Wasser entlang. Unzähliges kann man hier entdecken, Schiffe  bestaunen oder einfach das emsige Treiben auf sich wirken lassen. Je nach Reisegesellschaft – ich war mit den Halbstarken dort, mit Freundinnen oder auch schon mal alleine – dauert das unterschiedlich lang und davon abhängig war dann auch die weitere Tagesgestaltung.

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Terminals zum Beladen der Containerschiffe

 

Was jedoch bei keinem Besuch in Hamburg fehlen durfte, war eine Hafenrundfahrt. Bei unserem letzten Besuch haben wir uns für eine Fahrt mit einer kleinen Barkasse entschieden – und das hat sich wirklich gelohnt! Erst ging es durch die Speicherstadt, dann durch die Hafencity, vorbei an der umstrittenen, aber mittlerweile doch fast fertigen Elbphilharmonie bis ganz hinaus in den Containerhafen, wo wir Gelegenheit hatten, die ganz großen Ozeanriesen wirklich aus der Nähe zu betrachten. Wahnsinn, wie riesig die aus der Nähe sind!!!

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Fassade der Elbphilharmonie

Ganz einzigartig in Hamburg ist die Speicherstadt, die ja zu den größten zusammenhängenden Lagerstätten der Welt zählt. Backsteingebäude reiht sich da an Backsteingebäude, dazwischen fließen die sogenannten „Fleete“, Seitenarme der Alster, von welchen aus man die Speicherstadt erkunden kann. Aber auch zu Fuß lohnt sich ein Bummel durchaus, und wenn man vom Spazieren müde wird, lohnt sich ein kleiner Abstecher in die Kaffeerösterei. Ich finde ja, dass wir dort den besten Kaffee von Hamburg getrunken haben – oder etwa nicht?? Für ein bisschen Gruseln sorgt ein Besuch im Dungeon gleich daneben und wenn man etwas WIRKLICH beeindruckendes sehen will, besuche man die Miniatur-Wunderwelt, eine riesige Modellbahn-Ausstellung, bei der fast ganz Europa nachgebaut wurde. Beides probiert – kein Vergleich!!!

Hamburg, das hat auch immer ein bisschen etwas „Verruchtes“ an sich, und so gehört ein Besuch auf der Reeperbahn unbedingt mit auf das Programm. Gerade erst letztens haben wir den geführten Rundgang Sex and Crime auf St.Pauli mitgemacht – und das am Samstag Abend. Mehr Rotlicht-Feeling kann man auf legale Weise wohl nicht kriegen…

img_4998Vom Durchqueren der Herbertstraße wird einem als Frau tatsächlich abgeraten, angeblich passiert es durchaus, dass man dort bespuckt oder mit Wasser bespritzt wird (Frauen dürften das „Geschäft“ der dort ansäßigen Damen gefährden)  der ganz wie im Film von Wolfgang Liebeneiner „Auf der Reeperbahn nachts um halb 1“. Die Klänge zur Titelmusik kommen dort an jeder Ecke aus irgendeinem Lautsprecher, offenbar zählt auch in diesem Bereich der Tourismus schon eine ganze Menge..

Auch wenn wir ein bisschen müde von der langen Nacht auf St.Pauli waren (aber das ist eine andere Geschichte…) – man sagt tatsächlich „auf St.Pauli“, ist dieser Stadtteil doch angeblich früher mal ein Berg gewesen… Ein „Berg“ für Plattländler, mit gerade mal 26 m, aber immerhin…-, haben wir es uns nicht nehmen lassen, am Sonntag Früh den Fischmarkt zu besuchen. Nicht, weil wir unbedingt Fischbrötchen zum Frühstück wollten,  sondern weil man die gemütliche Atmosphäre dort einfach mal gesehen haben muss. Außerdem gibt es von Obst über Blumen bis zum Touristenkitsch auch allerlei andere Dinge dort zu kaufen – und das oft zu sensationellen Preisen. Was wir als „Frühschoppen“ kennen, spielt sich am Fischmarkt in der ehemaligen Fisch-Auktionshalle ab. Da gibt es schon mal ein Bierchen in aller Früh (der Fischmarkt schließt offiziell schon wieder um 9.30 Uhr, bis dahin sollten alle Einkäufe getätigt sein) und das zu Live-Tanzmusik. Wir konnten gar nicht anders, als zu Boogie und Rock’n Roll mit Midlife Special das Tanzbein zu schwingen!

Anschließend hatten wir dann doch ein kleines Päuschen nötig – der Strandpauli bot sich herrlich dafür an. Strandfeeling mit aufgeschüttetem Sand direkt an der Elbe. Cocktails, Sonne, Urlaubsmusik – und im Hintergrund immer die vielen Schiffe. Stundenlang könnte man es dort aushalten… wenn es nicht noch sooo viel mehr zu tun und zu sehen gäbe.

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Die Alster muss unbedingt umrundet werden – je nach dem, wie gut man zu Fuss ist, entweder nur die Binnenalster oder auch die Außenalster. Das Rathaus liegt gleich am Weg, wenn man vom Hafen rauf marschiert, ebenso die Ruinen der Nikolai-Kirche sowie das Chilehaus im Kontorviertel. Einen Blick von oben auf die Stadt sollte man sich natürlich auch gönnen – und was würde sich dafür besser eignen, als „der Michel“? Sportler erklimmen ihn zu Fuss – für alle anderen gibt es einen Lift (kostet dasselbe, man entscheide selbst, was man wolle…)  Und gleich angrenzend findet sich ein entzückendes kleines „Gässchen“, an dem man ja beinahe vorbeilaufen würde: die Krameramtsstuben. Alte Fachwerkhäuser mit kleinen Geschäften, so alt und sooo schief – und sooo schön!

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Wenn man viel Zeit hat und etwas von der Umgebung auch sehen möchte, empfiehlt sich ein Ausflug zum Willkomm Höft, kurz vor den Toren der Stadt. Dort wird jedes einfahrende Schiff begrüßt und über Lautsprecher erhält man Informationen, woher es kommt und was es geladen hat. Auf der Terrasse des Schulauers Fährhaus kann man gemütlich Kaffee trinken, während man den Nationalhymnen der Schiffe lauscht, die gerade ankommen, diese werden dort für jedes Schiff über Lautsprecher gespielt.

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Je nach Jahreszeit bietet sich eventuell die Möglichkeit, den Hamburger Dom, ein Volksfest, das 3 x jährlich im Frühling, Sommer und Winter für 4 Wochen stattfindet oder den Hafengeburtstag am ersten Maiwochenende zu besuchen. Unbedingt, und das geht natürlich zu jeder Jahreszeit, sollte man jedoch den Besuch eines Musicals einplanen, denn davon gibt es unzählige. Egal ob „Cats“, „Starlight Express“ oder zuletzt „Liebe stirbt nie“, ich war bisher von allen begeistert. Der „König der Löwen“ ist leider noch ausständig, dafür hat man auch ein eigens das Stage Theater vis-à-vis der Landungsbrücken mit Fährshuttle erbaut. Naja, ich denke, alleine das ist ein Grund für einen 8. Besuch in dieser wunderschönen Stadt, oder?

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